Fondue

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Ein Fondue (von frz. fondu - geschmolzen, ausgesprochen Fondü) ist ursprünglich ein Gericht aus geschmolzenem Käse, das aus der französischen Schweiz und Savoyen stammt. Mittlerweile wird der Begriff auch für ähnliche Gerichte verwendet.

Käsefondue
Käsefondue

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Käsefondue

[Bearbeiten] Bestandteile

Das Käsefondue besteht aus geschmolzenem Käse und Weisswein. Als Bindemittel wird Stärke eingesetzt. Abgeschmeckt wird häufig mit einem Schuss Kirschwasser, Knoblauch und Pfeffer. Das ganze wird in einem speziellen Fonduetopf aus Keramik, genannt Caquelon, über einem kleinen Feuer, dem Rechaud, heiss gehalten. Die Teilnehmer stecken Brotstückchen oder gekochte Kartoffeln auf eine lange Gabel, halten diese in den flüssigen Käse und führen kreisende Bewegungen aus.

Von entscheidender Bedeutung ist die Käsemischung. In der Schweiz üblich ist unter anderem das "moitié-moitié" (französisch für halb-halb), bei dem je zur Hälfte Vacherin und Greyerzer zugegeben werden, was ein cremiges, helles Fondue ergibt. Liebhaber kräftigerer Fondues mischen Greyerzer und Appenzeller, Emmentaler oder Ziger. Jede Region und jede Käsehandlung hat ihre eigene Mischung.

In Frankreich gibt es auch das Fondue Savoyarde (Fondue aus der Savoyen), bestehend aus den 3 Käsesorten Emmentaler, Comté und Beaufort.

Die Brotstücke werden meistens aus Weissbrot (Baguettes sind gut geeignet) geschnitten. Ganz frisches Brot ist weniger geeignet. Jedes der mundgerechten Stücke sollte auch ein Stück Kruste aufweisen, da sich dadurch die Stücke besser auf der Gabel fixieren lassen. Im Handel sind auch spezielle Fonduebrote (flache vorgekerbte Weissbrote) erhältlich.

Fertigfondues, die ohne weitere Zutaten direkt in den Caquelon gegeben werden können, sind heute in vielen Supermärkten zu finden.

[Bearbeiten] Brauchtum

Wer sein Stück Brot verliert, muss eine "Runde" Weisswein, Schnaps oder ähnliches bezahlen oder aufstehen und ein Lied singen, wobei es bei den Verliererbräuchen durchaus Varianten gibt (im Comic "Asterix bei den Schweizern" werden diese gar ausgepeitscht und in den Genfersee geworfen). Es empfiehlt sich also, sich vor Beginn des Mahls danach zu erkundigen, was in der aktuellen Runde Brauch ist.

Traditionellerweise wird zum Käsefondue Weisswein (vorzugsweise Fendant, wobei sich auch jeder andere trockene Weisswein eignet) und/oder Schwarztee getrunken. Auch sieht man oft, dass zusätzlich ein Schnapsglas mit Kirschwasser gereicht wird, in das man das Brotstück zuerst tunken kann, oder das Kirschwasser wird direkt als Mittel gegen den Käseklumpen im Magen (ein klassischer populärer Irrtum) getrunken.

Am Boden des Caquelon pflegt der Käse zu einer Kruste anzubrennen. Ist das Caquelon leergegessen (manchmal auch schon vorher), streiten sich Liebhaber darum, diese Kruste mit der Fonduegabel herauszukratzen und als Abschluss des Fondue-Essens zu verspeisen. Diese leckere, bei zu langem Ansetzen bitter schmeckende Schicht wird oft als "croûton" oder "religieuse" (Nonne) oder "Grossmutter" bezeichnet. Im Unterwallis wird das letzte Fünftel des Fondues mit Anisschnaps und einem Eigelb verrührt, wodurch es besonders kräftig wird.

In ländlichen Gebieten der Romandie und im Alpenraum wird Fondue auch als spätes Frühstück serviert. In einigen Regionen wird das Fondue nicht mit aufgespiessten Brotstücken gegessen, sondern die Brotstückchen oder Kartoffeln werden mittels einer Suppenkelle mit dem flüssigen Käse übergossen. Diese Art der Zubereitung schlägt eine Brücke zum Raclette.

[Bearbeiten] Geschichte

Die Geschichte des Fondue ist Jahrhunderte alt. Auf den Alpen waren die Sennen stark von der Umwelt abgeschnitten. Die Grundnahrungsmittel, welche sie selbst produzieren konnten, waren Brot und Käse. Der Weg zum Fondue war somit nur noch ein kleiner Schritt. Aus manchen Erzählungen (welche nicht erhärtet sind) geht hervor, dass Mönche in der Fastenzeit keine feste Nahrung zu sich nehmen durften. Durch das Schmelzen von Käse wurde der Hunger gestillt, ohne die Fastenregel zu brechen. In der Schweiz ist die Erklärung, dass der Friedensschluss im ersten Kappelerkrieg (Kappeler Milchsuppe) Ursprung des Fondues sei, weit verbreitet.

Die genaue Herkunft des Käsefondues ist unklar. Sowohl die Schweiz als auch Savoyen in Frankreich (wo es als Fondue Savoyarde als Landespezialität bekannt ist) erheben den Anspruch auf den Ursprung des Fondues. Das Käsefondue als Schweizer Nationalgericht gibt es erst seit den 1950er Jahren. Mit der Aufnahme als weiteres Gericht in die Armeekochbücher wurde das Gericht erst richtig in der ganzen Schweiz bekannt. Die Wehrmänner brachten das Rezept aus dem Militärdienst in die Familien. Bis heute ist das Fonduekochen in vielen Haushalten eine reine Männersache. Das erste Fertigfondue wurde 1955 von der Firma Zingg AG auf den Markt gebracht.

In den 1970er und 80er Jahren wurde in der Schweiz eine breit angelegte Werbekampagne geführt unter dem Motto FIGUGEGL. Dabei handelte es sich nicht um ein neues Modewort, sondern um die Abkürzung von "Fondue Isch Guet Und Git E Gueti Luune" (auf Schriftdeutsch so viel wie "Fondue ist gut und gibt eine gute Laune"). Dabei konnte man in fast jeder Käserei komplette Sets mit Caquelon, Brenner und Gabeln für eine bescheidene Gebühr mieten. Heute ist dieser Service überflüssig, da in fast jedem Schweizer Haushalt (mindestens) ein komplettes Set verfügbar ist.

[Bearbeiten] Varianten

Das klassische Käsefondue wird auch in zahlreichen Variationen genossen. Erwähnenswert sind hier das Appenzeller Fondue, welches nicht aus einer Mischung, sondern ausschliesslich aus Appenzeller zubereitet wird. Im Kanton Freiburg wird ein Fondue nur aus der Käsesorte Freiburger Vacherin (mindestens 2 Reifungsgrade, besser 3) genossen, manchmal auch Moitié-Moitié, d.h. 1 Teil Vacherin, 1 Teil Greyerzer, wohingegen in Genf 2 Teile Greyerzer und 1 Teil Raclettekäse in das Caquelon kommen. Die Ostschweizer hingegen bevorzugen eine Mischung aus gleichen Teilen Greyerzer, Appenzeller sowie Tilsiter. In der Region Basel weit verbreitet ist eine Mischung aus gleichen Teilen Greyerzer, Vacherin und Appenzeller.

Vor allem in Restaurants werden immer mehr Fondues mit "Geschmack" angeboten. Weit verbreitet sind Tomaten-Fondue (mit Tomatenmark, gibt eine originelle Farbtönung aber nicht viel Geschmack), Kräuter-Fondue (mit verschiedenen Kräutern), Knoblauch-Fondue (mit deutlich mehr Knoblauch als normal), Curry-Fondue (mit etwas Curry) und Champagner-Fondue (wobei anstelle des Weissweines Schaumwein, seltener wirklich Champagner verwendet wird).

Die Anzahl der Möglichkeiten sind endlos, in der Schweiz haben viele Regionen eigene Rezepte.

Nach der ursprünglichen Form werden zum Fondue keine Beilagen gereicht. Heute verwendet man jedoch häufig Sauergemüse, Gurken, Silberzwiebeln, Cornichons und Mixed Pickles, in der Ostschweiz auch Bündnerfleisch und im Tessin eingemachtes oder frisches Obst.

Anstelle von Brot können auch kleine Kartoffeln für das Tunken verwendet werden. Hier ist jedoch zu beachten, dass gekochte Kartoffeln leichter zerfallen als Brotstückchen.

Da trotz des Kochens immer noch Alkohol in der Käsemasse übrig bleibt, kann für ein alkoholfreies Fondue auch Bouillon oder Süssmost anstelle von Weisswein verwendet werden. Bei der Bouillon muss jedoch beachtet werden, dass genügend Zitronensaft beigegeben wird, damit das Fondue nicht eine gummiartige Konsistenz erhält.

[Bearbeiten] Fleisch- und Fischfondue

Ein Fleischfondue.
Ein Fleischfondue.
Besteck für das Fischfondue
Besteck für das Fischfondue

Die Bedeutung von Fondue hat sich erweitert: Spricht man von Fleischfondue, so meint man entweder das Fett-Fondue (bzw. Fondue Bourguignonne), wozu ein Metalltopf auf einem Rechaud, kein Keramiktopf wie beim Käsefondue, oder das Fondue chinoise, als japanische Variante Shabu-Shabu genannt. Das "Chinesische Fondue" ist auf Bouillongrundlage; in der heissen Fleischbrühe kocht jeder Teilnehmer selbst am Tisch seine Fleischstücke, feingeschnittenes Fleisch, aber auch Gemüse. Ein typisches Gerät für die Zubereitung des "chinesischen Fondue" ist der Mongolentopf. In der Variante Bourguignonne gart man die Zutaten im heissen Fett beziehungsweise Öl. Dabei gibt es auch die Variante, dass (zusätzlich zum Fleisch) kleine Fischstücke in Bierteig getunkt werden und diese anschliessend im Fett/Öl frittiert werden.

Eine weitere Art ist das Fondue Bacchus. Dabei wird gleiches Fleisch und Würzmischung wie beim Fondue Chinoise, aber anstelle von Bouillon Weisswein verwendet. Diese Zubereitung ist vor allem im Wallis bekannt.

Aus Asien stammt das Fischfondue. Hierbei werden verschiedene Sorten Fisch (zuweilen auch Krabben, Garnelen und ähnliche Meeresfrüchte) in einem Fischfond kurz gebrüht und - ähnlich wie beim Fleischfondue - mit diversen Saucen und Dips sowie Weissbrot gegessen. Damit das zartere Fischfleisch nicht zerbricht, werden die Fischstücke in Körbchen (aus Metall, Holz, Korbgeflecht) gegart.

Obwohl bei keiner dieser Arten etwas geschmolzen wird, spricht man dennoch von "Fondue".

Siehe auch: Feuertopf

[Bearbeiten] Schokoladenfondue

Daneben haben sich zahlreiche andere Fondue-Kreationen entwickelt, wie zum Beispiel das Schokoladenfondue, bei dem Fruchtstücke von Apfel, Banane, Birne usw. mit einer Gabel in geschmolzene Schokolade getaucht werden. Um die Schokolade schmelzen zu können, ohne dass sie anbrennt, ist der Zusatz von Frittierfett oder Sahne notwendig.

[Bearbeiten] Gesellige Aspekte

Ein wichtiger Teil dieser Gerichte ist das gesellige Zusammensein bei der Vorbereitung des Gerichtes, beim Verzehr und auch beim anschliessenden gemeinsamen Zusammenräumen. Aus diesem Grund hat das Käsefondue in der Schweiz sowohl bei Weihnachtsessen und Freizeitlagern als auch im Militär einen grossen Stellenwert und bringt die beteiligten Menschen einander näher.

Wichtige Faktoren hierbei sind neben dem oft genossenen Weisswein und Kirsch die Einfachheit des Mahls, das kochen mit Feuer und die Tatsache, dass dieses Gericht meist nicht als Nahrungsaufnahme, sondern als Abendaktivität eingesetzt wird. Fondue ist daher besonders im Herbst und im Winter beliebt.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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