Gasteig

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gasteig (Begriffsklärung) aufgeführt.
Der Gasteig um 1856
Der Gasteig am Isar-Hochufer
Der „Gache Steig“
Gasteig
Rupprecht Geigers Gerundetes Blau

Gasteig heißt Münchens großes Kultur- und Bildungszentrum, gelegen im zentralen Münchner Stadtteil Haidhausen.

Name[Bearbeiten]

Der Name leitet sich her von gach-steig = steilerSteig. Bairisch gach aus mittelhochdeutsch gaehe, althochdeutsch gâhi; eine lautliche Variante liegt vor mit schriftdeutsch jäh. Der Steig führte hier früher von der heutigen Ludwigsbrücke zur Kirche St. Nikolai am Isar-Hochufer. Er war schon zuvor als Flurname für diesen Bereich gebräuchlich und gibt auch der Straße Am Gasteig den Namen, die direkt unterhalb des Gasteigs von der Rosenheimer Straße abzweigt und sich in der Inneren Wiener Straße fortsetzt. Gleichbedeutende Namen in Münchens Urzeit waren: Gasta[1], Gaster und Gachsteig. In alter Literatur findet sich auch noch Gahsteig[2] und Geissteigberg[3]. Es gibt eine Reihe von Gasteig-Benennungen in Bayern[4], sowie im angrenzenden Österreich. In alter Zeit konnten diese Pfade genutzt werden, um Vieh (Hinweise geben bspw. die Schwaige Geiselgasteig bei Grünwald, die Menterschwaige oder der Ismaningsche Heuzehnt zu Gasteig[5]) zur Wassertränke zu treiben. Der Auer Mühlbach bietet sich hier direkt an. Sonst tragen steile, unbedeutende Fußwege eher keinen Namen. Sie sind bei müden, bepackten Reisende oder schwer beladenen Fuhrwerken nicht erste Wahl. So sieht man die altertümliche Gasteig-Entstehung daher als steilen, zweckgebundenen Alltagsweg zum Wasser nördlich der alten, stark frequentierten Fernverbindungsstraße (Salzstraße, s. die Volckmer-Karte von 1613). Der Weg wurde schon vor der Stadtgründung Münchens genutzt als dort Straße und Brücke über die Isar noch nicht existierten. Vom Kloster Schäftlarn am östlichen Isarufer entlang aus dem Münchner Süden kommend, gelangte man am Gasteig vorbei zum Ortsteil Bogenhausen (ab 776 n. Chr. in den Besitzstandsverzeichnissen des Klosters Schäftlarn) und weiter Richtung Freising (siehe obige Karte). Zur damaligen Querung des reißenden Flusses bot sich die Furt bei Grünwald im Süden Münchens oder die alte Föhringer Brücke im Norden an. Später war diese Straße nebenläufiger, kreuzender Teil der Salzstraße.

Quellen[6][7] beschreiben den Namen auch wie folgt: „.. Was den Namen .. Gasteig .. betrifft, so bezeichnet derselbe einen Hohlweg, der auf eine Anhöhe, besonders ein hohes Flußufer führt; sodann diese Anhöhe, das Flußufer selbst, worüber ein solcher Weg führt. So heißt die weitgedehnte Anhöhe bei, oder vielmehr in München, die einst ein jäher und furchterregender Absturz, ein fortwährend im Rollen begriffener Kiesberg war ..”.

Historische Notiz: am 17. Mai 1632 zieht der Schwedenkönig Gustav Adolf von Ismaning kommend über die Anhöhe „Gesteiberg” in München ein.[8]

Siehe auch: Gasteiger

Innenansichten[Bearbeiten]

Institutionen[Bearbeiten]

Folgende kulturelle Institutionen der Landeshauptstadt München haben im Gasteig ihren Sitz:

Nachdem das Richard-Strauss-Konservatorium in die Hochschule für Musik und Theater München integriert wurde, übernahm die Hochschule für Musik und Theater die Räumlichkeiten des Richard-Strauss-Konservatoriums im Gasteig.

Die Black Box

Im Gasteig befinden sich folgende Veranstaltungs- und Konzertsäle:

  • Philharmonie (2387 Sitzplätze) mit Klais-Orgel
  • Carl-Orff-Saal (528–598 Sitzplätze)
  • Black Box (120–225 Sitzplätze, 20 Stehplätze)
  • Kleiner Konzertsaal (191 Sitzplätze)
  • Vortragssaal der Bibliothek (132 Sitzplätze)
  • Mehrzweckraum 0.131
  • Vortragsäle 0.115 und 0.117 (90 Sitzplätze) der Münchner Volkshochschule

Täglich kommen mehrere tausend Besucher in die Zentralbibliothek Am Gasteig ebenso wie zu Ausstellungen, Vorträgen, Filmvorführungen, Lesungen, klassischen und modernen Konzerten, Theater- oder Ballettaufführungen. Jedes Jahr findet die Münchner Bücherschau, der ARD-Musikwettbewerb, der Aschermittwoch der Kabarettisten und das Filmfest München im Gasteig statt. Wie bereits mehrere Male zuvor fand auch 2007 die Verleihung des Echo Klassik in der Philharmonie statt.

Der Gasteig wird von der Gasteig München GmbH, einer Beteiligungsgesellschaft der Landeshauptstadt München, betrieben.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Philharmonie wurde 1985 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hat 74 Register (ca. 6.000 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal. Die Disposition lehnt sich an diejenige französisch-sinfonischer Instrumente an. Eine Besonderheit ist das Horizontaltrompetenensemble im Hauptwerk. Die Orgel kann von zwei Spieltischen aus bedient werden: von einem mechanischen Spieltisch auf der Orgelempore und einem elektronischen Spieltisch, der auf der Bühne der Philharmonie eingesetzt werden kann. Das Orgelgehäuse ist asymmetrisch. Das Instrument wurde 2004 grundlegend renoviert und neuintoniert, wobei das Instrument – in Anpassung an die Akustik der Philharmonie – nun grundtöniger erklingt.[9] Kustos der Orgel ist seit 2001 Prof. Friedemann Winklhofer.

I Positiv C–c4
1. Praestant 8’
2. Holzgedackt 8’
3. Quintflöte 8’
4. Principal 4’
5. Rohrflöte 4’
6. Octave 2’
7. Larigot 11/3
8. Sesquialter II 22/3
9. Scharff V 11/3
10. Cymbel IV 1/2
11. Dulcian 16’
12. Cromorne 8’
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
13. Praestant 16’
14. Principal 8’
15. Doppelflöte 8’
16. Gemshorn 8’
17. Quinte 51/3
18. Octave 4’
19. Koppelflöte 4’
20. Terz 31/5
21. Quinte 22/3
22. Superoctave 2’
23. Cornet V 8’
24. Mixtur V 2’
25. Acuta V 1’
26. Trompete 16’
27. Trompete 8’
28. Trompete 4’
horizontal
29. Trompeta magna 16’
30. Trompeta da batalla 8’
31. Trompeta real 8’
32. Bajoncillo 4’
III Recit C–c4
33. Bourdon 16’
34. Holzprincipal 8’
35. Flûte harm. 8’
36. Rohrflöte 8’
37. Geigenoctave 4’
38. Flûte octav. 4’
39. Octavin 2’
40. Nasard 22/3
41. Terz 13/5
42. Sifflet 1’
43. Fourniture VI 22/3
44. Basson 16’
45. Tromp. harm. 8’
46. Clairon harm. 4’
Tremulant
IV Schwellwerk C–c4
47. Salicet 16’
48. Gamba 8’
49. Vox coelestis 8’
50. Fernflöte 8’
51. Metallgedackt 8’
52. Blockflöte 4’
53. Violine 4’
54. Hohlflöte 2’
55. Harm. aetheria IV 22/3
56. Hautbois 8’
57. Vox humana 8’
Tremulant
Pedal C–f1
58. Untersatz 32’
59. Principal 16’
60. Subbass 16’
61. Violon 16’
62. Octave 8’
63. Trichtergedackt 8’
64. Cello 8’
65. Superoctave 4’
66. Spitzflöte 4’
67. Jubalflöte 2’
68. Basszink IV 51/3
69. Hintersatz V 4’
70. Contrafagott 32’
71. Posaune 16’
72. Fagott 16’
73. Trompete 8’
74. Kopftrompete 4’
Tremulant

Geschichte[Bearbeiten]

Der Eingang zur Münchner Stadtbibliothek im Gasteig
Die Glashalle des Gasteigs

Nachdem bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg das Odeon und die Tonhalle ("Kaim-Saal"), die beiden größten Konzertsäle Münchens, völlig zerstört worden waren, waren die Münchner Philharmoniker ohne eigenes Haus. Auch die Stadtbibliothek und die Volkshochschule waren unzulänglich untergebracht, so dass 1969 erstmals über ein städtisches Kulturzentrum nachgedacht wurde, das diese Einrichtungen unter einem Dach vereinigen sollte. Bei der Suche nach möglichen Standorten fiel die Wahl auf das Gelände am Gasteig. 1971/72 schrieb die Stadt München einen Architekturwettbewerb für das Gelände aus, den die Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen und Lindemann mit ihrem Entwurf für sich entscheiden konnte.[10] 1978 setzte der damalige Oberbürgermeister Georg Kronawitter den ersten Spatenstich. Planänderungen und immer neu auftauchende Probleme verzögerten den Bau und trieben die Baukosten in die Höhe, so dass sich die Kosten für den Bau im Jahr 1980 bereits auf 372 Millionen DM beliefen. Über die umstrittene und von vielen als schlecht empfundene Akustik der Philharmonie wird noch diskutiert.

1984 war der Gebäudekomplex auf dem 23.000 m² großen Areal so weit fertiggestellt, dass die Stadtbibliothek, die Münchner Volkshochschule und das Richard-Strauss-Konservatorium ihre neuen Räume beziehen konnten. In den kleineren Veranstaltungssälen fanden zu diesem Zeitpunkt bereits Veranstaltungen statt. Am 10. November 1985 wurde der Gasteig im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und 2400 geladenen Gästen mit einem Festkonzert der Münchner Philharmoniker unter Leitung von Sergiu Celibidache eröffnet.

Der rote Backsteinbau erhielt von der Bevölkerung erst Spottnamen wie z.B. Kulturvollzugsanstalt oder Kulturbunker, weil sich die Architektur nicht in das Stadtbild füge. Die oben genannten Einrichtungen ließen den anfänglichen Unmut jedoch bald abkühlen und machten den Gasteig zu einem Zentrum des kulturellen Lebens in München. Mit jährlich rund 750.000 Besuchern allein in den Veranstaltungssälen ist das Haus derzeit einer der meistbesuchten Kulturbetriebe Deutschlands.

Nach 25 bis 30 Jahren Nutzungsdauer wurde wegen gestiegener Brandschutz-Anforderungen und in der Nutzungszeit aufgetretenen Schäden am Gebäude eine Generalsanierung vorgesehen. Diese wurde seit etwa 2008 mehrfach zurückgestellt, weil der dabei anfallende Umbau des großen Konzertsaals der Philharmonie mit den Planungen für den Neubau eines weiteren Konzertsaals in München verbunden wurde.[11] Nach der Kommunalwahl von 2014 will die seitdem regierende große Koalition die Grundsatzentscheidung bis Herbst 2014 fällen. Im Rahmen dieser Entscheidung soll auch überlegt werden, ob Volkshochschule und Stadtbibliothek langfristig am Standort bleiben. Die Kosten für die Generalsanierung des Gebäudes einschließlich der Philharmonie werden auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Die Planungen gehen von einem Baubeginn im Jahr 2020 aus.[12]

Georg Elser-Gedenkplatte(Inschrift), dahinter Erich-Schulze-Brunnen

Zwischen dem Gasteig und dem GEMA-Gebäude wurde im Jahre 1989 eine Bodengedenkplatte angebracht, die an das misslungene Attentat von Georg Elser auf Adolf Hitler erinnert. Ebenfalls zwischen dem GEMA-Gebäude und Gasteig steht seit 1990 der Erich-Schulze-Brunnen zu Ehren des langjährigen GEMA-Generaldirektors Erich Schulze in Form einer sieben Meter hohen Messingtuba mit einem steinernen Konzertflügel als Auslaufbecken.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gasteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Apian, Philipp, Baierische Landtafeln, 1568, Nr.24, Signatur: Hbks/F 15 b, Bayerische Staatsbibliothek.
  2. Stadtgeschichte von München ..., Burgholzer Josef, Band 1, 1796, S. 8, Lindauer, Joseph, Google eBook.
  3. Beschreibung der kurbaierischen Haupt- und Residenzstadt München und ihrer Umgebungen ..., Hübner , Lorenz, Band 1, 1803, Ausgabe 1, S.66, Kurfürstl. Privilegirtes Zeitungs-Comtoir, Google eBook.
  4. Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Oberbayern im Königreiche Bayern, von Braunmühl, Anton, Lindner, K., München, 1839, S. 64, Google eBook.
  5. Verschiedene Kundmachungen, vom 11. Juni 1805, Kurpfalzbaierische Staatszeitung von München, Nr. 140, Kurpfalzb. Münchner Zeitung-Comtoir, 1805, Google eBook.
  6. In den Voralpen: Skizzen aus Oberbaiern, Noë, Heinrich, Gummi, 1871, S.31, Google eBook.
  7. Bayerisches Wörterbuch ..., Schmeller, Johann Andreas; Frommann, Georg Carl; Maußer, Otto; Cotta, 1828, S.78, Google eBook.
  8. De Paris à Paris à travers les deux mondes, capitales et grandes villes, Gourdault, Jules, Verlag Jouvet (Paris), 1889, S.117, Bibliothèque nationale de France.
  9. Informationen zur Klais-Orgel
  10. http://www.du-p.de/index.php?fuseaction=home.main&seiten_ID=51&navi=subsub
  11. sueddeutsche.de: 208 Millionen Euro für den Gasteig, 15. Februar 2013
  12. sueddeutsche.de: Der Gasteig - die nächste Großbaustelle, 13. Juli 2014

48.13138888888911.591388888889Koordinaten: 48° 7′ 53″ N, 11° 35′ 29″ O