Erika Fischer-Lichte

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Erika Fischer-Lichte (* 25. Juni 1943 in Hamburg) ist eine deutsche Theaterwissenschaftlerin.

Leben[Bearbeiten]

Erika Fischer-Lichte studierte von 1963 bis 1970 Theaterwissenschaft, Slawistik, Germanistik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der Freien Universität Berlin und an der Universität Hamburg. Fischer-Lichte promovierte 1972 im Fach Slawistik an der FU Berlin über den polnischen Dramatiker Juliusz Słowacki. 1973 wurde sie Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1986 übernahm Fischer-Lichte den Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth, und wurde 1991 Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Seit 1996 ist Erika Fischer-Lichte als Professorin am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeit ist die theoretische Grundlegung für eine "Ästhetik des Performativen" - unter diesem Titel erschien 2004 auch eine Studie, in der Fischer-Lichte eine historisch-theoretische Klärung des Begriffs Performanz in Kunst und Kunstwissenschaften liefert.[1] Fischer-Lichte definiert darin das performative Kunstwerk als Ereignis, das als wesenhaft selbstreferentiell und wirklichkeitskonstituierend zu gelten hat. Damit ist gesagt, dass solche Kunst an den konkreten Augenblick ihrer Aufführung gebunden ist, dass sie erlebt und erfahren werden muss, sich einer abschließend erklärenden Deutung dagegen entzieht. Dadurch wird nach Fischer-Lichte auch den Zuschauern eine neue Position zugewiesen: von bloß Betrachtenden werden sie zu Handelnden, aus deren Interaktion mit den auftretenden Künstlerinnen und Künstlern das Kunstwerk erst seine konkrete, einmalige Verkörperung erhält. Entsprechend ihrer Forschungsausrichtung war Fischer-Lichte von 1999 bis zu dessen Ende 2010 Sprecherin des Sonderforschungsbereichs 447 Kulturen des Performativen. Kritiker werfen ihm und seiner Sprecherin einen „aufgeblasenen Begriffs- und Theorieapparat“ vor.[2] Der Theaterwissenschaftler Ulf Heuner kritisiert in diesem Zusammenhang die undifferenzierte Beschwörung von Begriffen wie Transformation oder Entgrenzung und die inflationäre Veröffentlichungspraxis. Er zieht den Schluss: "Aus der Wissenschaft des Performativen ist wohl längst eine performative Wissenschaft geworden."[3] Des Weiteren leitet Fischer-Lichte das Forschungsprojekt Ästhetische Erfahrung als Schwellenerfahrung im Rahmen des Sonderforschungsbereichs Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste und ist Sprecherin des Internationalen Graduiertenkollegs Inter Art. Seit 2008 leitet sie zusammen mit Gabriele Brandstetter das internationale Forschungskolleg Verflechtungen von Theaterkulturen / Interweaving Performance Cultures.

Erika Fischer-Lichte ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Academia Europaea sowie der Leopoldina (seit 2011), Vorsitzende des Kuratoriums der Studienstiftung des deutschen Volkes und Kommissionsvorsitzende des Europäischen Wissenschaftsrates für den Bereich "Cultures and Cultural Production".

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Autorin
Herausgeberin

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erika Fischer-Lichte: Ästhetik des Performativen, edition suhrkamp: Frankfurt am Main, 2004. ISBN 978-3-518-12373-7
  2. Dirk Pilz: „Wir waren die Zukunft“, in: Berliner Zeitung, 8. Juli 2010. Pilz zitiert als Belege allerdings Stichworte, die nicht im Zusammenhang der Arbeit des Sonderforschungsbereiches geprägt wurden. So prägte den Begriff der "entwerkten Gemeinschaft" der französische Philosoph Jean-Luc Nancy im Jahr 1986. Der Begriff "TheatReales" ist in einem Aufsatz Hans-Thies Lehmanns von 1999 zu finden.
  3. Ulf Heuner: Wer herrscht im Theater und Fernsehen?, Berlin 2008, S. 49, ISBN 978-3-938880-22-7
  4. Berliner Wissenschaftspreis 2010 geht an Professorin Erika Fischer-Lichte, in: Informationsdienst Wissenschaft vom 14. Oktober 2010, abgerufen am 27. Oktober 2010
  5. Deutscher Bühnenverein: DER FAUST 2011, aufgerufen am 31. Januar 2012