Real (Handelskette)

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real,- Group Holding GmbH
Real
Rechtsform GmbH
Gründung 1992
Sitz Düsseldorf, Deutschland
Leitung Didier Fleury, Vorsitzender der Geschäftsführung
Olaf Koch, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 59.904 (2012)[1]
Umsatz 11,0 Mrd. Euro (2012)[1]
Branche Einzelhandel
Website www.real.info

Die real,- Group Holding GmbH (Eigenschreibweise: real,-) ist eine Lebensmittel-Einzelhandelskette der Metro AG, die in Europa mehrere hundert Selbstbedienungs-Warenhäuser betreibt. Rund 75 Prozent des Umsatzes werden durch Lebensmittel erwirtschaftet. real,- bietet auch ein großes Sortiment an Haushaltswaren, Elektrogeräten, Büchern, Medien, Textilien und Schuhen, Sportartikeln sowie Schreibwaren.

Neben Markenartikeln werden mehrere Handelsmarken angeboten: TiP („Toll im Preis“ – Discounterpreise), real,- Quality, real,- Selection und real,- Bio. real,- ist Mitbegründer des Kundenbindungsprogramms Payback.

In Deutschland ist die real,- SB-Warenhaus GmbH mit Sitz in Alzey die operative Gesellschaft des Unternehmens.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Umsatzentwicklung von real,- mit Extra 1999 bis 2005

real,- entstand 1992 aus der Zusammenführung der Marktketten divi, Basar, Continent, Esbella und real-kauf. Später folgten Massa, Massa-Mobil, Meister, BLV, Huma und Suma. Jedes dieser Unternehmen war über Jahrzehnte regional überaus erfolgreich. 1998 kamen 94 SB-Warenhäuser der Allkauf- und 20 SB-Warenhäuser der süddeutschen Kriegbaum-Gruppe hinzu. Im Mai 1999 wechselten schließlich fünf extra-Verbrauchermärkte zu real,-.

2000 wollte der Metro-Konzern mit dem Kostensenkungsprogramm „Strategie 2006“ versuchen, seine Tochtergesellschaft im Inland wieder profitabler zu machen. Dazu sollten Personalkosten in einem hohen zweistelligen Millionbetrag eingespart werden. Die Geschäftsführung wurde im Zusammenhang mit einem Hackfleischskandal und dem mäßigen Erfolg der teuren Werbekampagne „Besorg’s dir doch einfach“ im Jahr 2005 ausgetauscht.

Übernahme von Walmart Deutschland [Bearbeiten]

Hauptartikel: Walmart
Walmart in Pattensen bei Hannover

Am 28. Juli 2006 wurde bekannt, dass der Metro-Konzern alle 85 deutschen Walmart-Filialen übernimmt, wobei die größeren Filialen unter dem Namenreal,- und die kleineren unter dem Namen extra geführt wurden. Mit der Schließung der Zentrale von Walmart Germany in Wuppertal waren im dritten Quartal 2007 etwa 600 Stellen betroffen. Da zudem 14 der 85 deutschen Walmart-Filialen keine wirtschaftliche Perspektive hatten, wurden sie aufgegeben. Betroffen waren die Filialen in Aachen, Bergkamen, Delmenhorst, Gelsenkirchen, Günthersdorf, Hagen,Hannover-Wülfel, Nordenham, Pattensen, Ritterhude-Platjenwerbe, Salzgitter-Bad sowie Wilhelmshaven. Die Filialen Düsseldorf und Sigmaringen wurden bereits im Juni 2006 geschlossen.

Restrukturierungen 2006-2010 [Bearbeiten]

Seit Herbst 2006 wurden bundesweit mehrere real,-- und extra-Märkte geschlossen oder weiterveräußert. Bekannt wurde dies bei folgenden Märkten: Dortmund-Nord, Guben,[2] Überlingen[3], Magdeburg, Pulheim (Übernahme ab 1. Juli 2008 durch Kaufland), Holzminden (Übernahme ab 2008 durch Kaufland), Bochum[4], Olpe (extra-Markt, Abgabe an Kaufland) und Hückelhoven (extra-Markt).[5]

Ende Oktober 2007 eröffnete eine neue Filiale in Lübeck. Diese hat als erstes deutsches Warenhaus von Montag bis Samstag bis 24 Uhr geöffnet. Dieser Markt steht in der Kritik, Löhne unterhalb des Einzelhandelstarifs zu zahlen.[6]

Im November 2007 beteiligten sich rund 3.000 Beschäftigte aus 80 real,--Filialen an Streiks, den die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im nordrhein-westfälischen Einzelhandel ausgerufen hatte. Die Gewerkschaft forderte 4,5 Prozent mehr Gehalt sowie ein Mindesteinkommen für Vollzeitbeschäftigte von 1.500 Euro. Streit gibt es zudem um die von den Arbeitgebern geforderte Streichung von Spät- und Nachtzuschlägen.

Am 16. Januar 2008 wurde bekannt, dass Rewe Group die Verbrauchermarktkette extra zum 1. Juli 2008 von der Metro AG erwerben würde. Der Name extra sollte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 mit der Umflaggung der Märkte auf Rewe verschwinden. Die Franchisemarken Comet und Bolle, unter denen 61 der 306 Märkte liefen, wurden dagegen zunächst weitergeführt. Die Franchise-Zentrale ging an die Rewe Group. Rewe wollte mit dem Kauf seine Marktposition im Einzelhandel stärken und die 9.700 Mitarbeiter übernehmen. Das Bundeskartellamt genehmigte den geplanten Kauf ohne Auflagen.[7]

Am 18. März 2008 erklärte der Vorstandschef der Metro Group Eckhard Cordes, dass weitere rund 40 von 349 „real,-“-SB-Warenhäusern verkauft oder geschlossen werden sollen, da diese Märkte 2007 Verluste von insgesamt bis zu 50 Millionen Euro verbucht hatten.[8]

Bis Anfang 2010 will sich die Metro-Group von 27 weiteren defizitären „real,-“-Standorten trennen, darunter Märkte in Berlin, Rostock (zum 28. Februar 2010) und Bremen.[9] Im Januar 2011 gab die Metro Group bekannt, das Real-Logistikservicezentrum (LSZ) in Kamen mit rund 120 Mitarbeitern zu schließen und die Buchhaltung in weltweit drei „Shared Service Centern“ mit den Standorten in Alzey in Deutschland sowie in Polen und Indien zu bündeln.

Verkauf des Osteuropa-Geschäftes an Auchan [Bearbeiten]

Die französische Handelskette Auchan übernimmt die Real-Märkte in Mittel- und Osteuropa wie am 30. November 2012 bekannt gegeben wurde. Die Übernahme tritt nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden der einzelnen Länder im Jahr 2013 in Kraft. Auchan übernimmt das operative Geschäft und die Immobilien in Polen, Rumänien, Russland und der Ukraine für 1,1 Milliarden Euro. Nach der Übernahme werden die Märkte unter dem Namen Auchan geführt.

Insgesamt 91 Supermärkte und 13 Einkaufszentren in Russland und Rumänien wechseln den Besitzer. Real machte in den vier genannten Ländern 2011 einen Umsatz von beinahe 2,6 Milliarden Euro (ohne MwSt). 20.000 der insgesamt 70.000 Real-Mitarbeiter arbeiten in den genannten Ländern. Die deutschen Supermärkte (316) und diejenigen in der Türkei (19) sind von der Übernahme nicht betroffen. Bisher war Auchan in den vier Ländern mit 98 Supermärkten und 65.000 Mitarbeitern präsent.[10] [11] [12]

Unternehmen [Bearbeiten]

Standorte [Bearbeiten]

Länder mit Real-Märkten
Ein „real,-“-Markt in Köln-Sülz
Der Real Future Store in Tönisvorst am Niederrhein.

Die real,- SB-Warenhaus GmbH (kurz real,-, früher Real-Kauf) mit Sitz in Alzey gehört zu der in Düsseldorf ansässigen real,- Group Holding GmbH, die wiederum eine Tochtergesellschaft der ebenfalls in Düsseldorf ansässigen Metro Group ist und betreibt 312 Warenhäuser in Deutschland und 109 in Polen, Rumänien, Russland, der Türkei und in der Ukraine (Stand: März 2013).[13]

Seit 2003 wurden die real,--SB-Warenhäuser und die extra-Verbrauchermärkte enger verbunden; Teile von extra wurden zu real,- umfirmiert und 119 extra-Märkte an die Rewe Group veräußert. 2004 bestanden noch 436 extra-Märkte mit 12.600 Mitarbeitern und erwirtschafteten einen Netto-Umsatz von 2,8 Milliarden Euro. 2005 verringerte sich die Anzahl der Standorte der beiden Ketten in Deutschland von 708 auf 552 Märkte. Weitere 40 Märkte befanden sich im Ausland. Im März 2006 wurde der erste rumänische Markt in Timișoara eröffnet, am 16. Oktober 2009 folgte der erste Markt in der Ukraine.

Am 28. Juli 2006 gab die Metro AG den Erwerb der 85 deutschen SB-Warenhäuser des US-Konzerns Walmart bekannt, der sich aus Deutschland zurückzog.

Die Märkte sind in vier getrennten GmbHs organisiert,[14] die unterschiedliche Zwecke erfüllen: Die real,- SB Warenhaus GmbH betreibt die meisten Filialen. Die Zweite real,- SB Warenhaus GmbH entstand durch den Ankauf des Deutschlandgeschäftes von Walmart durch Umbenennung, die entsprechenden Standorte werden bis heute separat geführt. Die Dritte real,- SB Warenhaus GmbH ist mit bisher zwei Märkten die kleinste, da diese Gesellschaft gegründet wurde, um die Beschäftigten nicht nach Einzelhandelstarif bezahlen zu müssen. Neu eröffnete Märkte, etwa in Lübeck und Mülheim an der Ruhr, sollten in dieser Gesellschaft aufgehen. Der Plan wurde nach heftigem Streit mit der Gewerkschaft ver.di allerdings verworfen, der Tariflohn auch in der dritten GmbH wieder eingeführt, die zum 1. Januar 2009 schließlich in der ersten aufging[15]. Die Vierte real,- SB Warenhaus GmbH umfasst 27 Standorte, die offenbar als Schließungskandidaten gelten.

Beschäftigte [Bearbeiten]

real,- inklusive extra beschäftigte im Jahr 2007 etwa 45.000 Mitarbeiter, davon 35.000 in Deutschland (extra existiert seit dem 16. März 2009 nicht mehr). Im Jahr 2009 lag die Mitarbeiterzahl bei rund 58.000. Im Ausland stieg die Mitarbeiter-Anzahl im Jahr 2008 von rund 6.750 auf 7.070 Mitarbeiter.

Umsätze und Gewinne [Bearbeiten]

Nach dem Umsatzanstieg bis 2001, musste real,- seitdem einen stetig schrumpfenden Umsatz hinnehmen. Im Jahr 2011 betrug der Umsatz rund 11,2 Mrd. Euro, was etwa 17 % des Gesamtumsatzes der Metro Group ausmachte. Der EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) im Jahr 2011 erreichte 134 Millionen Euro nach 132 Millionen Euro im Jahr 2010.

Hackfleisch-Skandal 2005 [Bearbeiten]

Neu eingerichtete „real,-“-Filiale in Würzburg

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelte im März 2005 wegen Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz und die Hackfleischverordnung.[16] In zwei Filialen, in Laatzen und in Hannover, waren Mitarbeiter von einem ehemaligen Angestellten mit einer „versteckten Kamera“ ertappt worden, wie sie über der Haltbarkeit befindliches Hackfleisch neu verpackten und etikettierten, um es im Markt weiter zu verkaufen. Die Ermittlungen wurden anschließend auf vier Filialen ausgedehnt. Ermittlungshandlungen gründeten sich auf den Verdacht, dass die Unternehmensführung das Umverpacken von Fleisch zentral gesteuert haben könnte. Nach gründlicher Prüfung konnte dieser Verdacht nicht erhärtet werden, so dass hier Einzeltaten der Angestellten vor Ort naheliegend sind.[17]

Neue Technologien [Bearbeiten]

Hauptartikel: Future Store

SB-Kassen [Bearbeiten]

real,- hat in einigen Filialen zusätzlich zu den herkömmlichen Kassen Selbstbedienungskassen eröffnet. An den jeweils vier SB-Kassen können Kunden ihre Waren selbst scannen, einpacken und bar oder bargeldlos bezahlen. Sie werden ergänzt durch einen sogenannten „SB-Kassen-Platz“, von dem aus ein Mitarbeiter die Vorgänge an den Kassen verfolgen und beispielsweise den Verkauf alkoholischer Getränke oder anderer Produkte, deren Verkauf einer gesetzlichen Beschränkung unterliegt, autorisieren kann.

RFID-Technologie [Bearbeiten]

Ab 2. November 2004 wurde die Radio-Frequenz-Identifikationstechnologie (RFID) schrittweise in den Märkten eingeführt und soll ausgebaut werden. RFID ermöglicht die berührungslose Identifikation, Steuerung und Verfolgung von Waren entlang der gesamten Prozesskette. Diese Technologie erlaubt erstmals die vollständige Kontrolle des Warenflusses. Die neuen Technologien und Systeme bieten Kunden, Handel und Konsumgüterindustrie eine Reihe von Vorteilen: Prozessabläufe wie Bestellungen, Lagerung und Transport führen zu einer bedarfsgerechten Warenproduktion. Die Kritik an der RFID-Technologie betrifft vor allem Datenschutzaspekte sowie einen zu erwartenden langfristigen Verlust von Teilzeit-Arbeitsplätzen im Niedriglohnsegment, wovon erwartungsgemäß besonders Frauen betroffen sein werden.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Real – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b real.info: Zahlen & Fakten
  2. Real-Markt schließt, und nun? auf lr-online.de, 13. August 2007
  3. Metro schließt Real-Markt auf suedkurier.de, 2. April 2007
  4. Soziale Liste sieht Fehler im Masterplan Einzelhandel: Durch Schließung der Real-Filiale droht Lücke in der Nahversorgung in Höntrop-West/Sevinghausen auf bo-alternative.de, 23. Mai 2007
  5. Hückelhoven Extra schließt: 46 Mitarbeiter betroffen auf rp-online.de, 17 März 2007
  6. Aktion gegen neuen "Real" in Lübeck auf indymedia.de, 10. November 2007
  7. Kartellamt gibt "grünes Licht" für Extra-Übernahme durch REWE Group Keine Auflagen - Übernahme zum 1. Juli perfekt - Integration in REWE startet noch in diesem Jahr - Extra-Schub für REWE Pressemitteilung
  8. Metro gibt Kaufhof ab und versilbert Media Markt auf welt.de, 18. März 2008
  9. Metro schließt 27 Real-Märkte und schreibt Adler ab auf reuter.de, 25. Juli 2008
  10. METRO GROUP verkauft Real Osteuropa für 1,1 Mrd. € an Auchan, 30. November 2012
  11. [tt_news=50 Groupe Auchan acquiert les hypermarchés REAL (Metro) en Europe de l'Est...], 30. November 2012
  12. Grupa Auchan przejmie hipermarkety pod szyldem Real, 30. November 2012
  13. Webseite der Metro Group
  14. Impressum von real.de
  15. Informationen zum Streit mit ver.di
  16. Fleisch-Skandal: Staatsanwaltschaften ermitteln gegen fünf Handels-Ketten auf welt.de
  17. Altes Hack in neuen Folien auf spiegel.de