Kunstverein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kunstvereine dienen der Vermittlung zwischen zeitgenössischer Künst und einem kunstinteressierten Publikum vornehmlich durch Ausstellungen und den Verkauf von Kunstwerken an ihre Mitglieder. Sie werden meist in der Rechtsform des gemeinnützigen und eingetragenen Vereins geführt. In Deutschland existieren auf lokaler und regionaler Ebene über 300 Kunstvereine mit 120.000 Mitgliedern, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine zusammengeschlossen haben.[1] Manche Kunstvereine betreiben in ihren Räumen eine Artothek.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Kunstvereine wurden im Zeitraum zwischen 1800 und 1840 vom aufstrebenden Bürgertum und von Künstlern selbst gegründet. Ihr Ziel war die Vermittlung zwischen Laien und der Gegenwartskunst und nicht zuletzt der Verkauf aktueller Kunstwerke. Die Beschäftigung mit Kultur und das Sammeln von Kunst sollte nicht länger dem Adel überlassen bleiben. Vereine, so auch die Kunstvereine, waren Ausdruck von Emanzipationsbestrebungen, ein Schritt in die moderne demokratische Gesellschaft, eine freie Korporationsform gegenüber dem Ständestaat. Zu den ältesten Kunstvereinen zählen die Albrecht-Dürer-Gesellschaft in Nürnberg (1792), der Kunstverein in Hamburg (1817) und der Badische Kunstverein in Karlsruhe (1818). Seit dem beginnenden 19. Jahrhundert bildeten sich in fast jeder größeren deutschen Stadt Kunstvereine als frühe Bürgerinitiativen für Kunst. Wenig später bildeten sich als Standesvertretung der Künstler auch Künstlervereine, die in vielen Städten parallel zu den Kunstvereinen geführt wurden.

Organisation[Bearbeiten]

Im Vereinsrecht verankert, verfügen sie über einen von den Mitgliedern gewählten Vorstand. Während sich Museen vorwiegend der Sammlung von Kunst widmen und Galerien mit Kunst handeln, haben sich die Kunstvereine als gemeinnützige Institutionen ausschließlich der Förderung und Vermittlung von Gegenwartskunst verschrieben. Mit Vorträgen, Führungen und Bildungsreisen informieren sie über aktuelle Entwicklungen und fördern die Auseinandersetzung und Diskussion zwischen Besuchern und Künstlern. Finanziert werden die Vereine durch Mitgliedsbeiträge, öffentliche Mittel und Sponsoren. In der Regel ernennt der Vereinsvorstand einen Direktor/Direktorin und ein Kuratorium. Eine erwähnenswerte Ausnahme bildet die basisdemokratische Neue Gesellschaft für bildende Kunst (NGBK) in Berlin-Kreuzberg, in der die Mitglieder Arbeitsgruppen bilden und Projektvorschläge einreichen können. Die NGBK entstand 1969 durch Abtrennung vom Berliner Kunstverein (heute: Neuer Berliner Kunstverein NBK).

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine[Bearbeiten]

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) in Berlin vertritt die Interessen der deutschen Kunstvereine und fördert gemeinsame Projekte. Mitglied der ADKV können Kunstvereine werden deren zentrales Anliegen die öffentliche Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer Kunst ist.[2]

Liste von Kunstvereinen[Bearbeiten]

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Deutschland[Bearbeiten]

Ort Name seit/bis Anmerkungen
Aalen Kunstverein Aalen 1983
Achim Kunstverein Achim 1990
Ahlen Kunstverein Ahlen 1988
Aichwald Kunstkreis Aichwald 2004 Jahresausstellung: Im Spiegel der Bilder
Altena Kulturring Altena 1971
Arnsberg Kunstverein Arnsberg 1987
Aschaffenburg Neuer Kunstverein Aschaffenburg 1991
Augsburg Kunstverein Augsburg 1833
BerlinMarienbad pro arte vivendi 1998 ein deutsch-tschechischer Kunstverein
Berlin-Frohnau Kunstverein Centre Bagatelle 1994
Berlin-Kreuzberg Neue Gesellschaft für bildende Kunst (NGBK) 1960
Berlin-Mitte Neuer Berliner Kunstverein (NBK) 1969 ursprünglich: Berliner Kunstverein
Berlin-Tiergarten Kunstverein Tiergarten 2005
Bielefeld Bielefelder Kunstverein 1929 Träger des Museum Waldhof
Bodenburg Kunstverein Bad Salzdetfurth 1991
Böblingen Kunstverein Böblingen 1961
Bonn Bonner Kunstverein 1963
Braunschweig Kunstverein Braunschweig 1832 in der Villa Salve Hospes
Bremen Kunstverein in Bremen 1823 Träger der Kunsthalle Bremen
Bremen GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst 1980
Bremerhaven Kunstverein Bremerhaven von 1886 e.V. 1886 Träger der Kunsthalle Bremerhaven und des Kunstmuseums Bremerhaven
Brühl (Rheinland) Brühler Kunstverein 1972
Coburg Kunstverein Coburg 1824
Coesfeld Kunstverein Münsterland 1998
Cuxhaven Cuxhavener Kunstverein 1991
Darmstadt Kunstverein Darmstadt 1837
Dortmund Dortmunder Kunstverein 1984
Dresden Neuer Sächsischer Kunstverein 1990 Nachfolger des Sächsischen Kunstvereins (1828–1945)
Düsseldorf Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen 1829
Essen Kunstverein im Bistum Essen e.V. 1960
Essen Kunstverein Ruhr e. V. 1950 1950 als Tatkreis Kunst der Ruhr e.V.
Ettlingen Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen e. V. 1985 ursprünglich: "Freundeskreis Wilhelmshöhe"
Frankfurt am Main Frankfurter Kunstverein 1829 im Steinernen Haus
Frankfurt am Main Kunstverein Familie Montez 2007 Die Honsellbrücke als neuer Standort 2013
Frankfurt am Main Kunstverein EULENGASSE 2003
Frechen Kunstverein Frechen 1962
Freiburg im Breisgau Kunstverein Freiburg 1827
Friedberg Kunstverein Friedberg 1976
Fröndenberg/Ruhr Kunstverein Fröndenberg 2011
Gießen Neuer Kunstverein Gießen 1998
Göppingen Kunstverein Göppingen 1986
Görlitz Kunstverein für die Lausitz 1855–1949 aus politischen Beweggründen zwangsaufgelöst, 1991 als Kunstverein für die Lausitz neu gegründet
Görlitz Oberlausitzer Kunstverein 1991 Nachfolgeverein des Kunstvereins für die Lausitz
Göttingen Kunstverein Göttingen 1968
Halle (Saale) Hallescher Kunstverein 1834–1936 Neugründung 1990
Halle (Saale) Kunstverein „Talstrasse“ 1991
Hamburg Kunstverein in Hamburg 1817
Hamburg Kunstverein St. Pauli 2006
Hamburg-Harburg Kunstverein Harburger Bahnhof 1999
Hannover Kestnergesellschaft 1916 1936 aus politischen Gründen geschlossen, Neugründung 1948
Hannover Kunstverein Hannover 1832
Heidelberg Heidelberger Kunstverein 1869
Heidenheim Kunstverein Heidenheim 1973
Hasselbach Kunstverein Hasselbach 1986
Heilbronn Kunstverein Heilbronn 1879
Heppenheim Kunstverein Heppenheim 2009
Herford Herforder Kunstverein im Daniel-Pöppelmann-Haus e.V. 1955
Hildesheim Kunstverein Hildesheim 1978
Hof Kunstverein Hof e.V. 1863, 1996
Husum Kunstverein Husum und Umgebung 1992
Ibbenbüren Kunstverein Ibbenbüren 1965
Iserlohn Kunstverein Villa Wessel 1990 Iserlohner Kunstpreis seit 2003
Jena Kunstverein Jena e.V. 1903
Karlsruhe Badischer Kunstverein 1818
Kassel Kunstverein Kassel 1835
Köln Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde 1927
Köln Kölnischer Kunstverein 1839
Konstanz Kunstverein Konstanz 1858
Krefeld Krefelder Kunstverein 1883
Langenfeld Kunstverein Langenfeld 1984
Langenhagen Kunstverein Langenhagen 1981
Leipzig Leipziger Kunstverein 1837–1946 1946 aus politischen Gründen zwangsaufgelöst, 1990 als Neuer Leipziger Kunstverein neu gegründet (siehe dort)
Leipzig Neuer Leipziger Kunstverein 1990 Nachfolger des Leipziger Kunstvereins (1837–1946)
Leipzig Kunstverein Leipzig 1993
Lingen Kunstverein Lingen 1983
Lübeck Overbeck-Gesellschaft, Verein von Kunstfreunden e.V. 1918 Ausstellungspavillon im Skulpturengarten des Museums Behnhaus.
Ludwigshafen Kunstverein Ludwigshafen 1928
Mainz Kunstverein Freigeist e.V. 2010
Mainz Kunstverein Eisenturm Mainz e.V. 1975 ursprünglich Förderkreis Eisenturm (1975), dann Künstlerhaus Eisenturm in Mainz – Freundeskreis Bildende Kunst (bis 1987)
Mainz Verein für Kunst und Literatur 1824–188?
Mannheim Mannheimer Kunstverein 1833
Marburg Marburger Kunstverein 1953 ging aus dem „Künstlerkreis Marburg” hervor
Meerane Meeraner Kunstverein 1993
Meiningen NEKST e.V. 2001 NEKST steht für Neuer Europäischer Kunstsalon Thüringen
Meißen Kunstverein Meißen 1992
Mölln Lauenburgischer Kunstverein 1984
Mosbach Kunstverein Neckar-Odenwald 1977
Mülheim an der Ruhr Mülheimer Kunstverein e. V.  ?
München Kunstraum München 1973 ursprünglich: Freunde der bildenden Kunst (1926)
München Kunstverein München 1823
München Verein für Original-Radierung 1891
Münster Westfälischer Kunstverein 1831
Neuenhaus Kunstverein Grafschaft Bentheim 1993
Nördlingen Kunstverein Nördlingen 2001
Nürnberg Albrecht-Dürer Gesellschaft
Kunstverein Nürnberg
1792 ursprünglich Kunst-Societät (1792), dann Verein von Künstlern und Kunstfreunden, 1830 mit dem Albrecht-Dürer-Verein (1818) zusammengeschlossen
Nürnberg Kunstverein Nürnberg 1976 Kunstverein Hintere Cramergasse e.V., Frankenstrasse 200
Oberhausen Kunstverein Oberhausen 1950/1953
Oldenburg Oldenburger Kunstverein 1843
Passau Kunstverein Passau 1949
Potsdam Potsdamer Kunstverein e. V. 1912
Potsdam Kunstverein Kunsthaus Potsdam e. V. 2002
Potsdam Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e. V. 1993
Radebeul Radebeuler Kunstverein 1996 Nachfolger des Kunstverein für die Lößnitz (1907–1914)
Regensburg Kunst- und Gewerbeverein Regensburg 1838 1925 Fusion des Kunstvereins mit dem Gewerbeverein Regensburg (gegr. 1847)
Rügen Kunstverein Rügen 1991
Saarbrücken Neuer Saarbrücker Kunstverein 2010
Schwäbisch Hall Kunstverein Schwäbisch Hall 1997 ursprünglich „Städtische Galerie“ (1976–1997)
Schwerte Kunstverein Schwerte 1987
Siegen Kunstverein Siegen 1980
Stettin Pommerscher Verein für Kunst und Kunstgewerbe 1835 ursprünglich Kunstverein für Pommern (1835–1910), 1924 aufgelöst
Stuttgart Stuttgarter Kunstverein 1996
Stuttgart Württembergischer Kunstverein Stuttgart 1827
Torgau Kunst- und Kulturverein Torgau 1981
Trier Kunstverein Trier Junge Kunst 1995 ursprünglich: Förderverein Junge Kunst (1991)
Ulm Kunstverein Ulm 1887
Unna Kunstverein Unna 1968
Viernheim Kunstverein Viernheim 1999
Wedemark imago Kunstverein Wedemark 1995 Verein für Bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst
Wedemark KUNSTverein 2000 Wedemark 2000
Weinheim Kunstförderverein Weinheim e. V. 1986
Werne Kunstverein Werne  ?
Wesel Niederrheinischer Kunstverein 1981
Wiesbaden Nassauischer Kunstverein 1847 ursprünglich Gesellschaft der Freunde der bildenden Kunst im Herzogtum Nassau
Wuppertal-Barmen Kunstverein Barmen 1866
Wunstorf Kunstverein Wunstorf 1984
Würzburg Kunstverein Würzburg 1989
Xanten Kunstverein Xanten e.V. (KUX) 1974

Italien[Bearbeiten]

Ort Name seit Anmerkungen
Bozen Ar/ge kunst Galleria Museo 1985
Mailand Kunstverein Milano 2010

Österreich[Bearbeiten]

Ort Name seit Anmerkungen
Wien Wiener Kunstverein 1830
Salzburg Salzburger Kunstverein 1844
Linz Oberösterreichischer Kunstverein 1851
Klagenfurt Kunstverein Kärnten 1907
Graz Grazer Kunstverein 1986

Schweiz[Bearbeiten]

Ort Name seit/bis Anmerkungen
Basel Basler Kunstverein 1839
St. Gallen Kunstverein St. Gallen 1827

Literatur[Bearbeiten]

  •  Bernd Milla, Heike Munder (Hrsg.): Tatort Kunstverein. Eine kritische Überprüfung eines Vermittlungsmodells. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg, 2001, ISBN 3-933096-62-6.
  • Lothar Romain:, Lothar 1984: Zur Geschichte des deutschen Kunstvereins. In: Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (Hrsg.): Kunstlandschaft Bundesrepublik. Stuttgart 1984, S. 11–37

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kunstverein – Quellen und Volltexte
 Commons: Kunstvereine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine
  2. Satzung der ADKV (PDF; 86 kB)