Andreas Scheuer

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Andreas Scheuer (2014)
Andreas Scheuer bei einer Rede im Januar 2014

Andreas Franz Scheuer (* 26. September 1974 in Passau) ist ein deutscher Politiker (CSU). Er war im Kabinett Merkel II von 2009 bis 2013 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seit dem 15. Dezember 2013 ist er Generalsekretär der CSU.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Schule und Studium[Bearbeiten]

Nach dem Abitur 1994 am Gymnasium Leopoldinum in Passau absolvierte Scheuer ein Lehramtsstudium an der Universität Passau, das er 1998 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Realschulen beendete. Ein anschließendes Magisterstudium mit dem Hauptfach Politikwissenschaft und den Nebenfächern Soziologie und Wirtschaftswissenschaft schloss er 2001 ab.

PhDr.[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 wurde ihm an der Karls-Universität Prag für die unter Aufsicht von Rudolf Kučera erstellte Arbeit Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns der kleine Doktorgrad PhDr. (Doktor der Philosophie; tschechisch: doktor filozofie) verliehen. Da dieser Grad nicht mit dem deutschen Doktorgrad äquivalent ist, darf ihn Scheuer in Deutschland (außer auf dem Gebiet der Bundesländer Bayern und Berlin) sowie im Internet nicht als Dr. führen.[1][2][3][4]

Mitte Januar 2014 wurden gegen Scheuer Plagiatsvorwürfe erhoben. In seiner Arbeit zur Erlangung des PhDr. soll er eine längere Textpassage der Bundeszentrale für politische Bildung weitgehend übernommen haben, ohne dies kenntlich zu machen.[5][6] Nach der Berichterstattung über diese Unstimmigkeiten kündigte Scheuer an, vom Führen des Doktorgrades (sowohl „PhDr.“ als auch „Dr.“) abzusehen.[7][8][9][10]

Die Karls-Universität gab am 21. Januar 2014 bekannt, in der Arbeit bei einer Plagiatsprüfung mittels Software keine verdächtigen Stellen gefunden zu haben.[11] Anfang Oktober 2014 wies die Ethik-Kommission der Prager Universität die Plagiatsvorwürfe zurück. Scheuer habe laut weiterer Untersuchungen der Universität zwar drei Textpassagen ohne die notwendige Kennzeichnung übernommen, dies stelle jedoch keine systematische Täuschungsabsicht dar: „Im Kontext der gesamten Arbeit betrachtet die Kommission diese Abschnitte jedoch eher als eine Zusammenfassung und nicht als schwerwiegenden Verstoß gegen Ethik-Regeln.“ Scheuer teilte in diesem Zusammenhang mit, dass er weiterhin auf das Führen des PhDr. und Dr. verzichten werde.[12][13]

Privates[Bearbeiten]

Andreas Scheuer ist verheiratet und hat ein Kind.

Partei[Bearbeiten]

Scheuer trat 1994 in die Junge Union (JU) und die CSU ein. Er war von 1997 bis 2003 Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Passau-Stadt und gehörte von 2001 bis 2007 dem Landesvorstand der JU-Bayern an. Von Dezember 2003 bis Juli 2007 war Scheuer Vorsitzender des JU-Bezirksverbandes Niederbayern. Er ist stellvertretender Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Passau-Stadt und gehört seit 2001 dem CSU-Bezirksvorstand Niederbayern an.

Am 15. Dezember 2013 wurde Scheuer vom Parteivorstand einstimmig zum neuen Generalsekretär der CSU gewählt.[14] Seit März 2014 ist er auch Vertreter seiner Partei im ZDF-Fernsehrat.[15]

Abgeordneter[Bearbeiten]

Andreas Scheuer ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zog 2002 über die Landesliste Bayern sowie 2005, 2009 und 2013 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Passau in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er 58,5 %, 2009 46,5 % und 2013 59,8 % der Erststimmen.[16]

Seit 2002 gehört er dem Stadtrat von Passau an.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns. Books on Demand, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2441-9.
  • Menschenwürde in den neueren Dokumenten der deutschen Bischofskonferenz. Passau, 1998. Passau, Univ., Zulassungsarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Realschulen in Bayern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andreas Scheuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 21. September 2001 i.d.F. vom 15. Mai 2008 (PDF) Kultusministerkonferenz der Länder. 15. Mai 2008. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  2. Infoblatt zur Führung ausländischer Hochschulgrade in Bayern (PDF) Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Juni 2013. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  3. Führung ausländischer Hoschulgrade, -tätigkeitsbezeichnungen und -titel (PDF) Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Juni 2013. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  4. LG Düsseldorf · Urteil vom 18. Februar 2009 · 12 O 284/06. Landgericht Düsseldorf. 18. Februar 2009. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  5. Der CSU drohen Turbulenzen um Doktortitel ihres Generalsekretärs. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  6. Die große Geschichte vom kleinen Doktor. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  7. Opposition: Wer betrügt, der fliegt. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  8. CSU-General Scheuer und sein Doktortitel: Grad noch so. Spiegel Online. 17. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  9. Falscher Bindestrich als Indiz. Süddeutsche Zeitung. 17. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  10. Nach Kritik: CSU-General Andreas Scheuer verzichtet auf Doktortitel. Passauer Neue Presse. 17. Januar 2014. Abgerufen am 22. Oktober 2014.
  11. Umstrittener Doktortitel: Prüf-Software entdeckt keine Plagiate in Scheuers Arbeit. 21. Januar 2014. Abgerufen am 23. Oktober 2014.
  12. Manuel Bewarder: CSU-General hat kopiert – darf Titel aber behalten. Die Welt, 6. Oktober 2014, abgerufen am 6. Oktober 2014.
  13. lm/dpa: Uni Prag spricht Scheuer von Plagiatsvorwürfen frei. Passauer Neue Presse, 6. Oktober 2014, abgerufen am 6. Oktober 2014.
  14. Andreas Scheuer. Bayerisches Fernsehen. 18. März 2014. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  15. 8. Sitzung des Fernsehrates in der XIV. Amtsperiode am 7. März 2014 in Mainz. Zweites Deutsches Fernsehen. 7. März 2014. Abgerufen am 20. Oktober 2014.
  16. Vom Politik-Praktikanten zum Generalsekretär. Die Welt. 15. Dezember 2013. Abgerufen am 20. Oktober 2014.