Folie à deux

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Dieser Artikel behandelt eine psychotische Störung; zum gleichnamigen Album der Band Fall Out Boy siehe Folie à Deux.
Klassifikation nach ICD-10
F24 Induzierte wahnhafte Störung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Folie à deux [fɔˈli aˈdø] (frz. „Geistesstörung zu zweit“), auch „induzierte wahnhafte Störung“, „gemeinsame psychotische Störung“ (DSM-IV 297.3), „psychotische Infektion“ oder „symbiontischer Wahn“, bezeichnet die relativ seltene, ganze oder teilweise Übernahme einer Wahnsymptomatik durch einen nahestehenden, primär nicht wahnkranken Partner. Nach einer Trennung verschwindet der Wahn meist bei der vormals gesunden Person. Eine soziale Isolation wird als wichtiger Risikofaktor für das Auftreten der Störung gesehen.

Neuere Studien weisen allerdings darauf hin, dass die gegenwärtigen Klassifikationskriterien unzureichend sein könnten, um alle Erscheinungsbilder einer Folie à deux zu erfassen; dass das Spektrum der übertragbaren Symptome wesentlich größer ist; dass die „vormals gesunde“ Person tatsächlich sehr gefährdet ist, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln oder bereits an einer signifikanten Störung zu leiden; und dass eine Trennung der Partner in einer großen Zahl der Fälle nicht ausreicht, die Störung zu beheben.[1]

Die „induzierte wahnhafte Störung“ ist differenzialdiagnostisch vom „konformen Wahn“ (sich zusammenfügender Wahn) zu trennen, der eine gemeinsame Weiterentwicklung der jeweiligen Wahnsymptomatik bei zwei primär Erkrankten bezeichnet.

Der Begriff Folie à deux wurde von Ernest-Charles Lasègue geprägt. Er beschrieb dieses Phänomen in einem 1877 gemeinsam mit Jules Farlet veröffentlichten Artikel als Wechselbeziehung zwischen den „Psychopathologien verwandter Personen“.[2][3][4]

Kulturelle Rezeption[Bearbeiten]

Im Film Intruders von Juan Carlos Fresnadillo (2011) wird das Krankheitsbild zur Auflösung der Geschichte herangezogen.[5]

Im Film Die Unzertrennlichen kopiert der eine Zwilling das gestörte, von Drogensucht und Depressionen geprägtes Verhalten des Anderen um ein Zwillingsphantasma (was dem einen passiert, passiert auch dem anderen) aufrecht zu erhalten.

Episode 19, Staffel 5, der Serie Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (1998), trägt im englischen Original den Titel "Folie à deux" und handelt von einem Mann, der in seinem Chef ein Monster sieht, und auch Fox Mulder von seiner Vision überzeugen kann.

Literatur[Bearbeiten]

  • Scharfetter, C. (2002). Allgemeine Psychopathologie. Thieme
  • Dilling et al. (2004). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber
  • Saß et al. (2003). Diagnostische Kriterien (DSM-IV-TR). Hogrefe-Verlag

Weblinks[Bearbeiten]

  • "Folie a deux hallucinatoire"--a new case of induced hallucinatory psychosis. A new entity? in: Orv Hetil. 1999 (ungarisch) / PMID 10489770
  • Pathodynamics of symbiotic psychoses in: Psychiatr Clin (Basel). 1977 / PMID 614612
  • Folie à deux and dementia. in: Aust N Z J Psychiatry. 1990 / PMID 2396970
  • Psychopathological concepts of induced insanity exemplified by folie a deux in: Fortschr Neurol Psychiatr. 1996 / PMID 8850091
  • Folie à deux in schizophrenia--"psychogenesis" revisited in: Seishin Shinkeigaku Zasshi. 2004 (japanisch) / PMID 15230353

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arnone D, Patel A, Tan GM.: The nosological significance of Folie à Deux: a review of the literature. In: Ann Gen Psychiatry. 5, Nr. 11, 2006. doi:10.1186/1744-859X-5-11. PMID 16895601.
  2. Lasègue, C; Falret, J. La folie à deux. Ann Med Psychol. 1877;18:321–355.
  3.  Michael Wirsching, Peter Scheib (Hrsg.): Paar- und Familientherapie. 1 Auflage. Springer, Berlin 2002, ISBN 3-540-41857-1 (S. 8).
  4.  L. Ricón: 2 psychoses and a symbiotic link. 1987 (in: Acta Psiquiatr Psicol Am Lat. 1987 Sep;33(3):231-40 (Spanisch)).
  5. Intruders in der Internet Movie Database (englisch)
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