Globasnitz

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Globasnitz - Globasnica
Wappen von Globasnitz - Globasnica
Globasnitz (Österreich)
Globasnitz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Völkermarkt
Kfz-Kennzeichen: VK
Fläche: 38,33 km²
Koordinaten: 46° 33′ N, 14° 42′ O46.55694444444414.702777777778541Koordinaten: 46° 33′ 25″ N, 14° 42′ 10″ O
Höhe: 541 m ü. A.
Einwohner: 1.604 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 42 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9142
Vorwahl: 0 42 30
Gemeindekennziffer: 2 08 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Nr. 111, 9142 Globasnitz
Website: www.globasnitz.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Wölbl (SPÖ)
Gemeinderat: (2009)
(15 Mitglieder)
5 SPÖ, 5 EL, 3 ÖVP, 2 BZÖ
Lage der Gemeinde Globasnitz - Globasnica im Bezirk Völkermarkt
Bleiburg Diex Eberndorf Eisenkappel-Vellach Feistritz ob Bleiburg Gallizien Globasnitz Griffen Neuhaus Ruden Sankt Kanzian am Klopeiner See Sittersdorf Völkermarkt KärntenLage der Gemeinde Globasnitz im Bezirk Völkermarkt (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Globasnitz, slowenisch Globasnica, ist eine im Bezirk Völkermarkt in Kärnten gelegene zweisprachige[1] [2] Gemeinde mit 1604 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Globasnitz liegt zwischen dem südlichen Rand des Jaunfelds und den Karawanken. Der Hauptort Globasnitz ist ungefähr 7 km Luftlinie von der österreichisch-slowenischen Staatsgrenze entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Globasnitz ist in die vier Katastralgemeinden Globasnitz (Globasnica), Wackendorf (Večna vas), Jaunstein (Podjuna) und St. Stefan (Šteben) unterteilt. Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Globasnitz / Globasnica, 293
  • Jaunstein / Podjuna, 154
  • Kleindorf / Mala vas, 242
  • Podrain / Podroje, 96
  • St. Stefan / Šteben, 250
  • Slovenjach / Slovenje, 12
  • Traundorf / Strpna vas, 300
  • Tschepitschach / Čepiče, 81
  • Unterbergen / Podgora, 43
  • Wackendorf / Večna vas, 145

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Eberndorf
Sittersdorf Nachbargemeinden Feistritz ob Bleiburg
Eisenkappel-Vellach
Schloss Elberstein
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Christopherus Fresko an der Westwand der Pfarrkirche
Totenleuchte und Karner auf dem Friedhof
Denkmal für den Volksdichter Franc Leder

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die Kelten dürften den auf dem Gemeindegebiet von Globasnitz befindlichen Hemmaberg besiedelt haben. Am Hemmaberg befand sich eine Kultstätte, die dem Gott Jovenat geweiht war.

Mit der römischen Okkupation des Noricums 15 v. Chr. entstanden ab der Regierungszeit des römischen Kaisers Claudius auch Siedlungen in der Talebene. Grabungsfunde weisen auf ein Militärlager sowie die Bedeutung als Relaisstation entlang der Römerstraße von Virunum (bei Maria Saal) nach Celeia (Celje) über den Luschasattel hin. Das Siedlungszentrum im Bereich des heutigen Hauptortes Globasnitz wurde Iuenna genannt, wovon sich auch die Bezeichnung „Jauntal“ ableitet. Iuenna gehörte zum Stadtgebiet von Virunum. Westlich und östlich der antiken bzw. der heutigen Siedlungen befinden sich antike Grabfelder. Die Funde sind in einem Museum im Ortszentrum zu besichtigen. Kostbarkeiten wie oströmisches Glas, griechisches Porzellan, römische Weine, wertvolle Textilien und Schmuckstücke oder römische Bodenmosaike waren den Bewohnern von Iuenna nicht fremd. Römische und keltische Götter wurden gleichermaßen verehrt.

Die Funktion der Siedlung als Militärstützpunkt und Relaisstation ebenso wie die Handelsroute zum oströmischen Reich blieb auch noch unter dem Ostgotenkönig Theoderich intakt. Bereits im Laufe des 4. Jahrhunderts wurde das Gebiet im Arianischen Glauben christianisiert. Auf dem Hemmaberg wurden neben einer älteren Kirche zwei annähernd gleichzeitig erbaute frühchristliche Doppelkirchen ausgegraben, die teilweise reich mit Mosaiken im römischen Stil geschmückt waren.

Nach dem Einfall der Slawen in der Spätantike um 500 n. Chr. erlosch die Handelsroute und die schwer zu verteidigenden Talsiedlungen verschwanden. Ein Teil der Bevölkerung dürfte sich wieder auf den Hemmaberg zurückgezogen haben. Geblieben ist die slawische Bevölkerung aus der in der Folge die Slowenen hervorgegangen sind[4] [5] [6], wobei es durchaus auch zu gewissen Formen der kulturellen Kontinuität und Inkulturation - wie sie sich notwendigerweise aus der Tradierung vorslawischer Flur- oder Gewässernamen ergibt - gekommen ist.[7] Bei der Volkszählung 1910 hatten 1264 Personen Slowenisch und 21 Personen Deutsch als Umgangssprache angegeben.[8] Zu Beginn der Ersten Republik war Globasnitz Sitz einer slowenischen Pfarre.[9]

Der Ortsname von Globasnitz wurde urkundlich erstmals zwischen 1143 und 1163 als Globasinvilla erwähnt. Die Kirche wurde 1265 erstmals erwähnt, als Pfarre 1296.

Die Ortsgemeinde Globasnitz entstand im Jahr 1850 und war zwischen 1865 und 1876 an die Gemeinde Eberndorf angeschlossen. Bei der Gemeindestrukturreform im Jahr 1973 wurde das Gemeindegebiet um Teile der Nachbargemeinden Eberndorf, Sittersdorf und Feistritz ob Bleiburg erweitert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Globasnitz 1.645 Einwohner, davon sind 98,2 % österreichische Staatsbürger. 54,2 % gehören der deutschsprachigen und 42,1 % der slowenischsprachigen Volksgruppe an.

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 96,0 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche und zum Islam jeweils 0,7 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 1,7 %.

Die zweisprachige Pfarre "Globasnitz/Globasnica" fällt unter das zweisprachige Dekanat Eberndorf/Dobrla vas.[10] [11]

Globasnitz / Globasnica zählt zum slowenischen Dialektgebiet des Jauntales (slow. podjunsko narečje) [12], der ein Dialekt der Kärntner slowenischen Dialektgruppe ist.[13]. Die slowenische Sprache und Kultur folgen historisch bis heute den Entwicklung im gesamten Südkärntner bzw. Jauntaler Raum.[14]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Globasnitz
  • Hemmaberg mit
    • Ausgrabungen fünf frühchristlicher Kirchen
    • Wallfahrtskirche hl. Hemma und Dorothea
    • Rosaliengrotte mit Rosalienquelle
  • archäologisches Museum Hemmaberg/Juenna [15]
  • Gräberfeld Globasnitz-Ost – ostgotisches Gräberfeld aus der Zeit der Völkerwanderung und Ausgrabung einer frühchristlichen Kirche
  • Kirche Mariae Himmelfahrtromanisch-gotische Pfarrkirche mit Wandmalereien aus dem 14./15. Jahrhundert und römischen Reliefs. Am Friedhof Karner und Totenleuchte aus dem frühen 16. Jahrhundert.
  • Kirche St. Stefan unter Feuersberg
  • Schloss Elberstein in Globasnitz wurde von den 1970er Jahren an von dem Globasnitzer Johann Elbe errichtet und ist für die Öffentlichkeit zugänglich.[16]
  • Am Bergrücken in Richtung Hemmaberg sind noch Mauerreste der einstigen Burg Feuersberg (ein Hinweis auf Kreidfeuer) vorhanden.

Vereine[Bearbeiten]

  • Slowenischer Bildungsverein Slovensko izobraževalno društvo Globasnica. Im Jahr 1903 wurde der slowenische Bildungsverein Globasnitz auf Initiative des lokalen Kaplans Ivan Hojnik und des ersten Vorsitzenden Ivan Iekl gegründet. Ziel des Vereins war die Pflege und Förderung der slowenischen Sprache, Kultur und Identität, was den kulturpolitischen Kontext in Kärnten jener Zeit spiegelt. Schwerpunkte der Tätigkeit waren die Aufführung von anspruchsvollen Theaterstücken und die Führung einer reich bestückten Bibliothek, die sich aus den Erlösen der Aufführungen finanzierte. Nach einer Unterbrechung der Tätigkeit im Zuge der Volksabstimmung 1920 in Kärnten wurde das Kulturschaffen 1921 wieder aufgenommen. In der Zwischenkriegszeit war wiederholte Male der spätere Landtagsabgeordnete Albert Breznik[17] Vorsitzender des Vereins. Der Verein gab auch eine Vereinszeitschrift, den Škorpijon heraus. 1927 wurde ein Vereinschor gegründet, 1928 der erste Haushaltskurs durch die berühmte Volkspoetin Milka Hartman abgehalten. 1942, nach der Welle der Deportationen von Kärntner Slowenen, die auch zahlreiche Vereinsmitglieder traf, wurde die Vereinsbibliothek verbrannt und Theaterkulissen, darunter 11 Bühnenbilder, zerstört. Die Vereinsprotokolle konnten gerettet werden. Der Verein nahm seine Tätigkeit 1946 wieder auf.[18] [19]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 15 Mitglieder und setzt sich seit der letzten Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:[20]

Direkt gewählter Bürgermeister (62,4 %) ist Wolfgang Michael Wölbl (SPÖ).[21]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Globasnitz zeigt die mit toskanischen Säulen geschmückte Fassade des kleinen römischen Tempels des 2. Jahrhunderts, von dem drei Säulen, Teile des Architravs und des Giebels sowie andere Werkstücke 1961 und 1963 in Globasnitz gefunden wurden und der nach den Untersuchungen von Dr. Piccotini dem einheimischen Gott Jovenat geweiht war. Drei der Säulen bilden heute ein auf die große antike Vergangenheit von Globasnitz weisendes öffentliches Denkmal im Orte. Die Blasonierung des Wappens lautet wie folgt: „In Rot ein goldener römischer Tempel mit schwarzer Vorhalle, dessen profilierter Dreiecksgiebel samt dem Architrav mit der Inschrift IOVENAT AVG auf vier toskanischen Säulen ruht.“[22]

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 14. Februar 1973 verliehen. Die Fahne ist Rot-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Glaser: „Die römische Siedlung Iuenna und die frühchristlichen Kirchen am Hemmaberg“, Klagenfurt 1982, Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten
  • Wilhelm Deuer, Johannes Grabmayer: „Transromanica – Auf den Spuren der Romanik in Kärnten“ (Reihe „Kulturwanderungen“), S. 202–203, Klagenfurt 2008, Verlag Johannes Heyn; ISBN 978-3-7084-0302-1
  • Polona Sketelj: Na stičišču dveh kultur: med delovnim in prostim časom v Globasnici. Celovec 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. Anton Melik: Slovenski alpski svet. V Ljubljani, Izdala Slovenska matica, 1954, Seite 499 ff.
  5. Koroška in koroški Slovenci, Zbornik poljudnoznanstvenih in leposlovnih spisov, Uredili Dr. Vladimir Klemenčič, dr. Janko Pleterski, dr. Tone Zorn in dr. Janko Kos. Maribor, založba Obzorja, 1971.
  6. Globasnica. In: Enciklopedija Slovenije, Band 3, Eg-Hab. Ljubljana, Mladinska knjiga, 1989, Seite 249-250.
  7. Bojan-Ilija Schnabl: Inkulturacija, fenomen kulturnih procesov na Koroškem. In: Studia Mitologica Slavica XV (Ljubljana 2012), Seite 231-246.
  8. Volkszählung für das Kronland Kärnten aus dem Jahr 1910, http://www.omm1910.hu/?/en/databank
  9. Personalstand der Säkular- und Regular-Geistlichkeit der Diözese Gurk in Kärnten für 1917 & 1918. Klagenfurt 1919/20
  10. Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales: Dekanat Eberndorf, Klagenfurt/Celovec 1979
  11. http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/pfarre/C2928/
  12. Smole, Vera. 1998. "Slovenska narečja." Enciklopedija Slovenije vol. 12, pp. 1–5. Ljubljana: Mladinska knjiga, p. 2.
  13. Toporišič, Jože. 1992. Enciklopedija slovenskega jezika. Ljubljana: Cankarjeva založba, p. 183.
  14. Reginald Vospernik, Pavle Zablatnik, Erik Prunč, Florjan Lipuš: Das slowenische Wort in Kärnten = Slovenska beseda na Koroškem, Schrifttum und Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart = Pismenstvo in slovstvo od začetkov do danes. ÖBV, Wien 1985, S. 22-23. ISBN 3-215-04304-1
  15. http://www.museum-globasnitz.at/
  16. http://www.museum-globasnitz.at/3-0-Schloss.html
  17. Breznik wurde 1934 in den Landtag entsandt. Vgl.: Janez Stergar (u. a.): Kronološki pregled zgodovine koroških Slovencev od 1848 do 1983. In: Koroški Slovenci v Avstriji včeraj in danes. Celovec, Ljubljana 1984 , 225
  18. Polona Sketelj: Na stičišču dveh kultur: med delovnim in prostim časom v Globasnici. Celovec 1995
  19. Slovensko kulturno društvo Globasnica: http://www.skd-globasnica.at/
  20. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  21. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  22. Gutachten des Kärntner Landesarchivs vom 20. Dezember 1972

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Globasnitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien