Eintagsküken

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Eintagsküken sind Küken, die nicht älter als einen Tag sind.[1] In der Geflügelproduktion werden die männlichen Küken des Hybridhuhns aus ökonomischen Gründen aussortiert. Das Sortieren der weiblichen von den männlichen Küken nach dem Schlüpfen wird als Sexen bezeichnet.[2] Die weiblichen Küken aus Zuchtlinien für hohe Legeleistung werden als Legehennen aufgezogen. Die männlichen Küken dieser Hühnerlinien legen keine Eier und setzen auch weniger Brustfleisch an als Tiere, die für die Broilermast optimiert sind. Ihre Aufzucht ist daher weniger rentabel.[3]

Das Töten erfolgt üblicherweise durch Gasvergiftung oder durch Zerschreddern. Bei dem Vergiften mit Gas wird CO2 in Behälter mit einigen hundert Küken eingeleitet. Innerhalb von Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein und der Tod erfolgt, sofern nicht bereits zuvor durch Zerquetschen, innerhalb von wenigen Minuten durch Sauerstoffarmut im Blut. Medizinisch ist dieser Vorgang durch den Bohr- bzw. den Haldane-Effekt charakterisiert. In der Schweiz ist eine Vernichtung, bei der Küken lebendig übereinander gestapelt werden, untersagt, was einem praktischen Verbot der Vernichtungsmethode mit CO2-Vergiftung gleichkommt.[4] Im restlichen Europa ist es erlaubt und unterliegt Normierungen: Küken dürfen nicht älter als 72 Stunden sein und die Maschinenleistung muss ausreichen, um eine große Zahl von Tieren unverzüglich zu töten. Im Falle des Kohlendioxids muss die Gaskonzentration mindestens 40 % CO2 betragen.[5]

Verschiedene juristische Kommentare kommen zu dem Schluss, dass die massenhafte Tötung direkt nach dem Schlüpfen aus rein wirtschaftlichen Gründen schwer mit dem Tierschutzrecht zu vereinbaren ist.[3] Vermeiden ließe sich das, indem die Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei erfolgt und männliche Küken nicht ausgebrütet werden. Bislang liegt noch kein praxistaugliches Verfahren vor.[3] Tierschützer fordern auch eine Rückkehr zum „Mehrnutzungshuhn“[6] oder die Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken.[7] Eine weitere Möglichkeit besteht durch verstärkte Zucht und Haltung des Zweinutzungshuhns.

Nordrhein-Westfalen ist das einzige deutsche Bundesland, in dem das Töten männlicher Eintagsküken durch das Verbraucherschutzministerium per Erlass als tierschutzwidrig untersagt ist.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden:Eintagsküken
  2. Agrarmarkt Austria: Woher kommen unsere Legehennen?
  3. a b c Landestierschutzbeauftragte Hessen: Millionenfache Tötung von männlichen Eintagsküken
  4. Tierschutzrecht – Schweiz (mit Kommentar) der Stiftung für das Tier im Recht
  5. Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 des Rates vom 24. September 2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung
  6. Klaus Hart: Wirtschaft: Männliche Küken werden in Deutschland erstickt, vergast und zerschreddert Der Tagesspiegel vom 18. August 1999
  7. M Koenig, G Hahn, K Damme und M Schmutz: Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken (PDF; 422 kB)
  8. Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, Ministerium untersagt massenhaftes Töten männlicher Eintagsküken von Legehennenrassen, 26. September 2013