Deutsche Physikalische Gesellschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V.
(DPG)
Deutsche Physikalische Gesellschaft Logo.svg
Zweck: wissenschaftliche Fachgesellschaft
Vorsitz: Edward G. Krubasik
Gründungsdatum: 14. Januar 1845
Mitgliederzahl: 62.000
Sitz: Bad Honnef
Website: www.dpg-physik.de
Geschäftsstelle in Bad Honnef

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG), deren Tradition bis in das Jahr 1845 zurückreicht, ist die älteste nationale und mit über 62.000 Mitgliedern (Stand: Juni 2012) auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Sie ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein mit Sitz in Bad Honnef.

Die DPG ist Mitglied der European Physical Society und vertritt Deutschland in der International Union of Pure and Applied Physics.

Präsident ist seit dem 16. April 2014 Edward G. Krubasik. Zuvor war Johanna Stachel Präsidentin, seit Gründung der DPG im Jahr 1845 die erste Frau an der Spitze der Fachgesellschaft.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gesellschaft ging aus dem Teilnehmerkreis des von Heinrich Gustav Magnus eingerichteten physikalischen Colloquiums hervor und wurde am 14. Januar 1845 in Berlin als Physikalische Gesellschaft zu Berlin (PGzB) gegründet. Gründungsmitglieder waren unter anderem Emil Du Bois-Reymond und Ernst Wilhelm von Brücke. Am 1. Januar 1899 ging aus ihr die Deutsche Physikalische Gesellschaft hervor. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die DPG von den Alliierten aufgelöst und bestand nur noch im Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften fort. 1963 wurde sie neu gegründet.[2] Die PGzB besteht weiter als eigenständiger Verein und Regionalverband der DPG.[3] Gemäß der Präambel zu ihrer Satzung knüpft die DPG ferner an die Tradition der 1919 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Technische Physik e. V. an.[4]

Im Anschluss an die deutsche Wiedervereinigung wurde 1990 die Physikalische Gesellschaft der DDR in die DPG integriert. Sitz der DPG ist Bad Honnef. Dort befindet sich auch die Geschäftsstelle, die seit dem Jahr 2004 vom Hauptgeschäftsführer Bernhard Nunner geleitet wird. Seit 1976 ist die DPG Träger des Physikzentrums Bad Honnef, in dem Tagungen in dichter zeitlicher Folge stattfinden. In Berlin-Mitte, im Magnus-Haus, unterhält die DPG eine Zweigstelle. Dort befindet sich auch das historische Archiv der DPG.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Logo der jDPG

Die Gesellschaft arbeitet unabhängig und mischt sich auch zu relevanten Themen in die öffentliche Debatte ein. So vertraten beispielsweise auf einem Forum der 51. Tagung der Gesellschaft am 2. April 1987 die Wissenschaftler die Ansicht, dass die von den USA geplante Strategic Defense Initiative (SDI) nicht realisierbar ist. Sie versteht sich als Vertretung der Gesamtheit der in Deutschland lebenden Physiker gegenüber der Öffentlichkeit und soll den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern und mit ausländischen Kollegen fördern.

Die DPG betreibt selbst keine physikalische Forschung, mit Kongressen fördert sie jedoch den Informationsaustausch über neueste physikalische Erkenntnisse. So treffen sich zu den traditionellen „Frühjahrstagungen der DPG“, die Jahr für Jahr über die ganze Bundesrepublik verteilt stattfinden, rund 10.000 Fachleute aus dem In- und Ausland.[5] Zu diesen Tagungen zählt regelmäßig der größte Physikkongress in Europa.

Die Nachwuchsförderung ist ein weiteres zentrales Anliegen der DPG und so sind ihre Tagungen eine Plattform insbesondere für die junge Generation: Hier können Studierende mit namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern persönlich ins Gespräch kommen. Überdies existiert innerhalb der DPG ein bundesweites Netzwerk für Physik-Studierende: die „junge DPG“ (jDPG). Ein eigenes Forum gibt es auch für die Frauen in der Physik: die „Deutsche Physikerinnentagung“, die alljährlich stattfindet.

Neben der Nachwuchsförderung bietet die DPG auch zahlreiche Aktivitäten für Physiker aus dem Umfeld der Industrie & Wirtschaft an. Diese werden vom Arbeitskreis Industrie und Wirtschaft[6] organisiert und durchgeführt. Neben der Tagungsreihe Forschung - Entwicklung - Innovation[7] werden vielerorts regionale Stammtische bzw. Industriegespräche[8] zum Erfahrungsaustausch angeboten.

Preise und Ehrungen[Bearbeiten]

Die DPG würdigt physikalische Spitzenleistungen mit Auszeichnungen von internationalem Renommee. Die beiden wichtigsten sind die „Max-Planck-Medaille für Theoretische Physik“ und die „Stern-Gerlach-Medaille für Experimentelle Physik“. Manche Auszeichnungen – wie der „Gustav-Hertz-Preis für junge Physikerinnen und Physiker“ – dienen der Nachwuchsförderung, andere – wie der Otto-Hahn-Preis – werden von der DPG in Kooperation mit Organisationen aus dem In- und Ausland verliehen. Mit der „Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik“ ehrt die DPG Persönlichkeiten, die sich besonders darum verdient gemacht haben, naturwissenschaftliche Sachverhalte in der Öffentlichkeit darzustellen. An Mitglieder, die sich in herausragender Weise für die Belange der DPG eingesetzt haben, wird eine Ehrennadel verliehen. Darüber hinaus zeichnet die DPG bundesweit Abiturienten für herausragende Physikleistungen aus. Sie unterstützt Schülerwettbewerbe wie das International Young Physicists' Tournament (IYPT), fördert innovative Schulprojekte und organisiert Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer.

Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten]

Die Mitgliederzeitschrift – das Physik Journal – berichtet über Neuigkeiten aus der Physik und der DPG. Artikel älter als drei Jahre stehen dabei als Open Access zur Verfügung. Des Weiteren gibt die DPG, gemeinsam mit dem britischen Institute of Physics, ein elektronisches Fachmagazin heraus: das New Journal of Physics. Alle Artikel dieser Open-Access-Zeitschrift können kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Die hier publizierten Artikel haben ein strenges Prüfverfahren (Peer-Review) durchlaufen. Unter dem Namen „Verhandlungen“ erscheint das Tagungsprogramm der DPG, das Jahr für Jahr die Abstracts von rund 8.000 Fachvorträgen auflistet.

Mit populärwissenschaftlichen Publikationen und öffentlichen Veranstaltungen beteiligt sich die DPG am Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Zu diesen Aktivitäten gehören auch die Highlights der Physik. Dieses jährliche Physikfestival, das die DPG gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung organisiert, zählt Jahr für Jahr rund 30.000 Besucher.[9] Damit ist es das größte seiner Art in Deutschland. Das Webportal „Welt der Physik“ wird von der DPG gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung betrieben, es richtet sich auch an Nicht-Fachleute.

Früher gab die DPG auch die Zeitschrift für Physik heraus, die heute im European Physical Journal aufgegangen ist und es gab in den Vorgängerorganisationen der heutigen DPG noch weitere Zeitschriften[10].

Vorsitzende und Präsidenten der DPG[Bearbeiten]

Porträts der Vorsitzenden und Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Zeitraum 1845 bis 1945; im Ausstellungsraum des Magnus-Hauses in Berlin
Zeitraum Name[11]
1845–1847 Gustav Karsten
1847–1878 Emil Du Bois-Reymond
1878–1895 Hermann von Helmholtz
1895–1897 Wilhelm von Bezold
1897–1899 Emil Warburg
1899–1905 Emil Warburg
1905–1906 Max Planck
1906 Paul Drude
1906–1907 Max Planck
1907–1908 Heinrich Rubens
1908–1909 Max Planck
1909–1910 Heinrich Rubens
1910–1912 Ferdinand Kurlbaum
1912–1914 Heinrich Rubens
1914–1915 Fritz Haber
1915–1916 Max Planck
1916–1918 Albert Einstein
1918–1919 Max Wien
1919–1920 Arnold Sommerfeld
1920–1922 Wilhelm Wien
1922–1924 Franz Himstedt
1924–1925 Max Wien
1925–1927 Friedrich Paschen
1927–1929 Heinrich Konen
1929–1931 Egon von Schweidler
1931–1933 Max von Laue
1933–1935 Karl Mey
1935–1937 Jonathan Zenneck
1937–1939 Peter Debye
1939–1940 Jonathan Zenneck
1940–1945 Carl Ramsauer
1950–1951 Jonathan Zenneck
1952–1953 Karl A. Wolf
1954 Richard Becker
1955 Karl A. Wolf
1956–1957 Walther Gerlach
1958–1959 Ferdinand Trendelenburg
1960–1961 Wilhelm Walcher
1962–1963 Konrad Ruthardt
1964–1965 Fritz Bopp
1966–1967 Wolfgang Finkelnburg
1968–1969 Martin Kersten
1970–1971 Karl Ganzhorn
1972–1973 Werner Buckel
1974–1975 Otto Koch
1976–1977 Hans-Joachim Queisser
1978–1979 Heinrich Welker
1980–1981 Horst Rollnik
1982–1983 Karl Joachim Schmidt-Tiedemann
1984–1986 Joachim Treusch
1986–1988 Joachim Trümper
1988–1990 Otto Gert Folberth
1990–1992 Theo Mayer-Kuckuk
1992–1994 Herwig Schopper
1994–1996 Hans G. Danielmeyer
1996–1998 Markus Schwoerer
1998–2000 Alexander M. Bradshaw
2000–2002 Dirk Basting
2002–2004 Roland Sauerbrey
2004–2006 Knut Urban
2006–2008 Eberhard Umbach
2008–2010 Gerd Litfin
2010–2012 Wolfgang Sandner
2012–2014 Johanna Stachel[12]
2014– Edward G. Krubasik

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark Walker und Dieter Hoffmann (Hg.): Physiker zwischen Autonomie und Anpassung. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft Im Dritten Reich. Wiley-VCH, Weinheim 2006, ISBN 3-527-40585-2
  • Dieter Hoffmann (Herausgeber): Gustav Magnus und sein Haus. Verlag für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik, Stuttgart 1995 (herausgegeben im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dpg-physik.de: Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft: Die neue Frau an der Spitze der DPG. Nr. 12/2012 vom 19. April 2012, Abgerufen am 10. September 2012
  2. pro-physik.de: Nachruf auf Wilhelm Walcher; Physik Journal 5 (2006) Nr. 2, S. 44-45.
  3. pgzb.tu-berlin.de: Die Physikalische Gesellschaft zu Berlin
  4. Satzung. Abgerufen am 15. Oktober 2015.
  5. Physik Journal 09/2011 S.99 ff - Jahresbericht 2010 der DPG
  6. Arbeitskreis Industrie und Wirtschaft (AIW)
  7. Forschung - Entwicklung - Innovation
  8. Industriegespräche
  9. "Festival schließt mit Besucherrekord. Mehr als 35.000 Besucher bei "Röntgen & Co."
  10. Scholarly Societies Project zu Zeitschriften der DPG
  11. Ehemalige Präsidenten auf dpg-physik.de
  12. uni-heidelberg.de: Johanna Stachel übernimmt Präsidentschaft der Deutschen Physikalischen Gesellschaft