Die Legende von Paul und Paula

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Filmdaten
Originaltitel Die Legende von Paul und Paula
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1973
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Heiner Carow
Drehbuch Ulrich Plenzdorf
Heiner Carow
Produktion Erich Albrecht
für DEFA
Musik Peter Gotthardt
Kamera Jürgen Brauer
Schnitt Evelyn Carow
Besetzung

Die Legende von Paul und Paula ist einer der erfolgreichsten in der DDR gedrehten Spielfilme. Er entstand im DEFA-Studio für Spielfilme, Herstellungsgruppe Babelsberg, dem heutigen Studio Babelsberg. Die Regie führte Heiner Carow nach dem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf (zugleich DEFA-Dramaturg).

Premieredatum war der 29. März 1973; einen Tag später lief der Film in Kinos an.[1]

Handlung[Bearbeiten]

Paul ist unglücklich verheiratet. Gegenüber seiner Wohnung lebt die alleinstehende Paula mit ihren beiden Kindern. Ihre Begegnung in einer Kellerbar wird zu Leidenschaft. Während Paula sich fortan im siebten Himmel wähnt, bleibt Paul distanziert, will den Schein seiner Ehe wahren und so seine Karriere schützen. Er kann die schönen Momente zwar genießen, aber die Affäre und ihre möglichen Folgen beunruhigen ihn. Erst als Paula ihren Sohn durch einen Unfall verliert und sich daraufhin von ihm distanziert, spürt er die Tiefe seiner Liebe zu ihr und kämpft um sie. Die beiden werden zum Paar. Kurz darauf wird Paula erneut schwanger. Die Ärzte sind davon überzeugt, dass Paula aus gesundheitlichen Gründen die Geburt eines dritten Kindes nicht überleben wird. Paula entscheidet sich für das Kind und stirbt bei der Geburt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Verfilmung von Heiner Carow war mit etwa drei Millionen Zuschauern ein Kassenschlager. Dabei drohte ursprünglich ein Aufführungsverbot, bis Erich Honecker persönlich entschied, den Film freizugeben, da er in „Paul und Paula“ einen Film speziell für junge Menschen sah. Die Hauptdarsteller Angelica Domröse (Paula) und Winfried Glatzeder (Paul) verkörpern den romantischen Versuch, persönliches Glück im Leben durch die Hingabe zur Liebe und die Aufgabe von missglückten Versuchen zu finden, um doch daran zu scheitern. Dies ließ metaphorische Bezüge zu, die anfangs kritisiert wurden.

Die Regisseurin Ingrid Reschke war anfänglich an den Arbeiten zum Drehbuch beteiligt.

Der Film verhalf auch den Puhdys zum endgültigen Durchbruch. Komponist Peter Gotthardt hatte die Band für die Interpretation der Filmmusik gewonnen. Die von Gotthardt komponierten Filmsongs Geh zu ihr und Wenn ein Mensch lebt gehörten neben Türen öffnen sich zur Stadt (1971) und Geh dem Wind nicht aus dem Wege (1972) zu den ersten Hits der Band. Die Texte schrieb Ulrich Plenzdorf unter Verwendung von Versen aus dem Alten Testament, speziell aus den Büchern Hohes Lied und Prediger (Kohelet). Bei beiden Liedern wurden Ähnlichkeiten zu englischsprachigen Hits festgestellt, hier Look Wot You Dun von Slade und Spicks and Specks der Bee Gees.

Im Beiheft einer nach der Wende erschienenen CD mit der Filmmusik schrieb Gotthardt, es habe ein reales Vorbild für Paul gegeben: den jungen persönlichen Referenten eines SED-Funktionärs, der „beim mysteriösen Attentat auf Werner Lamberz“ im März 1978 ums Leben kam.

Am Erfolg von „Die Legende von Paul und Paula“ hat der Szenenbildner Harry Leupold wesentlichen Anteil. So erzeugte er eine poetische Stimmung, die gleichermaßen von Realität und Fiktion durchdrungen zu sein scheint, während der Fahrt auf dem bemalten Spreekahn in der Rummelsburger Bucht in Berlin mit Angelika Domröse und Winfried Glatzeder.

Die Bühnenfassung von „Paul und Paula“ wurde 1979 vor der Premiere abgesetzt.

Auf der Grundlage des erfolgreichen Drehbuches veröffentlichte Plenzdorf 1979 den Roman Die Legende vom Glück ohne Ende, der neben dem Inhalt des Films eine Fortsetzung des Stoffes beinhaltet: Nach Paulas Tod trifft Paul Laura, die Paula zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie hilft ihm, seine Depression zu überwinden, aber glücklich werden die beiden nicht.

Ludger Vollmer komponierte die Oper „Paul und Paula oder die Legende vom Glück ohne Ende“ nach der Buchvorlage. Sie endet nicht mit dem Tode Paulas, sondern nimmt auch Bezug auf den zweiten Teil des Buches. Die Uraufführung des Werkes fand 2004 am Theater Nordhausen statt. In den Titelpartien waren Bariton Thomas Kohl als Paul und Mezzosopranistin Anja Daniela Wagner als Paula/Laura zu sehen.

Innerhalb der Retrospektive Rebel with a Cause: The Cinema of East Germany im Museum of Modern Art wurde 2005 Die Legende von Paul und Paula in New York gezeigt.

Sonstiges[Bearbeiten]

An der Wand von Paulas Schlafzimmer hängt ein Druck des Gemäldes Kind mit Taube (1901) von Pablo Picasso.

Paul-und-Paula-Kult[Bearbeiten]

Das Paul-und-Paula-Ufer vor der Urbanisierung 2011

Nachdem die beiden Hauptdarsteller Anfang der 1980er Jahre in den Westen gegangen waren, wurde der Film im DDR-Fernsehen nicht mehr gezeigt. Es war üblich, prominente Republikflüchtige auf diese Weise aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verbannen. Gelegentlich war der Film aber noch in Programmkinos zu sehen. 1993, zum 20. Jahrestag, wurde „Die Legende von Paul und Paula“ in Anwesenheit der Hauptdarsteller und der Puhdys noch einmal „uraufgeführt“ und kam anschließend erneut in die Kinos. In Ostdeutschland lief der Film sehr erfolgreich und wurde zum Kultfilm. „Paul und Paula“ war auch der Startschuss zur ersten Ostalgie-Welle in den neunziger Jahren. Ein Abschnitt des Uferwegs am Rummelsburger See in Berlin – dort wurde die Szene mit dem Frachtkahn gedreht – trägt seit 1998 den Namen „Paul-und-Paula-Ufer“. Für Verliebte stand dort bis 2012 eine „Paul-und-Paula-Bank“, bevor das Ufer mit Stahlspundwänden befestigt und der Weg breitflächig asphaltiert wurde. In dem 1998 gedrehten Film Sonnenallee von Leander Haußmann steht an einem Wohnungsklingelschild „Paul und Paula“. Micha, die Hauptfigur von Sonnenallee, trifft auf der Treppe Winfried Glatzeder, der hinter dieser Tür verschwindet. Das im Herbst 2008 erschienene Album Die Suche geht weiter des Berliner Duos Rosenstolz beginnt mit dem Titel Ich bin mein Haus, dessen Intro aus dem Film Die Legende von Paul und Paula entnommen wurde.

Kritiken[Bearbeiten]

„Eben diese Bedingungslosigkeit der Gefühle macht, zusammen mit einer gleichermaßen realistisch-drastischen wie phantasievollen Beschreibung der Wirklichkeit, das Besondere an diesem Film aus. ... Er scheut sich auch nicht vor dem Abrutschen in den Kitsch; aber er besitzt eine dramatische Kraft, die den übrigen ‚Alltagsfilmen‘ der DEFA total ermangelt.“

Ulrich Gregor: Geschichte des Films[2]

„Ein erfrischend unterhaltsamer und offener Film, der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale Alltagsrealität mischt und mit Spaß, Ironie und Ernst künstlerisch entfaltet. Der schauspielerisch beachtliche Film macht durch seine grotesken Übersteigerungen deutlich, dass den Menschen auch in der realsozialistischen Gesellschaft das Glück nicht von vornherein in die Wiege gelegt wird. Sowohl das emotionale als auch das kritische Potential des Films, nicht zuletzt sein Plädoyer für Individualität und die Kraft der Träume, sorgten in der DDR für einen anhaltenden Publikumserfolg.“

film-dienst

„Der Film ist lausig; traurig als Symptom einer Frustration, deren Wunschtraum noch Mief produziert.“

Max Frisch: Aus dem Berliner Tagebuch[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Plenzdorf: Die Legende von Paul & Paula. Filmerzählung. 18. Auflage, Suhrkamp-Taschenbuch 173, Frankfurt am Main 2007 (Erstausgabe: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin (Ost) 1974), ISBN 978-3-518-36673-8 (Drehbuchfassung, weicht ab vom Roman).
  • Ulrich Plenzdorf: Legende vom Glück ohne Ende. 11. Auflage, Suhrkamp Taschenbuch 722, Frankfurt am Main 2005 (Erstausgabe: Hinstorff, Rostock 1979, ISBN 978-3-518-37222-7 (enthält Die Legende von Paul und Paula sowie die Fortsetzung Die Legende vom Glück ohne Ende)).
  • Winfried Glatzeder, Manuela Runge: Paul und ich. Autobiographie. Aufbau, Berlin 2008. ISBN 978-3-351-02665-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.defa.de Filmdatenbank der DEFA-Stiftung
  2. Ulrich Gregor: Geschichte des Films, 1968, ISBN 3-570-00816-9
  3. Max Frisch:Aus dem Berliner Tagebuch, 2014, S. 145, ISBN 978-3-518-42352-3