Heinrich August Winkler

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Heinrich August Winkler (* 19. Dezember 1938 in Königsberg) ist ein deutscher Historiker.

Heinrich August Winkler (2014)

Leben[Bearbeiten]

Winkler verließ Ostpreußen 1944 mit seiner Mutter, Tochter des Historikers August Robert Seraphim. Winklers Vater, Dr. Theodor Winkler (* 1904), war bereits 1939 verstorben. Er wuchs in Süddeutschland auf und legte am humanistischen Humboldt-Gymnasium Ulm sein Abitur ab. Im Anschluss studierte Winkler Geschichte, Philosophie, Öffentliches Recht und Politische Wissenschaft an den Universitäten in Münster, Heidelberg und Tübingen. In Tübingen wurde er 1963 bei Hans Rothfels mit einer Arbeit zur Geschichte der Deutschen Fortschrittspartei promoviert. Anschließend war Winkler von 1964 bis 1970 als wissenschaftlicher Assistent an der Freien Universität Berlin tätig. Nach seiner Habilitation 1970 bekam er an der FU Berlin eine Professur, wechselte jedoch 1972 an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1991 kehrte Winkler nach Berlin zurück und übernahm einen Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit dem 1. April 2007 ist er emeritiert.

Winkler spielte Mitte der 1980er Jahre eine Rolle im Historikerstreit. An der Seite von Rudolf Augstein und Jürgen Habermas ergriff er in einer hauptsächlich aus Leserbriefen in der FAZ bestehenden Debatte Partei gegen die Auffassungen Ernst Noltes, Andreas Hillgrubers und Michael Stürmers, denen er eine Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen zur Konstruktion eines ungebrochenen deutschen Nationalbewusstseins vorwarf.

In seinem 2000 erschienenen zweibändigen Werk Der lange Weg nach Westen setzt sich Winkler mit der Frage nach einem deutschen Sonderweg auseinander und schildert den Weg zum Nationalstaat und zur Demokratie in Deutschland. Hierfür erhielt er 2001 „Das politische Buch“, den Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung und 2002 den Friedrich-Schiedel-Literaturpreis.

Er war Mitherausgeber der Zeitschrift Geschichte und Gesellschaft (1975-1999) und ist Mitherausgeber der Berliner Ausgabe der Reden und Briefe Willy Brandts. Er war Mitglied der Wissenschaftlichen Beiräte der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und des Instituts für Zeitgeschichte und war Mitglied der Gemeinsamen Kommission zur Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Er ist Mitglied des Internationalen Beirats der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und seit Mai 2008 Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1962 gehört er der SPD an.

Positionen[Bearbeiten]

Winkler war lange ein prominenter Verfechter der Position, dass die Türkei nicht Mitglied der Europäischen Union werden sollte.[1] Im November 2009 relativierte er diese Auffassung jedoch in einem Interview und verwies lediglich auf die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien als Vorbedingung für eine Mitgliedschaft.[2]

Rezeption[Bearbeiten]

Volker Ullrich schrieb 2011 in der ZEIT:

„Winklers monumentale Geschichte des Westens ist ein Produkt reifer Gelehrsamkeit – souverän in der Darstellung, umsichtig im Urteil, zupackend in den Formulierungen. Kein Zweifel: Das Werk wird, wenn der abschließende dritte Band vorliegt, zu den wichtigsten zählen, welche die transnationale Geschichtsschreibung seit 1945 hervorgebracht hat.[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Preussischer Liberalismus und deutscher Nationalstaat. Studien zur Geschichte der Deutschen Fortschrittspartei 1861–1866. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1964. (Dissertation)
  • Mittelstand, Demokratie und Nationalsozialismus. Die politische Entwicklung von Handwerk und Kleinhandel in der Weimarer Republik. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1972, ISBN 3-462-00862-5. (Habilitationsschrift)
  • Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. 3 Bde. Dietz, Berlin/Bonn 1984 ff.
  • Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37646-0.
  • Der lange Weg nach Westen. 2 Bde. Beck, München 2000.
    • Bd. 1: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. ISBN 3-406-46001-1.
    • Bd. 2: Deutsche Geschichte vom „Dritten Reich“ bis zur Wiedervereinigung . ISBN 3-406-46002-X.
  • Auf ewig in Hitlers Schatten? Über die Deutschen und ihre Geschichte. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56214-3.
  • Geschichte des Westens. Bisher 3 Bde., Beck, München.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Borgolte: Königsberg – Deutschland – Europa. Heinrich August Winkler und die Einheit der Geschichte. Festvortrag anlässlich des 65. Geburtstages, Berlin 15. Januar 2004, (Online-Version; PDF; 514 kB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich August Winkler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich August Winkler: Ehehindernisse. Gegen einen EU-Beitritt der Türkei. In: SZ, 23. November 2002; ders.: Wir erweitern uns zu Tode. In: Die Zeit Nr. 46, 7. November 2002.
  2. Interview mit Heinrich August Winkler: Europa muss sein Profil schärfen In: The European, 20. November 2009.
  3. [1]
  4. Vgl. Humboldt-Universität zu Berlin: Capo Circeo-Preis an Humboldt-Professor verliehen.