Gertrud Höhler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gertrud Höhler im März 2011 bei Markus Lanz.

Gertrud Höhler (* 10. Januar 1941 in Wuppertal) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin. Öffentlich bekannt wurde sie vor allem als Publizistin und Unternehmensberaterin.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Höhler wuchs zusammen mit drei Geschwistern in einer evangelischen Pfarrerfamilie auf.[1] Sie studierte von 1960 bis 1966 Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Bonn, Berlin, Zürich und Mannheim. In dieser Zeit gehörte sie dem links-subkulturellen Milieu an. Sie war mit Ulf Miehe liiert (mit dem sie 1962 einen Gedichtband im Selbstverlag veröffentlichte) und mit Jörg Fauser und Bernward Vesper befreundet.[2] 1967 wurde sie mit einer Arbeit zum Thema Unruhige Gäste. Das Bibelzitat in Wilhelm Raabes Roman zur Dr. phil. promoviert und arbeitete an der Universität Mannheim. Von 1972 bis 1993 war Höhler Professorin für Germanistik und Allgemeine Literatur-Wissenschaft an der Universität Paderborn. Überregionale Bekanntheit erlangte sie durch zahlreiche Publikationen sowie Medienauftritte, in denen sie Stellung zu aktuellen Fragen der Politik und Wirtschaft bezog.

Von 1987 bis 1989 beriet Höhler den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen. 1989 wollte der damalige VW-Chef Carl Hahn Höhler gegen Widerstand aus den eigenen Reihen als Kommunikationsberaterin engagieren.[3] Während ihrer Tätigkeit für die Deutsche Bank, für die sie ein Jahresgehalt von 500.000 DM erhielt, war Höhler für weitere Verbände und Firmen als Beraterin tätig und von ihrer Professoren-Tätigkeit beurlaubt.[4][5] 1993 legte sie ihre Professur in Paderborn nieder, um als freie Publizistin und Unternehmensberaterin zu arbeiten. Professoren und Studenten hatten ihr Vernachlässigung der Lehrpflicht vorgeworfen; sie selbst sprach von Mobbing.[6]

In der Öffentlichkeit wurde Gertrud Höhler u. a. durch ihre angebliche[1] Beraterfunktion für Politiker wie Helmut Kohl[7] und Dieter Althaus[8] bekannt. Höhler wurde diesbezüglich im Oktober 2012 in der Fernsehsendung Markus Lanz von Benjamin von Stuckrad-Barre gefragt, welche Politiker sie eigentlich beraten habe. Sie konnte daraufhin keinen einzigen Politiker nennen, sprach aber davon, die CSU beraten zu haben, was vom anwesenden Edmund Stoiber umgehend verneint wurde.[9][10] Als Buchautorin veröffentlichte sie Titel wie Wölfin unter Wölfen. Warum Männer ohne Frauen Fehler machen (2000), Warum Vertrauen siegt (2003) sowie Jenseits der Gier. Vom Luxus des Teilens (2005). Zudem erregte sie 1992 in einer Werbekampagne des Kreditkartenunternehmens American Express mit einem von Annie Leibovitz angefertigten Foto Aufsehen, das die Literaturwissenschaftlerin in Reitkleidung und in luxuriösem Ambiente zusammen mit ihrem Sohn zeigt.[11] Darüber hinaus war Höhler Teilnehmerin der philosophischen TV-Gesprächsrunde Baden-Badener Disput mit Alfred Grosser und Peter Sloterdijk.

Im April 2007 wurde sie in das neu geschaffene oberste Leitungsgremium Hochschulrat ihrer früheren Universität in Paderborn gewählt.[12] Wenig später geriet sie in die öffentliche Kritik, nachdem die Neue Westfälische recherchiert hatte, dass der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Peter Klose in einem ihr gehörenden Haus in Zwickau ein „Bürgerbüro“ betrieb. Höhler bestritt zunächst, vom NPD-Hintergrund ihres Mieters gewusst zu haben, räumte dies später jedoch ein.[13] Daraufhin forderte sie der damalige Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Andreas Pinkwart (FDP), am 22. Juni 2007 zum Rücktritt aus dem Hochschulrat auf, was Höhler ablehnte, da die NPD eine zugelassene Partei sei, die dem sächsischen Landtag angehöre.[13][14] Am 2. Juli 2007 entzog ihr daraufhin der Hochschulrat das Mandat in der Findungskommission zur Wahl der künftigen Hochschulleitung.[15] Bis zum Jahr 2012 blieb sie Mitglied des Hochschulrats, wurde dann für die nächste Wahlperiode nicht mehr berufen.[16]

Im August 2012 übte Höhler in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung[17] sowie einem Buch mit dem Titel Die Patin Kritik am Regierungsstil der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der sie eine schleichende Zersetzung politischer Werte in Deutschland vorwarf, wobei in ihrer Argumentation Merkels ostdeutsche Herkunft eine wichtige Rolle einnimmt. Höhlers Angriffe auf Merkel wurden in verschiedenen deutschen Medien als unangemessen angesehen.[18]

Privates[Bearbeiten]

Höhler ist ledig und hat einen Sohn, Abel (* 1967), der ebenfalls eine Beratertätigkeit ausübt.[19][20][21]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Höhler wurde mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1988 mit dem Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung, im selben Jahr mit dem Orden wider den tierischen Ernst und im Jahr 2002 mit dem Deutschen Fairnes Preis ausgezeichnet.[22]

Schriften[Bearbeiten]

  • Unruhige Gäste. Das Bibelzitat in Wilhelm Raabes Roman, 1969 (Dissertation)
  • Gesinnungskonkurrenz der Intellektuellen, Osnabrück 1978
  • Die Anspruchsgesellschaft, Düsseldorf 1979
  • Das Glück. Analyse einer Sehnsucht, Düsseldorf 1981
  • Die Kinder der Freiheit, Stuttgart 1983
  • Die Bäume des Lebens, Stuttgart 1985
  • Die Zukunftsgesellschaft, Düsseldorf 1986
  • Spielregeln des Glücks, Düsseldorf 1988
  • Offener Horizont. Junge Strategien verändern die Welt, Düsseldorf 1988
  • Virtuosen des Abschieds / Neue Werte für eine Welt im Wandel, Düsseldorf 1989
  • Spielregeln für Sieger, Düsseldorf 1991
  • Wettspiele der Macht, Düsseldorf 1994
  • Herzschlag der Sieger. Die EQ-Revolution, Düsseldorf 1997
  • Der veruntreute Sündenfall (mit Michael G. Koch), Stuttgart 1998
  • EntZweiung oder neues Bündnis?, Stuttgart 1998
  • Wölfin unter Wölfen. Warum Männer ohne Frauen Fehler machen, München 2000
  • Die Sinn Macher. Wer siegen will, muss führen, München 2002
  • Warum Vertrauen siegt, München 2003
  • Jenseits der Gier. Vom Luxus des Teilens, Berlin 2005
  • Aufstieg für alle. Was die Gewinner den Verlierern schulden. Econ, Berlin 2007; Ullstein, Berlin 2009, ISBN 978-3-548-37247-1
  • Das Ende der Schonzeit. Alphafrauen an die Macht. Econ, Berlin 2008, ISBN 978-3-430-20050-9
  • Götzendämmerung. Die Geldreligion frisst ihre Kinder. Heyne, München 2010, ISBN 978-3-453-17796-3
  • Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut. Orell Füssli, Zürich 2012, ISBN 978-3-280-05480-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gerd Langguth: Die Legende von der Kanzlerberaterin. spiegel.de vom 25. August 2012, abgerufen am 25. August 2012
  2. Henner Voss: Vor der Reise. Erinnerungen an den Schriftsteller Bernward Vesper.
  3. VW: Viel Ärger wegen Frau Höhler, spiegel.de, 2. September 1989
  4. Volkswagen - Eigenwilliger Führungsstil, spiegel.de, 18. September 1989
  5. In den Stromschnellen des Wertewandels, spiegel.de, 16. Januar 1989
  6. Wirtschaftsvertreter dominieren in Hochschulräten, heise.de, 22. Oktober 2007
  7. Uni Paderborn diszipliniert Kohl-Beraterin. DPA-Meldung im Tagesspiegel, 3. Juli 2007.
  8. Matthias Tüsing: Enge Althaus-Beraterin in die Kritik geraten. Freies Wort, 4. Juli 2007.
  9. Ausstrahlung der ZDF-Fernsehsendung Markus Lanz vom 18. Oktober 2012
  10. Artikel im Tagesspiegel: Gertrud Höhler demontiert sich bei "Markus Lanz", vom 19. Oktober 2012, abgerufen am 20. Oktober 2012
  11. Katharina Heimeier: Der Widerspenstigen Zähmung. taz, 2. Juli 2007.
  12. Senat der Universität Paderborn wählte (…) Hochschulrat. Pressemeldung der Universität Paderborn, 25. April 2007.
  13. a b Thomas van Zütphen: Die dritte Version der Wahrheit. Focus, 24. Juni 2007, abgerufen am 15. Februar 2011.
  14. Der Spiegel, Nr. 32/2007, S. 33.
  15. Stellungnahme des Vorsitzenden des Hochschulrats der Universität Paderborn, 2. Juli 2007.
  16. Neue Westfälische vom 10. Mai 2012: Uni Paderborn: Hochschulrat ohne Höhler
  17. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-politikstil-der-kanzlerin-das-system-m-11841711.html (abgerufen am 27. August 2012)
  18. BAZ-Interview: «Der ESM wird von ‹Paten› gesteuert» http://bazonline.ch/ausland/europa/Der-ESM-wird-von-Paten-gesteuert/story/25239512 ; FAZ: "bizarr und überzogen", http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fernsehkritik-wer-nicht-waegt-der-nichts-gewinnt-11869297.html ; Spiegel Online: "systematisch falsche Schlüsse", http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gertrud-hoehler-zweifel-an-ihrer-taetigkeit-als-kohls-kanzlerberaterin-a-851820-2.html (beide abgerufen am 27. August 2012)
  19. Society Models: Prominente aus Wirtschaft & Kultur, manager-magazin.de, 31. Oktober 2006
  20. Mütter & Söhne, arte.tv, 15. Juli 2002
  21. Modernes Leben: Von den Wölfen lernen, focus.de, 26. Juni 2000
  22. Biographie Prof. Dr. Gertrud Höhler. Fairness Stiftung, o. D.