Salzstraße

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Dieser Artikel behandelt die Salzstraße als Gattungsbegriff. Für Salzstraßen an bestimmten Orten, siehe Salzstraße (Begriffsklärung).
Die Salzstraße von Bad Sülze über Dändorf nach Wismar in den Jahren 1243 bis 1907.

Als Salzstraße bezeichnet man alte Handelswege, auf denen Salz transportiert wurde. Im Mittelalter war der Transport von Waren über weite Strecken sehr mühsam und teuer. Nur edle und besonders begehrte Waren, wie zum Beispiel Silber, Salz, Bernstein, Seide und Gewürze wurden über große Entfernungen transportiert.

Zielorte des Fernhandels waren die großen Städte. Zwischen diesen Städten entstanden die ersten Fernstraßen. Da Salz nicht überall verfügbar war, zum Leben aber dringend gebraucht wurde, entstanden vor allem zwischen Gebieten ohne Salz und den Salinen und Salzbergwerken die Salzstraßen.

Der Handel war durch Niederlagsrechte an bestimmte Orte und Wegstrecken gebunden. So musste auch das Salz in bestimmten Städten „niedergelegt“, das heißt, zum Verkauf angeboten werden. Zusätzlich verlangten diese Städte auch Zölle und Abgaben. Da Salz lebensnotwendig war, konnte damit gut Geld verdient werden.

In Deutschland sind sehr viele „Salzstraßen“, „Alte Salzstraßen“ und „Salzwege“ bekannt. Der Hellweg ist ebenfalls eine ehemalige Salzstraße. Mittelalterliche Salzstraßen sind zumeist in ihrem genauen Verlauf bekannt. Es hat aber schon vorher, im frühen Mittelalter und besonders in vorrömischer Zeit verschiedenenorts Salzbergbau und andere Formen der Salzgewinnung und damit bedingt Salzhandel gegeben. Diese alten Routen lassen sich als vorgeschichtliche Handelswege manchmal aus Warenfunden rekonstruieren, aber allenfalls bruchstückhaft in der Landschaft nachvollziehen.

Der Begriff Via Salina wurde neuzeitlich nach dem Namensschema der alten Römerstraßen gewählt – eine historische Straßenbezeichnung aus der Römerzeit ist nicht bekannt. Er wird jedoch z. B. für die halb-professionelle Spurensuche auf entsprechenden Wegen gelegentlich verwendet und im Namen der sogenannten Euregio via salina mit dem Ziel der Regions-Förderung, vorrangig in touristischer Art.

Siehe auch: Altstraße

Salzstraßen in Deutschland[Bearbeiten]

Hallische Salzstraßen[Bearbeiten]

Von den hallischen Salinen in Halle (Saale) spannten sich nach allen Seiten Handelswege. Noch heute sind einige dieser Verkehrsadern als Autobahnen, Bundesstraßen oder Eisenbahnlinien erkennbar. Andere früher wichtige Straßen sind heute für den Fernhandel bedeutungslos geworden und nur noch schmale Wanderwege. Teilweise tragen einige Teilstrecken noch heute den Namen „Salzstraße“. Wichtige hallische Salzstraßen waren im Mittelalter folgende Wege:

  • Hohe Straße (Merseburg - Weißenfels - Erfurt - Fulda - Hanau - Frankfurt am Main)
  • Alte Salzstraße oder Böhmische Straße (Wegebündel zwischen Halle und Prag)
  • Salzkärnerstraße oder Regensburger Straße
  • Rheinstraße
  • Holländische Straße
  • Dessauer Straße
  • Landsberger Straße
  • Delitzscher Straße

Sächsische Salzstraßen (Böhmische Steige)[Bearbeiten]

Denkmal der Sächsischen Salzstraße in Zschopau, Inschrift „Zschap mei Geeß“ (Zschopau mein Jesus), Dankbarkeit der Fuhrleute, das Erzgebirge überwunden und die Furt von Zschopau erreicht zu haben.
Verlauf der Salzstraße zwischen Halle und Prag über Oederan-Sayda-Seiffen-Most/Brüx.

In Sachsen gab es schon vor der Besiedlung des Erzgebirgsvorlandes und des Erzgebirges mehrere sogenannte Böhmische Steige (tschechisch Česká stezka). Die Mehrzahl dieser Handelswege führten, ausgehend von den Salinen bei Halle in Richtung Süd-Osten und Süden durch Sachsen. Sie querten das Erzgebirge über verschiedene Erzgebirgspässe und verbanden Sachsen mit Böhmen. Wegen des in großem Umfang transportierten Gutes, dem Salz, wurden sie auch Salzstraße genannt. Eine dieser Verbindungen verlief von Leipzig über Oederan, Sayda und Brüx (Most) nach Prag. Eine touristische Entwicklung dieser Salzstraße durch den am 17. Juli 2010 in Halle gegründeten Verein „Alte Salzstraße Halle - Prag“ ist mittelfristig angedacht.

Eine weitere dieser sächsischen Salzstraßen führte von Halle über Leipzig, Chemnitz (siehe auch B 174), Zschopau, Marienberg, Reitzenhain und Komotau ebenfalls nach Prag. Bekannt ist weiterhin eine „Alte Salzstraße“ im Vogtland. Von den Salinen bei Halle ausgehend führte sie dem Fluss Weiße Elster folgend über Elsterberg, Schönbach, Steinsdorf, Plauen, Trogen nach Hof.

Im Bereich Seifersdorf kennt man ferner eine Salzstraße von Freiberg über Seifersdorf, Oelsa, Quohren, Kreicha, Lungkwitz nach Pirna.

Beschilderung der historischen Salzstraße von Bad Reichenhall zum Bodensee bei Teisendorf

Bayerische Salzstraßen[Bearbeiten]

Von Bad Reichenhall die Saalach, Salzach und den Inn entlang nach Passau und weiter über den „Goldenen Steig“ nach Böhmen

Ein bedeutender, wenn auch noch nicht wissenschaftlich erforschter Weg, ist der „Böhmweg“ von Deggendorf über Regen, Zwiesel, Lindberg, Prašily/Stubenbach, Dobra Voda/Gutwasser, Hartmanitz/Hartmanice, nach Schüttenhofen/Sušice. Er ist der in einer Kaiserurkunde vom 1. Januar 1029 am frühesten bezeugte Altweg: „Strata que in Bavariam tendit – Die Straße, die nach Bayern führt“. Eigentlich heißt er also „Bayerstraße“ – wenn man allerdings von Böhmen nach Bayern geht, ist es der „Böhmweg“. Die weitere Strecke nach Bayerisch Eisenstein hat mit der historischen Trasse nichts zu tun, denn der heutige Grenzort ist erst seit dem späten 16. Jahrhundert besiedelt. „Den“ Böhmweg gibt es in der historischen Entwicklung nicht. Vielmehr gibt es ein ganzes Wegebündel, teilweise in der Ausdehnung von ca. 5 Kilometern. Eine alte Trasse begann in Seebach bei Niederalteich, wo der Isarhochweg die Donau überquerte (vgl. Isarhofen, Isargmünd), da ursprünglich die Isar hier verlief. Dann gibt es noch mehrere Trassen, die von der Geiersbergkirche bei Deggendorf und vom Stadtzentrum aus über Haslach, Parst dem Ruselabsatz zustrebten. Der heute touristisch genutzte „Böhmweg“ führt über Greising, Bischofsmais, Regen, Schweinhütt nach Zwiesel; er ist im 18. Jahrhundert bezeugt.

Der in der Urkunde von 1029 genannte „Weg, den Gunther [von Niederaltaich] kürzlich anlegte“, wird heute als „Gunthersteig“ als Wanderweg angeboten. Er führte von Niederaltaich über den Lallinger Winkel nach Rinchnach und bog dann vor Zwiesel in den alten „Böhmweg“ ein. Die heute angebotene Route Niederaltaich – Rinchnach – Zwiesel – Böhmen (bis nach Prag!) ist nur bis Zwiesel historisch. Als in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der bayerische Herzog den Salzhandel von den Passauer „Goldenen Steigen“ übernahm, verlief eine Salzstraße von Vilshofen über Schönberg, dem Sonnenwaldgebiet, Hangerleithen, Regen weiter nach Böhmen. Auch dieser Weg ist wie der Böhmweg und der Gunthersteig noch nicht wissenschaftlich erforscht.

Die mittelalterliche Salzstraße von Bad Reichenhall über München und Landsberg am Lech zum Bodensee.

Schleswig-Holsteinische Salzstraße[Bearbeiten]

Diese „Alte Salzstraße“ führt von Lüneburg nach Lübeck und ist heute als Ferienstraße ausgeschildert.

Thüringer Salzstraßen[Bearbeiten]

Eine Straße Thüringens, auf der früher hauptsächlich Salz transportiert wurde ist die Salzmannstraße. Eine weitere Salzstraße führte von der Werra bei Bad Salzungen nach Erfurt.

Westfalen[Bearbeiten]

In Münster gibt es in der heutigen Innenstadt die Salzstraße. Ein alter Salzweg verläuft südlich von Hattingen nahe dem Ort Holthausen in Ost-Westrichtung von Unna zum Rheinland. Die Straße führt heute noch diesen Namen.

Salzstraßen in Österreich[Bearbeiten]

Obere Tiroler Salzstraße[Bearbeiten]

Sie führte von Hall in Tirol durch das Außerfern über dem Oberjochpass in das Allgäu und dort über Immenstadt im Allgäu und Simmerberg nach Buchhorn bei Friedrichshafen am Bodensee, von wo aus das Salz in die Schweiz verschifft wurde. 1771 verlor Buchhorn sein Monopol und Lindau wurde zum bevorzugten Salzumschlagplatz.

Untere Tiroler Salzstraße[Bearbeiten]

Sie ist die ältere der beiden Salzstraßen, die die Abbaugebiete um Berchtesgaden und Hall in Tirol mit dem Bodensee verband. Sie führte im westlichen Teil über vom Bischof von Kempten beherrschtes Gebiet (Kempten–Isny–Wohmbrechts). Die wirtschaftlichen Vorteile des Transportmonopols veranlassten den Herzog von Tirol, die vorgenannte obere Handelswegvariante auf überwiegend eigenem Gebiet einzurichten.

Salzstraßen in Südeuropa[Bearbeiten]

'Route du Sel' durch das Royatal

Literatur[Bearbeiten]

  • M. Ruttkowski: Altstraßen im Erzgebirge; Archäologische Denkmalinventarisation Böhmische Steige. in: Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Band 44, 2002 ISBN 3-910008-52-6
  • H. Wiechel: Die ältesten Wege in Sachsen. In: Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturwissenschaftlichen Gesellschaft „Isis“, Jahrgang 1901, Seite 18 - 51.

Weblinks[Bearbeiten]