Domina (BDSM)

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Beardsley: Club der Flagellanten in London, 1895

Eine Domina (lat. „Herrin des Hauses“, von lat. Domus = Heim) war ursprünglich die römische Bezeichnung für eine Hausherrin bzw. die Vorsteherin eines Stiftes oder Klosters.

Heute wird die Bezeichnung Domina in aller Regel für Frauen verwendet, die gegen Entgelt sadistische und dominante Praktiken (vgl. Femdom) anbieten. Im Englischen ist in dem Fall die Bezeichnung Dominatrix häufiger.

Begriffliche Abgrenzung[Bearbeiten]

Domina auf einem Bondagebett in einem Dungeon

Laut Prostitutionsgesetz gilt die Tätigkeit von Dominas als Prostitution, obwohl sie in der Regel keinen Geschlechtsverkehr mit ihren Kunden praktizieren.

In der nichtkommerziellen BDSM-Subkultur ist der Begriff Domina unüblich. Eine Frau mit dominanten Neigungen wird hier als FemDom, umgangssprachlich auch als Domse oder Domme bezeichnet. Vielfach stellen dominante Frauen Titel wie Herrin, Madame, Mistress oder Lady ihrem Namen voran.

Sado[Bearbeiten]

Sado (abgeleitet vom Wort Sadismus) ist in der kommerziellen BDSM-Szene neben Meister oder Herr der einzige Begriff, der das männliche Gegenstück zu einer Domina bezeichnet. „Dominus“ ist eher ein von den Massenmedien geschaffener Begriff. Die meisten Sados haben sich auf homosexuelle Freier spezialisiert; im Gegensatz zu den Geschäftspraktiken von Dominas ist Geschlechtsverkehr zwischen Sados und ihren Kunden verbreitet. In Deutschland ist die Anzahl spezialisierter Sados wesentlich geringer als die von Dominas.

Verbreitung[Bearbeiten]

Dominas sind im Bereich der kommerziellen Erotik verbreiteter als ihre männlichen Äquivalente.

Eine bekannte Domina war im 19. Jahrhundert die Britin Theresa Berkley, Betreiberin eines Bordells in Soho.[1] Sogenannte Flagellationsbordelle existierten bereits mehrere hundert Jahre zuvor. Die bekannteste deutsche Domina war die Hamburgerin Domenica Niehoff.

Studios[Bearbeiten]

Gepolsterte Spankingbank

Heutige Domina-Studios weisen in der Regel eine auf die Kunden ausgerichtete Inneneinrichtung auf, in der diese ihre Fantasien umsetzen können, und sind entweder eigenständige Einrichtungen oder an Bordelle angeschlossen. Teilweise sind in den Studios auch professionelle submissive und/oder masochistische Frauen für Rollenspiele zu dritt oder für dominant-sadistische Männer buchbar; sie werden häufig als Sklavia oder Zofe bezeichnet.

Neben sogenannten Dungeons, kerkerartigen Räumlichkeiten mit Streckbänken, Käfigen, Flaschenzügen, Slings und Andreaskreuzen sind auch Räume für Kliniksex weit verbreitet. In diesen Räumlichkeiten finden unter anderem medizinisch orientierte Rollenspiele statt, in denen beispielsweise Dilatatoren, Kanülen, Gynäkologiestühle und Klistiere verwendet werden.

Zusätzlich zu diesen oft sehr aufwändig gestalteten Räumlichkeiten stehen überwiegend sadomasochistische Accessoires und Sexspielzeuge zur Verfügung. Neben Peitschen, Peniskäfigen, Gerten, Klammern und Dildos finden sich Kleidungsstücke für Rollenspiele wie Uniformen, Masken, Latex- sowie Lederkleidung und Utensilien zur Feminisierung.

Filme[Bearbeiten]

S&M Dungeon 10 by David Shankbone.jpg

Neben zahlreichen pornografischen Produktionen entstanden in den letzten Jahrzehnten auch mehrere Spielfilme und Dokumentationen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Spielfilme[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • 2006: Beruf: Domina – das Geschäft mit Lust und Peitsche. (Dokumentation des Autors Markus Matzner über zwei Schweizer Dominas) online und kostenlos unter Beruf: Domina
  • 1996: Die Peitsche der Pandora
  • 1984: Domina – Die Last der Lust. In Schwarzweiß und Farbe gedrehte deutsche Filmdokumentation des Regisseurs Klaus Tuschen. Der Film begleitet die Westberliner Domina „Lady de Winter“ durch ihren Alltag.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. vgl. Henry Spencer Ashbee (aka Pisanus Fraxi): Index of Forbidden Books, London, Sphere, online unter The Flogging Whores of Old London

Literatur[Bearbeiten]

  • Tomi Ungerer: Schutzengel der Hölle, Diogenes 1986, ISBN 3-257-02016-3
  • Annick Foucault: Françoise maîtresse, Gallimard 1994, ISBN 2-07-073834-5
  • Shawna Kenney: I Was a Teenage Dominatrix: A Memoir, Last Gasp 2002, ISBN 0-86719-530-4
  • Alexander Sixtus von Reden/ Josef Schweikhardt: Lust und Leidenschaft um 1900, Tosa-Verlag, Wien 2000, (S. 109–111), ISBN 3-85492-203-5 (über Ruth von der Weide als angeblich erste Domina der Moderne)
  • Mirko J. Simoni: HERA Rechtsanwältin am Tage – Domina in der Nacht, 11 Tage aus Ihrem Leben – Eine authentische Erzählung, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2006, ISBN 3-89602-745-X