Musikcharts

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Dieser Artikel behandelt die auch „Hitparade“ genannte Musikliste. Siehe auch Hitparade (Begriffsklärung).

Musikcharts (verkürzt auch englisch Charts (Pluraletantum[1]) oder deutsch Hitliste sowie Hitparade) bezeichnet eine Methode für die nummerische Zusammenstellung einer Rangliste von Musikstücken über einen bestimmten Zeitraum, die deren Beliebtheit oder deren Erfolg auf einer begrenzten Skala wiedergeben soll.

Allgemeines[Bearbeiten]

Hitparaden sollen einen Gradmesser für den Erfolg eines Musiktitels darstellen. In den Musikcharts höher platzierte Musiktitel sind demnach erfolgreicher als Titel, die niedrigere Ränge der Charts einnehmen. Die Nummer Eins ist demnach der erfolgreichste Musiktitel in einer Hitparade einer bestimmten Periode. Die Hitparade gibt Interessierten Auskunft über die Rangfolge von Musiktiteln nebst Interpret und zugehörigem Plattenlabel sowie über die vorangegangenen Platzierungen zurück bis zum Eintrittsdatum in die Charts. Die Reihenfolge der Musiktitel soll Aufschluss über die relative Beliebtheit eines Titels geben. Die Beliebtheit oder Popularität eines Musiktitels wiederum hängt von der Frage ab, nach welchen Kriterien dies gemessen werden soll. Als Beliebtheitskriterien kommen die Häufigkeit der Rundfunkaufführung (Airplay), Verkaufszahlen oder Umfragen in Betracht. Mangels anderer Alternativen (Verkaufszahlen stehen nur fragmentarisch zur Verfügung, Airplay ist keine objektive Quelle) stellen Musikcharts die einzige allgemein anerkannte Klassifizierung von Musiktiteln dar.

Hitparadenspezifische Begriffe[Bearbeiten]

  • Neuzugang oder Neueinstieg („entry“, „newcomer“) sind Musiktitel, die erstmals nach ihrer offiziellen Veröffentlichung in einer aktuellen Hitparade gelistet werden. In vielen Chartlisten werden sie auffällig mit dem Hinweis „NEU“ gekennzeichnet.
  • Als Chartbreaker oder auch Chartstürmer wird ein Lied oder ein Künstler bezeichnet, der auf einem der vordersten Chartplätze neu einsteigt oder seine Platzierung gegenüber der Vorwoche enorm verbessern kann. Bei einem Einstieg in eine Hitliste gleich auf den ersten Platz spricht man auch von „von Null auf Eins“.
  • Als Aufsteiger oder Aufsteiger der Woche werden Titel bezeichnet, die sich bei fortlaufenden Charts gegenüber der Platzierung aus der Vorwoche besonders verbessern konnten. In vielen Hitlisten gibt es daher eine Spalte, die eine Vorwochenplatzierung ausweist. Analog gilt dies für Lieder, die in der Platzierung gegenüber der Vorwoche besonders abfallen, die Bezeichnung Absteiger oder Absteiger der Woche.
  • Wiedereinsteiger („re-entry“) sind Musiktitel, die bereits in einem Chart verzeichnet waren, aus diesem wieder herausgefallen sind und nun wieder als Neuzugang auftauchen.
  • Crossover-Hits sind Musiktitel, die wegen ihres Musikgenres nicht nur in ihrer eigentlichen Hitparade, sondern auch in der Hitparade eines anderen Genres gelistet werden. So war Michael Jacksons Rock with You vom November 1979 nicht nur Nummer Eins in der Rhythm and Blues-Hitparade, sondern auch auf Rang Eins der Pop-Hitparade in den USA.
  • Chartplatzierung ist der aktuelle sowie der höchste numerische Rang, den ein Musiktitel erreichen konnte.
  • Hit (Mehrzahl: Hits, engl. für Treffer) ist ein Musiktitel, der eine der oberen Platzierungen einer Hitparade erreicht hat. Entsprechend dem Ausmaß des Platzierungserfolges wird umgangssprachlich dann auch von einem „Super-Hit“, „Top-Hit“ oder „Mega-Hit“ gesprochen.
  • Top Ten (auch: Top 10), Top Twenty oder Hot 100 usw. sind Bezeichnungen für den numerischen Umfang einer Hitparade und auch für die Platzierung eines Musiktitels innerhalb dieses Aggregats.
  • Nummer-eins-Hit oder Top-Hit beschreibt einen Musiktitel, der den ersten Rang einer Hitparade mindestens für eine Woche innehatte. In Deutschland gelten seit 1977 insbesondere die Media-Control-Charts als relevante Hitlisten für den wöchentlichen Nummer-eins-Hit von Deutschland.
  • Von einem One-Hit-Wonder wird gesprochen, wenn von einem Künstler eine Single die vorderen Plätze der Hitparaden erreicht, aber keine weiteren Hits folgen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff „Hitparade“ wurde in den USA erstmals mit dem Radioprogramm „Your Hitparade“ weitverbreitet, das ab 20. April 1935 vom NBC-Radio mit 15 Musiktiteln ausgestrahlt wurde, die in Zufallsreihenfolge gespielt wurden.[2] Seit Juni 1956 wurde Your Hitparade auch im Fernsehen national übertragen; das regelmäßig ausgestrahlte Programm lief bis Juni 1958. Es handelte sich überwiegend um Live-Aufführungen, die auch im Radio der Hauptfaktor für die Musikindustrie zur Ermittlung eines Hits waren.

Die privat organisierten US-Radiostationen suchten zunehmend nach einer individuellen Identifikation, die sie von Konkurrenzsendern unterschied. Auf diese Weise entstanden zunächst Stationen, die als spezifisches Programmformat ausschließlich Popmusik, Country & Western oder Rhythm & Bluesmusik spielten. Es folgte das „Top 40 Radio“, das die aktuellen Hits spielte und den Stationen einen kompakten und klar identifizierbaren Sound verlieh.[3]

Im Jahre 1952 hatten die privaten Radiostationen KOWH in Omaha/Nebraska, WTIX in New Orleans/Louisiana und andere damit begonnen, als spezifisches Programmformat die Top-40-Charts von Billboard anzubieten.[4] Todd Storz, Inhaber einer Radiokette – zu der auch WTIX gehörte – hatte beobachtet, dass in Musikboxen nicht mehr als 40 Lieder ausgewählt wurden; Gäste tendierten dazu, von den meist 40 Platten immer dieselben abzuspielen. So entstand das auch heute noch bestehende „Top 40-Radio“.[5] Das war der Kern der „music rotation“, wonach die populärsten Songs auch mehr gespielt werden sollten als andere. Ab Mai 1953 übernahmen auch andere Stationen dieses Hitparaden-Konzept, so dass der Ausdruck „Top40-Radio“ für ein Radioformat stand, bei dem die Hitparade im Countdown-Prinzip mit dem Nummer-eins-Hit am Schluss gespielt wird. Dieses Format wurde 24 Stunden lang gesendet und bestand lediglich aus kurzen neutralen Ansagen ohne Nennung des Plattenlabels[6] und Werbeunterbrechung. Sehr populäre Platten wurden zwischen 30 und 40 Mal täglich gespielt.[7] Top 40 Radio bot wenig Raum für andere Programminhalte als Hits, es war Spartenradio meist auf der Grundlage der Billboard-Hitparaden.[8] Dieses Programmformat erforderte wenig Aufmerksamkeit vom Zuhörer, zumal etwa 50 % der Zuhörer Autoradio hörten.[9] American Top 40 ist der am längsten laufende nationale Musikcountdown im US-Radio.[10]

Früheste Hitparadenquellen (ab 1891) waren der Verkauf von Notenblättern oder ein Ranking der ASCAP, veröffentlicht in der Zeitschrift Phonogram (ab 1891) oder der monatlich erschienenen Phonoscope (1896 bis 1899). Insbesondere diese Aufzeichnungen sind Grundlage von Joel Whitburns Zusammenstellung Pop-Memories 1890-1954, das jedoch wegen der unterschiedlichen Quellen und Erhebungstechniken nicht die Genauigkeit späterer Hitparaden erreicht.[11] Das Billboard-Magazin arbeitete seit seiner ersten Ausgabe vom 1. November 1894 zunächst für die Werbeindustrie („billboards“ sind Werbeplakate). Wöchentliche Notenblatt-Verkäufe wurden in Billboard ab 1913 veröffentlicht, 1914 bis 1921 versorgten die Plattenfirmen die Zeitschrift Talking Machine World mit Verkaufszahlen. Ab November 1934 veröffentlichte Billboard die Bestseller-Charts der Plattenlabels, Ende 1938 kamen die wöchentlichen Zusammenstellungen der populärsten Platten in Musikboxen hinzu. Die erste Veröffentlichung von Hitparaden erfolgte am 4. Januar 1936, und am 20. Juli 1940 wurde der erste „Music Popularity Chart“ zusammengestellt. Billboard verwendet seither eine Mischung aus Airplay und Verkaufsstatistik. Weitere bedeutende US-Musikmagazine mit eigenen Charts waren Cash Box (vom 13. Oktober 1951 bis zur letzten Ausgabe vom 16. November 1996) und Record World (schloss 1981).[12] Jedes Magazin verwendet bei der Zusammenstellung seiner Charts eine eigene Methode.[13] Da Cash Box (1996) und Record World (1981) vom Markt verschwanden, baute Billboard seine Marktmacht als führendes Musikmagazin weiter aus.

Seit 7. März 1952 besteht das britische Musikmagazin Musical Express, das seit 14. November 1952 – seitdem als New Musical Express – regelmäßig Hitparaden (später „Top 30“) veröffentlicht. Seit der Übernahme des Melody Maker durch den New Musical Express im Jahre 2000 sind daneben noch der Record Retailer und Music Week als Fachzeitschriften mit eigenen Charts übrig geblieben.

Auch Radio- und Fernsehstationen erstellen eigene Hitparaden. Die BBC begann ab 1965 mit der Präsentation einer eigenen Hitparade, die „Fab 40“ waren Radio Londons Hitparade ab 19. September 1965. Fast alle Piratensender hatten sich für das Programmformat des Hitparaden-Radios entschieden.

Auf dem lange Zeit drittgrößten Tonträgermarkt Deutschland wurden die ersten Single-Hitparaden ab April 1954 durch die Musikzeitschrift „Der Automatenmarkt“ veröffentlicht. Erstmals wurden Statistiken von Einsätzen in Musikboxen geführt. Diese Hitlisten können als erste „offizielle“ Hitparade betrachtet werden. Die Zeitschrift „Musikmarkt“ hat die Tradition weitergeführt und zunächst lokale Erhebungen und reine Verkaufslisten geführt, die wesentlich genauer als die von demselben Verlag ab 1959 veröffentlichte Gesamtliste war. Mit Umstellung von monatlicher auf 14-tägliche Veröffentlichung Anfang der 1960er Jahre wurde der Erhebungsmodus vereinheitlicht. Es gibt immer wieder Verlage, die Chart-Statistiken herausbringen, die jedoch oft wenig objektiv sind; insbesondere dann, wenn sie sich als Quellen auf eigene Archive berufen. Die erste deutschsprachige Hitparade im Radio wurde am 6. April 1958 durch Radio Luxemburg (Camillo Felgen) ausgestrahlt. Erst im Jahre 1967 wurde der Begriff Hitparade im Rechtschreibduden aufgeführt und bezeichnet ebenso entsprechende Darstellungsformen in Rundfunk- und Fernsehsendungen.[14]

Das Marktforschungsunternehmen Media Control erhebt im Auftrag des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft wöchentlich die offiziellen deutschen Charts. Dazu melden über 2000 an das automatische Bestellsystem „PhonoNet“ angeschlossene Partnergeschäfte in der Bundesrepublik abwechselnd durch Zufallsprinzip elektronisch alle CD-Verkäufe, die über die Ladentheke gehen und mit elektronischen Kassen abgerechnet werden. Große Handelsketten sind daran genauso beteiligt wie kleine Geschäfte. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Laden ein Vollsortiment führt, also alle aktuellen Platten bereithält und nicht etwa auf Punk spezialisiert ist. Media Control führt diese Erhebungen seit 1976. Der Übergang der vom Musikmarkt und Radio Luxemburg bis dahin geführten Charts war fließend. Der Musikmarkt führte die Charts vorher seit 1971 wöchentlich, davor 14-täglich und anfangs monatlich.

In Österreich gibt es die Austrian Charts seit 1965, in der Schweiz die Swiss Charts seit 1968.

Methoden der Erhebung[Bearbeiten]

Musikcharts stellen eine Statistik dar, so dass ihre Zusammenstellung auch statistischen Anforderungen genügen muss. Erhebungsgrundlage muss eine Quelle sein, die objektiv nachprüfbare Daten liefert und die zugleich auch quantifizierbar ist. Als Erhebungsmethode kommen die Total- oder die Stichprobenerhebung (mit repräsentativ ermittelten Samples) in Frage. Das Airplay kann durch Auswertung der Playlists, die die Rundfunk- oder TV-Stationen für die nationale Verwertungsgesellschaft (in Deutschland: GEMA) erstellen müssen, gemessen werden. Verkaufszahlen können durch den Tonträger-Handel oder durch die Plattenfirmen zur Verfügung gestellt werden. Schließlich werden Repräsentativumfragen bei Musikkonsumenten und die legalen Musikdownloads gemessen. Einige Charts benutzen Kombinationen dieser Erhebungsmethoden.

Eine weitere Methode ordnet bestimmte Musikgenres einem bestimmten Chart unter. So hatte Billboard begonnen, die bis 1942 bestehende, alle Musikgenres umfassende Popmusik-Hitparade aufzusplitten. Seit dem 24. Oktober 1942 besteht eine separate Rhythm and Blues-Hitparade, ab 8. Januar 1944 eine Country & Western-Hitparade und diverse andere Charts wie die am 24. März 1956 begonnenen wöchentlichen Album-Charts. Dennoch bleibt hitparadentechnisch für die Pop-Charts ein breites Spektrum von Musikstilen übrig. Es reicht von der eigentlichen Popmusik, Rock & Roll, Folk Music, Protestsongs, Rockmusik oder Jazz bis hin zu Spezialstilen (insbesondere Comedy, Novelty- oder Filmmusik) und saisonalen Lieder wie Sommerhits und Weihnachtsliedern. Hinzu kommen die Crossovers aus ihren heimatlichen Rhythm & Blues- oder Country & Western-Charts.

Wegen der unterschiedlichen Erhebungsmethoden stimmen die Charts der verschiedenen Publikationen fast nie überein. Die Aussagefähigkeit wird ferner dadurch eingeschränkt, dass die Rangfolge in Hitparaden nicht durch musikästhetische Gesichtspunkte, sondern durch oftmals kaum nachvollziehbare Beliebtheitsmerkmale bestimmt wird.

Verkaufscharts[Bearbeiten]

Verkaufscharts bedeuten, dass ausschließlich die Verkäufe des Handels an Endverbraucher als Kriterium für die Rangfolge der „Bestsellerliste“ ausschlaggebend sind. Auslieferungen der Musikindustrie an den Handel werden nicht berücksichtigt. In der Regel werden die absoluten Verkaufszahlen aus wirtschaftlichen Gründen nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung der Daten beschränkt sich auf Detailangaben wie die Platzierung, die Anzahl der gesamten Wertungswochen in den Charts oder die höchste erreichte Chart-Position.

Hörer- und Leser-Charts[Bearbeiten]

Hörer- und Leser-Charts werden häufig mittels Internet und/oder telefonischer Abstimmung zusammengestellt. Meist werden sie von Radio-, aber auch von Fernsehsendern veranstaltet. Es wird dem jeweiligen Voter entweder per Post (selten), per Telefon oder über das Internet ermöglicht, sein(e) Lieblingslied(er) aus einer Liste auszuwählen. Eigenvorschläge des Abstimmers sind in vielen Fällen möglich.

Airplay-Charts[Bearbeiten]

Die Airplay-Charts geben die Rangfolge der im Rundfunk gespielten Titel nach Anzahl der Einsätze pro Woche und Senderreichweite wieder. Die Charts können dabei z. B. durch die Auswertung der von den Sendern erstellten Sendelisten oder durch die direkte Beobachtung der gesendeten Programme erfolgen.[15] Basis der Ermittlung der Einsätze (der Airplays) ist heutzutage meist ein elektronisches Erkennungssystem, bei dem jedes Lied durch sogenannte „digitale Fingerprints“ erfasst ist, d. h. in kurzen zeitlichen Abständen wird eine Art musikalischer Fingerabdruck genommen. Das Ermittlungssystem vergleicht dann die elektronische Struktur der ausgestrahlten Titel in den überwachten Sendern permanent mit den Fingerprints in der Datei. Wird ein Titel erkannt, wird automatisch der jeweilige Einsatz mit Titel, Interpret, Sender und Uhrzeit festgehalten und später ausgewertet. Bei der Auswertung werden die Plays mit den jeweiligen Hörer-Reichweiten der Sender gewichtet.

Interessant ist diese Art der Erhebung vor allem für die Musik- und Medienbranche. Da Lieder zuerst von Radio- und Fernsehstationen gespielt werden, bevor sie in den Verkauf kommen, gilt der Airplay als ein Indikator für die Entwicklung eines Titels in den Verkaufscharts. Durch die Zuordnung von Radiosender und Musikprogramm wird zudem die Positionierung eines Musiktitels hinsichtlich der Zielgruppen transparent. Veröffentlicht werden Airplay-Charts vor allem in den Fachmedien, in Deutschland z. B. in Musikwoche oder Musikmarkt.

Nielsen Music Control ermittelt in 18 Ländern die Airplay-Charts,[16] z. B. in Österreich und Deutschland. In der Schweiz werden die offiziellen Schweizer Charts durch das deutsche Unternehmen MusicTrace erstellt, diese Firma bietet im Auftrag mehrerer Plattenlabels ebenfalls deutsche Airplay-Charts an.[17]

Händler-Charts[Bearbeiten]

Händler-Charts sind von größeren Händlern selbst zusammengestellte und in den eigenen Ladengeschäften ausgehängte, teilweise auch in Zeitungen oder auf Webseiten veröffentlichte, Bestsellerlisten. Sie sind ein Marketinginstrument, welches den Verkauf fördert und auf das gelistete Repertoire verweisen soll. Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt lassen sich nur bedingt ziehen, da händlerindividuelle Sortimente und Marketingmaßnahmen sich im Ergebnis niederschlagen.

Häufigkeit[Bearbeiten]

Die meisten Hitparaden werden im wöchentlichen Turnus zusammengestellt, um die umfangreichen wöchentlichen Neuerscheinungen möglichst zeitnah berücksichtigen zu können. Dadurch können auch geringste Veränderungen in der Beliebtheit zeitnah verfolgt werden. Dabei können sämtliche, in der vorherigen Woche erschienenen Musiktitel in der aktuellen Wochenhitparade berücksichtigt werden, sofern sie das Potenzial als Neuzugang erfüllen. Die Wahrscheinlichkeit, nicht in die Charts zu gelangen, war seit jeher hoch. So veröffentlichten im ersten Halbjahr 1952 die damaligen sechs Major-Labels in den USA insgesamt 788 Singles, von denen lediglich 66 (= 8,4 %) in Billboards Hitparade notiert wurden.[18]

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Hitparaden bilden die Entscheidungsgrundlage für Konsumenten und Beurteilungsgrundlage für Programminhalte bei Medien. Zugleich dienen sie auch der Musikindustrie als wichtigem Maßstab für den Erfolg ihrer Interpreten. Deshalb müssen Hitparaden nicht durch diese Interessengruppen beeinflussbare Auflistungen darstellen, ihr Ersteller muss unabhängig sein von Konsumenten, Medien und Musikindustrie. Rundfunkhitparaden werden von Radio- oder Fernsehstationen als Teil der Medien ermittelt und unterliegen deshalb der Gefahr der Abhängigkeit bzw. Manipulation, die sich in einer Einflussnahme auf die Zusammensetzung von oder Platzierung in Hitparaden auswirken könnte. Diese Unabhängigkeit soll der Gefahr von Manipulationen der Charts vorbeugen, die etwa darin bestehen könnte, dass ein bestimmter Titel in den „Top 10“ landet oder gar Nummer Eins der Charts wird, obwohl er dort ohne Manipulation nicht verzeichnet wäre. Manipulationsvorwürfe sind immer wieder laut geworden, so auch im Falle von Boyzones Hit No Matter What[19] oder des deutschen Eurovisionsbeitrags Run And Hide von Gracia.[20] Der US-amerikanische „Payola“-Skandal aus 1959 wiederum brachte zum Vorschein, dass Radiostationen von der Plattenindustrie bestochen wurden, damit sie bestimmte Musiktitel bevorzugt spielten, um über dieses verstärkte Airplay die Hitparadenplatzierung zu beeinflussen. Berühmte Discjockeys wie Alan Freed waren hierin involviert und wurden bestraft.[21]

Die Hitparaden sind ein fragiler Gradmesser des Publikumsgeschmacks, zumal heutzutage ein Umsatz von bereits 2.000 bis 3.000 CDs wöchentlich genügt, um ziemlich hoch in die Charts zu gelangen, möglicherweise sogar in die „Top Ten“.[22] Im Jahre 1968 mussten in den USA noch 750.000 Singles verkauft werden, um eine Spitzenposition der Charts zu erreichen, 1979 genügten bereits 50.000 Stück. Zudem sind die Plattenumsätze saisonal stark auf die Winterzeit konzentriert, sodass im Sommer geringere Umsatzzahlen für eine gute Chart-Platzierung genügen (Sommerhit) als im Winter. Mit der Abnahme der absoluten Verkaufszahlen steigt die Manipulationsgefahr derjenigen Charts, die als Erhebungsgrundlage ausschließlich auf Verkaufszahlen basieren.

Genauigkeit[Bearbeiten]

„Hitparaden reflektieren nicht wirklich den Bestseller außer im Verhältnis zu den anderen Chartpositionen derselben Hitparade“.[23] Anfang 1980 setzte in den USA einer der Top-5-Titel 700.000 Exemplare um, und „zwei Jahre vorher hätte diese Position einen Umsatz von drei Millionen erfordert“, schätzte Cynthia Kirk vom Magazin Variety. Geringere Umsatzniveaus reflektieren sich auch am Gold- oder Platinstatus einer Platte. Waren in Deutschland im Jahre 1976 noch eine Million Singles für eine Goldene Schallplatte erforderlich, sind es seit 2003 lediglich noch 150.000 Einheiten. Das weltweite Referenzbuch für Millionenseller von Joseph Murrells[24] zählt eine Single als eine Einheit, eine EP als zwei und ein Album als sechs Einheiten, muss aber auch Umsatzschätzungen vornehmen. Murrells weist häufig nach, dass ein Millionenseller nicht bis zum ersten Rang vorgedrungen war, der durch einen anderen Titel blockiert wurde, welcher weniger verkaufsstark gewesen war.

„Es gibt niemanden, der präzise Angaben über den Plattenumsatz von White Christmas machen kann“, sagt Branchenkenner Bob Livingston.[25] Auch Rückläufe unverkaufter Platten können die Umsatzstatistik noch nach unten korrigieren. So prüft die RIAA, die in den USA den Gold- oder Platinstatus vergibt, erst nach einer Wartefrist von 120 Tagen die genauen Umsatzzahlen. Die Übertragung von Verkaufszahlen, Airplay oder online-Downloads in eine aktuelle Zusammenstellung mittels Reihenfolge stellt einen hochsubjektiven Vorgang dar.[26] Die Tabellierung eines bestimmten Charts ist kein Maßstab für die Intensität (Verkaufszahlen, Airplay usw.), sodass ein bestimmter Top-10-Hit einer bestimmten Periode möglicherweise den Nummer-eins-Hit einer anderen Zeit übertroffen hätte.[27]

Ziele[Bearbeiten]

Hitparaden stellen ein Selektionskriterium dar, indem sie aus dem großen Angebot von Musiktiteln eine begrenzte Zahl („Top zehn“, „Top Twenty“, „Hot 100“) auswählen und diese mit Hilfe der beschriebenen Erhebungsart in eine Reihenfolge bringen, die turnusmäßig erhebungsbedingt neu erstellt wird. Damit fokussieren sie das Augenmerk der Konsumenten auf diese begrenzte Zahl von Hits. Sie dienen dem Musikkonsumenten als wichtige Orientierungshilfe bei seiner Kaufentscheidung. Der Konsument hat vor seiner Entscheidung noch die Möglichkeit, den Titel im Handel oder im Radio und TV zu hören. Höreindruck und Hitparadenstatus sind neben der Affinität für bestimmte Interpreten, Sounds oder Musikstile die Hauptkriterien der Kaufentscheidung. Für die Radio- bzw. TV-Sender stellt die Hitparade eine Beliebtheitsskala dar, an der sie ihre Playlists orientieren können. Der Handel wiederum verwendet Charts für seine Orderlisten, um hieran die Tonträgerbestellungen nach Titel und Menge zu orientieren. Da Chart-Platzierungen Programmentscheidungen im Radio bzw. TV und Orderentscheidungen im Handel beeinflussen, wirken sie sich folglich auch auf die Umsätze der Plattenlabels aus.[28] Hitparaden sind ein Instrument der Musikindustrie, denn Plattenlabels genießen ein besonderes Prestige, wenn sie konstant Charthits produzieren oder gar oft Nummer-eins-Platzierungen erreichen. Dieser sich selbst verstärkende Prozess kann sich verkaufsfördernd auswirken. Schließlich sorgen erfolgreiche nationale Hits dafür, dass diese in anderen Staaten international in Lizenz übernommen werden. Auch Interpreten werden von guten Chartplatzierungen begünstigt, da ihr Status bei der Plattenfirma und den Fans steigt. Charts werden oft von anderen Medien (Radio, Fernsehen, Presse, Literatur) als Referenz für die Besprechung von Musiktiteln verwendet.

Nummer-eins-Hit[Bearbeiten]

Zum Nummer-eins-Hit wird ein Tonträger (Single, LP, CD oder DVD), wenn er mindestens für eine Woche den ersten Rang einer bestimmten Hitparade belegt hat. Der Nummer-eins-Hit genießt in Hitparaden einen besonders herausgehobenen Status, weil er den bestplatzierten Tonträger einer Hitparadenperiode kennzeichnet. Dieses ausschließlich statistische Attribut ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil es theoretisch im Monat lediglich 4 und im Jahr 52 Nummer-eins-Hits geben kann und demgegenüber stehend in Deutschland im Jahre 2012 insgesamt 6.698 Single-Titel erschienen.[29] Damit beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Single zum Nummer-eins-Hit bringt, gerade einmal 0,8 % pro Titel. Diese Wahrscheinlichkeit sinkt/steigt sowohl mit der Zunahme/Abnahme der Neuerscheinungen als auch mit der Verweildauer eines Hits auf dem ersten Rang. So gab es in Deutschland im gesamten Jahr 1959 nur 7 Musiktitel, die den ersten Rang belegten, 2003 waren es hingegen 25. Nummer-eins-Hits sind sowohl für die Musikindustrie als auch in den Medien und beim Konsumenten von Bedeutung. Die Musikindustrie feiert den ersten Rang in irgendeiner Hitparade als besonderen Erfolg und konzentriert sich auf den betroffenen Interpreten mehr als auf andere Interpreten ohne diesen Status; ein erster Rang in der Hitparade kann sich positiv auf den Schallplattenvertrag auswirken. Für Interpreten gilt der Status eines ersten Rangs als äußeres Symbol für den Starruhm, Radiostationen begünstigen den ersten Rang mit einem intensiveren Airplay, Konsumenten orientieren sich bei ihren Kaufentscheidungen häufig an Nummer-eins-Hits. Mit einem Nummer-eins-Hit kann auch die Möglichkeit eines umsatzmäßigen Bestsellers (Millionenseller) verbunden sein, wenngleich das nicht automatisch gilt.

Kritik[Bearbeiten]

Analog zur Bestsellerforschung in der Literaturwissenschaft stellt die Hitparade eine mit der Bestsellerliste vergleichbare Referenzkategorie dar. Sie übernimmt bestimmte direktive Funktionen für verschiedene Instanzen der Musikindustrie wie Plattenlabel, Musikhandel, Airplay oder Käufer.[30] Die in diesen Hitparaden enthaltenen Musiktitel oder insbesondere der die Liste anführende Musiktitel werden als Hits bezeichnet. Dadurch lässt sich zweifelsfrei ermitteln, welche Musikwerke am erfolgreichsten waren.[31]

Der Pionier der Bestsellerforschung Werner Faulstich hat das Phänomen des Bestsellers untersucht, das sich analog auch auf Hits übertragen lässt. Die in Hitparaden auftauchenden Musiktitel sind nicht zwangsläufig musikologisch oder musikästhetisch die besten, aber dennoch die gefragtesten in einem bestimmten Zeitraum. Einflussfaktoren, die einen Hit ausmachen, sind insbesondere Werbung, Medien, Musikkritiker, Musikmessen, Bestsellerlisten, Sommerhits und – nicht zuletzt – die interessierten Käufer. Eine Rolle spielt auch die so genannte Personalisierung durch Stars. Bereits bekannte Interpreten profitieren daher von ihrem Markenprofil, so dass beispielsweise eine Neuerscheinung von Robbie Williams in seinem Segment von Beginn an bessere Chancen hat als ein noch unbekannter Interpret. Nachgewiesen ist auch der Einfluss von Tonträgerkonzernen, die den Tonträgermarkt beherrschen. Sie haben größere Chancen, in den Hitlisten zu landen als kleine Independent-Labels. Bestseller entstehen in Märkten, in denen produktbezogenes Wissen eine konsumnutzenrelevante Voraussetzung darstellt.[32] Voraussetzung zur Existenz von Stars sind hinreichende Vervielfältigungsmöglichkeiten (also weitere Tonträger), um hiermit die einmal erzeugte Nachfrage bedienen zu können, was zum Superstar führt. Wissensgewinnung auf dem Plattenmarkt erfolgt analog durch[33]

  • direkten Kontakt zum Angebot (aktuell investierte Hörzeit oder bereits erfolgter Konsum von Tonträgern desselben Interpreten),
  • indirekten Kontakt über Informationskanäle (Werbung, Medienberichterstattung),
  • persönlichen Austausch mit anderen Personen (Mundpropaganda).

Beispiele für nationale Charts[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Charts und Popmusik – Weitere Artikel zu den Themen Charts und Popmusik

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Charts in duden.de, abgerufen am 1. März 2013
  2. Frank Sinatra moderierte die Sendereihe knapp zwei Jahre vom 13. Februar 1942 bis zum 30. Dezember 1944
  3. Steve Chapple, Reebee Garofalo: Wem gehört die Rockmusik? 1980, S. 73
  4. Ben Fong-Torres: The Hits Just Keep on Coming, 2001, S. 23
  5. Mary Lou Widmer: New Orleans in The Sixties. 2008, S. 85 f.
  6. Russell & David Sanjek: American Popular Music Business in the 20th Century. 1991, S. 174
  7. Roland Gelatt: The Fabulous Phonograph 1877-1977. 1977, S. 306 f.
  8. R. Serge Denisoff, William L. Schurk: Tarnished Gold: The Record Industry Revisited. 1986, S. 240
  9. Michele Hilmes, Jason Loviglio: Radio Reader: Essays In The Cultural History of Radio. 2002, S. 381 ff.
  10. Christopher H. Sterling, Encyclopedia of Radio, Band 1, 2004, S. 117
  11. Joel Whitburn: Pop-Memories 1890-1954. 1986, S. 7 ff.
  12. Harvey Rachlin: The Encyclopedia of The Music Business. 1981, S. 429
  13. Harvey Rachlin, a.a.O., S. 72 f.
  14. Hitparade auf duden.de, abgerufen am 23. August 2011
  15. Radiocharts
  16. The Nielsen Company
  17. Airplay-Charts Deutschland
  18. Russel & David Sanjek, a.a.O., S. 122
  19. Zynische Manipulation der Besten. In: Die Welt, 11. Dezember 1998
  20. Künstler fordern Gracias Ausschluss. In: Spiegel Online – Kultur, 12. April 2005
  21. Harvey Rachlin, a.a.O., S. 241 ff.
  22. Anleitung zum Erfolgreichsein – Wie man schnell und problemlos in die Charts kommt auf VIVA
  23. Louie Robinson: Top Record Sellers of All Time Ebony-Magazin, Ausgabe Februar 1980, S. 88 f
  24. Joseph Murrells: Million Selling Records. 1985
  25. Ebony-Magazin, a.a.O., S. 88
  26. Frank W. Hoffmann, Howard Ferstler: Encyclopedia of Recorded Sound, Volume 1. 2004, S. 904
  27. Frank W. Hoffmann, Howard Ferstler, a.a.O., S. 904
  28. Harvey Rachlin, a.a.O., S.75
  29. Musikindustrie.de Jahrbuch Absatz 2012
  30. Werner Faulstich/Ricarda Strobel, Bestseller als Marktphänomen, 1986, S. 20
  31. Werner Faulstich / Ricarda Strobel, a.a.O., S. 21
  32. Moshe Adler, Stardom and Talent, in: American Economic Review 75, 1985, S. 208
  33. Mark Keuschnigg, Das Bestseller-Phänomen, 2012, S. 105