Nijmegen

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Nimwegen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum niederländischen Bioinformatiker siehe Erik van Nimwegen.
Gemeinde Nijmegen
Flagge der Gemeinde Nijmegen
Flagge
Wappen der Gemeinde Nijmegen
Wappen
Provinz Gelderland
Bürgermeister Hubert Bruls (CDA)
Sitz der Gemeinde Nijmegen
Fläche
 – Land
 – Wasser
57,53 km²
53,59 km²
3,94 km²
CBS-Code 0268
Einwohner 168.251 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 2925 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 50′ N, 5° 52′ O51.8361111111115.8666666666667Koordinaten: 51° 50′ N, 5° 52′ O
Bedeutender Verkehrsweg A15 A73 E31A325 A326 N325 N326 N324 N842 N844
Vorwahl 024, 0481
Postleitzahlen 6500–6546, 6663, 6679, 6683
Website www.nijmegen.nl
Lage von Nijmegen in den Niederlanden

Nijmegen [ˈnɛiˌmeːɣə(n)][2] ( anhören?/i), deutsch Nimwegen, auf Nimwegisch: Nimwèège [nɪmˈʋɛːʝə], ist eine Hansestadt mit 168.251 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014). Sie liegt im Osten der Niederlande in der Provinz Gelderland in der Nähe der Grenze zur deutschen Region Niederrhein. Nijmegen war der wichtigste der vier Hauptorte in der Grafschaft Geldern, 1402 wurde Nijmegen Mitglied der Hanse.

Name[Bearbeiten]

Der lateinische Name Noviomagus geht zurück auf die keltischen Wörter magos für Ebene oder Markt und novio neu. Die Römer latinisierten es zu Noviomagus. In der Zeit Karls des Großen hieß der Ort Numaga, was sich mit der Zeit in Nieumeghen oder Nimmegen (siehe auch das deutsche Neumagen) veränderte. Manche Einheimische nennen ihre Stadt nicht Nijmegen, sondern Nimwèège.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Marktplatz von Nijmegen

Antike[Bearbeiten]

Die Hansestadt Nijmegen bezeichnet sich als die älteste Stadt der Niederlande. Die Geschichte der Stadt geht bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück, 2005 fand die 2000-Jahr-Feier statt, die Römer unterhielten hier einen Militärstützpunkt, Ulpia Noviomagus Batavorum. (Maastricht im Süden der Niederlande nennt sich allerdings ebenfalls älteste Stadt des Landes.) Das Kastell befand sich im 4. Jahrhundert auf dem Pfalzhügel. Nach Abzug der Römer gingen um 410 auch deren administrativ-militärische Funktionen verloren. Zahlreiche Grabungsfunde im Stadtgebiet erweisen eine Siedlungskontinuität vom 4. bis zum 7. Jahrhundert.[3]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die römischen Befestigungen gingen an die Merowingerkönige und dann in die Hände der karolingischen Könige. Anfang des 7. Jahrhunderts ist eine merowingische Münzstätte nachgewiesen. Die Pfalzkirche aus dem 1. Viertel des 7. Jahrhunderts diente zugleich als Pfarrkirche. Nijmegen war ein castrum gegen die Nachbarvölker Sachsen und Friesen. Karl der Große baute 777 auf den Mauern des Kastells eine Pfalz, die aber erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde. Die zugehörige Ortschaft wurde als villa bezeichnet. Ludwig der Fromme hielt sich oft in der Pfalz auf.[3] Die Pfalz war Mittelpunkt eines ausgedehnten Königsgutsbezirkes (fiscus Niumaga) mit Reichsforst.[4] Um 880 nahmen die Normannen die Pfalz ein, die sie bei ihrem Abzug niederbrannten.

Als Handelsniederlassung entstand Nijmegen wahrscheinlich vor dem Jahre 1000 zwischen der heutigen Grotestraat, Priemstraat und Nonnenstraat, westlich des Pfalzhügels in unmittelbarer Nähe zum Waal.[5] Otto III. hielt 1018 auf dem königlichen Besitz in Nijmegen ab, dem im Lauf insbesondere der ottonischen und salischen Zeit weitere königliche oder kaiserliche Hoftage folgten.[6] Wohl um 1030 wurde in der Pfalz die St.-Nikolaus-Kapelle, einer der wenigen erhaltenen romanischen Zentralbauten errichtet. Es war ein Zentralbau nach dem Vorbild der Aachener karolingischen Pfalzkirche.[7]

Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches baute die im Jahr 1047 von Herzog Gottfried dem Bärtigen niedergebrannte Pfalz 1155 in eine ausgedehnte Burganlage, den Valkhof, um. Davon ist aber nur noch ein kleiner Teil – zwei Kapellen – erhalten. November 1165 wurde Heinrich VI., der Sohn Barbarossas, in Nijmegen geboren.[8] Seit Ende des 12. Jahrhunderts hatte Nijmwegen eine königliche, seit 1247 eine gräfliche Münzstätte.[9]

Unter Heinrich VII. wurde Nijmegen 1230 freie Reichsstadt. Kurz darauf, am 8. Oktober 1247, kam die Reichsstadt in Gelderländische Hände. Graf Otto II. von Gelderland erhielt die Stadt als Pfand vom römisch-deutschen König Wilhelm II. (der gleichzeitig Graf von Holland war). Weil das Lehen nicht ausgelöst werden konnte, blieb es fortan im Besitz der Herren von Geldern. Unter Otto II. begann 1250 auch der Bau der Stevenskerk, einer Kirche, die auch heute noch die Silhouette von Nijmegen dominiert. Um 1300 wurde die Umwallung der Stadt anlegt (Fläche 29 ha).[9]

Blick auf den Fluss Waal und die Valkhof Zitadelle, Gemälde von Jan van Goyen, 1641.
Die St.-Nikolaus-Kapelle in Nijmegen

Nijmegen konnte trotz der Großen Pest 1345 seine Einwohnerzahl steigern. Nijmegen wurde 1402 Mitglied der Hanse. Es wurden Handelsbeziehungen nach England und in die Ostsee aufgebaut.

Neuzeit[Bearbeiten]

Mitte des 15. Jahrhunderts soll die Stadt über 10.000 Einwohner besessen haben.[9] Bau und die Renovierung zahlreicher Kirchen und Klöstern lockten das Kunstgewerbe in die Stadt. Nijmegen wurde der wichtigste von vier Hauptorten im Herzogtum Geldern. 1543 kam Nijmegen mit dem Rest des Geldernlandes durch den Vertrag von Venlo in spanische Hände. Prinz Moritz eroberte die Stadt 1591. Zu Nijmegen wurde 1678 der Friede von Nimwegen zwischen Frankreich und der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande geschlossen.

1923 erhielt Nijmegen eine katholische Universität (Katholieke Universiteit Nijmegen, kurz KUN). Diese wurde 2004 in Radboud Universiteit Nijmegen umbenannt (kurz RU), um mit dem überregional bekannten Krankenhaus Radboud auch namentlich eine Einheit zu bilden.

Am 22. Februar 1944, im Zweiten Weltkrieg, wurde Nijmegen durch ein alliiertes Bombardement stark zerstört: Nachdem eine Mission auf Gotha (Werk der Messerschmitt AG) abgebrochen worden war, erlagen die zurückfliegenden Bomber auf der Suche nach einem Sekundärziel vermutlich dem Irrtum, das deutsche Kleve anzufliegen. Im September desselben Jahres erlitt Nijmegen weitere Kriegsschäden während der Schlacht um Arnhem. Im nahe gelegenen Klever Reichswald und im Umfeld der heutigen Stadt fand zudem im Februar 1945 die sogenannte Schlacht im Reichswald statt. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten anschließend bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein schlagen und somit das Ruhrgebiet einnehmen.

Geographie und Wirtschaft[Bearbeiten]

Bahnhof

Nijmegen liegt 15 km südlich von Arnhem in der Nähe der deutschen Gemeinden Kranenburg und Kleve. Im Norden bildet die Waal die Stadtgrenze, die bei Pannerden als einer der Flüsse des Rheindeltas aus dem Rhein entsteht.

Verkehr[Bearbeiten]

Eisenbahnlinien und Autobahnen verbinden die Stadt mit Arnhem, ’s-Hertogenbosch und Venlo. Der Bahnhof Nijmegen wird auf der Bahnstrecke Arnhem–Nijmegen seit 1879 von Norden, auf der Bahnstrecke Tilburg–Nijmegen seit 1881 von Westen und auf der Maaslinie seit 1883 von Süden erreicht; die historisch älteste Verbindung auf der Linksniederrheinischen Strecke (1865-1991) von Osten liegt inzwischen brach. Das Netz der Stadtbuslinien der Novio dient der Feinverteilung. Außerdem wird Nijmegen mit Überlandbussen angefahren. Die Ortschaft liegt an der Europastraße 31 nach Papendrecht (Südholland), nach Goch (Linker Niederrhein), Köln und Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis).
Bis 1955 besaß Nijmegen eine Straßenbahn, deren Reaktivierung in Form einer Regional-Stadtbahn im Gespräch ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Stadt hat einen Binnenhafen am Maas-Waal-Kanal, der an der nördlichsten Stelle der Stadt von der Waal abzweigt. Die Industrie umfasst unter anderem Computerchips, Beton und Kleingewerbe.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kronenburgerturm

Bildung[Bearbeiten]

In der Nähe der Bahnhofhaltestelle Nijmegen Heyendaal befindet sich der Campus der Radboud-Universität Nijmegen sowie einige Standorte der Hogeschool van Arnhem en Nijmegen (HAN). Insgesamt studieren fast 33.000 Menschen in Nijmegen.[10]

Des Weiteren befindet sich direkt neben dem Hauptbahnhof das Hauptgebäude des ROC Nijmegen, ein Zentrum für Berufsausbildungen.

Unterhaltung und Sport[Bearbeiten]

  • In Nijmegen gibt es eine Filiale des Holland Casino.
  • Studenten und andere junge Leute gehen nachts in die landesweit bekannte Disko Matrixx.
  • Im Goffert-Stadion (südwestlich der Innenstadt, etwa 12.500 Sitze) ist der Profi-Fußballverein NEC Nijmegen zu Hause.
  • Im Goffert-Park startet 2009 das erste Sonisphere Festival
  • Im Triavium-Eisstadion spielen die Nijmegen Devils.
  • Jedes Jahr im Juli findet seit 1909 der Nijmegenmarsch (de Nijmeegse Vierdaagse) statt, eine internationale viertägige Wanderung über 200 km, bei der zu Fuß Distanzen von 30 bis 50 km pro Tag zurückgelegt werden. Die Veranstaltung ist mit über 40.000 Teilnehmern die größte ihrer Art weltweit.
  • Der Sieben-Hügel-Lauf mit Start und Ziel in Nimwegen ist einer der größten Volksläufe Europas mit jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Läufern.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte von Nijmegen sind:

Literatur[Bearbeiten]

  • Jos Seveke: Nimwegen. Bilder aus dem Leben der Kaiserstadt der Niederlande. Zur Schau ausgelegt und erörtert: Jos Seveke. Lichtbilder v. Louis Drent; „Foto Gelderland“. [Ins Deutsche übertragen v. Hans Grimmelt]. - Nimwegen; Utrecht: Dekker & van de Vegt, 1955, 102 S.
  • Uwe Ludwig, Thomas Schilp (Hrsg.): Mittelalter an Rhein und Maas, Waxmann, Münster 2004, ISBN 978-3-8309-1380-1
  • Jan Kuys: Nijmegen, in: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 21, Naualia - Østfold. 2. Auflage, de Gruyter, Berlin / New York, NY 2002, S. 217f, ISBN 3-11-017272-0.
  • Pieter Leupen: Nijmegen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1149–1151.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. Langenscheidts Taschenwörterbuch Niederländisch, ISBN 3-468-11232-7, S. 287
  3. a b Reallexikon Bd. 21 S. 217
  4. Pieter Leupen: Nijmegen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1149–1151 (hier Sp. 1149).
  5. Roodenburg: Städtebauliche Geschichte
  6. Ludwig/Schilp: Mittelalter an Rhein und Maas. Münster 2004, S. 88, S. 93
  7. Forschungsprojekt TU Berlin
  8. Ulrich Knefelkamp: Das Mittelalter. Paderborn 2002, S. 207
  9. a b c Pieter Leupen: Nijmegen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1149–1151 (hier Sp. 1150).
  10. http://www.mijnstudentenleven.nl/studenten-nijmegen/studenten-studeren-in-nijmegen.html
  11. Partnerschaft mit Pskow
  12. Partnerschaft mit Masaya
  13. Partnerschaft mit Higashimatsuyama
  14. Partnerschaft mit Gaziantep
  15. Partnerschaft mit Albany