Friedrich Sesselmann

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Friedrich Sesselmann (* um 1410 in Kulmbach; † 21. September 1483 in Kamenz) war ein Bischof des Bistums Lebus und Kanzler des Kurfürstentums Brandenburg.

Biographie[Bearbeiten]

Friedrich Sesselmann wurde geboren im oberfränkischen Kulmbach als Sohn des Peter Sesselmann, Doktor beider (d.h. weltlicher und kirchlicher) Rechte und späterer Markgräflich-Brandenburgischer Rat. Dieser stammte aus dem mittelfränkischen Herzogenaurach und war mit den angehenden Markgrafen von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern von ihrer alten Residenz Cadolzburg in die neue Residenz Plassenburg ob Kulmbach umgesiedelt. Dort stieg die Familie ins gehobene Bürgertum auf und stellte in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche geistliche Würdenträger, deren bedeutendster Friedrich Sesselmann werden sollte.

Durch das Amt seines Vaters muss der junge Friedrich Sesselmann auch mit dem Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg in Kontakt gekommen sein, der seine Ausbildung und den weiteren Werdegang stark förderte. So konnte Friedrich – bereits zum Priester geweiht – ab 1429 in Leipzig Philosophie studieren und 1435 zum Magister Artium promovieren. Durch Vermittlung des Kurfürsten gelangte er zwischenzeitlich in den Besitz einer Chorherrenpfründe in Würzburg, aus deren Einkünften er ein Studium in Bologna finanzieren konnte. Dieses schloss er 1444 mit dem Titel eines Doktor des weltlichen Rechts ab. Ehrenhalber verlieh ihm die Universität 1451 auch den Doktortitel im Kirchenrecht.

Nach der Rückkehr aus Italien trat Sesselmann in den Dienst des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg, der ihm bereits Anfang 1445 das Amt eines Kanzlers der Mark Brandenburg übertrug. Er sollte dieses Amt fast 40 Jahre – bis zu seinem Tod – bekleiden. Die Qualifikation dazu hatte er nicht nur durch sein Studium, sondern auch durch praktische Erfahrung gewonnen. So wirkte er zwischen seinen beiden Studienzeiten auf der Plassenburg als Landschreiber, wo er viel über Verwaltung und Politik lernen konnte. Bezeichnenderweise war schon dies eines der höchsten Ämter, die ein Bürgerlicher im ausgehenden Mittelalter erreichen konnte.

Als Kanzler hatte Sesselmann vor allem die Aufgabe, die noch schwache Position der Hohenzollern in Brandenburg zu festigen, die das Land erst in der zweiten Generation (seit 1415 bzw. 1417) regierten. So half er 1447 beim Zustandekommen eines Konkordates zwischen Kurbrandenburg und Papst Eugen IV., das dem Kurfürsten die volle kirchliche Oberhoheit in seinem Territorium sicherte. Das betraf nicht nur die Besetzung von Pfarrstellen, sondern vor allem die Wahl der drei märkischen Bischöfe in Brandenburg, Havelberg und Lebus an der Oder. Schon im folgenden Jahr 1448 glückte der Versuch, die Rechtsprechung in ganz Brandenburg den Städten zu entziehen und sie in die Hand des Kurfürsten zu legen. Als es dem Kanzler auch noch gelang, den besonders renitenten Städten Berlin und Cölln an der Spree die Anerkennung der Oberhoheit des Landesherren abzutrotzen und die anderen märkischen Städte folgten, war die Machtposition der Hohenzollern dauerhaft gesichert.

Büste Sesselmanns, 1898, Denkmalgruppe 16 der Siegesallee

Kurfürst Friedrich II. honorierte die Verdienste seines Kanzlers mit der Berufung zum Bischof von Lebus. Die Bestätigung der Wahl durch Papst Calixt III. am 1. Dezember 1455 war dabei nur noch Formsache. Auch als Bischof hatte Sesselmann zahlreiche diplomatische Missionen zu erfüllen. Kein Erfolg war allerdings dem Versuch beschieden, das benachbarte Pommern für Brandenburg zu erwerben. Dieser Fehlschlag bewog den kinderlosen Kurfürsten Friedrich II., 1470 abzudanken und Brandenburg seinem Bruder Albrecht Achilles zu überlassen. Friedrich II. selbst zog sich auf den fränkischen Hauptsitz seiner Familie, die Plassenburg ob Kulmbach, zurück.

Bereits 1473 zwangen drängende Probleme in Franken den Kurfürsten zur dauerhaften Rückkehr in seine Stammlande. Da sein Sohn, Kurprinz Johann, noch politisch unerfahren war, beauftragte Albrecht Achilles den Bischof von Lebus mit der Regierung Brandenburgs. Die späten Jahre Friedrich Sesselmanns waren geprägt vom immer wieder aufflammenden Widerstand der märkischen Städte gegen die Oberhoheit des Kurfürsten. Die Bürger von Stendal drohten gar mit der Ermordung des Bischofs. Jedoch gelang den Städten nicht mehr, die Macht der Hohenzollern zu brechen. Der Grundstein für den späteren Aufstieg Brandenburgs zur Großmacht Preußen war damit unwiderruflich gelegt.

Während politischer Geschäfte in der Stadt Kamenz ereilte den rührigen Friedrich Sesselmann der plötzliche Tod am 21. September 1483. Seine sterblichen Überreste wurden in seine Residenzstadt Fürstenwalde an der Spree überführt und im dortigen Dom beigesetzt. Der Grabstein ist erhalten geblieben und zeigt den Bischof mit seinen Insignien und dem Familienwappen. Die Inschrift lautet: „Anno domini m.cccc.lxxxiii. in die sancti mathei obiit reverendus i. x. d.us fridericus sesselmann episcops eccl lubuceij s. aia requiescat in pace ame.“ (Im Jahre des Herren eintausend vierhundert dreiundachtzig am Tag des Heiligen Matthäus starb der ehrwürdige Herr in Christus Friedrich Sesselmann, Bischof der Kirche von Lebus. Er ruhe in Frieden. Amen).

Büste in der Siegesallee [Bearbeiten]

Für die ehemalige Berliner Siegesallee gestaltete der Bildhauer Alexander Calandrelli eine marmorne Büste Sesselmanns als Seitenfigur der Denkmalgruppe 16 zu dem zentralen Standbild für den Kurfürsten Friedrich II., enthüllt am 22. Dezember 1898. Die Büste zeigt Sesselmann nach dem Vorbild des Grabsteins mit Mitra und Bischofsornat, bringt aber auch den weltgewandten Diplomaten zum Ausdruck.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Valentin Fröhlich (Hrsg.): Herzogenaurach, Ein Heimatbuch. Selbstverlag der Stadt Herzogenaurach 1949
  • Friedrich Holtze: Die ältesten märkischen Kanzler und ihre Familien. In: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte. Band 7, Berlin 1894

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, S. 152 ISBN 3-496-01189-0.