Drum and Bass

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Ein Stück im Drumfunk-Stil: Level 99 boss von Noraus.

Drum and Bass (Drum ’n’ Bass, kurz D’n’B) ist eine Richtung der elektronischen Tanzmusik, die in England Anfang der 1990er-Jahre entstanden ist und auf beschleunigten Funk-Breakbeats mit einer Geschwindigkeit von etwa 160 bis 190 BPM basiert. Drum and Bass kann als eine Weiterentwicklung der Jungle-Musik mit einfacheren, minimalistischeren Beats betrachtet werden.

Ebenso wie Jungle ist Drum and Bass ein wenig massenkompatibler Underground-Musikstil, der sich abseits des kommerziellen musikalischen Mainstreams entwickelte. Dementsprechend schafften es nur wenige Titel in die kommerziellen Verkaufs-Charts, und nur wenige Künstler sind bei großen Musiklabeln (Major Label) der Musikindustrie unter Vertrag. Drum and Bass wird bis heute im Umfeld der DJ- und Clubszene stetig weiterentwickelt, viele Künstler veröffentlichen auf ihren eigenen, relativ kleinen Independent-Labels. Im Lauf der Zeit entstanden eine Vielzahl von Sub-Stilen.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Dem Ausdruck Jungle entsprechend, geht Drum & Bass als musikalische Bezeichnung vermutlich auf die Kingstoner Reggae-Szene zurück. Dort trat sie erstmals Anfang der 1970er Jahre in Erscheinung, so beispielsweise auf zwei frühen Split-Singles von John Holt (Drum & Bass Ecstasy, 1970) und The Now Generation (Drum & Bass Version, 1971) sowie der vom jamaikanischen DJ Peter Metro (unter dem Pseudonym Peter Rankin) im Jahre 1978 veröffentlichten Single Drum & Bass Style. Die bis dahin häufigste Verwendung fand der Ausdruck Drum & Bass auf Tristan Palmers 1982er Album Show Case (In a Roots Radics Drum and Bass), auf dem jeder der 6 Songs mit einem Drum-&-Bass-Leitspruch als Titelzusatz versehen wurde.

Früheste Erwähnungen der Bezeichnung Drum & Bass im Zusammenhang mit einer aus dem Breakbeat entwickelten Stilvariante der elektronischen Tanzmusik finden sich in Großbritannien seit 1992 (u. a. Brooklyn ‎– Drum & Bass Psykho). Maßgeblich gestützt durch Compilation-Serien wie Jungle Tekno (ab 1992) und The Dark Side ‎– Hardcore Drum & Bass Style (ab 1993) wurde sie dort zeitweise synonym zu Jungle, Breakbeat und Hardcore verwendet.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Die Wellenform des sogenannten Amen Break, der in einer Vielzahl von Drum-and-Bass-Titeln verarbeitet wurde. Es handelt sich dabei um ein Sample eines kurzen Schlagzeugsolos aus dem Stück Amen, Brother der Soulband The Winstons von 1969.

Nachdem sich die englische Breakbeat-Szene zwischen 1989 und 1994 immer wieder anderer Musik-Genres wie Hip-Hop, Ragga, Techno und House bedient hat, um die eigenen Beats mit deren Samples zu bereichern, entwickelte sich 1993 die Einstellung, sich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Label wie V Recordings (Sublabel Philly Blunt), Moving Shadow, Formation, Reinforced und Suburban Base waren maßgeblich am dunklen Sound des Jungles beteiligt. Dies äußerte sich durch Weglassen der Samples im Hauptteil der Musikstücke und das Nutzen alter Synthesizer wie Juno 106 und TR-606 von Roland, um dem Sound einen elektrischen und düsteren Charakter zu geben. Auch Stimmensamples von Raggatunes oder Horrorfilmen wurden in dieser Zeit bevorzugt verwendet. Bestimmte Drumloops wie der charakteristische Amen Break und bestimmte Bässe wie z. B. Wobble Basslines setzten von nun an Grenzen, die entscheidend für den weiteren Verlauf waren. Harte Beats und harte Bässe wurden mehr und mehr zur Mode, Tanzbarkeit und bessere Strukturen zum Abmischen wurden weiterentwickelt.

Der britische Künstler Goldie schuf einige stilbildende Tracks und gründete das einflussreiche Metalheadz-Label.

Goldie schuf mit seinem Track „Terminator“ auf dem Label Reinforced die Blaupause von Drum and Bass und gab dem Entstehen einer eigenen Drum-and-Bass-Jugendkultur Vortrieb. Später sollte Goldie zusammen mit den DJanes Kemistry & Storm mit Metalheadz eines der wichtigsten und einflussreichsten Drum-and-Bass-Labels gründen.

Ab Mitte der 1990er-Jahre entwickelte Drum and Bass diverse Untergenres, die sich oft mit Step im Namen auszeichneten, was von der Bezeichnung der reduzierten Drum-and-Bass-Beats als Two Step herrührt.

Es geht seit dieser Zeit darum, die rohen Beats, das heißt die immer wieder verwendeten Standard-Breaks, einer komplizierten digitalen Verjüngungskur zu unterziehen. Das geht nicht zuletzt mit der Verfügbarkeit von besseren Samplern und Sequenzerprogrammen einher. Seit dieser Zeit wird mit den Kernelementen der Tracks, also den Beats und den Basslines, immer weiter experimentiert und diese immer weiter ineinander verschachtelt, wodurch sich der typische Sound des heutigen Drum and Bass ergibt. Überhaupt wird in der Drum-and-Bass-Szene großer Wert auf die ständige Weiterentwicklung des Klanges gelegt. So produzieren einige der Künstler, die schon seit den Anfangszeiten der Hardcore- und Jungle-Szene dabei sind, heute völlig andere Musik als noch vor einigen Jahren. Heute bestehen Drum-and-Bass-Grooves häufig gar nicht mehr aus gesampelten Schlagzeugloops, sondern sind oft von Grund auf neu programmiert, wobei der typische rhythmische Charakter der gecutteten Loops nachgeahmt oder aufgegriffen wird.

Drum and Bass wurde seit etwa 1996 auch außerhalb Englands immer populärer. Es entstanden eigenständige Szenen, etwa in Deutschland, den USA und Südamerika. Dennoch blieb das Zentrum der Bewegung in den großen englischen Städten, besonders London und Bristol.

Verbreitung in Deutschland[Bearbeiten]

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Der Mannheimer Milk!-Club war wohl der erste Ort in Deutschland, der nur dieser Musik gewidmet war. Größen der britischen Szene kamen zuerst hierher. Bassface Sascha, neben „Groover Klein“ einer der dort residierenden DJs, gründete später die ersten größeren deutschen Drum-and-Bass-Labels und stellte auch die ersten weit verbreiteten Sampler, wie etwa Jungle Fever und Hardstep Upfront, zusammen. Das Milk! wurde 1992 vom Groove-Magazine zum Club des Jahres gewählt, als Love-Pirates präsentierte sich das Milk! und die Milk!-Posse auch auf der Loveparade in Berlin. Des Weiteren etablierte die Milk!-Posse einen neuen Club in Frankfurt am Main – das XS. Aus dem Umfeld des Milk!-Clubs entstanden auch die Großveranstaltungen der legendären Euphoria sowie die Future-Veranstaltungen, die neben der neueren Kings of the Jungle bis heute die größten in Deutschland sind. Aus dem ebenfalls legendären Vibration-Club (in Forst bei Bruchsal), in dem erstmals ab 1994 in Deutschland wöchentlich UK-DJs und MCs anreisten, entstand aus einer zufälligen Überbuchung die bekannteste Großveranstaltung, die Meditation-Reihe.

In Berlin entwickelte sich zeitgleich eine Drum-and-Bass-Szene, die in Deutschland, wie die Stadt selbst, eine Inselstellung einnahm. Hier stand stets der „Underground“-Gedanke im Vordergrund, weshalb große Events wie in Mannheim nicht stattfanden, obwohl in vielen kleinen Clubs Drum and Bass zu hören war.

Verbreitung in Österreich[Bearbeiten]

Für die österreichische Szene spielt das Flex in Wien eine wichtige Rolle.

Die sehr aktive Drum-and-Bass-Szene Österreichs hat ihr Hauptaugenmerk auf Wien, als auch Linz, Graz, Salzburg, Sankt Pölten, Innsbruck und im Tiroler Unterinntal in Wörgl und Umgebung, sowie in Dornbirn. Darunter sind Clubs wie Flex, Arena, WUK, 'The Zoo' (Geschlossen“[1]), 'Roxy' oder 'Fluc' in Wien, die Stadtwerkstatt in Linz, 'Hafen', 'pmk' & 'Aftershave' in Innsbruck, 'Rockhouse', 'JazzIT' oder die 'Arge' in Salzburg, 'ppc' und 'Postgarage' in Graz, das 'Warehouse' in St. Pölten, oder das Conrad Sohm in Dornbirn. Wichtigster Vertreter ist D.Kay, der 2003 vom britischen Knowledge Magazine zum „Best Breakthrough Producer“[2] nominiert wurde. In Wien wurde auch das deutschsprachige Drum-and-Bass-Magazin 'resident' herausgegeben. In den letzten Jahren konnte auch das Duo Camo & Krooked internationale Erfolge feiern, und gewannen unter anderem 2011 den Titel der besten Produzenten des Jahres bei den Drum and Bass Arena Awards. Zu den wichtigsten fixen Veranstaltungsreihen zählen 'Beat It' und 'Future Beatz' im Flex, als auch 'Therapy Sessions' und 'Mainframe' in der Wiener Arena, sowie 'Vollkontakt' im Fluc. Mit dem Urban Art Forms Festival am Schwarzlsee in der Nähe von Graz hat eines der größten europäischen Drum-and-Bass-Festivals seinen Hauptwohnsitz in Österreich bezogen.

Einfluss auf andere Stilrichtungen[Bearbeiten]

Drum and Bass hatte Einfluss auf viele spätere experimentelle Stilrichtungen der elektronischen Musik. Zu diesen gehört auch Digital Hardcore, welches Mitte der 1990er Jahre von der Band Atari Teenage Riot eingeführt wurde. Die Gruppe kombinierte Drum and Bass mit Hardcore Punk und Gabber-Einflüssen. Im Digital Hardcore finden auch Noise-Elemente und Soundscapes Verwendung. Beispiele für Digital Hardcore sind „Deutschland has gotta die“ von Atari Teenage Riot sowie „Kiss of Death“ von Alec Empire (Ersterer Track ist sehr D’n’B-lastig, letzterer sehr Punkrocklastig).

Atari Teenage Riot kombinierten D’n’B mit anderen Einflüssen zu Digital Hardcore.

Eine ganz eigene Interpretation des Drum and Bass wurde in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre von Künstlern wie Squarepusher, Aphex Twin, und Tim Exile entwickelt. In diesen Tracks werden die Beats extrem „zerhäckselt“ und zu sehr komplexen Rhythmen transformiert. Das Tempo ist oft noch höher als beim üblichen Drum and Bass und die Tracks besitzen keine repetitive Struktur mehr. Stattdessen verändern sich die Beats in rasantem Tempo und werden in Sekundenschnelle dekonstruiert, neu zusammengesetzt und variiert. Diese Musikrichtung wird oft als „Drill ’n’ Bass“ bezeichnet, wobei dieser Begriff die Musik nur schwer zu fassen vermag. Die genannten Künstler interpretieren oft ein breites Spektrum an Stilen und es finden sich auch zahlreiche Songs, die eher im Bereich des Techno, Jazz oder Ambient anzusiedeln sind. Ein relativ typischer „Drill ’n’ Bass“-Track ist „Menelec“ auf dem Squarepusher-Album „Ultravisitor“.

Auf Basis dieser zwei Entwicklungen entstand Breakcore durch die Arbeit von Alec Empire durch seine Soloprojekte neben ATR. Der bekannteste Breakcore-Künstler ist Venetian Snares. Auch die Cybergrind-Gruppe The Berzerker ist stark von D&B beeinflusst.

Subgenres[Bearbeiten]

LTJ Bukem, der für Ambient oder Intelligent Drum and Bass mit hypnotischer, trance-artiger Stimmung bekannt wurde, im Jahr 2006.
  • Jump Up nennt man eine schnelle, treibende, extrem auf die wesentlichen Elemente (Beats und Bassline) reduzierte Variante des Drum and Bass, die sich zu einer der populärsten Varianten entwickelte. Oft werden Jump-Up-Tracks von einem MC begleitet. Jump Up war von 1995 bis 1998 sehr populär.
  • Hardstep ist ein 1994 aufgekommenes Subgenre des Drum and Bass und die Urform der sog. Step-Varianten. Es zeichnet sich durch schnelle, manchmal verzerrte Beats und eine Reduzierung des Rhythmus aus. Die Tracks werden von harten Beats und Basslines dominiert. Die bekanntesten Vertreter dieses Genres sind Dieselboy, Evol Intent, Technical Itch, Phace, Limewax, Current Value, Ram Trilogy (Andy C und Ant Miles), Dylan Hisley und Ed Rush & Optical.
  • Der sog. Techstep etablierte sich 1997, ist in seinen Elementen noch wesentlich reduzierter als der klassische Drum and Bass, weist aber auch Einflüsse aus dem Techno (insbesondere Synth-Sounds) auf. Er hat eine sehr düstere, hypnotische Grundstimmung, ähnlich dem Jungle-Subgenre Darkside. Die rollenden Basslines wirken bedrohlich, aggressiv und bellend.
  • Jazzstep zeichnete sich durch das Einbeziehen von Jazz-Samples und typisch jazzigen Harmonien aus. Der Stil entwickelte sich später weiter zum Liquid Funk.
Der typische Sound bestimmter Synthesizer, wie des analogen TB-303 von Roland, beeinflussten ähnlich wie im Techno den Sound ganzer Sub-Stile wie des Neurofunk.
  • Atmospheric Drum and Bass (oder Ambient Drum and Bass/Intelligent Drum and Bass) war eine ruhigere Variante, in der flächige Pad-Sounds mit für Drum and Bass relativ langsamen Beats (140–160 bpm) und Ethno-Elementen kombiniert wurden und so eine hypnotische, trance-artige Stimmung schufen. Bekanntester Vertreter ist LTJ Bukem. Anfang der 2000er wurde der Stil durch Leadsounds und einen treibenderen Grundcharakter erweitert und so weiterentwickelt, es entstand der Trancestep.
  • Neurofunk entstand Ende der 1990er-Jahre durch Kombination des Drum and Bass mit Techno- und Acid-Einflüssen, wie die verbreitete Verwendung des Sounds des Synthesizers Roland TB-303.
  • Drumfunk, auch bekannt als Edits oder Choppage entstand Anfang 2000. Der Fokus von Drumfunk liegt hauptsächlich bei den Drums. Es werden häufig klassische Funkbreaks verwendet und zu komplexen Beats arrangiert. Als Hauptvertreter kann man Paradox, Equinox, Fanu, Seba und Chris Inperspective nennen. Die wichtigsten Labels wären Inperspective Rec., Breakin und Paradox Music – im Netlabelbereich Exegene und Plainaudio.
  • Sambass wird die Mischung von Drum and Bass und Samba genannt. Das Genre ist sowohl Samba als auch D’n’B zuzuordnen, da es von DJs wie z. B. DJ Marky und Samba-Gruppen gespielt wird.
  • Liquid Funk Melodischer Drum and Bass

Rhythmus-Schema[Bearbeiten]

Die Grundlage der meisten Drumpatterns im Drum and Bass sieht so aus (in diesem Fall ist es ein einfacher 2-Step-Beat):

Hi Hat   . . x . . . x . x . . . . . x .
Snare    . . . . o . . . . . . . o . . .
Bassdrum o . . . . . . . . . o . . . . .

oder

Hi Hat   x . x . x . x x x . x . x . x .
Snare    . . . . o . . . . . . . o . . .
Bassdrum o . . . . . . o . . o . . . . .

oder (angelehnt an den Amen Break)

Hi Hat   x . x . x . x . x . x . x . x .
Snare    . . . . O . . o . o . . O . . .
Bassdrum O . O . . . . . . . O . . . . .

Literatur[Bearbeiten]

  • Johnny Rabb: Jungle / Drum and Bass – A Guide to Applying Today’s Electronic Music to the Drum Set, International Music Publ., 2001, ISBN 0-7579-9025-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drum and Bass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellennachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormattheZoo CLUB schließt! theZoo.at, September 2009, abgerufen am 25. Februar 2010.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKnowledge Awards 2003 – Die Gewinner. future-music.net, 21. November 2003, abgerufen am 4. Mai 2008.