Daddschāl

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Der Daddschāl (arabisch ‏الدّجّال‎, DMG ad-Daǧǧāl ‚der Täuscher, Betrüger, Schwindler‘) ist eine Gestalt in der islamischen Eschatologie, die vor dem „Tag der Auferstehung“ erscheinen soll. Er ist vergleichbar mit dem Antichrist und mit der jüdischen Überlieferung von Armilus.

Etymologisches[Bearbeiten]

Eigentlich tritt die Figur als al-Masih ad-daddschal (‏المسيح الدّجّال‎, al-Masīḥ ad-daǧǧāl, „falscher Messias“) in den Traditionen auf. Der Begriff geht auf den syrisch-aramäischen Begriff Meshiha Deghala / mesīḥē daggālē zurück, wie er 400 Jahre vor dem Koran im Nahen Osten gebraucht wurde, u. a. in syrischen Übersetzungen des Neuen Testaments (Mt 24,24 ELB).

Es gibt angeblich über 50 Erklärungsversuche, warum diese Figur Mesih, also Messias genannt wird.

Auftreten und Eigenschaften[Bearbeiten]

Den Überlieferungen zufolge berichtete Mohammed von insgesamt 30 Täuschern, die im Laufe der Zeit erscheinen würden und von denen der letzte der Antichrist sein werde. Der Daddschal werde zunächst in Syrien oder im Irak auftreten, einen weißen Esel reiten und von 70.000 Männern aus Isfahan begleitet werden.

Der Daddschal wird zwar nicht im Koran erwähnt, doch beschreiben seine Eigenschaften verschiedene islamische Überlieferungen, laut derer er „auf der Erde sein an einem Tag, der wie ein Jahr ist, einem Tag wie ein Monat, einen Tag wie eine Woche und den Rest der Tage, welche wie unsere Tage sind“:

  • Er wird missgebildet sein und ein blindes Auge haben.
  • Er wird die Gläubigen täuschen; er wird lehren, das Paradies sei die Hölle und umgekehrt.
  • Auf seiner Stirn werden die arabischen Buchstaben K, F und R (Kufr, ‚Unglaube‘) geschrieben stehen.
  • Er wird die Fähigkeit haben, Wunder zu bewirken, um die Muslime zu verwirren.
  • Er wird versuchen, einen Menschen auf Gottes Thron zu setzen.
  • Er wird nicht die Städte Mekka und Medina betreten können.
  • Der Mahdi wird gegen ihn im Namen des Islams kämpfen.
  • Er wird durch Isa (Jesus) getötet werden.

Verwendung des Begriffs im politischen Kontext[Bearbeiten]

Die Fatimiden, deren erster Kalif sich als Mahdi präsentiert hatte, bezeichneten jenen Feind als Daddschal, der ihr Reich in den Jahren 944 bis 946 mit seinen Ifriqiya verheerenden Kriegern fast vernichtet hätte: den auf einem Esel reitenden, charidschitischen Berberführer Abu Yazid.[1]

Im Zuge einer Annäherung von Nationalsozialismus und Muslimbruderschaft sowie der Aufstellung nazi-islamischer Truppen durch Mohammed Amin al-Husseini während des Zweiten Weltkriegs wurde im RSHA ernsthaft untersucht, ob man Adolf Hitler den Muslimen als Messias, den unmittelbaren Vorläufer des Mahdi, präsentieren soll und die Juden dementsprechend als Daddschal. Die Abt. VI C 13 unter Walter Schellenberg schrieb an Himmler, dass ihre "Forschungsstelle Orient" jetzt ein Flugblatt in Arabisch verfasst habe, an dessen Anfang und Ende in Koranversen vom Daddschal die Rede ist, dem falschen Erlöser, der vom wahren Messias getötet werden wird. Der Text ist so abgefasst, dass man den Messias im „Führer“ und die Juden im Daddschal verkörpert sieht.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Halm: Das Reich des Mahdi, München 1991, S. 273
  2. Jeffrey Herf, Nazi propaganda in the Arab world, Yale UP, New Haven 2009, S. 198 ff.; er nennt auch die verschiedenen Beteiligten (auch Anm. 14 bis 16)

Literatur[Bearbeiten]

  • Armand-Frédéric-Charles Abel: Artikel al-Dad̲j̲d̲j̲āl, in: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. 2, Brill, Leiden 1991, 76 f.
  • David Cook: Studies in Muslim Apocalyptic. The Darwin Press, Princeton, NJ 2002.

Weblinks[Bearbeiten]