Gog und Magog

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Gog (hebräisch, Etymologie ungeklärt) ist beim Propheten Ezechiel (Kapitel 38 und 39) der Fürst von Mesech und Thubal und wohnt im Lande Magog. In der Offenbarung des Johannes, im Neuen Testament der Bibel, werden mit Gog und Magog zwei Völker bezeichnet, die am jüngsten Tage vom Satan befreit werden. Gemeinsam mit ihm ziehen sie in den Kampf, werden jedoch am Ende von Christus besiegt (Offb 20,8 EU). Die Erzählung von Gog und Magog hat weite Verbreitung im deutschen Mittelalter gefunden.

Dhū l-Qarnain baut eine Mauer gegen Gog und Magog (Persische Miniaturmalerei 16. Jh.)

Gog und Magog im Islam[Bearbeiten]

Gog und Magog sind im Islam unter dem Namen Yaʾdschūdsch und Maʾdschūdsch (arabisch ‏يأجوج ومأجوج‎, DMG Yaʾǧūǧ wa-Maʾǧūǧ) bekannt. Im Koran wird in Sure 18 Verse 83-98 erzählt, wie der Zweigehörnte, der von der islamischen Tradition teilweise mit Alexander dem Großen gleichgesetzt wird,[1] gegen Gog und Magog kämpfte und sie schließlich besiegte, indem er eine Mauer aus Eisen mit Kupfer übergoss. Sie konnten nicht ausbrechen, da sie diese Mauer nicht zerstören konnten. Vor dem jüngsten Tag werden sie die Mauer jedoch durchbrechen und von allen Hügeln auf die Erde strömen.

Die islamische Tradition beschreibt, wie die Gog und Magog nach ihrem Hervortreten alles, was sie an Essbarem und Trinkbarem finden, essen und trinken, so dass nichts mehr übrigbleibt. Nachdem sie Jerusalem erreicht haben, wiegen sie sich in dem Glauben, alles Leben auf der Erde zerstört zu haben. Sodann schießen sie Pfeile in den Himmel, und als diese mit Blut befleckt wieder herabfallen, glauben sie, dass sie auch die Bewohner des Himmels ausgelöscht haben. Auf Fürsprache Jesu' schickt Gott daraufhin Würmer herunter, die durch Nasen und Ohren in die Gog und Magog eindringen, sie von innen auffressen und an ihren Nacken wieder herauskommen. Auf diese Weise sterben die Gog und Magog.[2]

Mittelalterliche Mythen[Bearbeiten]

Der Georgier Step‘annos Orbelean beschreibt in seiner Historia, dass Dhū l-Qarnain die wilden Stämme des Nordens eingeschlossen hatte. Am Ende der Zeiten werden sie jedoch von Gog und Magog befreit, und sie verwüsten die ganze Welt, und der „Sohn der Zerstörung“ wird sich erheben, gefolgt von der Wiederkunft Christi und der Vernichtung der Ungläubigen.

Geoffrey von Monmouth erzählt in der Historia Regum Britanniae (Geschichte der Könige Britanniens) (1, 17, um 1136) wie die Insel Britannien von trojanischen Flüchtlingen unter Brutus besiedelt wurde. Corineus, einer seiner Gefolgsleute, wurde der Herrscher von Cornwall, wo es besonders viele Riesen gab. Der scheußlichste davon, Gogmagog, war dreieinhalb Meter groß und so stark, dass er ganze Eichenbäume ausreißen konnte. Als Gogmagog und zwanzig andere Riesen Brutus während eines Gottesdienstes angriffen, ließ er sie töten bis auf Gogmagog, der zu seiner Unterhaltung mit Corineus ringen sollte. Gogmagog brach Corineus drei Rippen, aber dann schleppte ihn dieser an die Küste und warf ihn von den Klippen ins Meer, wo er zerschellte.

Im Mittelalter führten auch die Skandinavier ihre Abstammung auf Magog zurück, der schließlich im Norden wohnte. Da er Vorderasien sehr früh verlassen hatte, war seine Sprache der des Paradieses (Ursprache) noch sehr ähnlich. Nach der Gesta Hungarorum [3] war Magog Fürst von Skythien und der Stammvater der Ungarn.

Nach dem mittelirischen Lebor Gabála Érenn (§10) war Magog, der Sohn Iafeths, der Stammvater der Völker, die vor den Gaedil nach Irland kamen, nämlich Partholon, dem Sohn des griechischen Königs Sera, Nemed und die Abkömmlinge der Nemed, Gaileoin, Fir Domnann, Fir Bolg und die Túatha Dé Danann.

Kartografische Darstellung[Bearbeiten]

Angelsächsische Weltkarte aus der Cotton-Sammlung, Vorlage ca. 1000, kopiert ca. 1836, coloriert
Tabula Rogeriana, 1154

Mit der eher grob-schematischen angelsächsischen Weltkarte aus der Cotton-Sammlung von ca. 1000 (als neuzeitliche Kopie erhalten) wird das Reich von Gog und Magog relativ nahe an den Polarkreis und das Arktische Meer gesetzt. Es findet sich nördlich von Aserbaidschan, in der Nähe des Kaspischen Meeres, aber wiederum deutlich nordöstlich eines am Ostmeer dargestellten Löwen in einer Region, die man heute China zuweisen würde. Die identifizierbaren umliegenden Regionen weisen die Region klar nach Zentralasien.

Der Sprachforscher Mahmud al-Kaschghari stellt in seinem Werk Kompendium der Sprachen der Türken Karte der Alten Welt in Scheibenform aus dem Jahr 1072, die sich heute im Pera-Museum in Istanbul befindet, die Wüste Taklamakan und den Altai in die Mitte. Die Darstellung ist so gewählt, dass der Osten oben liegt, wie auf allen christlichen Karten der Zeit. Im Süden sind Hindustan, und Kaschmir neben dem Gebiet von Gog and Magog notiert.

Auf der Tabula Rogeriana aus dem Jahr 1154, die Al-Idrisi in seiner Zeit am Hof von Roger II. (Sizilien) zugerechnet wird, einer rechteckigen Weltkarte, in der der Süden oben liegt, findet sich das Land Magog im äußersten Nordosten. Eine Beurteilung der tatsächlichen Vollständigkeit der Darstellung in diesem Bereich ist nur schwer möglich. Eine Gleichsetzung mit dem Reich der Gök-Türken bzw. dem Reich der Mongolen unweit der chinesischen Mauer durch den Kartografen deutet sich an.

Auf der Weltkarte des Pietro Visconte von 1326 liegen Gog und Magog im äußersten Osten der Welt, jenseits von Cathay und China[4]. Auf der Karte des Andrea Bianco von 1436 bewohnen sie eine Halbinsel im äußersten Osten der Welt, gegenüber dem irdischen Paradies[5] In späteren Karten rücken sie in den Nordosten Asiens, ungefähr in die Gegend der Kamtschatka.

Auf der Karte Geographia sacra von Abraham Ortelius (Theatrum orbis terrarum, Antwerpen 1601) ist Magog eine Stadt im nördlichen Mesopotamien, an dem Fluss Arbonai, der als Nebenfluss des Euphrat dargestellt ist und in der ungefähren Gegend des Orontes liegt, freilich mit umgekehrter Fließrichtung, unweit des Paradieses[6].

Gog und Magog in der Kunst[Bearbeiten]

Einer Legende nach sind die Riesen Gog and Magog Wächter Londons; sie stehen als Skulpturen über dem Ausgang des Rathauses. In seiner Erzählung Gone Astray berichtet Charles Dickens, wie er diese Riesen als kleiner Junge wahrnahm. (Die Original-Skulpturen, die Dickens beschreibt, wurden allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört.)

In Die letzten Tage der Menschheit gibt es in Akt V, Szene 7 einen Dialog zwischen zwei Männern deutscher Herkunft namens Gog und Magog, die der Autor Karl Kraus als „zwei riesenhafte Fettkugeln“ bezeichnet. Sie werden als sehr nationalistisch beschrieben.

Martin Buber publizierte 1941 in der Zeitung Dawar eine historische Novelle Gog und Magog, die 1945 unter dem englischen Titel For the Sake of Heaven erschien und in welcher der chassidische Rabbiner Jaakow Jizchak von Przysucha als Protagonist erscheint.

Gog und Magog erscheinen auch in dem Roman Die toten Seelen von Nikolai Gogol. Sobakewitsch, ein Verkäufer toter Seelen, vergleicht den Gouverneur und den Vizegouverneur mit Gog und Magog: „Geben Sie ihm nur ein Messer und stellen Sie Ihn an der Poststraße auf, und er wird Ihnen den Hals abschneiden, wegen einer einzigen Kopeke den Hals abscheiden! Er und der Vizegouverneur, das sind Gog und Magog!“ [7]

In der Science-Fiction-Serie Andromeda existiert eine zerstörerische Spezies namens Magog.

Auf dem Album Foxtrot der Gruppe Genesis, dem 6. Teil des Stückes Supper's Ready, APOCALYPSE IN 9/8 (CO-STARRING THE DELICIOUS TALENTS OF GABBLE RATCHET), werden die „Wachen von Magog“ zitiert, nach Interpretation des Textes [8] eine Anspielung auf die Offenbarung des Johannes. Auch Peter Hammill nahm für sein 1974 erschienenes Album In Camera die zusammenhängenden Stücke Gog und Magog auf; ersteres war später auch im Live-Repertoire seiner Band Van der Graaf Generator zu finden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Gog oder Gôg ist auch die mundartlich-schwäbische Bezeichnung für einen Weingärtner aus der Tübinger Unterstadt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Suhrkamp 2005.
  • J. G. Aalders: Gog en Magog in Ezechiël. J.H. Kok, Kampen 1951.
  • Muhammad Ali: The Antichrist and Gog and Magog. Ahmadiyya Anjuman Isha`at Islam Lahore Inc., Columbus OH 1992.
  • Andrew Runni Anderson: Alexander's Gate, Gog and Magog, and the Inclosed Nations. The Medieval academy of America, Cambridge MA 1932.
  • David Yo'elAri'el: Milhemet Gog u-Magog, meshihiyut ve-apokalipsah ba-Yahadut--be-`avar uve-yamenu. Yedi`ot aharonot. Sifre hemed, Tel Aviv 2001.
  • Daniel I. Block: Gog & Magog in Ezekiel's Eschatological Vision. in: Eschatology in Bible & Theology. Evangelical Essays at the Dawn of a New Millennium. InterVarsity Press, Downers Grove IL 1997.
  • Sverre Bøe: Gog and Magog, Ezekiel 38-39 as Pre-text for Revelation 19,17-21 and 20,7-10. Mohr Siebeck, Tübingen 2001.
  • Marie Felicité Brosset: Histoire de la Siounie par Stéphanno s Orbélean. St. Petersburg 1864.
  • E. van Donzel/Claudia Ott: Art. "Yādjūdj wa-Mādjūdj" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. XI, S. 231a-234a.
  • Timothy John Mills: The Gog pericope and the Book of Ezekiel. PhD dissertation. Drew University 1989.
  • Jon Ruthven: The Prophecy That Is Shaping History. New Research on Ezekiel's Vision of the End. Xulon, Fairfax VA 2003.
  • Wolfgang Hohlbein: Magog.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Montgomery Watt in: Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. al-Iskandar
  2. Vgl. van Donzel/Ott 232a.
  3. http://la.wikisource.org/wiki/Gesta_Hungarorum
  4. Alessandro Scafi, Mapping Paradise, A history of Heaven on earth (London, British Library 2006), 201
  5. Alessandro Scafi, Mapping Paradise, A history of Heaven on earth (London, British Library 2006), 208
  6. Alessandro Scafi, Mapping Paradise, A history of Heaven on earth (London, British Library 2006), Taf. 16
  7. (Nikolai Gogol: Die toten Seelen; Aufbau-Verlag Berlin und Weimar; 3. Auflage 1978; p 116)
  8. http://cyberreviews.skwc.com/gendis.pdf