Deutsche Werkstätten Hellerau
Die Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH ist ein mittelständisches Traditionsunternehmen in Dresden (Hellerau), das im hochwertigen, individuellen Innenausbau tätig ist und dort zu den führenden Anbietern weltweit gehört. Als eines der ersten Unternehmen mit industrieller Möbelherstellung in Deutschland wurde es durch seine modernen Reformmöbel bekannt, die Fertigung mit der Maschine und anspruchsvolles, modernes Design miteinander verbanden. Das Archiv der Deutschen Werkstätten Hellerau steht als National wertvolles Archiv unter Kulturgutschutz.
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Unternehmensgeschichte [Bearbeiten]
Die 1898 von Karl Schmidt-Hellerau (1873–1948) gegründeten Deutschen Werkstätten waren zunächst unter dem Namen „Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst Schmidt und Engelbrecht“ in Dresden-Laubegast ansässig. 1907 schloss sich die Möbeltischlerei mit den „Werkstätten für Wohnungseinrichtung München“ zu den „Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst GmbH, Dresden und München“ zusammen.
1898/1899 stellten Karl Schmidt-Hellerau und Johann Vincenz Cissarz einen Schrank mit großflächigen Schichtholzplatten her. Aus dieser Technik entstand durch Weiterentwicklungen die Sperrholzplatte. Die Deutschen Werkstätten erhielten dafür 1941 das Patent „Vergütetes Holz“.
1907 gründete Karl Schmidt-Hellerau eine gewerbliche Fachschule und Lehrwerkstätten, deren erster Leiter Joseph August Lux wurde.
Im Jahr 1909 wurde der Grundstein für das neue Fabrikgebäude im heutigen Dresden-Hellerau und damit zugleich für die Gartenstadt Hellerau gelegt. Der Umzug erfolgte 1910. Zu dem Zeitpunkt beschäftigten die Deutschen Werkstätten 450 Mitarbeiter.
Trotz der schwer zu überwindenden Weltwirtschaftskrise 1929 und der sozialistischen Planwirtschaft in der DDR blieb das Unternehmen bestehen. Ab 1967 produzierten die Werkstätten das Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW) in großen Stückzahlen. Das von Rudolf Horn entwickelte System verblieb 24 Jahre in Produktion. Ab 1970 war Hellerau das Stammwerk des VEB Möbelkombinat Hellerau, zu dem mehrere weitere Möbelunternehmen in der DDR gehörten,[1] so beispielsweise die Eschebachschen Werke in Radeberg.
1991 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und 1992 im Rahmen eines Management-Buy-in durch die Treuhandanstalt reprivatisiert. Mit 80 Mitarbeitern wagte man einen Neustart und konzentrierte sich auf hochwertigen, individuellen Innenausbau. Zunächst betätigten sich die Werkstätten vor allem im Rahmen öffentlicher Aufträge.
Heute arbeiten weltweit gut 200 Menschen für die Deutschen Werkstätten. Neben den Tochtergesellschaften im Ausland beschäftigt das Unternehmen auch Repräsentanten in England und Frankreich.
Grundgedanke der Herstellung [Bearbeiten]
Karl Schmidt verschrieb sich gezielt den Reformmöbeln, die er von bekannten Künstlern gestalten ließ. Er versuchte, mit seiner Werkstatt einen Kompromiss zwischen preisgünstiger maschineller Herstellung und geschmackvollem Design zu finden.
Produktion [Bearbeiten]
Vor dem Zweiten Weltkrieg
- Empfangssaal und Kirchenraum der kath. Gemeinde Dresden-Klotzsche in der Villa Harzer, Goethestraße 17 (1938)
- Innenausbau des Neuen Jägerhauses für den Sächsischen Jägerhof am Jagdschloss Grillenburg nach Plänen von Oswin Hempel (1939), u.a. mit Großintarsien nach Vorlagen von Max Wendl (1904-1984)
Zu Zeiten der DDR
- Industrielle Großfertigung zur Inneneinrichtung für
- Hotels
- Hochschulen
- Theater
- Individuelle Ausstattung mit hochwertiger Inneneinrichtung für
- die Meyer-Villa in Radebeul, ein „seltenes Beispiel einer DDR-Unternehmervilla“ [2]
- Die Möbel zur Wohnungseinrichtung, auch „Hellerauer Möbel“ genannt, waren sehr begehrt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung
- Innenausbau für
- das Dresdner Rathaus
- das Dresdner Landtagsgebäude
- die Neue Synagoge Dresden
- die Elbe-Raddampfer
- Luxusartikel
Soziales Engagement [Bearbeiten]
Während seiner Wanderjahre in England lernte Karl Schmidt die Idee der Gartenstadt kennen. Diese wollte er auch in Dresden, als sozialen Fortschritt und Lösungsweg der ungesunden Enge der städtischen Arbeiterwohnungen, umsetzen.
Karl Schmidt beschloss gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern, unter ihnen Friedrich Naumann, den Bau der ersten deutschen Gartenstadt. Sie sollte an den Fabrikneubau der Deutschen Werkstätten angrenzen, wozu die Gartenstadt-Gesellschaft Hellerau und die Baugenossenschaft Hellerau gegründet wurden. Im Jahr 1909 kaufte er insgesamt 140 Hektar Land von 42 Klotzscher und 31 Rähnitzer Bauern [3] für etwa 1,50 Mark pro Quadratmeter [4]. Am 9. Juni 1909, zeitgleich mit dem Bau der Deutschen Werkstätten, begann er mit dem Anlegen der Siedlungsstraße „Am Grünen Zipfel“ nach Bauplänen des Münchner Architekten Richard Riemerschmid.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- Drei Bronzemedaillen bei der Weltausstellung von 1900 in Paris
- Auszeichnungen bei den Weltausstellungen von 1904 in St. Louis und 1937 in Paris
Kulturgutschutz [Bearbeiten]
Das Archiv der Deutschen Werkstätten Hellerau, bestehend aus: „Verträge; Künstlerkorrespondenz, Originalzeichnungen, unter anderem von Richard Riemerschmidt, Heinrich Tessenow, Bruno Paul, Karl Bertsch; Aufsichtsrats- und Generalversammlungsprotokolle; Bilanzen; Geschäftsberichte; Patente; Kataloge und Prospekte; Fotos; Bilder Glasplatten; Negative und Dias“, wurde als National wertvolles Archiv unter Kulturgutschutz im Sinne der 1954 verabschiedeten Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten gestellt.[5]
Weiterführende Literatur [Bearbeiten]
- Klaus-Peter Arnold: Vom Sofakissen zum Städtebau. Die Geschichte der Deutschen Werkstätten und der Gartenstadt Hellerau. Verlag der Kunst, Dresden, Basel 1993, ISBN 3-364-00252-5.
- Reinhard Delau, Lothar Sprenger: Schmidts Erben. Die Deutschen Werkstätten Hellerau. Verlag der Kunst, Dresden 1998, ISBN 90-5705-105-2.
- Dresdner Geschichtsverein e. V.: Gartenstadt Hellerau, Der Alltag einer Utopie. Michel Sandstein Grafischer Betrieb und Verlagsgesellschaft mbH, Dresden 1997, ISBN 3-910055-42-7, ISSN 0863-2138.
- Werner Durth (Hrsg.): Entwurf zur Moderne: Hellerau. Dt. Verl. Anst., Stuttgart 1996, ISBN 3-421-03217-3.
- Clemens Galonska, Frank Elstner (Hrsg.): Gartenstadt Hellerau Palisander Verlag, Chemnitz 2007, ISBN 978-3-938305-04-1.
- Ralph Lindner, Hans-Peter-Lühr (Hrsg.): Gartenstadt Hellerau. Sandstein Verlag, Dresden 2008, ISBN 978-3-940319-30-2.
- Ruth Krieg: Deutsche Werkstätten: Betriebsgeschichte des VEB Deutsche Werkstätten Hellerau. 1989.
- Tilo Richter, Hans Christian Schink: Industriearchitektur in Dresden. Hrsg. v. Deutschen Werkbund Sachsen, Leipzig 1997. ISBN 3-378-01019-3.
- Bernd Sikora, Bertram Kober (Fotografien): Industriearchitektur in Sachsen. Erhalten durch neue Nutzung. Edition Leipzig in der Seemann Henschel GmbH & Co. KG, Leipzig 2010, ISBN 978-3-361-00654-6.
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Webpräsenz
- Umfassende Informationen zum Unternehmen
- GebäudeEnsemble Deutsche Werkstätten Hellerau
- Bericht über die Werkstätten 2007
- Die Entwicklung von Hellerau
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Deutsche Werkstätten
- ↑ Volker Helas (Bearb.), Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.), Große Kreisstadt Radebeul (Hrsg.): Stadt Radebeul (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Sachsen). SAX-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-004-3, S. 68 f.
- ↑ Anzahl der Verkäufer
- ↑ Grundstückspreis
- ↑ National wertvolle Archive in Sachsen
51.10772613.759389Koordinaten: 51° 6′ 28″ N, 13° 45′ 34″ O