Dölzschen

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51.02513.6875Koordinaten: 51° 1′ 30″ N, 13° 41′ 15″ O

Dölzschen
Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden
Höhe: 140–265 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Juli 1945
Postleitzahl: 01187
Vorwahl: 0351
Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Meißen Altfranken Altstadt I Altstadt II Blasewitz Borsberg Brabschütz Briesnitz Bühlau Coschütz Cossebaude Cotta Cunnersdorf Dobritz Dölzschen Dresdner Heide Eschdorf Friedrichstadt Gönnsdorf Gomlitz Gompitz Gorbitz Gostritz Großluga Kleinluga Großzschachwitz Gruna Helfenberg Hellerau Gittersee Hellerberge Hosterwitz Kaditz Kaitz Kauscha Kemnitz Kleinpestitz Kleinzschachwitz Klotzsche Krieschendorf Langebrück Laubegast Lausa Leuben Leubnitz-Neuostra Leuteritz Leutewitz Lockwitz Löbtau Loschwitz Malschendorf Marsdorf Merbitz Meußlitz Mickten Mobschatz Mockritz Naußlitz Neustadt Nickern Obergohlis Niedergohlis Niederpoyritz Niedersedlitz Niederwartha Oberpoyritz Oberwartha Ockerwitz Omsewitz Pappritz Pennrich Pieschen Pillnitz Plauen Podemus Prohlis Räcknitz Reick Reitzendorf Rennersdorf Rochwitz Roitzsch Rossendorf Roßthal Schönborn Schönfeld Schullwitz Seidnitz Söbrigen Sporbitz Steinbach Stetzsch Strehlen Striesen Tolkewitz Torna Trachau Trachenberge Übigau Unkersdorf Wachwitz Weißer Hirsch Weißig Weixdorf Wilschdorf Wölfnitz Zaschendorf Zöllmen Zschertnitz ZschierenKarte
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Lage der Gemarkung Dölzschen in Dresden

Dölzschen ist ein Ortsteil der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Er hat 2.100 Einwohner und wird vom Ortsamt Cotta verwaltet.

Geographie[Bearbeiten]

Der Stadtteil Dölzschen liegt nahe der westlichen Stadtgrenze teilweise im Weißeritz-Tal (auch Plauenscher Grund genannt) und hauptsächlich auf den Höhen westlich der Elbe, angrenzend an die Stadtteile Plauen, Naußlitz, Löbtau und Roßthal. Im Westen grenzt er an die Fluren von Freital und dessen Stadtteil Pesterwitz. Dölzschen gehört zum statistischen Stadtteil Naußlitz, innerhalb dessen der Ortsteil den statistischen Bezirk 945 Dölzschen bildet. Der Stadtteil ist höhenmäßig stark gegliedert. Industrieansiedlungen sind im Weißeritztal entstanden (Niederdölzschen), die Wohngebiete entwickelten sich um den alten Dorfkern (Altdölzschen), an den Hängen des Plauenschen Grundes und am Hang zwischen dem angrenzenden Stadtteil Löbtau und Altdölzschen (Hohendölzschen). Bis an die westliche Stadtgrenze Dresden reicht ein noch im Bau befindliches Wohngebiet.

Geschichte[Bearbeiten]

Töltzschen um 1759
Altdölzschen

Archäologische Funde belegen eine steinzeitliche und bronzezeitliche Besiedlung der Dölzschener Höhen. Das aus einer slawischen Siedlung hervorgegangene Dorf wird als Deltsan 1144 in einer Urkunde König Konrad III. als Besitzung des Domstifts Meißen erstmals genannt. Eine legendäre Burganlage Thorun, die man zwischen Dölzschen und Pesterwitz vermutet, wird 1206 erwähnt. Bis nach 1559 blieb das Dorf Meißen zugehörig, später wird eine Familie von Nimptsch als Grundbesitzer genannt. Auf einer historischen Karte der Umgebung Dresdens von 1759 heißt der Ort Töltzschen. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert sind um Dölzschen mehrere Bergwerke nachweisbar, die überwiegend im Plauenschen Grund unterhalb des Dorfes angelegt wurden und wenig ertragreich waren. 1794 wurde im Weißeritztal unmittelbar an der Grenze zur Nachbargemeinde Döhlen ein Eisenhammerwerk gegründet.

1813 wurde Dölzschen während des Angriffs der Verbündeten gegen das französisch besetzte Dresden weitgehend zerstört, nur ein Gehöft überstand die Kämpfe. Mit dem Wiederaufbau begann auch die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie im Plauenschen Grund: eine Brauerei, Steinbrüche, Steinschlagwerke und eine Mühle mit Brotfabrik. Mit der Anlage der Steinbrüche verschwanden die Weinberge des Plauenschen Grundes.

Der 1794 angelegte Eisenhammer wurde 1827 von Carl Friedrich August Dathe von Burgk erworben, der das Werk in den nächsten Jahren umfangreich modernisierte und ausbaute. 1842 wurde hier der erste sächsische Koks-Hochofen angeblasen. Nach einem Besuch des sächsischen Königs Friedrich August II. firmierte das Werk ab 1846 unter der Bezeichnung Freiherrlich von Burgksche König-Friedrich-August-Hütte. Das Werk entwickelte sich zu einem der wichtigsten Industriebetriebe im Plauenschen Grund.

Eine Schule bekam Dölzschen schon 1840, ein größeres Schulhaus wurde 1897/98 gebaut, die heutige 81. Grundschule. Seit 2013 wird das denkmalgeschützte Gebäude grundlegend saniert und um Anbauten erweitert. Es erhielt eine barockisierende Turmhaube auf dem vorhandenen Uhrturm und rokoko-barocco Fassadenschmuck. An das Schulgebäude wurde eine moderne Sporthalle angefügt.

1889 hat man eine sehr steile Straße als Verbindung des Plauenschen Grundes mit Altdölzschen, die heutige Serpentinstraße, gebaut. Nach 1900 wuchsen die Wohngebiete allmählich die Hänge hinauf. 1923 wurden die Nachbargemeinde Roßthal, zu der auch die ehemalige Gutsarbeitersiedlung Neunimptsch gehörte, zu Dölzschen eingemeindet, mit der Eingemeindung Dölzschens in die Stadt Dresden im Jahr 1945 ist dieser Vorgang hinfällig geworden. Bei den Luftangriffen 1945 entstanden in Dölzschen nur geringe Schäden. Die Industrieansiedlungen im Plauenschen Grund verloren nach dem Krieg zunehmend an Bedeutung, nur ein Nachfolgebetrieb der ehemaligen "König-Friedrich-August-Hütte" ist heute noch in Betrieb.

Der Stadtteil Dölzschen wird von Wohnsiedlungen mit Villen, Einfamilien- und Reihenhäusern dominiert und ist von Grüngebieten umgeben. An den dörflichen Ursprung erinnert der alte Dorfkern (Altdölzschen) und die Felder im Stadtteil und in der nahen Umgebung, hinzu kommen mehrere Kleingartenanlagen, Felder, Parks und eine Freibadanlage.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Blick auf die Hänge Dölzschens mit Weißeritztalbrücke und Begerburg

Die wirtschaftliche Bedeutung Dölzschens ist heute gering, nur das Eisenhammerwerk Dölzschen und landwirtschaftliche Betriebe sind noch nennenswert. Die Einwohner arbeiten größtenteils in den benachbarten Städten Dresden und Freital.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Stadtteil ist durch die DVB-Buslinie 62 an die Stadt angeschlossen, diese hat in Altdölzschen ihre Endhaltestelle („Dölzschen“). In 15 Minuten erreicht man das Zentrum Dresdens. Die Buslinie verkehrt über die wichtigen Innenstadthaltestellen der Straßenbahn „Prager Straße“ und „Pirnaischer Platz“ bis in die Johannstadt und zum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

Eine Besonderheit ist die Bundesautobahn 17, die Dölzschen in dem 1.070 m langen Dölzschener Tunnel unterquert, auf einer Tunnel-Brücken-Konstruktion den Plauenschen Grund überwindet und in einem weiteren Tunnel, dem 2.350 m langen Coschützer Tunnel weitergeführt wird. Dölzschener Autofahrer erreichen in wenigen Minuten die nächstgelegene Auffahrt der BAB 17 in Dresden-Gorbitz.

Grabstein Victor Klemperers in Dresden-Dölzschen

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kapelle auf dem Friedhof in Dölzschen
Die Begerburg in Dölzschen über dem Plauenschen Grund

Der „Naturheilverein Dresden-Löbtau und Umgegend“ wurde 1870 gegründet und legte in Dölzschen ein Licht- und Luftbad an, das später um ein Wasserbecken erweitert wurde. Heute in einer parkähnlichen sehr gepflegten Anlage gelegen wird dieses Freikörperkultur-Bad gern von Dresdnern besucht. Ein besonderer Aussichtspunkt ist das sogenannte Kanapee, ein Felsvorsprung über dem Plauenschen Grund, auf dem heute die Begerburg oberhalb der Autobahnbrücke der BAB 17 steht. Sie wurde zu einem Wahrzeichen Dölzschens. Von dort kann man weite Teile des Plauenschen Grundes einsehen. Der Dölzschener Gutsbesitzer Beger ließ nach 1852 anstelle mehrerer Vorgängerbauten (u.a. Carlsburg von 1742) im neogotischen Stil eine Villa errichten. An der Villa vorbei führt ein steiler Fußweg durch die früheren Weinberge hinab ins Weißeritztal. Wegen der direkt unter der Begerburg beginnenden Sprengungen beim Autobahnbau ab Oktober 2000 musste die Villa aufwendig gesichert werden, 1997 war es dort zu einem gewaltigen Felssturz gekommen.

Auf dem 1923 eingeweihten Friedhof Dölzschen ruht unter anderem der Sprach- und Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, der bis 1960 viele Jahre in Dölzschen gelebt hat (Haus Klemperer). In der kleinen Friedhofskapelle finden ab und zu Konzerte statt.

siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Dölzschen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Gottlieb Beger, Gutsbesitzer, Erbauer der Begerburg
  • Robert Weber (1849-1924), Schuldirektor, Reformpädagoge
  • Alfred Darre (1890-1945), Bürgermeister
  • Victor Klemperer, Romanist, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller
  • Balduin Thieme (Pseud. Peter Uhu) (1910-1996), Journalist, Dichter, Schriftsteller
  • Wolfgang Stumph, Kabarettist, Schauspieler

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Luftbad Dölzschen (FKK-Bad)
  • 81. Grundschule mit Hort
  • Sportplatz der SG Dölzschen 1928

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Dölzschen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 24. Heft: Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 37.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dölzschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien