Grindel SO

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SO ist das Kürzel für den Kanton Solothurn in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Grindelf zu vermeiden.
Grindel
Wappen von Grindel
Staat: Schweiz
Kanton: Solothurn (SO)
Bezirk: Thiersteinw
BFS-Nr.: 2617i1f3f4
Postleitzahl: 4247
Koordinaten: 604950 / 24805847.3833337.504175577Koordinaten: 47° 23′ 0″ N, 7° 30′ 15″ O; CH1903: 604950 / 248058
Höhe: 577 m ü. M.
Fläche: 3,05 km²
Einwohner: 458 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 150 Einw. pro km²
Website: www.grindel.ch
Kirche von Grindel

Kirche von Grindel

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Grindel ist eine politische Gemeinde im Bezirk Thierstein des Kantons Solothurn in der Schweiz. Der französische Name der Gemeinde lautet Grandelle.

Geographie[Bearbeiten]

Grindel liegt auf 577 m ü. M., 4,5 km südlich der Stadt Laufen (Luftlinie). Das Bauerndorf erstreckt sich auf einem Sattel zwischen zwei nach Norden zur Birs fliessenden Bächen, im Faltenjura am Nordfuss der Fringelikette, im Schwarzbubenland.

Die Fläche des 3,1 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des nördlichen Juras. Der zentrale Gemeindeteil wird vom östlichen Abschnitt der Talmulde Bärschwil-Grindel eingenommen. Diese Talmulde stellt eigentlich eine stark erodierte Antiklinale der Vorbourg-Falte dar. Noch zum grossen Teil erhalten ist der aus hartem Kalkstein bestehende südliche Schenkel dieser Antiklinalen, nämlich die Fringelikette, auf deren Hauptkamm die südliche Gemeindegrenze verläuft. Sie trennt den Talkessel von Grindel vom Delsberger Becken und erreicht auf dem Stierenberg mit 921 m ü. M. den höchsten Punkt von Grindel. Der nördliche Schenkel der Antiklinalen ist anhand des Nettenbergs respektive Rüdlibergs (703 m ü. M.) und des Hesliberges erkennbar. Der Wahlenbach, welcher in der Nähe von Grindel entspringt, durchbricht diese Kette in einem klusartigen Tal. Die weichen Ton- und Mergelschichten der Antiklinalen wurden im Lauf der Zeit weitgehend erodiert, weswegen sich die Talmulde Bärschwil-Grindel gebildet hat. Im Nordosten erstreckt sich der Gemeindeboden bis zur Baflue, einer Felskrete am Südrand des Laufener Beckens. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 5 % auf Siedlungen, 52 % auf Wald und Gehölze und 43 % auf Landwirtschaft.

Zu Grindel gehören die Streusiedlung Horlangen (570 m ü. M.) am Nordhang des Hesliberges sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Grindel sind Büsserach, Erschwil und Bärschwil im Kanton Solothurn, Montsevelier im Kanton Jura sowie Laufen und Wahlen im Kanton Basel-Landschaft.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit 458 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) gehört Grindel zu den kleineren Gemeinden des Kantons Solothurn. Von den Bewohnern sind 98,0 % deutschsprachig, 0,8 % französischsprachig und 0,2 % sprechen Italienisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Grindel belief sich 1850 auf 327 Einwohner, 1900 auf 267 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl bis 1950 kontinuierlich auf 496 Personen an. Danach erfolgte bis 1990 (439 Einwohner) ein Bevölkerungsrückgang, bevor wieder ein deutlicher Zuwachs verzeichnet wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Grindel war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben die Milchwirtschaft und Viehzucht sowie der Obstbau (überwiegend Kirschbäume) einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Einige weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden, unter anderem in Betrieben des Baugewerbes, der Elektronik und in einer Autowerkstatt. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in Laufen und Breitenbach sowie in der Agglomeration Basel arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt abseits der grösseren Durchgangsachsen, die Hauptzufahrt erfolgt von Laufen. Durch einen Postautokurs, welcher die Strecke von Laufen nach Bärschwil bedient, ist Grindel an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden. Grindel ist am Tarifverbund Nordwestschweiz beteiligt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung von Grindel findet sich in einer Urkunde von Papst Eugen III. aus dem Jahre 1147 als Crindil. Später erschienen die Bezeichnungen Grindil (1152) und Grindel (1364). Es wird angenommen, dass der Ortsname auf das althochdeutsche Wort Grintil zurückgeht, d. h. Riegel, Gatter oder Schlagbaum. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass Grindel schon zur Römerzeit besiedelt war, wie Reste von Befestigungsanlagen auf den Bafluefelsen und dem Stürmenchopf, zwei nahegelegenen Erhebungen, vermuten lassen, die jedoch zeitlich bislang nicht klar zugeordnet werden konnten.

Seit dem Mittelalter war das Benediktinerkloster Beinwil reich begütert im Dorf und besass die Hälfte der Kapelle. Die weltliche Herrschaft wurde von den Grafen von Thierstein ausgeübt. Nachdem das Geschlecht der Thiersteiner erloschen war, gelangte Grindel 1522 an Solothurn und wurde der Vogtei Thierstein zugeordnet. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte das Dorf während der Helvetik zum Distrikt Dornach und ab 1803 zum Bezirk Thierstein.

Im Jahre 1819 wanderten über 40 Personen nach Nova Friburgo, Brasilien, aus.

Die frühere Kapelle zu Grindel wurde in den Jahren von 1861 bis 1863 zu einer Kirche umgebaut. Aufgrund der Urkunde von Bischof Eugenius Lachat, Bischof von Basel, mit Datum 7. März 1864, wurde aus Grindel eine eigenständige Pfarrgemeinde (seit 1619 war es als "Filiale" Bärschwil zugehörig).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die katholische Kirche Sankt Stephan geht ursprünglich auf einen mittelalterlichen Bau zurück. Der Turm der heutigen Kirche stammt von 1702, während das Schiff 1861–1863 durch einen Neubau ersetzt wurde. Im alten Ortskern sind einige charakteristische Bauernhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erhalten.

Stierenberg-Sömmerungsweide und Stierenbergfelsen (921 m ü. M.) mit Ausblick zum Schwarzwald und zu den Vogesen. «Zwärgehöli» auf dem Stierenberg und «Looberghöli» westlich des Stierenbergs.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

In Rot auf grünem Plan eine grüne, schwarzbestammte «Schärm»-Tanne vor einem schwarzen Hag

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Grindel stammt der Schweizer Flugpionier Theodor Borrer.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottlieb Loertscher: Die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn, Band III: Die Bezirke Thal, Thierstein, Dorneck. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 38). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1957, DNB 750089342.
  • Lutz, Simon: Buch «Grindel – Leben und erleben», 375 Seiten, Publikation im Jahre 2002.
  • Lutz, Simon: Topographische Flurnamenkarte der Gemeinde Grindel (inkl. Strassen, Wege, Wanderwege, Bäche, Höhlen). Plan A2, Rückseite Grundbuch-Nr. mit entsprechendem Flurnamen, Publikation im Jahre 2004.
  • Lutz, Simon: Buch «Leben am Fringeliberg», 448 Seiten, Publikation im Jahre 2008, Vorwort und Fotobeschreibungen in Deutsch, Französisch, Englisch. Wanderungen, die Dörfer diesseits und jenseits des Fringelibergs (SO, BL, JU), die Bauernhöfe, Auswanderungen von Bärschwil nach Amerika, Familiengeschichte der Fringeli von Bärschwil, etc.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grindel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)