EuroGames

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Dieser Artikel behandelt das schwul-lesbische sportliche Großereignis. Für den Spieleverlag siehe Eurogames (Spieleverlag)

Die EuroGames sind ein jährlich stattfindendes schwul-lesbisches sportliches Großereignis, das Anfang der 90er Jahre in Anlehnung an die Gay Games entstand. Teilnehmer sind schwule, lesbische und heterosexuelle Sportler aus ganz Europa.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die EuroGames werden seit 1992 jedes Jahr ausgetragen, mit Ausnahme der Jahre, in denen Gay Games oder Outgames stattfinden. Die Lizenz für die drei- bis viertägige Veranstaltung wird mit einer Vorlaufzeit von drei Jahren von der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF) an eine oder mehrere ihrer Mitgliedsorganisationen vergeben. Es wird unterschieden zwischen großen EuroGames, welche üblicherweise alle vier Jahre stattfinden, und den dazwischenliegenden kleinen EuroGames, die für maximal 3000 Athleten gedacht sind. Dies soll auch der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der austragungswilligen Organisationen Rechnung tragen.

Zu den Sportarten, in denen bei den EuroGames Wettkämpfe abgehalten werden, zählen Fußball, Volleyball, Basketball, Tennis, Schwimmen, Tanzen und einige weitere, aber auch eher exotische Sportarten wie Linedance, Cheerleading, Aerobic oder Synchronschwimmen mit Männern und Frauen. Die Spiele sind für alle offen und es gilt das Prinzip: Mitmachen und die persönliche Bestleistung erbringen. Neben den Bewerben gibt es meist ein gut organisiertes Kontaktprogramm („Outreachprogramm“).

Neben sportlichen Höchstleistungen der schwul-lesbischen Community sollen weitere Ziele erreicht werden:

  • Bekämpfung von Diskriminierungen im Sport aufgrund der sexuellen Orientierung
  • Förderung der Integration und Emanzipation von Schwulen und Lesben im Sport
  • Ermöglichung und Unterstützung des offenen Auftretens schwuler Sportler und lesbischer Sportlerinnen
  • Unterstützung bei der Gründung neuer schwuler, lesbischer, heterosexueller oder gemischter Sportgruppen

„EuroGames“ ist eine eingetragene europäische Wort-Bild-Marke. Das Logo ist ein fünfzackiger auf zwei Zacken stehender Stern, dessen oberste Zacke durch eine Flamme ersetzt wurde. Die Hymne ist „We are leaving (Oveture)“ der schwedischen Gruppe Polaris.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1989 wurde die EGLSF gegründet zur Vernetzung der europäischen Vereine. Teilnehmer der dritten Gay Games 1990 in Vancouver waren davon so begeistert, dass sie auch in Europa ähnliches organisieren wollten.

Im Jahre 1992 fanden die ersten EuroGames in Den Haag statt. Die etwa dreihundert Teilnehmer aus fünf Ländern maßen sich in den Disziplinen Badminton, Fußball, Volleyball und Basketball. Die zweiten Spiele fanden ebenfalls in Den Haag statt, diesmal mit über 540 Frauen und Männern aus acht Staaten. Die Disziplinen wurden um Schwimmen und Leichtathletik erweitert. Offiziell eröffnet wurden sie durch Hedy d'Ancona, dem damaligen niederländischen Sportminister. Die Gay Games 1994 in New York mit 11.000 Athleten waren ein großer Erfolg und beeinflussten viele europäische Teilnehmer an den nächsten EuroGames 1995 teilzunehmen. Für diese bündelten der Frankfurter Volleyball Verein und Artemis Sport Frankfurt ihre Kräfte. Als die Registrierung begann wurden sie von einer unerwarteten Flut von Anmeldungen überhäuft. Innerhalb weniger Wochen konnten zusätzliche Kampfstätten und Unterkünfte organisiert und viele andere logistische Probleme bewältigt werden. Letztendlich nahmen über 2000 Athleten teil. In diesem Jahr wurde auch das Logo „Stern und Flamme“ eingeführt.

Bei den Spielen 1996 in Berlin erreichte die Organisation einen semiprofessionellen Level, obwohl sie durchwegs von Freiwilligen geleistet wurde. Unter den 3400 Athleten, die sich in 17 Sportarten maßen, befanden sich auch erstmals 50 Teilnehmer aus osteuropäischen Ländern Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Russland und Rumänien. Zu diesen Spielen wurde als Hymne „We Are Leaving…“ der Eurodance-Gruppe Polaris eingeführt. Polaris stammt aus Schweden und bestand aus Giovanna Bragazzi, Leif Jacobsson und Peter Roth, wobei Jacobsson die Musik beisteuerte und Roth den Text. Für den festlichen Rahmen wird die feierliche Instrumentalversion „We Are Leaving… (Overture)“ verwendet. Neben einer 1995 erschienen Maxi-CD brachte die Gruppe im Jahr der Spiele auch eine ganze CD unter dem Titel „Euro Games IV“ heraus.[1]

Für das Jahr 1997 hatten sich Brüssel, Paris und Zürich beworben. Zu den Spielen kamen fast 2.000 Teilnehmer, wobei die Mehrheit aus Frankreich, Italien und Spanien kam. Den Organisatoren der 1999 in Manchester geplanten Spiele musste nach Monaten ernster Gespräche das Recht zur Austragung im Juli 1998 entzogen werden. Zu den EuroGames 2000 in Zürich kamen mit über 4300 Athleten wieder mehr als erwartet, davon 150 aus Süd- und Osteuropa. Erstmals wurden in einigen Sportarten „Behinderten“-Turniere veranstalten. In diesem Jahr wurde beschlossen die Spiele in große und kleine einzuteilen. Die siebenten EuroGames im August 2001 in Hannover waren die ersten „kleinen“ Spiele. Die Kooperation mit der Stadtverwaltung unter Bürgermeister Herbert Schmalstieg funktionierte gut. Unter den sieben Sportarten war der Tanzwettbewerb ein großer Erfolg. Neben der gesellschaftspolitischen Aussage durch die gleichgeschlechtlichen Paare waren die Darbietungen professionell. Die Organisatoren registrierten die Domain www.eurogames.info, welche auch bei allen zukünftigen EuroGames zur Information und Registrierung genutzt wird.

Die Eurogames 2004 fanden in München unter dem Motto „Munich s'ports the Rainbow“ statt. Sie waren die ersten, explizit als „groß“ deklarierten. Die Bewerbe der 5500 Athleten – die bisher höchste Teilnehmeranzahl – in 27 Sportarten wurden im Olympiapark ausgetragen. Es wurden wieder „Behinderten“-Turniere veranstaltet. Bei den „kleinen EuroGames“ 2005 in Utrecht wurden erstmals auch Wettkämpfe im Hockey ausgetragen, woran auch ein Team aus Australien teilnahm. Wenn Plätze frei sind können auch Nicht-Europäische Athleten teilnehmen. Bei den Spielen 2007 in Antwerpen lag die Frauenquote erstmals über 40 %, im deutschen Team stellten sie sogar die Mehrheit. 600 Freiwillige halfen mit die Veranstaltung mit über 2800 Athleten aus 40 Ländern in 12 Sportarten reibungslos über die Bühne zu bringen. Die großen Spiele 2008 in Barcelona fanden unter dem Motto „Come South, Play with us!“ statt. 5300 Teilnehmer in 25 Sportarten, dabei wieder mehr als 40 % Frauen, wurden von 1000 Freiwilligen betreut.

Veranstaltungsübersicht[Bearbeiten]

IX. EuroGames Munich. Gravur am Neuen Rathaus
Nr. Jahr Von Bis Ort Land Teilnehmer Länder Sportarten groß/
klein
I 1992 Den Haag Niederlande 300 5 4 -
II 1993 Den Haag Niederlande 540 8 6 -
- 1994 Gay Games in New York
III 1995 Frankfurt am Main Deutschland 2000 13 10 -
IV 1996 16.5. 19.5. Berlin Deutschland 3400 18 17 -
V 1997 20.6. 23.6. Paris Frankreich 2000 17 13 -
- 1998 Gay Games in Amsterdam
- 1999 - - Manchester Großbritannien abgesagt im Juli 1998
VI 2000 1.6. 3.6. Zürich Schweiz 4300 19 -
VII 2001 2.8. 5.8. Hannover Deutschland 1500 7 k
- 2002 Gay Games in Sydney
VIII 2003 29.5. 1.6. Kopenhagen Dänemark 2200 7 k
IX 2004 29.7. 1.8. München Deutschland 5533 38 26 g
X 2005 16.6. 19.6. Utrecht Niederlande 2883 44 9 k
- 2006 Gay Games in Chicago und Outgames in Montreal
XI 2007 12.7. 15.7. Antwerpen Belgien 2850 40 12 k
XII 2008 24.7. 27.7. Barcelona Spanien 5300 40 25 g
- 2009 Outgames in Kopenhagen
- 2010 Gay Games in Köln
XIII 2011 20.7. 24.7. Rotterdam Niederlande k
XIV 2012 27.6. 1.7. Budapest Ungarn
- 2013 Outgames in Antwerpen
- 2014 Gay Games in Cleveland & Akron
XV 2015 Stockholm Schweden
XVI 2016 Helsinki Finnland

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Polaris bei Discogs (englisch)