Erich Klibansky

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Erich Klibansky (* 28. November 1900 in Frankfurt am Main; † 24. Juli 1942 in der Nähe von Minsk) war Leiter und Lehrer der „Jawne“, des ersten jüdischen Gymnasiums des Rheinlandes in Köln.

Leben[Bearbeiten]

Erich Klibansky, der einer ursprünglich in Litauen in der Nähe von Kowno ansässigen Rabbinerfamilie entstammte, wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren. Dort leitete sein Vater ein bekanntes interkonfessionelles Jungenpensionat, das auch sein Sohn Erich besuchte. Anschließend besuchte Klibansky das Frankfurter Goethe-Gymnasium und studierte dann an den Universitäten in Frankfurt am Main, Marburg und München Geschichte, Germanistik und Romanistik. Er promovierte um 1925 in Marburg mit einer Arbeit über "Die topographische Entwicklung der kurmainzischen Ämter in Hessen".

Seiner Ehe mit der Hamburgerin Meta David entstammten die drei Söhne Hans-Raphael, Alexander und Michael. Im Frühjahr des Jahres 1929 übersiedelte die Familie nach Köln, hier bezogen sie eine geräumige Wohnung in einem Haus an der Volksgartenstraße.

Wirken[Bearbeiten]

Löwenbrunnen auf dem Erich-Klibansky-Platz in Köln
Löwenbrunnen, Gedenktafel

Im gleichen Jahr wurde der junge, mittlerweile promovierte Studienassessor Direktor der zehn Jahre zuvor gegründeten höheren Schule, des Realgymnasiums Jawne in Köln. Trotz der Nöte in der 1929 einsetzenden schweren Weltwirtschaftskrise gelang es Klibansky, seiner Schule das Überleben zu sichern. Da diese als private Einrichtung keine staatliche Unterstützung erhielt, sammelte er Spendengelder für Umbauten und Renovierungen, so dass mit dem jährlich zu zahlenden Schulgeld von 400 Mark der Betrieb der Schule gesichert war.

Unter Klibansky erfreute sich die Schule einer stetig anwachsenden Beliebtheit in der gesamten jüdischen Bevölkerung Kölns. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 und mit den dann zunehmenden Diskriminierungen auch der Kölner Juden machte sich Klibansky hinsichtlich der Zukunft für seine Schüler in Deutschland keine Illusionen.

Rettung seiner „englischen Klassen“[Bearbeiten]

Nach dem immer stärker werdenden Druck auf die Juden musste die Familie Klibansky Ende des Jahres 1937 die Wohnung an der Volksgartenstraße verlassen, sie bezog nun enge Räumlichkeiten in der Kamekestraße. Zu dieser Zeit fasste Klibansky den Plan, die guten Sprachkenntnisse seiner „englischen Klassen“ , die er für die Prüfung zum Cambridge Certificate of Proficiency in English vorbereitete, für eine Emigration nach England zu nutzen.

Mit Zustimmung der Reichsstelle für das Auswanderungswesen suchte und fand er in London bei führenden jüdischen Persönlichkeiten Unterstützung für sein Vorhaben. Das Central British Council for Refugees sorgte für die Einrichtung eines Internats für seine avisierten Schüler. Bis zum Kriegsausbruch 1939 konnte der Schulleiter fünf Klassen mit insgesamt 130 Schülern nach Großbritannien schaffen, dann wurden die Grenzen geschlossen.

Ermordung[Bearbeiten]

Erich Klibansky und seine gesamte Familie wurden im Juli 1942 von Köln aus deportiert. Am Ende des Transports zu einem ihnen unbekannten Ziel wurden alle in einem bei Blagowschtschin gelegenen Waldstück in der Nähe von Minsk an vorbereiteten Gruben erschossen.

Erinnerung[Bearbeiten]

1990 benannte die Stadt Köln einen neu angelegten Platz an der Stätte seines Wirkens, den Erich-Klibansky-Platz, nach ihm. Für ihn und seine Familie wurden durch den Kölner Künstler Gunter Demnig vor dem Haus in der Volksgartenstraße fünf Stolpersteine verlegt.[1]

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur / Quellen[Bearbeiten]

  • Dieter Corbach: Die Jawne zu Köln: zur Geschichte des ersten jüdischen Gymnasiums im Rheinland und zum Gedächtnis an Erich Klibansky, 1900-1942. Scriba-Verlag. Köln 1990. ISBN 3-921232-42-2
  • Kirsten Serup-Bilfeldt: Zwischen Dom und Davidstern, Jüdisches Leben in Köln. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Köln 2001. ISBN 3-462-03508-8
  • Hans Thiel: Erich Klibansky - Germanist und Direktor der Jawne (1900-1942) In: Diskussion Deutsch, 23 (1992) 127, S. 493-503. ISSN 0342-1589

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Link zur Bild-Dokumentation des Kölner NS-Dokumentationszentrum