Barbara Stanwyck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Barbara Stanwyck (* 16. Juli 1907 in Brooklyn, New York City, New York; † 20. Januar 1990 in Santa Monica, Kalifornien; eigentlich Ruby Catherine Stevens) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Bei einer Umfrage des American Film Institutes aus dem Jahr 1999 wurde sie auf Platz 11 der größten weiblichen Filmstars gewählt.[1]

Leben[Bearbeiten]

Barbara Stanwyck wurde als Ruby Stevens als fünftes Kind eines schottisch-irischen Ehepaares in Brooklyn geboren. Im Alter von vier Jahren verlor sie ihre Mutter, als diese von einem Betrunkenen aus der Straßenbahn gestoßen wurde. Die Mutter erlitt tödliche Kopfverletzungen. Nach der Beerdigung der Mutter verließ der Vater die Familie und Barbara wuchs nun in Kinderheimen auf. Sie begann ihre Laufbahn als Revuetänzerin. Zur Schauspielerin wurde sie, als ihr Part als Tänzerin in dem Drama The Noose zu einer dramatischen Rolle umgeschrieben wurde. Kurze Zeit danach nahm sie den Künstlernamen Barbara Stanwyck an, nachdem sie auf einem Theaterplakat die Ankündigung „Barbara Fritchie in Jane Stanwyck“ gelesen hatte. Nach ihrem ersten Filmauftritt 1927 in Broadway Nights heiratete sie 1928 den Komiker Frank Fay. Das Paar adoptierte einen Jungen, der nach der Scheidung 1933 bei Stanwyck blieb.

Als Filmschauspielerin schaffte Barbara Stanwyck 1930 den Durchbruch als Star durch ihre Rolle in Ladies of Leisure unter der Regie von Frank Capra. Der Film erzählt eine dramatische Liebesgeschichte und Stanwyck begeisterte die Kritiker durch ihre Mischung aus Verletzlichkeit und Härte. Unmittelbar danach hatte sie einen großen finanziellen Erfolg mit dem Film Illicit, den sie für Warner Brothers drehte. Das Studio kündigte sie auf den Plakaten als Miss Barbara Stanwyck an, eine Ehre, die sonst nur Mr. George Arliss und Mr. John Barrymore zustand. Sie unterschrieb im Laufe des gleichen Jahres nicht-exklusive Verträge mit Warner Brothers und mit Columbia, wo sie mit Frank Capra die Film The Miracle Woman, Forbidden und The Bitter Tea of General Yen drehte. Stanwyck wurde während der Weltwirtschaftskrise neben Sylvia Sidney eine der Heldinnen für die Arbeiterklasse. In Filmen wie The Purchase Price, Night Nurse und vor allem Baby Face spielte sie Frauen, die in der Lage waren, trotz widrigster Umstände ihre soziale Lage zu verbessern. Sie hatte dabei ein viel raueres und robusteres Image als bspw. Constance Bennett und Joan Crawford, mit der sie privat zeitlebens befreundet war oder Ann Harding und anderen Darstellerinnen, die in diesen Tagen ebenfalls zu Ruhm kamen. Gegen Mitte der Dekade fiel es der Schauspielerin zunehmend schwer, anspruchsvolle Rollen zu finden. Erst nachdem Ruth Chatterton sich 1937 aus der Produktion von Stella Dallas zurückzog und Barbara Stanwyck deren Rolle übernahm, gelang ihr ein Comeback. Sie wurde für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, verlor aber gegen Luise Rainer. Ihre Romanze mit Robert Taylor, den sie später auch heiratete, tat ihrer neuerwachten Popularität keinen Abbruch. Mit dem finanziellen Erfolg von Always Goodbye, der Neuverfilmung von Gallant Lady mit Ann Harding aus dem Jahr 1934, konnte Stanwyck ihren Status als Star konsolidieren.

Den Gipfel ihrer Popularität erreichte Stanwyck, die von ihren Freunden „Missy“ (Fräuleinchen) genannt wurde, Mitte der 1940er Jahre. Zu Beginn des Jahrzehnts stand sie unter der Regie von Frank Capra in dem Film Hier ist John Doe mit Gary Cooper vor der Kamera. Sie übernahm die Rolle, nachdem Jean Arthur nicht verfügbar war. Eine von Stanwycks bekanntesten Rollen war die in der Komödie Die Falschspielerin, in der sie unter der Regie von Preston Sturges neben Henry Fonda auftrat. Im Jahr 1944 war Barbara Stanwyck nach den Angaben des Nationalen Schatzamtes die höchstbezahlte Frau der USA, noch vor Deanna Durbin und Bette Davis mit einem Jahreseinkommen von mehr als 400.000 Dollar. Im selben Jahr drehte sie unter der Regie von Billy Wilder den Film-Noir-Klassiker Frau ohne Gewissen. Der Film war bei Kritik und Publikum ein großer Erfolg. In der Folgezeit spielte Barbara Stanwyck immer wieder gewissenlose Frauen wie in Die seltsame Liebe der Martha Ivers mit Kirk Douglas und Van Heflin oder in Strafsache Thelma Jordon. Nach ihren eigenen Angaben war jedoch der Film My Reputation, der 1944 gedreht wurde, jedoch erst 1946 in den Verleih kam, ihr persönlicher Lieblingsfilm. In ihm wurden die Probleme einer Kriegswitwe mit zwei Kindern thematisiert. Eine für sie untypisch passive Rolle hatte sie 1948 in Du lebst noch 105 Minuten als Partnerin von Burt Lancaster als Mordopfer. Für diese Rolle wurde sie erneut für einen Oscar nominiert.

1950 drehte sie einen ihrer besten Filme, Entgleist, der sie unter der Regie von Mitchell Leisen in einer typischen Joan-Crawford-Rolle zeigte: Eine Frau nimmt nach einem Zugunglück eine falsche Identität an, erlebt glückliche Stunden in einer neuen Familie und wird am Ende von ihrem ehemaligen Liebhaber erpresst. In den 1950er Jahren drehte Barbara Stanwyck unter anderem den Thriller Sekunden der Angst und wirkte in dem Katastrophenfilm Untergang der Titanic mit. Den Rest des Jahrzehnts verbrachte sie vorwiegend als Heldin zahlloser Western im Sattel, so u.a. in Vierzig Gewehre. Zu ihren besseren Rollen dieser Zeit gehörten zwei Auftritte in Filmen von Douglas Sirk: All I Desire und There's Always Tomorrow sowie in Executive Suite, einem Film mit einer All-Star Cast über die Nachfolgeregelung in einem erfolgreichen Unternehmen. Zu den wenigen Auftritten im Kino aus der Zeit nach 1957 zählt das Musical König der heißen Rhythmen mit Elvis Presley. In dem Drama Auf glühendem Pflaster verkörperte sie in dezenter Art die lesbische Inhaberin eines Bordells.

Nach zunächst sporadischen Fernsehaufgaben führte sie 1961 bis 1962 durch die The Barbara Stanwyck Show, die jedoch aufgrund niedriger Einschaltquoten rasch wieder eingestellt wurde. Stanwyck erhielt 1961 für ihre Mitwirkung ihren ersten Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Serie. Nach nur noch wenigen Filmrollen endete ihre Filmkarriere 1964 nach dem Gruselfilm Er kam nur nachts. Die Schauspielerin begann 1965 eine zweite Karriere im Fernsehen in der Westernserie Big Valley, die bis 1969 lief und ihr 1968 den zweiten Emmy einbrachte. Ab Mitte der 1970er Jahre zog sie sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen zunehmend ins Privatleben zurück. Ihre letzte bedeutsame Rolle spielte sie 1983 in der für das Fernsehen gedrehten Romanverfilmung Die Dornenvögel mit Richard Chamberlain. Für die Darstellung einer energischen Millionärin wurde Stanwyck mit ihrem dritten Emmy und einen Golden Globe ausgezeichnet. Bei ihrer Dankesrede bekannte die Schauspielerin ganz offen, dass der Preis eigentlich Ann-Margret für ihre Darstellung in Was wird nur aus den Kindern? zugesprochen gehöre. 1985 war sie ein weiteres Mal im Fernsehen, in der Fernsehserie Das Imperium – Die Colbys, einem Spin-Off von Der Denver-Clan, zu sehen. Sie spielte in der ersten Staffel, trat danach jedoch von ihrem Vertrag zurück und bekannte später, dass diese Produktion das Schlechteste gewesen sei, bei dem sie jemals mitgewirkt hätte.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar/Beste Hauptdarstellerin
Emmy
  • 1961: Emmy in der Kategorie Outstanding Performance by an Actress in a Series (Lead) – The Barbara Stanwyck Show
  • 1966: Emmy in der Kategorie Outstanding Continued Performance by an Actress in a Leading Role in a Dramatic Series – The Big Valley
  • 1967: Nominierung in der Kategorie Outstanding Continued Performance by an Actress in a Leading Role in a Dramatic Series – The Big Valley
  • 1968: Nominierung in der Kategorie Outstanding Continued Performance by an Actress in a Leading Role in a Dramatic Series – The Big Valley
  • 1983: Emmy in der Kategorie Outstanding Lead Actress in a Limited Series or a Special – Die Dornenvögel
Golden Globe
Weitere Ehrungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Homer Dickens: The films of Barbara Stanwyck. Citadel Press, Secaucus, N.J. 1984, ISBN 0-8065-0932-5.
  • Albert J. DiOrio: Barbara Stanwyck. Coward-McCann, New York 1983, ISBN 0-698-11247-4.
  • Jerry Vermilye: Barbara Stanwyck. Ihre Filme, ihr Leben. Heyne, München 1988, ISBN 3-453-02833-3.
  • Jane E. Wayne: Stanwyck. Robson Books, London 1985, ISBN 0-86051-405-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barbara Stanwyck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergl. hier AFI recognizes the 50 greatest american screen legends