Gunter Demnig

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Gunter Demnig (Mai 2012)

Gunter Demnig (* 27. Oktober 1947 in Berlin) ist ein deutscher Künstler. Bekannt wurde er durch die „Stolpersteine“, die er für Opfer des Nationalsozialismus verlegt.

Leben[Bearbeiten]

Demnig bei einer Stolpersteinverlegung im Mai 2007
Verlegung der Stolpersteine für Esther und Herschel Grünspan in Hannover
Stolperstein nach der Verlegung
Video der Verlegung eines Stolpersteines zum Auschwitz-Erlass vor dem Kölner Rathaus im März 2013

Demnig wuchs in Nauen und Berlin auf. 1967 absolvierte er das Abitur und begann ein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Herbert Kaufmann. 1969/70 folgte ein Jahr Industrial-Design-Studium an derselben Hochschule. Ab 1971 setzte er dann das Kunstpädagogik-Studium an der Kunsthochschule Kassel fort und legte 1974 dort das Erste Staatsexamen ab.

Im gleichen Jahr begann Demnig ein Kunststudium an der Universität Kassel bei Harry Kramer, dem ab 1977 für zwei Jahre die Tätigkeit in Planung, Bauleitung und -ausführung von Denkmalsanierungen folgte. Von 1980 bis 1985 war Demnig künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst der Universität Kassel.

1985 eröffnete Demnig ein eigenes Atelier in Köln und arbeitete bei mehreren Projekten mit, so bei der Moltkerei-Werkstatt und dem Kunstraum Fuhrwerkswaage. Seit 1994 war er auch im IGNIS-Kulturzentrum tätig.

Seit April 2011 hat Demnig sein Atelier im Kunstzentrum-Signalwerk auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn in Frechen. Es befindet sich hier in Gemeinschaft mit etwa 20 anderen Ateliers in der Region bekannter Künstler.

Bekannt wurde Demnig dadurch, dass er die sogenannten „Stolpersteine“ für diejenigen Menschen herstellt, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden und meist dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Steine versieht er mit den Namen der Opfer und verlegt sie vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster. Das Projekt hat sich mit 40.000 Steinen im Juli 2013 in rund 820 deutschen und 200 ausländischen Städten zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zitat[Bearbeiten]

Wer den Namen des Opfers lesen will, muss sich herunterbeugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm.

– Gunter Demnig im Hamburger Abendblatt: Stolpersteine: Pinneberg pflastert seine Erinnerungen, 1. Dezember 2009

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1980: „Duftmarken“ Cassel–Paris
  • 1981: „Blutspur“ Kassel–London
  • 1982: „Ariadne-Faden“ von der Kasseler documenta zur Biennale in Venedig (Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde)
  • 1984: „Landschaftskonserven“
  • 1988: „Einreise Berlin/W“
  • 1990: „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“ – Lackspur vom ehemaligen Zigeunerlager Köln-Bickendorf zum Bahnhof Deutz entlang des Deportationsweges der Kölner Sinti und Roma, die von Deutz aus in Konzentrationslager verbracht wurden
  • 1993: Entwicklung der Idee der Stolpersteine
  • 1996: Illegale Verlegung der ersten Stolpersteine in Berlin und Köln
  • 1996/1997/1998/1999: „Die Mauern von Jericho“, szenisches Oratorium mit Klangskulpturen zur Musik von Werner Raditschnig in Salzburg (Kollegienkirche), Klagenfurt (Künstlerhaus), Český Krumlov (Egon-Schiele-Zentrum), Köln (Domforum des Kölner Domes), Millstatt (Internationale Musikwochen in der Stiftskirche), inszeniert von Herbert Gantschacher und produziert von ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater mit Live-Mitschnitt des Österreichischen Rundfunks und Audio-CD (ARBOS 04); Antwerpen (Opera Mobile)
  • 1997: Erste legale Verlegung von zwei Stolpersteinen in der Gemeinde St. Georgen bei Salzburg; zum Gedenken an die Brüder Matthias und Johann Nobis[8]
  • 2000: Legale Fortsetzung des Projekts Stolpersteine

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gunter Demnig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Gunter Demnig: 40.000 Stolpersteine, 40.000 Schicksale auf wdr.de (5. Juli 2013)
  2. Das Rote Tuch: Preisverleihung 2005. Abgerufen am 9. September 2010.
  3. Giesberts-Lewin-Preis In: 50 Jahre Gesellschaft Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
  4. Bündnis für Demokratie und Toleranz: Botschafter für Demokratie und Toleranz. 2008, abgerufen am 9. September 2010.
  5. Stuttgart Journal: Stuttgart: Gunter Demnig mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. 25. Januar 2011, abgerufen am 25. Januar 2011.
  6. 10 Jahre Marion Dönhoff Preis, zeitverlag.de, abgerufen am 2. Oktober 2012
  7. Lothar-Kreyssig-Friedenspreis
  8. „Stolpersteine“ zur mahnenden Erinnerung Pressemitteilung der Zeugen Jehovas vom 17. Juli 1997