Bistum Lebus

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Wappen des Bistums Lebus

Das Bistum Lebus-Fürstenwalde lag zu beiden Seiten der mittleren Oder. Gegründet um 1125 durch den polnischen Herzog Bolesław III. Schiefmund war es Suffragan des Erzbistums Gnesen. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts geriet das kleine Bistum immer stärker unter den Einfluss der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg.

Sitz des Bistums war bis 1373 der Dom in Lebus und von 1373 bis 1598 der Marien Dom in Fürstenwalde/Spree. Nach Einführung der Reformation wurde das Bistum im 16. Jahrhundert aufgelöst. Der östlich der Oder gelegene Teil gehört heute zu Polen und lebt im Namen der Woiwodschaft Lebus fort.

Geschichte[Bearbeiten]

Herzog Boleslaw Schiefmund bezweckte mit der Bistumsgründung eine weitere Ausdehnung seiner Macht nach Norden und Westen in das von verschiedenen slawischen Stämmen besiedelte Land zwischen Elbe und Oder. Er kam damit gleichartigen Gebietsexpansionsplänen Kaiser Heinrichs V. zuvor, indem er ein polnisches Bistum errichtete und das Gebiet so dem Einflussbereich des Kaisers und des Erzbistums Magdeburg entzog.

Das Bistum Lebus war das kleinste der polnischen Bistümer und seit seiner Errichtung ein Gegenstand der Machtkämpfe zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Polen. Auch die Teilung Polens in mehrere Piastenherzogtümer nach dem Tode Boleslaws änderte daran wenig.

Sitz des Bischofs, des Doms St. Adalbert und seines Domkapitels war die Stadt Lebus. Herzog Boleslaus ließ den Dom errichten, der dem Patron des Bistums, Adalbert von Prag, geweiht war.[1] Nach dem Tode Herzogs Heinrich II. in der Schlacht bei Wahlstatt wuchs der Magdeburger Einfluss. Bei der Teilung des Piastenherzogtums Schlesien unter dessen Sohn Boleslaus II. im Jahre 1248 verlor dieser das Land Lebus, das zum Kondominium des Erzbistums Magdeburg und der Askanier wurde.

Dadurch gelangte das Bistum auf Grund seiner Zugehörigkeit zum polnischen Erzbistum Gnesen und seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit von den großen Besitztümern des Erzbistums in Großpolen, Kleinpolen, Schlesien und Rotreußen in einen Interessenkonflikt mit den neuen Landesherren, den Markgrafen von Brandenburg. Deshalb wurde 1276 der Sitz des Bistums in das östlich der Oder gelegene Göritz verlegt, das zu dieser Zeit bischöflicher Besitz war.

Im Zuge der nach dem Aussterben der Askanier erneut entflammten Auseinandersetzungen um die politische Macht in der Mark Brandenburg vertraten die Lebuser Bischöfe die polnischen Interessen. Bischof Stephan II. unterstützte offen König Władysław I. Ellenlang, der mit polnischen und litauischen Truppen in die Neumark einfiel. Als Vergeltung ließ Markgraf Ludwig I. im Jahre 1325 den Bischofssitz und die Kathedrale in Göritz durch seinen Lebuser Landeshauptmann Erich von Wulkow zerstören.

Stephan II. floh nach Polen. Nachdem Bischof Heinrich Bentsch 1354 mit Markgraf Ludwig II. eine Einigung über die Rückgabe des bischöflichen Besitzes erzielt hatte, erfolgte in Lebus nördlich der Burg der Bau eines neuen Doms und die Stadt wurde wieder zum Bischofssitz.

Siegel des Bischofs von Lebus an einer Urkunde vom 20. September 1370.

Bei dem Kämpfen der Häuser Luxemburg und Wittelsbach um das Kurfürstentum Brandenburg wurde die Kathedrale in Lebus 1373 durch Truppen Karls IV. zerstört und nicht wieder aufgebaut. Neuer Bischofssitz wurde ab 1373 Fürstenwalde/Spree und die dortige Marienkirche zur Kathedrale. 1385 erfolgte auch der Umzug des Domkapitels von Lebus nach Fürstenwalde. Es verblieb dort bis zur Auflösung des Bistums. 1424 erfolgte die von den brandenburgischen Landesherren lange angestrebte Herauslösung des Bistums aus dem Erzbistum Gnesen und es wurde dem Erzbistum Magdeburg unterstellt.

Im Jahre 1555 verstarb der letzte Bischof von Lebus, Johann VIII. Horneburg. Im selben Jahr erfolgte die Reformation des Bistums. Der evangelische Verwalter des Erzstiftes Magdeburg Joachim Friedrich nahm die weltlichen Aufgaben des Bischofs bis zur Säkularisation des Bistums im Jahre 1598 wahr. Der Dom St. Marien Fürstenwalde war bereits 1557 in den Besitz der lutherischen Kirchgemeinde übergegangen und seit 1565 fanden in der einstigen Bischofsstadt auch keine katholischen Gottesdienste mehr statt.

Struktur und Organisation[Bearbeiten]

Das Bistum bestand nur aus einem Archidiakonat, doch gab es in diesem acht sogenannte sedes, d. h. Hauptsitze von „Erzpriestern“, die jedoch wahrscheinlich lediglich verwaltungstechnische Relevanz hatten. Die Pfarreien in ihnen wuchsen auf 172 an und umfassten etwa 70.000 Katholiken. 1405 waren dies Frankfurt (mit 15 Kirchen), Falkenhagen (26), Müncheberg (25), Seelow (12), Drossen (42), Zielenzig (19), Reppen (10) und Küstrin (18).

Das Staatsgebiet des Bistums fasste Bischof Dietrich von Bülow in den drei Ämtern Lebus, Fürstenwalde und Beeskow zusammen, die jährlich zwischen 19.000 und 20.000 Gulden abwarfen. Im Vergleich: das Bistum Havelberg verfügte lediglich über 7.000 Gulden.

Das Domkapitel, welches erst in der Hohenzollernzeit seine schlesische Prägung verlor und dann stärker von der Mark her dominiert wurde, war vornehmlich bürgerlich-bäuerlicher Herkunft. Lediglich bei den Dignitäten überwog der Adel. Einige der Domherren lebten in Lebus, die meisten aber in Fürstenwalde. Obwohl viele Domherren als Räte des Markgrafen tätig waren, kämpfte man um den Erhalt der Bischofswahl und hielt in der Reformationszeit am katholischen Glauben fest. Der letzte Dompropst bezog seine Einkünfte noch bis 1633.

An Ordensgemeinschaften war das Bistum relativ arm und verfügte lediglich über Niederlassungen der Johanniter und bei bzw. in Frankfurt (Oder) Franziskaner und Kartäuser.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lambrecht Kuhn: Das Bistum Lebus. Das kirchliche Leben im Bistum Lebus in den letzten zwei Jahrhunderten (1385 - 1555) seines Bestehens unter besonderer Berücksichtigung des Johanniterordens (= Herbergen der Christenheit. Sonderband 8), Leipzig 2005 ISBN 3-374-02189-1
  • Heinz Teichmann: Von Lebus nach Fürstenwalde. Kurze Geschichte des mittelalterlichen Bistums Lebus (1124 - 1555/98), Leipzig 1991.
  • Herbert Ludat: Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesisch-polnischen Besitzungen, Weimar 1942.
  • Siegmund Wilhelm Wohlbrück: Geschichte des ehemaligen Bistums Lebus und des Landes dieses Namens. Drei Bände.
    • Band 1, Berlin 1829, 648 Seiten (Volltext).
    • Band 2, Berlin 1829 (Volltext).
    • Band 3, Berlin 1832

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Walter Stephan, "Das Madonnen-Siegel der VIADRINA und des Bischofs Dietrich von Lebus", in: Gabriel (April 2006), Sammlergilde St. Gabriel e. V. (Hg.), vgl. Leseprobe, aufgerufen am 18. April 2011.