Progress Film-Verleih

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo des Progress Film-Verleih

Der Progress Film-Verleih war der Monopolfilmverleih der DDR mit Sitz in Berlin und zählt zu den ältesten Filmverleihern Deutschlands. Seine Geschäftsbereiche bestehen aus dem Filmverleih für Deutschland, Österreich und die Schweiz, den Lizenzen und Vertrieb/Internationaler Verleih sowie einem Film-Ausschnittdienst national und international.

Geschichte[Bearbeiten]

Progress-Programmheft bei der Premiere des Films „Unzertrennliche Freunde“ im Leipziger Kino Capitol am 12. Dezember 1953

1950 – im selben Jahr, in dem sich in West-Berlin auf Initiative des amerikanischen Filmoffiziers Oscar Martay zum ersten Mal der Gründungsausschuss der Berlinale traf – gründete sich in Ost-Berlin die Progress Film-Vertrieb GmbH unter deutsch-sowjetischer Leitung.

Zum deutschen Direktor wurde Rudolf Bernstein, zum sowjetischen Direktor G. N. Nikolajew ernannt. Vorgänger war der sowjetische Verleihbetrieb „Sovexportfilm“, der ab 1948 mit dem neu gegründeten DEFA-Filmvertrieb zusammenarbeitete. Tatsächlich fand die Zusammenlegung dieser beiden Vertriebe unter dem Dach „Progress“ am 13. Juli 1950 statt, aus pragmatischen Gründen gilt als offizieller Gründungstag jedoch der 1. August 1950.

Als Logo fungierte ein großes Filmstreifen-P in einem Kreis. Der Monopolverleih garantierte die Übernahme aller produzierten DEFA-Filme zu einem Fixpreis. Nikolajew wurde später zum Leiter des Lenfilm-Studios ernannt. Der Firmensitz war in der Jägerstraße 32 (Berlin-Mitte), im Gebäude des DEFA-Studios für Wochenschau und Dokumentarfilme.

Seit Gründung der Progress Film-Vertrieb GmbH firmierte sie unter verschiedenen Namen. Nachdem am 1. Juli 1955 Sovexport als Gesellschafter ausschied, wurde der Progress Film-Vertrieb in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Der Progress Film-Vertrieb wurde schließlich zum Progress Film-Verleih und bleibt dies auch über die Zeit der Privatisierung. 1997 übergab die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) den Progress Film-Verleih in die Hände der Tellux Beteiligungsgesellschaft mbH, einer Mehrheitsbeteiligung einiger süddeutscher Bistümer, die mit Wirkung zum 1. Januar 2001 alleiniger Anteilseigner der Progress Film-Verleih GmbH wurde. Geschäftsführer der Progress Film-Verleih GmbH ist Gerhard Sieber.

Progress ist einer der großen Repertoire-Filmverleiher Deutschlands. Zu seinem Bestand zählt das vollständige DEFA-Filmerbe (z. B. Die Mörder sind unter uns, Die Legende von Paul und Paula, Spur der Steine, Jakob der Lügner, die DEFA-Indianerfilme mit Gojko Mitić), osteuropäische Filmkunstklassiker (wie Panzerkreuzer Potemkin, Solaris, Stalker), ausgezeichnete Kinderfilme sowie Dokumentarfilme (u. a. Die Kinder von Golzow), Periodika und Wochenschauen zur Zeitgeschichte (Der Augenzeuge) ebenso wie aktuelle Arthouse-Filme (wie die Volker Schlöndorff Filme Der neunte Tag und Strajk – Die Heldin von Danzig). Insgesamt umfasst das Repertoire mehr als 6000 Filme aus neun Jahrzehnten.

2010 stiftete Progress anlässlich des 60. Unternehmensjubiläums den PAULA-Preis. Er wird an Filmschaffende vergeben, die ihre Karriere bei der DEFA begonnen und sich heute um den gesamtdeutschen Film verdient gemacht haben. Die sogenannte PAULA steht als Preis sowohl für die Bedeutung des deutschen Filmerbes als auch zukunftsweisend für die Stärkung des deutschen Filmschaffens. Die PAULA ist eine vollständig aus Bronze gegossene Frauenskulptur, entworfen von dem Künstler und Filmschaffenden Jürgen Böttcher. Bisherige Preisträger sind Katrin Sass (2010), Katharina Thalbach (2011), Henry Hübchen (2012), Michael Gwisdek (2013) und Corinna Harfouch (2014).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]