Weißer Hirsch

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51.06388888888913.821388888889Koordinaten: 51° 3′ 50″ N, 13° 49′ 17″ O

Weißer Hirsch
Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden
Höhe: 195–250 m ü. NN
Eingemeindung: 1. April 1921
Postleitzahl: 01324
Vorwahl: 0351
Landkreis Bautzen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Landkreis Meißen Altfranken Altstadt I Altstadt II Blasewitz Borsberg Brabschütz Briesnitz Bühlau Coschütz Cossebaude Cotta Cunnersdorf Dobritz Dölzschen Dresdner Heide Eschdorf Friedrichstadt Gönnsdorf Gomlitz Gompitz Gorbitz Gostritz Großluga Kleinluga Großzschachwitz Gruna Helfenberg Hellerau Gittersee Hellerberge Hosterwitz Kaditz Kaitz Kauscha Kemnitz Kleinpestitz Kleinzschachwitz Klotzsche Krieschendorf Langebrück Laubegast Lausa Leuben Leubnitz-Neuostra Leuteritz Leutewitz Lockwitz Löbtau Loschwitz Malschendorf Marsdorf Merbitz Meußlitz Mickten Mobschatz Mockritz Naußlitz Neustadt Nickern Obergohlis Niedergohlis Niederpoyritz Niedersedlitz Niederwartha Oberpoyritz Oberwartha Ockerwitz Omsewitz Pappritz Pennrich Pieschen Pillnitz Plauen Podemus Prohlis Räcknitz Reick Reitzendorf Rennersdorf Rochwitz Roitzsch Rossendorf Roßthal Schönborn Schönfeld Schullwitz Seidnitz Söbrigen Sporbitz Steinbach Stetzsch Strehlen Striesen Tolkewitz Torna Trachau Trachenberge Übigau Unkersdorf Wachwitz Weißer Hirsch Weißig Weixdorf Wilschdorf Wölfnitz Zaschendorf Zöllmen Zschertnitz ZschierenKarte
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Lage der Gemarkung Weißer Hirsch in Dresden

Der Weiße Hirsch ist einer der reinen Villenstadtteile von Dresden. Er liegt im Osten der Stadt und gehört zum statistischen Stadtteil Bühlau/Weißer Hirsch und mit diesem zum Ortsamtsbereich Loschwitz.

Lage[Bearbeiten]

Der Weiße Hirsch erstreckt sich westlich bis zur Mordgrundbrücke zwischen Bautzner Landstraße und Dresdner Heide, nordöstlich bis zum Nachtflügelweg in der Heide und südlich bis zur Collenbuschstraße und dem oberen Rißweg. Obwohl der südliche Teil des Villenviertels zwischen Luisenhof und ehemaligem Ardenne-Institut sowie das Villenviertel Am Weißen Adler im Sprachgebrauch noch als zum Weißen Hirsch gehörend bezeichnet werden, zählen sie verwaltungstechnisch schon zum Stadtteil Loschwitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom Gasthaus zur Guts- und Landgemeinde[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde das Gebiet des heutigen Weißen Hirschs im Zusammenhang mit den Mönchen des Altendresdner Augustinerklosters, die 1420 vom späteren Kurfürst Friedrich I. ein Stück Wald zum Holzschlagen erhielten. Es lag südlich der heutigen Bautzner Landstraße. Noch heute trägt ein Teil des Ortes den Namen „Mönchsholz“.

Bautzner Landstraße auf dem Weißen Hirsch mit dem zweiten Gasthof Weißer Hirsch (l.) gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Oberküchenmeister Georg Ernst von Dölau erwarb 1664 an der alten Bautzner Poststraße ein Weinbergsgrundstück, auf dem er ein Winzerhaus erbaute. Die Gast- und Schankprivilegien erhielt er jedoch nicht.[1] Im Jahr 1685 kaufte der kurfürstliche Kapellmeister Christoph Bernhard den Weinberg und errichtete in dem Winzerhaus eine Schänke, die 1688 das Schankrecht erhielt. Sie wurde nach ihrer Lage nahe der Heide „Zum Weißen Hirsch“ genannt und gab schließlich dem gesamten Stadtteil seinen Namen. Der wirtschaftlich erfolgreichen Schänke wurde im Jahr 1726 der Status „kanzleischriftsässiges Gut“ verliehen, verbunden mit einigen Privilegien.

Das Gut wechselte die Besitzer und Pächter und wurde unter Oberlandweinmeister Heinrich Roos erneuert. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich um das Gut eine kleine Gemeinde von Obst- und Gemüsebauern, die auch als Winzer tätig wurden. Die Truppendurchmärsche gen Osten während des Siebenjährigen Krieges in der Mitte des 18. Jahrhunderts setzten der Gemeinde zu, doch die Lage an der Verbindungsstraße bewirkte, dass das Überleben des Gutes nie ernsthaft in Frage gestellt war. Im Jahr 1838 wurde der Weiße Hirsch in eine freie Landgemeinde umgewandelt.

Der Dresdner Vorort wurde wie auch die anderen Dörfer am Ufer der Elbe zunehmend von den Städtern als Ausflugsziel und später verstärkt als Daueraufenthalt für den gesamten Sommer aufgesucht. Im Jahr 1867 errichtete Theodor Lehnert im Nordwesten der Ortsflur Weißer Hirsch am Waldrand ein luxuriöses Bad für kränkelnde Menschen, das er nach seiner Tochter Frida „Fridabad“ nannte. Die Gäste verbanden ihre Sommerfrische nun gern mit einer Badekur – der Grundstein für die Entwicklung des Ortes zum Kurort war gelegt.

Die Entwicklung zum Kur- und Villenort[Bearbeiten]

Heinrich Lahmann prägte die Entwicklung des Weißen Hirschs hin zum Kurort

Der Seifenfabrikant Ludwig Küntzelmann kaufte 1872 das alte Gut „Weißer Hirsch“ und teilte die Gutsfelder in Parzellen auf, auf denen „eine Colonie der Villen und Sommerfrischen“ entstand. Die ihm genehmigte Bauordnung „verbot gewerbliche Anlagen mit Dampfmaschinenbetrieb sowie alle rauch- und lärmbelästigenden Einrichtungen.“[2] Zudem durften die Gebäude nur im Villenstil und maximal dreigeschossig errichtet werden. Zwischen einzelnen Gebäude war ein Mindestabstand vorgeschrieben. Auf Künzelmanns Gesuch an das Innenministerium erhielt der Weiße Hirsch im Jahr 1875 den Namenszusatz „klimatischer Kurort“. Mithilfe des 1876 gegründeten „Verschönerungsvereins Weißer Hirsch/Oberloschwitz“ wurden Bäume gepflanzt, Wege angelegt, Ruhebänke aufgestellt und ein Kinderspielplatz angelegt. Bis zum Jahr 1882 entstand so mit dem Waldpark eine Stütze des Kurbetriebs.

Die weitere Entwicklung des Weißen Hirschs hin zu einem Kurort von europäischem Rang wurde wesentlich durch den Arzt Heinrich Lahmann geprägt. Er pachtete 1887 das in Konkurs gegangene Fridabad und eröffnete es im Folgejahr als „Dr. Lahmanns physiatrisches Sanatorium“ neu. Lahmann baute seine Behandlungen auf damals neuen, modernen Naturheilverfahren auf und forschte selbst auf diesem Gebiet. Er mietete 15 Villen in der nahen Umgebung des Sanatoriums, die als Gästeunterkunft dienten. Innerhalb weniger Jahre hatte Lahmanns Sanatorium Weltruhm erreicht und wurde jährlich von bis zu 7000 wohlhabenden Patienten aufgesucht. Lahmanns Vorbild folgten weitere Mediziner wie Heinrich Teuscher und Max Steinkühler, die auf dem Weißen Hirsch eigene Privatsanatorien errichteten.[3]

Mit dem Bau zahlreicher Villen und der Ansiedlung vieler Geschäfte und Cafés entwickelte sich der Ort zunehmend zu einer gehobenen Wohngegend und wurde wie das angrenzende Loschwitz ein bevorzugter Wohnort von Wissenschaftlern, Künstlern, Fabrikanten und hohen Beamten. Ab 1897 war der Weiße Hirsch eine eigenständige Kirchgemeinde, im Jahr 1898 wurde der Waldfriedhof angelegt. Im Jahr 1899 wurde der Weiße Hirsch mit der Linie WaldschlößchenBühlau an das Dresdner Straßenbahnnetz angebunden. Der Erste Weltkrieg führte zu einem vorläufigen Ende des Kurortes Weißer Hirsch. In Lahmanns Sanatorium wurde 1914 ein Lazarett eingerichtet und erst 1919 wieder aufgelöst.

Der Weiße Hirsch von 1918 bis 1933[Bearbeiten]

Die Degele-Quelle

Am 7. Januar 1921 wurde der Weiße Hirsch nach Dresden zwangseingemeindet und erhielt die Bezeichnung „Kurort Weißer Hirsch-Dresden“. Der Kurbetrieb war bis 1919 fast zum Erliegen gekommen. Die Nachkriegszeit und Inflation erschwerten die Wiederaufnahme der alten Traditionen und Gepflogenheiten. Der zunehmende Verkehr auf der Verbindungsstraße nach Bautzen wurde zum Problem und auch das Natur- und Lebensgefühl der Städter war nicht mehr in demselben Maße vorhanden. Man suchte nach neuen Anreizen und fand sie zunächst im Heilwasser. Bereits 1884 hatte man die auf der Ortsflur liegende Degele-Quelle und die Schwesternquelle erschlossen und als Oster- und Trinkwasser genutzt. Erste Probebohrungen und Untersuchungen in der Dresdner Heide fielen positiv aus, doch die 1926 gegründete Moorbad AG ging bankrott, da nicht genügend Aktionäre gefunden wurden, um die Pläne zu verwirklichen. Es blieb das Wasser der Weiße Hirsch – Heilquelle, das ab August 1928 auf dem Konzertplatz in einem Trinkhäuschen gereicht wurde. Im Jahr 1930 wurde das Luft- und Schwimmbad in Bühlau fertiggestellt und 1932 der Golfplatz in der Dresdner Heide erstmals bespielt. Der Kurbetrieb erlebte einen neuen Aufschwung und es waren nun überwiegend Künstler, die es auf den Weißen Hirsch zog.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Katholische Hubertuskirche, 1937 errichtet

Nach dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze ließ der Besuch ausländischer Kurgäste stark nach. Wie überall gab es starke Einschränkungen für jüdische Kurgäste. Sie durften nur in jüdischen Pensionen wohnen, waren von Veranstaltungen sowie der Nutzung von Luftbad und Lesehalle ausgeschlossen. Schilder mit der Aufschrift „Juden unerwünscht” nahmen zu.

Ende Januar 1938 fand im Gasthof „Weißer Adler“, bis dahin bekannt für exklusive Tanzveranstaltungen, eine Massenkundgebung mit über 2000 Funktionären und Mitgliedern der NSDAP zur „umfassenden Abrechnung mit dem Judentum“ statt. Gleichzeitig wurden Maßnahmen bekannt gegeben, die der Vertreibung der jüdischen Kurgäste vom Weißen Hirsch dienten. Ziel war es, das „Bad zu einer durch hebräische Anmaßung nicht mehr gestörten Erholungsstätte“ zu machen. Der Landesfremdenverkehrsverband gab Maßnahmen bekannt, die der Vertreibung jüdischer Kurgäste vom Weißen Hirsch dienten. Nach dem 9. November 1938 verloren sich die Spuren jüdischer Pensionsbesitzer, und an der Mordgrundbrücke verkündete ein Schild: „Der Weiße Hirsch ist judenfrei”.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs kam der Kurbetrieb erneut zum Erliegen. Wie schon während des Ersten Weltkrieges wurden die Sanatorien auch ab 1940 vorwiegend als Lazarette genutzt, nach der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 auch als Auffanglager und Versorgungsstelle für Flüchtlinge.

Der Weiße Hirsch von 1945 bis heute[Bearbeiten]

Ardenne-Institut, 1955 bis 1990, Zeppelinstraße 7.

Ein Sanatoriumsbetrieb war nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr möglich. Im Jahr 1945 wurden viele Villenbesitzer enteignet und die Villen in Volkseigentum überführt und als Wohnraum für Ausgebombte und Heimatvertriebene zur Verfügung gestellt. Die großen Wohnungen in den Villen und ehemaligen Pensionen wurden dabei oftmals mit 4 bis 5 Mietparteien belegt. Das Lahmannsche Sanatorium war bis zum Abzug der russischen Streitkräfte aus Deutschland 1993 Lazarett der Sowjetarmee, in anderen Sanatorien und Villen waren Kinderheime oder Lehrlingswohnheime untergebracht. Da die Häuser Volkseigentum und die Mieten dementsprechend niedrig waren, war für die Instandhaltung der anfänglich noch intakten Bauten weder Geld noch Material vorhanden. Die Bautzner Landstraße entwickelte sich mit den Jahren zu einer stark frequentierten Fernverkehrsstraße. Was dem Weißen Hirsch blieb, war die Lage am Rand der Dresdner Heide und die gleichzeitige Stadtnähe. Seine Anziehungskraft hatte er nicht verloren: Viele Künstler und Kulturschaffende, Wissenschaftler, Ärzte aber auch verdiente Staats- und Kulturfunktionäre nahmen bevorzugt in den großbürgerlichen Villen ihren Wohn- oder Alterssitz.

Im Jahr 1955 gründete der Naturwissenschaftler und Forscher Manfred von Ardenne sein Forschungsinstitut Manfred von Ardenne auf dem Weißen Hirsch. Zu dem international renommierten Institut gehörte auch eine Klinik. Es war die einzige private Forschungseinrichtung und einer der größten privatwirtschaftlichen Arbeitgeber in der DDR. Das Institut existierte bis zum Jahr 1990. Für das Institut waren etwa 500 Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure und Mitarbeiter tätig. Die überwiegend anwendungsorientierte Forschung konzentrierte sich vor allem auf die Nutzung von Elektronen- und Ionenstrahlung für wissenschaftliche und technische Zwecke, die Vakuumbedampfung, die Elektronenmikroskopie und andere Bereiche der Biomedizintechnik. Etwa ab der Mitte der 1960er Jahre bildete die Behandlung von Krebserkrankungen den Schwerpunkt der Forschung. Zu den bekanntesten Ergebnissen der Arbeit des Instituts zählten die Eigenentwicklung einer Herz-Lungen-Maschine sowie die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie bei Krebs. Aus dem Institut entstanden nach 1990 die Firmen Von Ardenne Anlagentechnik GmbH und Von Ardenne Institut für Angewandte Medizinische Forschung GmbH. Darüber hinaus geht auch das Dresdner Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik auf Arbeitsgruppen des ehemaligen Ardenne-Instituts zurück. Auf dem einstigen Institutsgelände befindet sich heute eine kleine Volkssternwarte, die Sternwarte Manfred von Ardenne.[4]

Die politische Wende und die Deutsche Wiedervereinigung brachten einschneidende Veränderungen mit sich. Viele der alten Villen wurden ihren Alteigentümern zugesprochen und in der Folgezeit saniert. Der Weiße Hirsch entwickelte sich wieder zu einer gehobenen Wohngegend, auch wenn an den Gästebetrieb, der nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochen war, nicht wieder angeknüpft werden konnte. Auch gegenwärtig[5] sind noch einige Gebäude in ruinösem Zustand, so der Gasthof „Weißer Adler“, die Villa Schellenberg und das Lahmannsche Sanatorium mit der Villa Heinrichshof, dem früheren Wohnhaus Heinrich Lahmanns.

Bauwerke[Bearbeiten]

Kirchen und Friedhof[Bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche, 1889 eingeweiht

Der Weiße Hirsch war ursprünglich zur Frauenkirche und ab 1704 nach Loschwitz eingepfarrt. Im Jahr 1897 wurde der Weiße Hirsch eine selbstständige Kirchgemeinde.

Die Kirche stammt aus dem Jahr 1889 und wurde von Architekt Ferdinand Richard Schaeffer als Holzkirche errichtet. Der Turm wurde 1891 ergänzt, weitere Erweiterungsbauten erfolgten bis 1908. Die evangelische Kirche hat eine Jehmlich-Orgel.

Von 1937 bis 1938 erhielt der Weiße Hirsch mit der Kapelle St. Hubertus ein katholisches Gotteshaus. Es wurde von Robert Witte entworfen und am Rand der Dresdner Heide unweit des Friedhofs erbaut. Ihren Namen erhielt die Kapelle aufgrund ihrer nahen Lage zur Dresdner Heide nach dem Heiligen Hubertus, dem Patron der Jäger. Die Kapelle war bis 1954 die Außenstelle der Dresdner Franziskus-Xaverius-Gemeinde und wurde 1957 eine eigenständige katholische Pfarrei. Neben einer Jehmlich-Orgel hat die Kapelle auch ein Altarkreuz von Peter Makolies.[6]

Der Waldfriedhof Weißer Hirsch wurde 1898 geweiht, ab 1903 erfolgten erste Beerdigungen. Der terrassenförmig angelegte Friedhof ist die Ruhestätte zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten, die auf dem Weißen Hirsch gewirkt oder gewohnt haben, darunter Sänger Arno Schellenberg, Wissenschaftler Manfred von Ardenne und der Arzt Heinrich Lahmann. Zahlreiche Grabstellen stehen unter Denkmalschutz.

Wohnbauten und Villen[Bearbeiten]

Der Weiße Hirsch zählt zu den ehemaligen Villenvororten Dresdens. Im Zentrum des Weißen Hirschs, vor allem entlang der Bautzner Landstraße und davon ausgehend entlang der Collenbuschstraße bis zum Rißweg und der Stechgrundstraße entstanden Häuser in geschlossener Bauweise, die Mietwohnungen und Geschäfte aufnahmen. Abseits des Zentrums entwickelten sich Villenbebauungen, die teilweise weite Gartenanlagen hatten. Der Villenbau am Weißen Hirsch ist wesentlich durch den Architekten Max Herfurt geprägt, nach dessen Plänen ganze Viertel errichtet wurde. Typisch für seinen Baustil waren dabei historistische Bauwerke mit asymmetrischen Formen. Als beispielhaft gilt die Villa Zietz, die Herfurt bis 1912 für den Industriellen Hugo Zietz erbaute.

Weitere bedeutende Villen des Weißen Hirschs sind die Villa Maria, die Villa Eschebach und die Villa Elbblick.

Anlässlich der Internationalen Hygieneausstellung wurde 1911 von der kaiserlichen chinesischen Regierung ein chinesischer Pavillon erbaut, der nach dem Abbau der Ausstellung 1912 unweit des Rathauses Weißer Hirsch seinen endgültigen Platz fand. Das Gebäude befand sich nach einem Brand im Jahr 1997 in schlechtem Zustand und wird zurzeit saniert, unterstützend werden gelegentlich Ausstellungen organisiert.[7]

Der neurechte Publizist Felix Menzel eröffnete 2013 in einer denkmalgeschützten Mietvilla auf dem Lahmannring das Zentrum für Jugend, Identität und Kultur.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einstmals auf dem Weißen Hirsch lebende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Manfred Baron von Ardenne, Naturwissenschaftler und Forscher, gründete und leitete das Forschungsinstitut Manfred von Ardenne auf dem Weißen Hirsch; er lebte und arbeitete in der Zeppelinstraße 7
  • Frieda Fromm-Reichmann, Ärztin, Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin, Pionierin der analytisch orientierten Psychotherapie; sie war von 1920 bis 1923 in einem Sanatorium auf dem Weißen Hirsch tätig
  • Oskar Kokoschka, Maler, Grafiker und Schriftsteller, ließ sich 1917–1918 in Teuschers Sanatorium behandeln; er zog im Dezember 1919 in die Felsenburg um
  • Ludwig Küntzelmann, Industrieller, Begründer des Kurortes Weißen Hirsch; Gedenkstein an der Bautzener Landstraße/Luboldtstraße aus Bronze und Sandstein, um 1881
  • Heinrich Lahmann, Arzt, Naturheiler und Lebensreformer, gründete 1888 auf dem Weißen Hirsch Dr. Lahmanns Sanatorium
  • Martin Andersen Nexø, dänischer Schriftsteller, lebte von 1952 bis 1954 in der Collenbuschstraße
  • Friedrich Paulus, Generalfeldmarschall a. D., lebte von 1953 bis 1957 in der Preußstraße 10
  • Ludwig Renn, Schriftsteller, wohnte nach 1945 bis 1951 in der Plattleite 38
  • Arno Schellenberg, lyrischer Bariton und Gesangspädagoge, lebte nach 1945 in der Villa Turmeck, auch Haus Schellenberg genannt, Bautzner Landstraße 46
  • Johannes Heinrich Schultz, Psychiater und schulenunabhängiger Psychotherapeut, entwickelte das Autogene Training; er war von 1920 bis 1924 Chefarzt und wissenschaftlicher Leiter von Dr. Lahmanns Sanatorium
  • Heinrich Teuscher, Arzt, gründete ein Sanatorium in der Thielaustraße (später Roosstraße, heute Chopinstraße)
  • Uwe Tellkamp, Arzt und Schriftsteller, wuchs als Sohn eines Arztes in der Oskar-Pletsch-Straße 10 auf; sein Roman Der Turm spielt in einem Bildungsbürgermilieu auf dem Weißen Hirsch während der letzten sieben Jahren der DDR bis zum Mauerfall im Jahr 1989.[8][9] Seit 2009 wohnt er wieder auf dem Weißen Hirsch.
  • Hugo Zietz, Industrieller, gründete 1880 in Dresden die Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik Yenidze und ließ das Fabrikgebäude Yenidze im orientalisierenden Stil einer Moschee errichten; er lebte ab 1912 in seiner als Villa Waldhaus erbauten Villa auf dem Weißen Hirsch, Am Hochwald 1

Literatur[Bearbeiten]

  • Verschönerungsverein Weißer Hirsch, Oberloschwitz e.V. (Hrsg.): Der Weiße Hirsch: ein Lesebuch. Elbhang-Kurier-Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-936240-00-0.
  • Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e.V (Hrsg.): Naturheilkundiges Dresden: anlässlich des 12. Elbhangfestes „Kneippen, Kuren und l'Amouren“. Elbhang-Kurier-Verlag, Dresden 2002, ISBN 3-936240-04-3.
  • Gerhard Barkleit: Manfred von Ardenne. Selbstverwirklichung im Jahrhundert der Diktaturen. Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 978-3-428-12084-0
  • Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Dresden. Aktualisierte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2005, S. 229–232.
  • Folke Stimmel, Reinhardt Eigenwill et al.: Stadtlexikon Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weißer Hirsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zum Weißen Hirsch. In: Stadtlexikon Dresden, S. 470.
  2. Dehio, S. 231.
  3. Stadtlexikon Dresden, S. 247.
  4. Sternwarte „Manfred von Ardenne“
  5. Stand 2010.
  6. Jürgen Helfricht: Dresden und seine Kirchen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 110.
  7. Dr. Dagmar Lorenz: Chinesischer Pavillon zu Dresden: Ein Dach für Begegnungen. In: Goethe-Institut China. 2009, abgerufen am 20. Februar 2014.
  8. Andreas Platthaus: Zeitverschiebung: Uwe Tellkamps Dresden. Erlebnisbericht in Faz.net. Erstveröffentlicht in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Oktober 2008, Nr. 232 / Seite 40
  9. Frank Junghänel, Markus Wächter: Die Turmgesellschaft Bericht, 22. November 2008, Berliner Zeitung, abgerufen am 20. November 2011