Clifford Odets

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Clifford Odets 1937

Clifford Odets (* 18. Juli 1906 in Philadelphia; † 18. August 1963 in Glendale) war ein nordamerikanischer Bühnen- und Drehbuchautor und Schauspieler. Der bekennende Kommunist zählte zu den erfolgreichsten und einflussreichsten US-Dramatikern der 1930er Jahre. Aus seinen Stücken sprach die rebellierende Straße, wenn auch auf poetische Weise, dabei zuweilen metaphorisch überfrachtet. Die Charaktere und ihre Überzeugungen waren ihm wichtiger als die Handlung. Oft gelobt wird sein trefflicher Einsatz von Umgangssprache, das Jiddische eingeschlossen. Weniger rühmlich war die Rolle, die Odets um 1952 spielte, als er, wie so viele linke Kunstschaffende, vor den McCarthy-Ausschuss zitiert wurde. Anschließend verloren seine Arbeiten merklich an Biss. Daher das Bonmot seines Kollegen George S. Kaufman: „Odets, wo ist dein Stachel geblieben?“

Leben[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend und erste Erfolge[Bearbeiten]

Odets wuchs in einer aus Osteuropa eingewanderten jüdischen Familie auf. Sein Vater hatte es zu einem erfolgreichen Geschäftsmann gebracht. Der empfindsame Sohn jedoch brach mit 17 Jahren die High School ab, um Schauspieler zu werden. 1931 schloss sich Odets dem New Yorker Group Theatre an, für das er auch seine ersten Stücke Waiting for Lefty, Awake and Sing und Till the Day I Die verfasste. Schon mit Lefty, das einen Taxifahrerstreik auf die Bühne bringt, erregte er Aufsehen. Bei diesem durch Rückblenden bereicherten Einakter bezog Odets den Zuschauerraum mit ein. Im Gegensatz zu Brecht wollte er nicht das kritisch distanzierte, vielmehr das betroffene Publikum. In der Tat stimmte es bei den ersten Aufführungen in die Sprechchöre der Schauspieler ein.[1] 1934 trat Odets in die Kommunistische Partei ein. Den Durchbruch als Dramatiker hatte er 1937 mit Golden Boy, einem Stück, das es auf 250 Aufführungen brachte und 1939 mit Barbara Stanwyck und William Holden verfilmt wurde. Alle diese Stücke setzten sich mit den verheerenden Folgen der Großen Depression auseinander. Auch andere Stücke Odets wurden später noch verfilmt: Vor dem neuen Tag, das 1952 von Fritz Lang erneut mit Stanwyck und Robert Ryan sowie der jungen Marilyn Monroe inszeniert wurde, sowie The Country Girl. Diese Verfilmung von 1954 brachte Grace Kelly, die an der Seite von Bing Crosby und Willam Holden die Titelrolle spielte, den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein.

Arbeit in Hollywood[Bearbeiten]

Clifford Odets arbeitete auch in Hollywood, wo er unter anderem 1936 das Drehbuch für den Film Der General starb im Morgengrauen verfasste. 1944 übernahm er die Regie von None But the Lonely Heart, in dem Cary Grant als heruntergekommener Kleinkrimineller verzweifelt versucht, sein Leben zu ändern. Ethel Barrymore gewann für ihre Darstellung von Grants sterbender Mutter den Oscar als beste Nebendarstellerin. 1946 war Odets am Drehbuch von Humoreske beteiligt, in dem Joan Crawford als Dame der Gesellschaft, die aufgrund der unglücklichen Liebe zu einem jungen Mann Selbstmord begeht, eine ihrer intensivsten Rollen hatte. Das heute noch am meisten bekannte Drehbuch verfasste er 1957 für den Film Sweet Smell of Success, in dem er einen besorgten Blick auf die Manipulationen von Tatsachen durch die Presse warf und Tony Curtis und Burt Lancaster in den Hauptrollen einsetzte. Bei dem Gerichtsfilm Sensation auf Seite 1 übernahm er ein zweites und letztes Mal die Regie eines Films.

Zeit der Schurken[Bearbeiten]

Der Dramatiker Arthur Miller befasst sich in seinen Erinnerungen[2] unter anderem mit Odets, der ihn nicht unwesentlich beeinflusste. Neben Odets Bedeutung als Rebell und Neuerer auf dem Theater[3] geht Miller auch auf dessen fragwürdiges Verhalten in der McCarthy-Ära ein.[4] Miller schildert Odets als widersprüchlichen, ehrgeizigen, eitlen, ja im Grunde größenwahnsinnigen, aber stets aufrichtigen und nie gehässigen Mann. Freilich hatte er seine Illusionen. Hinsichtlich der kommunistischen Glaubenssätze, die er so vehement verkündete, habe es Odet selber an Gewissheit gemangelt; er sei im Grunde ein „amerikanischer Romantiker“ gewesen. Was Wunder, wenn er den Verlockungen des Ruhmes unterlag. Er verkannte den Anpassungsdruck in Hollywood, wo er einen Haufen Geld mit harmlosen Drehbüchern scheffelte. Als er dann 1952 vor den McCarthy-Ausschuss zitiert wurde, fehlte ihm der Mut, die geforderte „Zusammenarbeit“ mit den Hexenjägern (im Gegensatz zu Miller und beispielsweise Lillian Hellmans Gefährten Dashiell Hammett) zu verweigern. Sein Auftritt sei zwiespältig gewesen. Mal habe er das Verfahren kritisiert, doch „ohne auch nur seinen empörten Ton zu ändern, verriet er im nächsten Moment die Namen von Leuten, von denen er wußte, daß sie in der Partei gewesen waren.“ Allerdings habe er das später bedauert.[5]

In den Erinnerungen seiner Kollegin Lillian Hellman kommt Odets in dieser Hinsicht noch schlechter weg. „Odets, der einen Tag vor mir vor dem Ausschuß erscheinen mußte, entschuldigte sich für seine alten Überzeugungen und bezeichnete viele seiner alten Freunde als Kommunisten.“[6]

Privatleben[Bearbeiten]

In seiner Hollywood-Zeit hatte Odets die Schauspielerin Luise Rainer getroffen, mit der er von 1937 bis 1940 verheiratet war. Eine zweite Ehe ging er später mit der Schauspielerin Bette Grayson ein. Daneben unterhielt er Liebesbeziehungen zu etlichen anderen Frauen, darunter die Schauspielerinnen Frances Farmer und Fay Wray. Mit dem französischen Filmregisseur Jean Renoir war er befreundet.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Drehbuch
Literarische Vorlage

Literatur[Bearbeiten]

  • Harold Clurman: The Fervent Years: The Story of the Croup Theatre and the Thirties, New York 1945.
  • Joseph Mersand: The American Drama Since 1930, New York 1949, S. 61–90.
  • R. B. Shuman: Clifford Odets, New York 1962.
  • E. Murray: Clifford Odets: The Thirties and After, New York 1968.
  • Margaret Brenman-Gibson: Clifford Odets. American Playwright. The Years from 1906 to 1940. Atheneum, New York NY 1981.
  • Jürgen Gross: Protest und Prophetie. Die frühen Dramen von Clifford Odets, Frankfurt/Main 1985.
  • Gerald Weales: Odets, the playwright, London 1985.
  • Gabriel Miller: Clifford Odets, New York 1989.
  • Christopher J. Herr: Clifford Odets and American Political Theatre, Greenwood Pub Group, 2003.
  • Vidya Dass: Clifford Odets in the Depression Era, in: The Indien Review of World Literature in English, 2. Jahrgang, Nr. 2, Januar 2006.

Weitere Quellen, auch zu einzelnen Stücken, führt Kindlers Neues Literaturlexikon an.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kindlers Neues Literaturlexikon, Ausgabe München 1988.
  2. Zeitkurven. Ein Leben. Frankfurt/Main 1989 (Originalausgabe New York 1987).
  3. Zeitkurven, besonders S. 299–307.
  4. Zeitkurven, besonders S. 310–320.
  5. Zeitkurven. S. 533.
  6. Lillian Hellman: Die Zeit der Schurken. Frankfurt/Main 1979 (amerikanische Originalausgabe 1976), S. 33.