Edgar Wolfrum

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Edgar Wolfrum (* 16. Oktober 1960 in St. Georgen im Schwarzwald) ist ein deutscher Historiker. Er ist seit Dezember 2003 Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte am Historischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Leben[Bearbeiten]

Von 1981 bis 1987 studierte Wolfrum Geschichte, Germanistik, wissenschaftliche Politik und Spanisch in Freiburg i. Br. und Salamanca. Im Juni 1987 legte er das erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ab.

Nach der Promotion bei Heinrich August Winkler übernahm Wolfrum 1990/91 im Rahmen des Programms "Hochschulförderung DDR" eine DAAD-Gastdozentur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 1991 bis 1994 war er als Referatsleiter für das Fach Geschichte bei der VolkswagenStiftung tätig und hatte gleichzeitig einen Lehrauftrag an der Universität Hannover inne. 1992 war Wolfrum Stipendiat des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris. Von 1994 bis zum Jahr 2000 war er Hochschulassistent für den Bereich "Historische Grundlagen der Politik" am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin.

1999 erfolgte seine Habilitation an der TU Darmstadt mit der Schrift Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990. Von 2000 bis 2002 war er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Institut für Geschichte an der TU Darmstadt tätig. In dieser Zeit erschien auch sein mehrfach ausgezeichnetes Werk Geschichte als Waffe. Vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung. 2002/2003 vertrat Wolfrum die Professur für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim, 2003 war er Gastprofessor an der Universität Innsbruck. Seit Dezember 2003 ist Wolfrum Professor für Zeitgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, seit 2006 als ordentlicher Professor.

Wolfrums Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen, Demokratie und Diktatur im 20. Jahrhundert, Friedens- und Konfliktforschung, die deutsch-französischen Beziehungen, Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Europa, Nationalismusforschung sowie Mediengeschichte.

Wichtige Schriften von Wolfrum sind – neben seiner Habilitationsschrift mit dem neu entwickelten Konzept der Geschichtspolitik – die Bücher zur Berliner Mauer und rot-grünen Bundesregierung, sein Band zur Geschichte der Bundesrepublik in der Gebhardt-Reihe sowie sein Beitrag zum Europäischen Geschichtsbuch.

Wolfrum ist Mitglied des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), des Arbeitskreises Eustory. History Network for Young Europeans der Körber-Stiftung, des deutsch-französischen Komitees für die Erforschung der deutschen und französischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie des Arbeitskreises Historische Friedensforschung. Zudem ist er wissenschaftlicher Beirat unter anderen der Auslandsgermanistik des DAAD, von Docupedia-Zeitgeschichte, des Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse der Philipps-Universität Marburg, der Kommission für die „Kommentierte Karl-Jaspers-Gesamtausgabe“ sowie der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte. Wolfrum ist Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung. Er war Mitglied des Kuratoriums der Quadriga. Im Juli 2011 trat er wegen der umstrittenen Nomination von Wladimir Putin aus Protest zurück.[1]

Schriften[Bearbeiten]

Monographien

  • Französische Besatzungspolitik und deutsche Sozialdemokratie. Politische Neuansätze in der "vergessenen Zone" bis zur Bildung des Südweststaates 1945-1952. Düsseldorf 1991. (zugleich Diss. Freiburg i. Br.)
  • Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990. Darmstadt 1999. (zugleich Habil.schrift Darmstadt)
  • Geschichte als Waffe. Vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung. 3. Auflage. Göttingen 2007 (koreanische Übersetzung 2007).
  • Krieg und Frieden in der Neuzeit. Vom Westfälischen Frieden bis zum Zweiten Weltkrieg. Darmstadt 2003.
  • Die Bundesrepublik Deutschland 1949-1990. (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Band 23). 10., völlig neu bearbeitete Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2005.
    • Rezension: Eckart Conze In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2006, S. 8.
  • Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. aktualisierte Auflage. Stuttgart 2007, ISBN 978-3-570-55043-4.
  • Die 50er Jahre. Kalter Krieg und Wirtschaftswunder. Darmstadt 2006, ISBN 978-3-89678-558-9.
  • Die 60er Jahre. Eine dynamische Gesellschaft. Darmstadt 2006, ISBN 978-3-896-78567-1.
  • Die 70er Jahre. Republik im Aufbruch. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-89678-568-8.
  • Die 80er Jahre. Globalisierung und Postmoderne. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-89678-569-5.
  • zusammen mit Cord Arendes: Globale Geschichte des 20. Jahrhunderts. Stuttgart 2007. (Grundkurs Geschichte. Studienbuch für die B.A./M.A.-Studiengänge)
  • Die 90er Jahre. Wiedervereinigung und Weltkrisen. Darmstadt 2008, ISBN 978-3-896-78570-1.
  • Die DDR. Eine Geschichte in Bildern. Darmstadt 2009. ISBN 978-3-896-78640-1.
  • Die Mauer. Geschichte einer Teilung. Beck, München 2009 (japanische und koreanische Übersetzung 2011), ISBN 978-3-406-58517-3.
  • Die 101 wichtigsten Fragen: Bundesrepublik Deutschland 1949-2009. München 2009.
  • Rot-Grün an der Macht. Deutschland 1998-2005. C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65437-4.

Herausgeberschaften

  • Reihen:
    • Kontroversen um die Geschichte (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
    • Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert, zus. mit Carola Sachse (Wallstein-Verlag); darunter als Einzelherausgaben:
      • Aufarbeitung der Diktatur – Diktat der Aufarbeitung? Normierungsprozesse beim Umgang mit diktatorischer Vergangenheit, zus. mit K. Hammerstein, U. Mählert und J. Trappe (Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert, Bd. 2), Wallstein, Göttingen 2009.
      • Nationen und ihre Selbstbilder. Postdiktatorische Gesellschaften in Europa (Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert 1), zus. mit R. Fritz und C. Sachse, Wallstein, Göttingen 2008.
    • Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart, zus. mit Cord Arendes und Siegfried Weichlein (Verlag Ferdinand Schöningh).
  • mit Petra Bock: Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich. Göttingen 1999.
  • mit Ulrike Weckel: "Bestien" und "Befehlsempfänger". Frauen und Männer in NS-Prozessen nach 1945. Göttingen 2003.
  • Die Deutschen im 20. Jahrhundert. Darmstadt 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quadriga-Kuratorium verliert weiteres Mitglied. In: Spiegel Online. 14. Juli 2011.