Gartenkresse

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Gartenkresse
Keimlinge der Gartenkresse

Keimlinge der Gartenkresse

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Kressen (Lepidium)
Art: Gartenkresse
Wissenschaftlicher Name
Lepidium sativum
L.
Zeichnung von allen Pflanzenteilen der Gartenkresse

Gartenkresse (Lepidium sativum) ist eine Kulturpflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es wird vermutet, dass die Gartenkresse aus West- oder Zentralasien stammt; dort kommt sie auch heute noch wild vor.

Beschreibung und Etymologie[Bearbeiten]

Benzylisothiocyanat (unten, blau markiert) bildet sich bei der enzymatischen Umsetzung des Senfölglycosids Glucotropaeolin, einem Inhaltsstoff der Gartenkresse.

Die einjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von bis zu 50 Zentimetern. Die Stängel sind kahl, bläulich grün und nach oben verzweigt. Die weißen bis rosafarbenen Blüten sind zwittrig und vielzählig. Es werden Schoten gebildet.

Der scharfe Geschmack der Pflanzen, der durch die darin enthaltenen Senfölglycoside verursacht wird, gab der Kresse ihren Namen, abgeleitet vom althochdeutschen Wort cresso ‚scharf‘.[1][2]

Kultur[Bearbeiten]

Die Kultur der Gartenkresse kann auf unterschiedlichen Materialien und Erde stattfinden, wobei das traditionell genutzte Perlitsubstrat ebenso wie Celluloseflocken und geschäumte Kunststoffe zunehmend von Anzucht­vliesen aus Flachs- und Hanffasern verdrängt werden. Als Vorteile werden der geringere Düngebedarf, die rasche Auskeimung und der schnelle Wuchs der Kresse sowie die einfachere Entsorgung der Anzuchtvliese genannt.[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Gartenkresse schmeckt roh leicht scharf, der Geschmack erinnert an Senf und Rettich, was am Gehalt an Senfölglykosiden liegt. In den Lebensmittelhandel gelangen und in der Küche verwendet werden vor allem die Keimlinge, die etwa eine Woche nach der Aussaat geerntet werden können.

Verwendet werden die Sorten dieser Art frisch für kalte Aufstriche, besonders solche auf Frischkäse- oder Quarkbasis, und für Salate. Manchmal streut man die gehackten Blätter auf warme Speisen, wie Gemüsesuppen oder Eierspeisen. Auch beliebt sind gehackte Gartenkresseblätter auf Butter- oder Schmalzbrot.

Die Gartenkresse gehört zudem zu den sieben Kräutern, die für die Frankfurter Grüne Soße Verwendung finden.

Des Weiteren findet die Gartenkresse Verwendung in der Bioindikation. Bei diesem Kressetest kann anhand des Keimverhaltens eine Belastung von Luft, Wasser und Boden detektiert werden.

Die meistverbreitete einjährige Gartenkresse stammt vermutlich aus dem vorderen Orient, ihre Samen wurden schon in alten Pharaonengräbern gefunden. Auch Griechen und Römer schätzten sie, Karl der Große verordnete ihren Anbau in seinen Kapitularien.

Ähnliche Arten[Bearbeiten]

Neben der Gartenkresse wird in der Küche auch das mehrjährige Pfefferkraut (Lepidium latifolium) verwendet. Zur Brunnenkresse (Nasturtium officinale) der Gattung Nasturtium besteht nur eine Namensähnlichkeit, nicht etwa eine enge Verwandtschaft. Andere Namensvettern siehe unter Kresse.

Wirkstoffe[Bearbeiten]

Gartenkresse zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Vitamin C, Eisen, Kalzium und Folsäure aus. Außerdem enthält sie Vitamin B. Leicht zu kultivieren, eignet sich Gartenkresse vor allem im Winter, wenn frisches Obst und Gemüse rar sind, zur Nahrungsergänzung. Ein Stoff, der für den Geschmack der Gartenkresse verantwortlich ist, ist das Isothiocyanat Benzylisothiocyanat,[4] das sich aus dem Inhaltsstoff Glucotropaeolin – ein Senfölglycosid – bildet.

Belege[Bearbeiten]

  1. Eintrag: Kressen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. Juni 2012.
  2. Gartenkresse Lepidium sativum (PDF; 680 kB). Pädagogische Hochschule Karlsruhe.
  3. Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche 26, hrsg. von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow 2008; S. 198-199. (PDF-Download)
  4. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft, Vieweg + Teubner Verlag (2011) S. 19, ISBN 978-3-8348-1245-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gartenkresse – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien