Kohelet

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Ketuvim, ‏כְתוּבִים‎ (Schriften)
der Hebräischen Bibel
Sifrei Emet
Die fünf Megillot
Übrige Bücher
Lehr- bzw. Weisheitsbücher
des Alten Testaments

Namen nach dem ÖVBE. Pseudepigraphen
der Septuaginta sind kursiv gesetzt.

Das Buch Kohelet (Koh; hebräisch קהלת „Versammler, Gemeindeleiter“), Prediger (Salomos) oder Ekklesiastes (Ἐκκλησιαστής in der Septuaginta und Liber Ecclesiastes in der Vulgata) ist eine Schrift der Bibel. Im Tanach wird der Text unter den Ketuvim „Schriften“ geführt, im Alten Testament unter den Büchern der Weisheit. Es handelt sich um eine Sammlung von Weisheitssprüchen, praktischen Lebensratschlägen und Warnungen vor falscher Lebensweise.

Titel und Autorschaft[Bearbeiten]

Ecclesiastes (Phantasieporträt von Gustave Doré aus dem 19. Jh.)

Das hebräische Wort, das als Kohelet transliteriert wird, kann als „Sammler“ (abgeleitet von קהל) von Sprüchen oder auch als „Versammler“ von Menschen verstanden werden. Letzteres meint offenbar der griechische Titel, der aber natürlich seinerseits nicht mehr als eine Spekulation über die Bedeutung des ursprünglichen hebräischen Titels ist. Im Buch selbst wird der Begriff mehrfach wie ein Eigenname verwandt, sei es für den Verfasser des Buches, sei es für eine Gestalt, von der berichtet wird. So lautet auch die Überschrift „Worte Kohelets, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem“ (1,1).

Traditionell wurde das Werk dem König Salomo (vermutlich 10. Jhd. v. Chr.) zugeschrieben, der unter Davids Söhnen allein als Autor literarischer Werke genannt ist. Außerdem sagt die Gestalt, die im Buch als „Ich“ spricht, von sich, auch sie sei in Jerusalem König über Israel gewesen (1,12). Damit schien nur Salomo in Frage zu kommen, der wegen seiner Weisheit berühmt war, und dem man auch andere Werke der biblischen Weisheitsliteratur zugeschrieben hat, das Buch der Weisheit, das Buch Ijob und das Buch der Sprichwörter sowie einige Psalmen. Die im Deutschen bekannteste Form hat Luther mit dem Titel „Der Prediger Salomo“ geschaffen.

Sicher ist der Text aber erst nach dem Exil entstanden, vermutlich in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts vor Christus, beeinflusst vielleicht von der griechischen Populär-Philosophie, ohne dass das im Einzelnen nachzuweisen wäre. Diese Datierung wird gestützt durch die Beobachtung, dass Lehnwörter aus dem Aramäischen und Persischen auftreten. Die ältesten identifizierten Zitate oder Übernahmen aus dem Buch finden sich im Buch Jesus Sirach, das auf die Zeit etwa 180 v. Chr. datiert werden kann.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Buch ist über weite Passagen von tiefem Pessimismus oder fast Nihilismus geprägt. Der Autor fungiert in den beiden ersten Kapiteln als Prototyp des nach Weisheit suchenden Menschen, der an die Grenzen seiner Weisheit stößt. Alle irdischen Genüsse führen letztlich nur zur Leere. Die Nichtigkeit allen Seins wird durch das Leitwort „Windhauch“ (הבל steht sonst für „Hauch“, „Dampf“ oder „Atem“ – siehe auch die Figur Abel) gekennzeichnet, das im Text insgesamt 38 mal metaphorisch verwandt wird und ihn in 1,2 und 12,8 rahmt. Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch (1,2 EU). Das Wort ist schon immer im Sinn von „Vergänglichkeit“, „Flüchtigkeit“, „Unbeständigkeit“, „Vergeblichkeit“ aufgefasst worden - zusammengefasst im Begriff der vanitas, die in der Übersetzung der Vulgata, entsprechend dem hebräischen Urtext, zu dem tautologischen vanitas vanitatum et omnia vanitas gesteigert ist.

Das Werk bereitet den Exegeten weiterhin große Probleme. Nicht nur sein Aufbau ist umstritten, sondern selbst über seine Einheitlichkeit ist man geteilter Meinung. Im Zentrum steht jedenfalls die Frage nach dem menschlichen Glück, aber während eine Richtung der Forschung eine tief pessimistische Grundhaltung herausarbeitet, bis hin zum Nihilismus und einer „Philosophie des Absurden“, wird von anderen die Überwindung dieser Geisteshaltung betont. Die das Buch umspannende Aussage muss im Zusammenhang mit Kohelets Absicht verstanden werden, eine sinnvolle Lebensführung zu finden. Gleichzeitig ist es notwendig, das Buch als Teil der Weisheitsliteratur seiner Zeit zu sehen. Kohelet kommt zu der Erkenntnis, dass der Tod letztendlich jede Errungenschaft des Lebens auslösche. Daher empfiehlt er, das Leben zu nutzen, und jeden Tag als einzigartig zu genießen, da die Zukunft ungewiss sei. Diese Einstellung ist weniger pessimistisch, sie hat Anklänge an die Lehren der Epikureer.

Kohelet ist das Buch des Alten Testaments mit den stärksten Affinitäten zur Philosophie. Mit seinem philosophisch orientierten Denkansatz bildet es innerhalb der alttestamentlichen Theologie einen Kontrapunkt gegenüber einer einseitig offenbarungspositivistisch orientierten Theologie. Kohelet weist zudem sämtliche Theologien zurück, die das menschliche Glück ins Jenseits verlegen: Keine Entwertung des Diesseits zu Gunsten des Jenseits.

Aphorismen[Bearbeiten]

Illustration von Kohelet 10, 8: Wer eine Grube machet, wird selbst darein fallen; und wer den Zaun zerreisset, den wird eine Schlange stechen., Holzschnitt von 1751

Das Buch Kohelet besteht in weiten Passagen aus persönlichen oder autobiographischen Betrachtungen, stilistisch weitgehend in den Formen von Aphorismen oder Maximen.

  • Es gibt nichts Neues unter der Sonne (1,9 EU)
  • Alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind (1,14 EU)
  • Alles hat seine Stunde (3,1-8 EU)
  • Da pries ich die Toten, die schon gestorben sind ... (4,2 EU)
  • Zweisamkeit ist besser als Einsamkeit (4,9-11 EU)
  • Besser ein guter Name als Parfüm – und der Tag eines Todes als der Tag einer Geburt; (7,1 EU)
  • Sei nicht zu fromm, und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! (7,16 EU)
  • Die Weisheit macht den Weisen stärker als zehn Gewaltige, die in der Stadt sind (7,19 EU)
  • Bitterer als der Tod ist das Weib (7,26 EU)
  • Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe (9,4 EU)
  • Nütze das Leben, denn im Totenreich kannst du nichts mehr machen (9,7-10 EU)
  • Wer eine Grube gräbt, kann hinein fallen (10,8 EU)
  • Freue dich in deiner Jugend, aber Gott wird am Ende richten (11,9 EU)
  • Des Büchermachens ist kein Ende (12,12 EU)

Kanonisierung[Bearbeiten]

Das Buch Kohelet gilt Juden und Christen gleichermaßen als inspirierte Offenbarung Gottes, die angemessenerweise Teil des biblischen Kanons ist. Es findet sich eine Reihe von Übereinstimmungen mit anderen alttestamentlichen Werken:

  • Der Mensch wird als dualistisches Wesen (materieller Körper und gottgegebener Geist) verstanden (Kohelet 3,20-21 und 12,7 wie auch im 1. Mo 2,7 und 7,22 sowie Jesaja 42,5).
  • Der Mensch wird als perfekt geschaffenes, dann aber aus eigenem Willen gefallenes Wesen angesehen (Kohelet 7,29 wie auch in 1. Mo 1, 31 und 3,17 sowie 5. Mo 32,4-5).
  • Die Sicht vom Tod wird gleichfalls mit dem übrigen Alten Testament geteilt (Kohelet 9,5 und 10 wie auch in 1. Mo 3,19, Psalm 6,5 und 115,17).

Gottesdienstliche Verwendung[Bearbeiten]

Das Buch Kohelet gehört in der jüdischen Leseordnung zu den fünf Megillot, den Festrollen, die an besonderen Festen des jüdischen Kalenders gelesen werden. Kohelet wird an Sukkot, dem Laubhüttenfest gelesen (das gilt zumindest für das aschkenasische Judentum, bei den Sephardim und den Chassidim wird das Buch Kohelet häufig nicht gelesen), wohl deshalb, weil an Sukkot König Salomo den Tempel in Jerusalem eingeweiht hat.

In der Leseordnung der katholischen Kirche wird am 18. Sonntag im Lesejahr C und am Donnerstag, Freitag und Samstag in der 25. Woche (Lesereihe II) aus dem Buch Kohelet gelesen.

Die evangelische Perikopenordnung weist den Abschnitt 3,1-14 dem 24. Sonntag nach Trinitatis als Lesung aus dem Alten Testament zu.

Für Trauungen wird oft der Abschnitt 4,9-12 EU. verwendet, für Beerdigungen 3,1-8.

Adaptionen[Bearbeiten]

In dem Lied Turn! Turn! Turn! adaptierte Pete Seeger 3,1-8 EU.

In dem Liederzyklus Vier ernste Gesänge adaptierte Johannes Brahms 4,1-4 EU.

Oliver Stone stellte seinem Film Platoon den ersten Halbsatz von 11,9 EU als Leitspruch voran (Englisch „Rejoice O young man in thy youth ...“ - Ecclesiastes).

Das Lied „Wenn ein Mensch lebt“ der bekannten Ostrockgruppe Die Puhdys nimmt Bezug auf Kapitel 3,EU EU. Dabei diente die Textfassung der Luther-Übersetzung als Grundlage: Prediger 3, 1: „Ein jegliches hat seine Zeit“, 3, 2: „Geboren werden (im Liedtext: leben) und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist“, 3, 5: „Steine zerstreuen und Steine sammeln“, 3, 8: „Streit und Friede“.

Bernd Alois Zimmermanns Kompositionen Omnia tempus habent (1957) und Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne – Ekklesiastische Aktion aus dem Jahr 1970 basieren auf dem Buch Kohelet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Krüger: Kohelet (Prediger) (= Biblischer Kommentar Altes Testament 19, Sonderband). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2000, ISBN 3-7887-1783-1.
  • Diethelm Michel: Qohelet (= Erträge der Forschung 258). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-08317-2.
  • Ludger Schwienhorst-Schönberger: Kohelet (= Herders theologischer Kommentar zum Alten Testament). Übersetzt und ausgelegt. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2004, ISBN 3-451-26829-9.

Weblinks[Bearbeiten]