Gasteig

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gasteig (Begriffsklärung) aufgeführt.
Der Gasteig am Isar-Hochufer
Der Gasteig um 1856
Der „Gache Steig“
Rupprecht Geigers Gerundetes Blau

Gasteig heißt Münchens großes Kultur- und Bildungszentrum, gelegen im zentralen Münchner Stadtteil Haidhausen. Im 1984/85 eröffneten Gebäudekomplex befinden sich auf 23.000 m² Fläche unter anderem der Konzertsaal der Münchner Philharmoniker, die Stadtbibliothek und die Volkshochschule. Die Einrichtungen haben täglich mehrere tausend Nutzer; die Veranstaltungen werden von 750.000 Menschen jährlich besucht. Wegen andauernder Kritik an Räumlichkeiten und Akustik steht 2014/15 eine Grundsanierung oder ein Neubau zur Debatte.

Name und Geschichte des Ortes[Bearbeiten]

Der Name leitet sich her von gach-steig = steiler Steig. Bairisch gach aus mittelhochdeutsch gaehe, althochdeutsch gâhi; eine lautliche Variante liegt vor mit schriftdeutsch jäh. Der Steig führte früher von der heutigen Ludwigsbrücke zur Kirche St. Nikolai am Isar-Hochufer. Er war schon zuvor als Flurname für diesen Bereich gebräuchlich und gibt auch der Straße Am Gasteig den Namen, die direkt unterhalb des Gasteigs von der Rosenheimer Straße abzweigt und sich in der Inneren Wiener Straße fortsetzt. Varianten aus Münchens Urzeit waren „Gasta“,[1] „Gaster“ und „Gachsteig“. In alter Literatur findet sich „Gahsteig“[2] und „Geissteigberg“.[3] Der Name findet sich häufiger in Bayern[4] und Österreich. In alter Zeit wurde auf diesen Pfaden Vieh zur Wassertränke getrieben (Hinweise geben die Schwaige Geiselgasteig bei Grünwald, die Menterschwaige oder der Ismaningsche Heuzehnt zu Gasteig[5]), hier möglicherweise der Auer Mühlbach. Heinrich Noë erklärte 1871, ein Gasteig bezeichne „einen Hohlweg, der auf eine Anhöhe, besonders ein hohes Flußufer führt; sodann diese Anhöhe, das Flußufer selbst, worüber ein solcher Weg führt.“ Die „weitgedehnte Anhöhe“ dieses Namens in München sei „einst ein jäher und furchterregender Absturz, ein fortwährend im Rollen begriffener Kiesberg“ gewesen.[6] So entstand der Gasteig vermutlich als steiler, zweckgebundener Alltagsweg zum Wasser nördlich der für den Fernhandel wichtigen Salzstraße (s. die Volckmer-Karte von 1613). Der Weg wurde schon vor der Stadtgründung Münchens genutzt, als dort Straße und Brücke über die Isar noch nicht existierten. Vom Kloster Schäftlarn am östlichen Isarufer entlang aus dem Münchner Süden kommend, gelangte man am Gasteig vorbei zum Ortsteil Bogenhausen (ab 776 n. Chr. in den Besitzstandsverzeichnissen des Klosters Schäftlarn) und weiter Richtung Freising. Zur Querung des reißenden Flusses bot sich die Furt bei Grünwald im Süden Münchens oder die alte Föhringer Brücke im Norden an. Später war diese Straße nebenläufiger, kreuzender Teil der Salzstraße.

Institutionen[Bearbeiten]

Folgende kulturelle Institutionen der Landeshauptstadt München haben im Gasteig ihren Sitz:

Nachdem das Richard-Strauss-Konservatorium in die Hochschule für Musik und Theater München integriert wurde, übernahm die Hochschule für Musik und Theater die Räumlichkeiten des Richard-Strauss-Konservatoriums im Gasteig.

Die Black Box

Im Gasteig befinden sich folgende Veranstaltungs- und Konzertsäle:

  • Philharmonie (2387 Sitzplätze) mit Klais-Orgel
  • Carl-Orff-Saal (528–598 Sitzplätze)
  • Black Box (120–225 Sitzplätze, 20 Stehplätze)
  • Kleiner Konzertsaal (191 Sitzplätze)
  • Vortragssaal der Bibliothek (132 Sitzplätze)
  • Mehrzweckraum 0.131
  • Vortragsäle 0.115 und 0.117 (90 Sitzplätze) der Münchner Volkshochschule

Täglich kommen mehrere tausend Besucher in die Zentralbibliothek Am Gasteig ebenso wie zu Ausstellungen, Vorträgen, Filmvorführungen, Lesungen, klassischen und modernen Konzerten, Theater- oder Ballettaufführungen. Jedes Jahr findet die Münchner Bücherschau, der ARD-Musikwettbewerb, der Aschermittwoch der Kabarettisten und das Filmfest München im Gasteig statt. Wie bereits mehrere Male zuvor fand auch 2007 die Verleihung des Echo Klassik in der Philharmonie statt.

Der Gasteig wird von der Gasteig München GmbH, einer Beteiligungsgesellschaft der Landeshauptstadt München, betrieben.

Entstehung und Nutzung des Gebäudes[Bearbeiten]

Der Eingang zur Münchner Stadtbibliothek im Gasteig
Die Glashalle des Gasteigs

Nachdem bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg das Odeon und die Tonhalle ("Kaim-Saal"), die beiden größten Konzertsäle Münchens, völlig zerstört worden waren, waren die Münchner Philharmoniker ohne eigenes Haus. Auch die Stadtbibliothek und die Volkshochschule waren unzulänglich untergebracht, so dass 1969 erstmals über ein städtisches Kulturzentrum nachgedacht wurde, das diese Einrichtungen unter einem Dach vereinigen sollte. Bei der Suche nach möglichen Standorten fiel die Wahl auf das Gelände am Gasteig. 1971/72 schrieb die Stadt München einen Architekturwettbewerb für das Gelände aus, den die Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen und Lindemann mit ihrem Entwurf für sich entscheiden konnte.[7] 1978 setzte der damalige Oberbürgermeister Georg Kronawitter den ersten Spatenstich. Planänderungen und immer neu auftauchende Probleme verzögerten den Bau und trieben die Baukosten in die Höhe, so dass sich die Kosten für den Bau im Jahr 1980 bereits auf 372 Millionen DM beliefen.

1984 war der Gebäudekomplex auf dem 23.000 m² großen Areal so weit fertiggestellt, dass die Stadtbibliothek, die Münchner Volkshochschule und das Richard-Strauss-Konservatorium ihre neuen Räume beziehen konnten. In den kleineren Veranstaltungssälen fanden zu diesem Zeitpunkt bereits Veranstaltungen statt. Am 10. November 1985 wurde der Gasteig im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und 2400 geladenen Gästen mit einem Festkonzert der Münchner Philharmoniker unter Leitung von Sergiu Celibidache eröffnet. Über die umstrittene und von vielen als schlecht empfundene Akustik der Philharmonie wird noch diskutiert; viel zitiert ist der Ausspruch Leonard Bernsteins, der nach einem Konzert 1985 ins Gästebuch des Hauses „Burn it!“ eintrug, was große mediale Aufmerksamkeit und eine anhaltende Diskussion über die Eignung des Hauses erzeugte, auch wenn der langjährige Gasteig-Leiter Eckard Heintz betont, dass sich Bernsteins Kommentar auf sein eigenes an dem Abend aufgeführtes Musikwerk bezog.[8]

Der rote Backsteinbau erhielt von der Bevölkerung erst Spottnamen wie z.B. Kulturvollzugsanstalt oder Kulturbunker, weil sich die Architektur nicht in das Stadtbild füge. Die oben genannten Einrichtungen ließen den anfänglichen Unmut jedoch bald abkühlen und machten den Gasteig zu einem Zentrum des kulturellen Lebens in München. Mit jährlich rund 750.000 Besuchern allein in den Veranstaltungssälen ist das Haus derzeit einer der meistbesuchten Kulturbetriebe Deutschlands.

Georg Elser-Gedenkplatte(Inschrift), dahinter Erich-Schulze-Brunnen

Zwischen dem Gasteig und dem GEMA-Gebäude wurde im Jahre 1989 eine Bodengedenkplatte angebracht, die an das misslungene Attentat von Georg Elser auf Adolf Hitler erinnert. Ebenfalls zwischen dem GEMA-Gebäude und Gasteig steht seit 1990 der Erich-Schulze-Brunnen zu Ehren des langjährigen GEMA-Generaldirektors Erich Schulze in Form einer sieben Meter hohen Messingtuba mit einem steinernen Konzertflügel als Auslaufbecken.

Nach 25 bis 30 Jahren Nutzungsdauer wurde wegen gestiegener Brandschutz-Anforderungen und in der Nutzungszeit aufgetretenen Schäden am Gebäude eine Generalsanierung vorgesehen. Diese wurde seit etwa 2008 mehrfach zurückgestellt, weil der dabei anfallende Umbau des großen Konzertsaals der Philharmonie mit den Planungen für den Neubau eines weiteren Konzertsaals in München verbunden wurde.[9] Im Rahmen dieser Entscheidung soll auch überlegt werden, ob Volkshochschule und Stadtbibliothek langfristig am Standort bleiben. Die Kosten für die Generalsanierung des Gebäudes einschließlich der Philharmonie werden auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Die Planungen gehen von einem Baubeginn im Jahr 2020 aus.[10] Im Januar 2015 setzte sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer für einen Abriss und Neubau des Konzertsaals ein.[11]

Innenansichten[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Philharmonie wurde 1985 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hat 74 Register (ca. 6.000 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal. Die Disposition lehnt sich an diejenige französisch-sinfonischer Instrumente an. Eine Besonderheit ist das Horizontaltrompetenensemble im Hauptwerk. Die Orgel kann von zwei Spieltischen aus bedient werden: von einem mechanischen Spieltisch auf der Orgelempore und einem elektronischen Spieltisch, der auf der Bühne der Philharmonie eingesetzt werden kann. Das Orgelgehäuse ist asymmetrisch. Das Instrument wurde 2004 grundlegend renoviert und neuintoniert, wobei das Instrument – in Anpassung an die Akustik der Philharmonie – nun grundtöniger erklingt.[12] Kustos der Orgel ist seit 2001 Prof. Friedemann Winklhofer.

I Positiv C–c4
1. Praestant 8’
2. Holzgedackt 8’
3. Quintflöte 8’
4. Principal 4’
5. Rohrflöte 4’
6. Octave 2’
7. Larigot 11/3
8. Sesquialter II 22/3
9. Scharff V 11/3
10. Cymbel IV 1/2
11. Dulcian 16’
12. Cromorne 8’
Tremulant
II Hauptwerk C–c4
13. Praestant 16’
14. Principal 8’
15. Doppelflöte 8’
16. Gemshorn 8’
17. Quinte 51/3
18. Octave 4’
19. Koppelflöte 4’
20. Terz 31/5
21. Quinte 22/3
22. Superoctave 2’
23. Cornet V 8’
24. Mixtur V 2’
25. Acuta V 1’
26. Trompete 16’
27. Trompete 8’
28. Trompete 4’
horizontal
29. Trompeta magna 16’
30. Trompeta da batalla 8’
31. Trompeta real 8’
32. Bajoncillo 4’
III Recit C–c4
33. Bourdon 16’
34. Holzprincipal 8’
35. Flûte harm. 8’
36. Rohrflöte 8’
37. Geigenoctave 4’
38. Flûte octav. 4’
39. Octavin 2’
40. Nasard 22/3
41. Terz 13/5
42. Sifflet 1’
43. Fourniture VI 22/3
44. Basson 16’
45. Tromp. harm. 8’
46. Clairon harm. 4’
Tremulant
IV Schwellwerk C–c4
47. Salicet 16’
48. Gamba 8’
49. Vox coelestis 8’
50. Fernflöte 8’
51. Metallgedackt 8’
52. Blockflöte 4’
53. Violine 4’
54. Hohlflöte 2’
55. Harm. aetheria IV 22/3
56. Hautbois 8’
57. Vox humana 8’
Tremulant
Pedal C–f1
58. Untersatz 32’
59. Principal 16’
60. Subbass 16’
61. Violon 16’
62. Octave 8’
63. Trichtergedackt 8’
64. Cello 8’
65. Superoctave 4’
66. Spitzflöte 4’
67. Jubalflöte 2’
68. Basszink IV 51/3
69. Hintersatz V 4’
70. Contrafagott 32’
71. Posaune 16’
72. Fagott 16’
73. Trompete 8’
74. Kopftrompete 4’
Tremulant

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gasteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philipp Apian: Baierische Landtafeln. 1568, Nr. 24, Signatur: Hbks/F 15 b, Bayerische Staatsbibliothek.
  2. Joseph Burgholzer: Stadtgeschichte von München, für Fremde und Reisende. Bd. 1. Lindauer, München 1796, S. 8.
  3. Lorenz Hübner: Beschreibung der kurbaierischen Haupt- und Residenzstadt München und ihrer Umgebungen. Bd. 1. Kurfürstl. Privilegirtes Zeitungs-Comtoir, München 1803, Ausgabe 1, S. 66.
  4. Anton von Braunmühl, K. Lindner: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Oberbayern im Königreiche Bayern. München 1839, S. 64.
  5. Verschiedene Kundmachungen. In: Kurpfalzbaierische Staatszeitung. 11. Juni 1805, Nr. 140, Kurpfalzb. Münchner Zeitung-Comtoir, München 1805.
  6. Heinrich Noë: In den Voralpen: Skizzen aus Oberbaiern. Gummi, München 1871, S. 31.
  7. http://www.du-p.de/index.php?fuseaction=home.main&seiten_ID=51&navi=subsub
  8. Bernhard Adam: Tischgespräch: ‎„Burn it“‎. In: IHK München, Oktober 2014; Eckard Heintz: Aus dem Tagebuch eines Kulturmanagers: Don‘t burn it, Münchens Konzerthaus-Arie. 2. Auflage. GRIN [Selbstverlag], 2013 (Besprechung).
  9. sueddeutsche.de: 208 Millionen Euro für den Gasteig, 15. Februar 2013
  10. sueddeutsche.de: Der Gasteig - die nächste Großbaustelle, 13. Juli 2014
  11. Christian Krügel: Neuer Konzertsaal in München. Seehofers Radikallösung für den Gasteig. In: Süddeutsche.de, 30. Januar 2015; Franz Kotteder: Suche nach einem neuen Konzertsaal. Eine Elbphilharmonie für München. In: Süddeutsche.de, 31. Januar 2015.
  12. Informationen zur Klais-Orgel

48.13138888888911.591388888889Koordinaten: 48° 7′ 53″ N, 11° 35′ 29″ O