Oberfranken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oberfranken
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Deutschland
Bundesland: Bayern
Verwaltungssitz: Bayreuth
Größte Städte: 1. Bayreuth
2. Bamberg
3. Hof
4. Coburg
Fläche: 7.231,41 km²
Einwohner: 1.067.408 (31.12.2011)
Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km²
Bezirkstagspräsident: Günther Denzler (CSU)
Regierungspräsident: Wilhelm Wenning
Webpräsenz:
Locator map RB Oberfranken in Bavaria.svg Locator map Oberfranken in Germany.svg
Lage in Bayern und Deutschland
Gebäude der Regierung von Oberfranken in Bayreuth

Oberfranken liegt im fränkischen Teil von Bayern und ist sowohl ein Bezirk (Bayern) als auch ein Regierungsbezirk.

Die Bezirke sind in Bayern Selbstverwaltungskörperschaften, zu denen sich mehrere Kreise zusammengeschlossen haben. Die Kreise eines Bezirks gehören jeweils zu einem gleichnamigen Regierungsbezirk, dem Zuständigkeitsgebiet der Bezirksregierung (oft nur kurz Regierung) als staatlicher Mittelbehörde. Anders als bei den Landratsämtern, die gleichzeitig staatliche und kommunale Behörde sind („Janusköpfigkeit“), existieren dafür in Bayern mit den Bezirksverwaltungen und den Regierungen getrennte Behörden.

Oberfranken liegt im Nordosten des Freistaats und grenzt an Sachsen, Thüringen, Unterfranken, Mittelfranken und an die Oberpfalz. Außerdem gibt es eine Außengrenze zur Tschechischen Republik, Verwaltungsbezirk Karlsbad (Karlovarský kraj).

Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Regierungssitz des Regierungspräsidenten ist Bayreuth.

Der Name Oberfranken bezieht sich, ähnlich wie im Falle von Ober- und Niederbayern, auf die relative Position des Mains. Entsprechend liegt Oberfranken an dessen Oberlauf, Unterfranken am Unterlauf und Mittelfranken dazwischen. Diese Benennung geht zurück auf die Erschaffung des „Mainkreises“ im Zuge der von Graf Montgelas 1808 verfassten Konstitution des Königreichs Bayern. Die Einteilung der Territorien wurde dem französischen Vorbild angeglichen und orientierte sich insofern primär an Flussnamen.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Blasonierung: Über rotem Schildfuß, darin drei silberne Spitzen, zweimal gespalten: vorne in Gold ein mit einer silbernen Schrägleiste überdeckter, linksgewendeter, rotbewehrter schwarzer Löwe; Mitte geviert von Silber und Schwarz; hinten fünfmal geteilt von Schwarz und Gold, belegt mit einem schräggestellten und geschwungenen grünen Rautenkranz.

Das Wappen erinnert in der oberen Hälfte an die drei maßgeblichen historischen Territorien in Oberfranken: Der schwarze Löwe auf goldenem Grund am linken Rand steht für das Hochstift Bamberg, das Geviert von Silber und Schwarz versinnbildlicht das hohenzollersche Markgraftum Brandenburg-Bayreuth während der rechte Teil in gold, schwarz und grün das Herzogtum Sachsen-Coburg darstellt. Die Symbole der drei ehemaligen Gebiete stehen auf dem fränkischen Rechen in der unteren Hälfte.

Die Flagge Oberfrankens stellt eine auf dem kopfgestellte weiß-rote Frankenfahne mit mittig angeordnetem Bezirkswappen dar.

Frühere Gliederung (vor 1972)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Königreich Bayern und Freistaat Bayern

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

Bamberg – St. Michael vom Rosengarten aus gesehen

Landkreise[Bearbeiten]

Alte Landkreisgrenzen

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Regierungsbezirke Mittelfranken und Oberfranken gemeinsam verwaltet.

Gliederung seit 1972[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gebietsreform in Bayern

Der Regierungsbezirk Oberfranken umfasst vier kreisfreie Städte und neun Landkreise:

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

  1. Bamberg
  2. Bayreuth
  3. Coburg
  4. Hof (Saale)

Landkreise[Bearbeiten]

  1. Landkreis Bamberg
  2. Landkreis Bayreuth
  3. Landkreis Coburg
  4. Landkreis Forchheim
  5. Landkreis Hof
  6. Landkreis Kronach
  7. Landkreis Kulmbach
  8. Landkreis Lichtenfels
  9. Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (vor der Kreisreform nur Landkreis Wunsiedel)

Größte Städte[Bearbeiten]

Stadt Landkreis Einwohner1 Bild
Bayreuth kreisfrei 71.482 Marktplatz Bayreuth.JPG
Bamberg kreisfrei 70.863 Bamberger Dom.jpg
Hof kreisfrei 44.461 Rathaus Hof.jpg
Coburg kreisfrei 41.022 Coburg-Veste4.jpg
Forchheim Forchheim 30.621 Rathaus Forchheim.jpg
Kulmbach Kulmbach 26.352 Plassenburg oben.jpg
Lichtenfels Lichtenfels 20.080 Marktplatz Lichtenfels.jpg
Marktredwitz Wunsiedel im Fichtelgebirge 17.147 Marktredwitz-Rathaus.jpg
Kronach Kronach 16.967 Kronachstadtaufbau.jpg
Neustadt bei Coburg Coburg 15.279 Muppberg vom Generalsblick aus.jpg
Selb Wunsiedel im Fichtelgebirge 15.160 Porzellanbrunnen.jpg
Pegnitz Bayreuth 13.427 Pegnitz.JPG
Rödental Coburg 13.059 Rödental-Domäne.jpg
Münchberg Hof 10.368 Rathaus von Münchberg.JPG
1 Stand: 31. Dezember 2012

Geographie[Bearbeiten]

Hohes Fichtelgebirge
Zum Heil´gen Veit vom Staffelstein – fränkische Landschaft
Fränkische Schweiz

Landschaften[Bearbeiten]

Flüsse[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Franken (Region) und Franken (Volk)

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Johann Friederich Esper beschrieb bereits zwischen 1774 und 1790 einige Höhlen der Fränkischen Alb und J. B. Fischer grub 1788 die Grabhügel von Mistelgau im Landkreis Bayreuth aus. Die älteste Anwesenheit von Menschen wird durch Werkzeuge aus Lydit aus dem Riß-Würm-Interglazial (120.000–80.000 v. Chr.) belegt, die der Neandertaler fertigte. Die nächsten Artefakte sind wenig jünger und stammen aus dem Präsolutrén von Kösten, einem Stadtteil von Lichtenfels. Das frühe und mittlere Spätpaläolithikum ist in Oberfranken bisher nicht, das Jungpaläolithikum undeutlich vertreten. Der Nachweis von neolithischen Siedlungen der Bandkeramiker, die ab 5500 v. Chr. auftraten, ist besonders im Bereich des Altneolithikums im Maintal möglich. Hier sind u. a. mehr als 50 vor- und frühgeschichtliche Erdwerke oder Ringwälle bekannt, deren Größe zwischen 3 und 50 Hektar schwankt. Die größten liegen in Hetzles, Rödlas und Wiesenthau-Schlaifhausen im Landkreis Forchheim und auf dem Staffelberg in Bad Staffelstein-Romansthal im Landkreis Lichtenfels. Grabfunde liegen aber überhaupt nicht vor. Die bedeutendsten Fundplätze sind zwei Höhlen, die Jungfernhöhle von Tiefenellern und der Hohle Stein bei Schwabthal. Siedlungen aus dieser Zeit, die untersucht wurden, sind Altenbanz und Zilgendorf. Auch die nachfolgenden Kulturen sind hier bis in die frühe Bronzezeit nicht sonderlich stark repräsentiert. Siedlungen fehlen sogar noch aus der mittleren Bronzezeit. Die Hortfunde von Forchheim und Hollfeld belegen jedoch die relativ dünne Besiedlung in der Frühzeit. Die Anwesenheit von typischen Artefakten zeigt eine Orientierung nach Hessen und Thüringen. In der Urnenfelderzeit (1300–750 v. Chr.) werden die Spuren deutlicher und die Zahl der Depots nimmt zu. Gräber wie das so genannte Adelsgrab von Eggolsheim, Landkreis Forchheim gewähren Einblicke in die Sepulkralkultur. Die nachfolgende Hallstattzeit ist durch Gräber und Grabhügel stark vertreten, so dass von einer dichteren Besiedlung auszugehen ist. In der La-Tène-Zeit (500–100 v. Chr.) war Oberfranken ein Kernbereich der tönernen Pferdeplastiken. Auch zahlreiche Funde römischer Herkunft wurden gemacht.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

In der Völkerwanderungszeit dehnten zuerst die Thüringer ihren Einflussbereich nach Oberfranken aus. Nach Chlodwigs Sieg 496 n. Chr. über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich geriet zunächst das westliche Maingebiet unter fränkischen Einfluss. Als im Jahre 531 auch die Thüringer geschlagen wurden, geriet das ganze Maintal unter fränkische Herrschaft. Es war jedoch auch slawische Zuwanderung zu beobachten (Bavaria Slavica).

Das Gebiet des heutigen Oberfrankens bestand später im Wesentlichen aus den zwei historischen Territorien des Hochstifts Bamberg und des hohenzollernschen (seit 1791/1792 preußischen) Fürstentums Bayreuth (auch: Markgraftum Brandenburg-Bayreuth bzw. früher Brandenburg-Kulmbach). Nach der militärischen Besetzung Bambergs durch das Königreich Bayern entstand am 29. November 1802 zunächst die Bayerische Provinz Bamberg, die am 1. Oktober 1808 in Mainkreis umbenannt wurde. Das Königreich Bayern kaufte das von 1806 bis 1810 als pays reservé (Napoleons Privatbesitz) unter französischer Herrschaft stehende Markgraftum Bayreuth für 15 Millionen Francs von den Franzosen und übernahm es am 30. Juni 1810. So entstand der Obermainkreis mit Bayreuth als Hauptstadt. Den Namen Oberfranken trägt der Bezirk seit dem 1. Januar 1838 in Anlehnung an das Herzogtum Franken, in dessen ehemaligem Ostteil er liegt. Seine Abrundung erhielt der Bezirk, als zum 1. Juli 1920 der Freistaat Coburg nach Bayern eingegliedert wurde. Kleinere Veränderungen des Gebiets von Oberfranken brachte schließlich die bayerische Gebietsreform von 1972.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt gehört Oberfranken zu den wohlhabenderen Regionen der EU mit einem Index von 113 (EU27: 100, Deutschland: 116) (2008). Über ein Viertel aller Betrieben sind Automobilzulieferer.

Porzellanbrunnen in der Fußgängerzone von Selb

Wichtigste Industriebranchen nach Beschäftigtenzahl sind (Stand: September 2005):

  • Kunststoffwaren (16.100)
  • Maschinenbau (13.400)
  • Keramik und Glas (11.700)
  • Metallerzeugnisse (9900)
  • Textilien (9400)
  • Nahrungsmittel
  • Tourismus

Oberfranken hat innerhalb Europas eine sehr hohe Industriedichte. Der Raum Hof-Bayreuth-Kulmbach zählt zu den wichtigsten Textilzentren Deutschlands, der Landkreis Wunsiedel ist das Zentrum der deutschen Keramikindustrie (Haushaltsporzellan, Hotelporzellan und technische Keramiken), der Raum Lichtenfels-Coburg ist Zentrum der deutschen Polstermöbelindustrie.

Die wirtschaftlichen Interessenvertretungen Oberfrankens sind die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth, die Industrie- und Handelskammer zu Coburg sowie die Handwerkskammer für Oberfranken mit Sitz in Bayreuth.

Verkehrserschließung[Bearbeiten]

Autobahnen[Bearbeiten]

Bundesstraßen[Bearbeiten]

Bahnen[Bearbeiten]

Flugverbindungen[Bearbeiten]

  • keine – nur Privat- und Firmenflüge

Radwege[Bearbeiten]

Wanderwege[Bearbeiten]

Bezirkstag[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bezirkstag (Bayern)

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Wahl CSU SPD FW Grüne FDP REP NPD GDP1 BP Die Franken Die Linke Gesamt
2013[1] 8 4 2 1 1 1 17
2008 9 4 2 1 1 17
2003 10 5 1 1 17
1998 10 8 1 1 20
1994 11 8 1 20
1990 11 7 1 1 20
1986 13 7 1 21
1982 13 8 21
1978 12 9 21
1974 13 9 22
1970 13 10 23
1966 10 10 1 2 23
1962 12 11 1 1 1 25
1958 11 10 1 2 1 25
1954 8 9 2 3 3 25
1 1954 und 1958 GB/BHE

Bezirkstagspräsidenten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bezirk Oberfranken

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz X. Bogner: Oberfranken aus der Luft. Ellwanger-Verlag, 128 Seiten. Bayreuth, 2011. ISBN 978-3-925361-95-1.
  • Franz X. Bogner: Franken aus der Luft. Stürtz Verlag, 136 Seiten. Würzburg, 2008. ISBN 978-3-8003-1913-8.
  • Ralf Nestmeyer: Franken. Ein Reisehandbuch. Michael-Müller-Verlag, Erlangen, 6. Auflage 2013, ISBN 978-3-89953-775-8.
  • Jörg Maier (Hg.): Flug über Oberfranken. Bayreuth 1995, ISBN 3-922808-13-1.
  • Elisabeth Roth (Hg.): Oberfranken im 19. und 20. Jahrhundert. Bayreuth 1990, ISBN 3-87052-992-X.
  • Björn-Uwe Abels: Archäologischer Führer Oberfranken. Theiss: 1986, ISBN 3-8062-0373-3.
  • Björn-Uwe Abels, Walter Sage, Christian Züchner: Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Bayreuth 1986, ISBN 3-87052-991-1.
  • Georg Krauß: Die Oberfränkische Geschichte. Hof 1982.
  • Otto Meyer, Elisabeth Roth, Klaus Guth: Oberfranken im Hochmittelalter. Bayreuth 1973.
  • Elisabeth Roth (Hg.): Oberfranken im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit. Bayreuth 1979.
  • Elisabeth Roth (Hg.): Oberfranken in der Neuzeit bis zum Ende des Alten Reiches. Bayreuth 1984, ISBN 3-87052-990-3.
  • Enrico Santifaller: Aktuelle Architektur in Oberfranken. Amberg 2008, ISBN 978-3-936721-33-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberfranken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Oberfranken – Reiseführer
 Wiktionary: Oberfranken – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

50.07211.3292Koordinaten: 50° N, 11° O