Unterinntal

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Dieser Artikel erläutert die Region Tirols, zum Unterlauf des Inn siehe Unterer Inn.
Unterinntal
Das Unterinntal bei Kirchbichl

Das Unterinntal bei Kirchbichl

Lage Tirol, Österreich
Gebirge Nördliche Kalkalpen, Zentralalpen
Geographische Lage 47° 27′ 28″ N, 11° 56′ 45″ O47.45777777777811.945833333333600Koordinaten: 47° 27′ 28″ N, 11° 56′ 45″ O
Unterinntal (Tirol)
Unterinntal
Typ Trogtal
Höhe 480 m bis 600 m ü. A.
Länge 90 km
Gewässer Inn

Als Unterinntal wird der Teil des Inntals bezeichnet, den der Inn ab der Melachmündung bei Zirl wenige Kilometer westlich von Innsbruck flussabwärts bis wenige Kilometer vor Rosenheim durchfließt. Es ist der Hauptsiedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsraum Tirols.

Das Inntal unterhalb von Innsbruck
Der Inn zwischen Oberaudorf und Niederndorf
Das wolkenverhangene Unterinntal vom Glungezer gesehen

Geographie[Bearbeiten]

Das Tiroler Unterinntal ist nicht gleichzusetzen mit dem Tiroler Unterland, sondern bildet nur einen Teil davon; das Unterland umfasst auch sämtliche Nebentäler im Osten Nordtirols. Verwendet man den Ausdruck Mittelinntal (Dreiteilung des Tiroler Inntals), umfasst das Unterinntal im engeren Sinne die Inntalung der Bezirke Bezirk Schwaz und Kufstein. Weiters wird noch das Tiroler (bis Kufstein) und das bayerische (ab Kiefersfelden) Unterinntal unterschieden.

Das Unterinntal ist ein breites Trogtal. Die Höhendifferenz entlang des Inns beträgt auf knapp 90 Kilometern nur rund 100 Meter. Die größten Seitentäler sind das Wipptal, das Zillertal und das Brixental, die alle von Süden einmünden.

Geologie[Bearbeiten]

Bis in die Gegend von Pill trennt das Unterinntal die Nördlichen Kalkalpen von den südlich gelegenen höheren Zentralalpen. Unterhalb schiebt sich zwischen die beiden Gebirgsgruppen eine Grauwackenzone, die nach Osten hin breiter wird. Das Unterinntal wurde wesentlich in den Eiszeiten geformt. Beim Rückzug der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren wurde das Tal mit einer mächtigen Schotterschicht aufgefüllt. Der Inn schnitt sich allmählich in diese ein und formte das heutige breite Trogtal. Die Reste der ursprünglichen Talsohle bilden die Mittelgebirgsterrassen auf beiden Seiten.

Klima[Bearbeiten]

Das Unterinntal liegt im Übergangsbereich zwischen dem trockeneren inneralpinen Talklima des Oberinntals und dem niederschlagsreicheren Klima des nördlichen Alpenvorlandes. Es weist höhere Niederschläge und eine höhere Bewölkung als das Oberinntal und dessen Seitentäler auf, gelegentlich können auch Nebel- oder Hochnebelbänke vom Bayrischen Alpenvorland eindringen. Der Jahresniederschlag beträgt im Mittel der Jahre 1971-2000 in Innsbruck (Flughafen) 883,1 mm, in Jenbach 1177,0 mm, in Kirchbichl 1135,7 mm und in Kufstein 1293,7 mm.[1]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Jenbach (530 m ü. A.)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,0 5,4 10,6 14,5 20,0 22,0 24,1 23,8 20,3 15,1 7,5 3,3 Ø 14,2
Min. Temperatur (°C) -4,7 -3,3 0,2 3,4 7,9 10,9 12,7 12,7 9,5 5,2 -0,1 -3,5 Ø 4,3
Temperatur (°C) -1,6 0,3 4,5 8,2 13,3 15,9 17,8 17,4 13,9 9,0 2,8 -0,7 Ø 8,4
Niederschlag (mm) 76,8 61,9 76,2 80,2 95,2 136,4 167,1 147,0 96,2 70,8 85,1 84,1 Σ 1.177
Sonnenstunden (h/d) 2,7 3,8 4,5 5,1 5,8 5,4 6,2 6,3 5,5 4,5 2,9 2,3 Ø 4,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
3,0
-4,7
5,4
-3,3
10,6
0,2
14,5
3,4
20,0
7,9
22,0
10,9
24,1
12,7
23,8
12,7
20,3
9,5
15,1
5,2
7,5
-0,1
3,3
-3,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
76,8
61,9
76,2
80,2
95,2
136,4
167,1
147,0
96,2
70,8
85,1
84,1
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Grenze zwischen Ober- und Unterinntal entlang der Melach ist die alte Grenze zwischen den Landgerichten Sonnenburg und Hörtenberg.

Noch früher lag hier der pagus inter valles, der ‚Gau zwischen den Tälern‘ oder ‚Zwischentalgau‘, der zumindest das (rechtsufrige) Inntal zwischen Alpenvorland und dem Zillertal und möglicherweise auch die Nordosttiroler Täler umfasste. Er wird in der Notitia Arnonis genannt, einem Güterverzeichnis des Salzburger Erzbischofs Arn aus dem Jahre 788.[2] Kaiser Konrad II. gab das Unterinntal zwischen Melach und Ziller 1027 als Lehen an den Bischof von Brixen, dieser verlieh es um 1165 an die Grafen von Andechs. Mit deren Aussterben ging die Grafschaft Unterinntal 1248 an die Grafen von Tirol.[3] Der Abschnitt unterhalb des Zillertals kam erst 1504 unter Maximilian I. nach dem Landshuter Erbfolgekrieg zu Tirol.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum Oberinntal ist das Unterinntal recht weitläufig, dicht besiedelt und relativ stark industrialisiert. Im Unterinntal lebt fast die Hälfte der Tiroler Bevölkerung, rund 315.000 Menschen, auf relativ engem Raum. Die größten Gemeinden sind Innsbruck (124.579 Einwohner), Kufstein (18.215), Schwaz (13.187), Hall in Tirol (13.171), Wörgl (12.980) und Rum (8940). Die ursprünglichen Ortskerne liegen meist erhöht am Talrand, auf Schwemmkegeln der Bäche oder auf den Mittelgebirgsterrassen. Inzwischen wird auch der Talboden häufig für Siedlungen und vor allem für Gewerbe genutzt.

Die im Unterinntal gesprochenen südbairischen Dialekte weisen Übergangsmerkmale zu den mittelbairischen auf.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Trasse der neuen Unterinntalbahn mit Inntalautobahn bei Jenbach

Im Unterinntal, insbesondere im Großraum Innsbruck, in Wattens (Swarovski), Jenbach (Jenbacher Werke), Kundl (Sandoz), Wörgl und Kirchbichl befindet sich ein Großteil der bedeutenden Tiroler Industriebetriebe. Bei Kirchbichl, Langkampfen und Oberaudorf/Ebbs bestehen Innkraftwerke.

Der breite Talboden bietet gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft, die häufig im Haupterwerb betrieben wird. Im Raum Innsbruck überwiegt dabei der Gemüseanbau, weiter flussabwärts die Viehwirtschaft. Anders als in den Seitentälern spielt der Tourismus nur eine geringe Rolle.[4]

Das Unterinntal ist eine bedeutende Verkehrsachse, auf der sich der innerösterreichische Ost-West-Verkehr Richtung Arlberg und der Nord-Süd-Verkehr von Deutschland über den Brenner nach Italien überlagern. Große Verkehrsadern sind die Unterinntalbahn, die Inntal Autobahn A12 und die Tiroler Straße. Als Teil der TEN-Achse Nr. 1 Berlin–Palermo und zukünftige Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel wird die Unterinntalbahn viergleisig ausgebaut. Der erste Abschnitt der Neuen Unterinntalbahn wurde 2012 in Betrieb genommen.

Bei Schwaz wurden auf der Inntalautobahn im Jahr 2011 im Schnitt 53.520 Fahrzeuge pro Tag gezählt, davon fast 40 % Lkw- oder Lkw-ähnlicher Verkehr. Der Gesamtverkehr hat sich im Zeitraum 1985 bis 2010 fast verdoppelt.[5] Aufgrund der starken Verkehrsbelastung werden die EU-Grenzwerte für die Luftreinhaltung im Unterinntal oft erheblich überschritten.[6]

Panorama[Bearbeiten]

Blick auf das Unterinntal. In der rechten Hälfte des Bildes der Eingang ins Zillertal

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterinntal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Unterinntal im Tirol Atlas der Universität Innsbruck

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Klimadaten von Österreich 1971 - 2000
  2. Fritz Lošek: Notitia Arnonis und Breves Notitiae. In: Herwig Wolfram (Hrsg.): Quellen zur Salzburger Frühgeschichte. Wien 2006, S. 9–178.
     Herwig Wolfram, Institut für Österreichische Geschichtsforschung Wien (Hrsg.): Salzburg, Bayern, Österreich: die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit. Band 31 von Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband, Oldenbourg Verlag, 1995, ISBN 978-370290404-3, III. Politische Ordnung und Institutionen. Abschnitt Gau und „Gaugenossen“, S. 160 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Europäische Stammtafeln: Grafschaft Tirol
  4. Land Tirol: Planungsverbände Innsbruck und Umgebung, Hall und Umgebung, Wattens und Umgebung, Schwaz - Jenbach und Umgebung, Brixlegg und Umgebung, Wörgl und Umgebung, Kufstein und Umgebung
  5. Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Verkehrsplanung (Hrsg.): Verkehr in Tirol - Bericht 2011. Innsbruck 2012 (PDF; 1,5 MB)
  6. Umweltbundesamt (Hrsg.): Programm nach § 9A IG-L für das Bundesland Tirol. Report REP-0119, Wien 2010 (PDF; 5,9 MB)