Gail Halvorsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gail Halvorsen 1989 anlässlich des 40. Jahrestages der sowjetischen Blockade von Berlin
Gail Halvorsen ca. 1983 auf dem Flughafen Tempelhof
Gail Halvorsen bindet Süßigkeiten an kleine Fallschirme
(Foto: US Air Force)

Gail Seymore Halvorsen (* 10. Oktober 1920 in Salt Lake City, Utah, USA) war ein Pilot der amerikanischen Luftwaffe während der Berliner Luftbrücke („Operation Vittles“) 1948/1949 und wurde als Candy Bomber zuerst in Berlin, später weltweit berühmt. Er ist Oberst a.D.

Kurz vor der Landung auf dem im US-Sektor Berlins befindlichen Flughafen Tempelhof warf er für die dort neugierig auf kleinen Trümmerbergen auf der Neuköllner Seite wartenden Kinder an kleinen Fallschirmen befestigte Süßigkeiten ab. Diese Aktionen („Operation Little Vittles“ – Operation Kleiner Proviant) brachten den an der Luftbrücke beteiligten Piloten und Flugzeugen den Namen „Rosinenbomber“ (in den USA „Candy Bomber“) ein. Da die Flugzeuge in Tempelhof im 90-Sekunden-Takt einflogen, konnten die wartenden Kinder seine Maschine vom Boden aus nicht von den anderen unterscheiden. Er verabredete deshalb mit den Kindern, dass er beim Anflug mit den Tragflächen „wackeln“ würde (daher sein Spitzname „Onkel Wackelflügel“), um sich zu erkennen zu geben.

Diese Aktionen wurden bald von der Presse aufgegriffen und publiziert. Dies löste eine Welle der Unterstützung aus, Halvorsen und seine Crew hatten bald täglich 425 Kilo Süßigkeiten zum Abwurf zur Verfügung. Zum Ende der Luftbrücke hatten insgesamt etwa 25 Flugzeugbesatzungen 23 Tonnen Süßigkeiten über Berlin abgeworfen. Als Motiv für den Abwurf von Schokolade, Kaugummi und anderen Süßigkeiten äußerte Halvorsen, dass er dies getan habe, um den an Not und Entbehrungen gewöhnten Kindern im zerbombten Berlin eine Freude zu machen. Viele Zeitzeugen sind sich einig, dass diese Aktionen das Bild der US-Amerikaner im Nachkriegs-Deutschland maßgeblich positiv beeinflusst haben.

Von 1970 bis 1974 war Halvorsen Kommandant des Flughafens Tempelhof. Im Jahr 1974 wurde Gail Halvorsen das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in seiner Heimatstadt Salt Lake City trug er auf Einladung der deutschen Mannschaft das Namensschild mit der Aufschrift „Germany“ bei der Eröffnungsfeier ins Stadion. Im Jahr 2004 plante der inzwischen über 80-jährige Gail Halvorsen eine mit den „Rosinenbombern“ vergleichbare Aktion für die Kinder im Irak. Die Idee entstand bei einem Vortrag, den er an der Universität von Dayton in Ohio hielt. In der anschließenden Diskussion kam die Idee zustande, Süßigkeiten über Schulhöfen im Irak abzuwerfen. Unterstützung für dieses Projekt wurde aus der Wirtschaft und Hilfsorganisationen zugesagt. Die Genehmigung der US-Armee wurde ihm nicht erteilt.

Im September 2008 führte Halvorsen unter dem Jubel zehntausender Zuschauer als Grand Marshal der traditionsreichen German-American Steuben Parade in New York City den Festzug auf auf der Fifth Avenue.[1]

Bereits im Oktober 2008 schlug die Bezirksverordnetenversammlung des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf vor, Halvorsen zum Ehrenbürger Berlins zu ernennen.[2] Dies lehnte der Berliner Senat 2011 mit der Begründung ab, man wolle "unter all jenen, die damals die Versorgung Berlins gesichert haben" und deren man bereits mit jährlichen Veranstaltungen gedenke, keine Einzelperson herausheben, zumal Halvorsen bereits das Bundesverdienstkreuz bekommen habe.[3] Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Endes der Luftbrücke flog Halvorsen im Mai 2009, diesmal als Passagier, erneut in einem „Rosinenbomber“ über das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof und warf rund 1000 Schokoladepäckchen über dem Rollfeld ab.[4]

Am 15. Juni 2013 wurde im Berliner Stadtteil Dahlem eine Sekundarschule nach Halvorsen benannt: Die ehemalige 9. Integrierte Sekundarschule - 2011 aus der Fusion der Alfred-Wegener-Oberschule und der Beucke-Oberschule hervorgegangen - trägt seitdem den Namen "Gail S. Halvorsen Schule". Der zu diesem Zeitpunkt 92-jährige Namensgeber enthüllte in einem Festakt persönlich das Namensschild. Damit erinnert erstmals eine Schule mit ihrem Namen an die Zeit der Berliner Luftbrücke. Zugleich wurde zum zweiten Mal eine Berliner Schule nach einem noch lebenden Namensgeber benannt.[5][6]

Werke[Bearbeiten]

  • The Berlin Candy Bomber. Horizon Publishers, Bountiful, UT, 1990, ISBN 0-88290-361-6. – 3. Auflage: Horizon Publishers, Springville, UT, 2004, ISBN 0-88290-616-X.
  • Kaugummi und Schokolade. Die Erinnerungen des Berliner Candy Bombers. Edition Grüntal, Berlin 2005, ISBN 3-938491-02-7.
  • Cherny, Andrey, The Candy Bombers. The Untold Story of the Berlin Airlift and America's Finest Hour. Berkley Caliber, New York, 2009, ISBN 978-0-399-15496-6

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Three Grand Marshals for the 51st German-American Steuben Parade. The German-American Steuben Parade of New York. July 2008. Abgerufen am 6. Januar 2012.
  2. Luftbrückenpilot soll Ehrenbürger werden, Berliner Zeitung vom 16. Oktober 2008 (abgerufen am 2. Dezember 2012)
  3. Andreas Beyerlein: Keine Ausnahme für den Candy-Piloten, Berliner Zeitung vom 12. Mai 2011 (abgerufen am 2. Dezember 2012)
  4. Frauke Lübke-Narberhaus: Es regnet wieder Schokolade, Berliner Zeitung vom 13. Mai 2009 (abgerufen am 2. Dezember 2012)
  5. Andreas Beyerlein: Pilot Gail S. Helverson: Ein Held zum Anfassen, Berliner Zeitung vom 15. Juni 2013 (abgerufen am 17. Juni 2013)
  6. Franziska Felber: Zehlendorf feiert die Gail Halvorsen Schule, Der Tagesspiegel vom 15. Juni 2013 (abgerufen am 18. Juni 2013).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gail Halvorsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien