Guajak

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Guajak
Guaiacum officinale, Illustration

Guaiacum officinale, Illustration

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Jochblattartige (Zygophyllales)
Familie: Jochblattgewächse (Zygophyllaceae)
Gattung: Guajak
Wissenschaftlicher Name
Guaiacum
L.

Guajak (Guaiacum) bezeichnet eine Gattung der Familie der Jochblattgewächse (Zygophyllaceae). Sie enthält sechs bis acht Baum-Arten aus dem tropischen und subtropischen Amerika. Einige liefern das Guajak-Harz, auch das sehr schwere Holz wird genutzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Guaiacum-Arten sind Bäume oder Sträucher mit sehr hartem, harzreichen Holz. Die Laubblätter sind gegenständig, paarig gefiedert mit vier bis 28 Fiederblättchen. Die Blättchen sind ganzrandig, asymmetrisch geformt und von ledriger Konsistenz. Die Nebenblätter sind klein und dreieckig.[1]

Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln oder sind in zymösen Blütenständen zusammengefasst. Die Blüten sind gestielt, radiärsymmetrisch, ihre Farbe ist blau, violett oder weiß. Es sind vier oder fünf Kelchblätter vorhanden, die nicht miteinander verwachsen sind und früh abfallen. Die vier oder fünf Kronblätter sind ebenfalls nicht miteinander verwachsen, ihre Form ist breit umgekehrt eiförmig. Acht bis zehn Staubblätter mit dünnem Staubfaden und länglichem Staubbeutel sind vorhanden. Der oberständige Fruchtknoten besteht aus zwei bis fünf Fruchtblättern. Es entsteht eine ledrige, fast kreiselförmige, zwei- bis fünffächrige Kapselfrucht. Sie enthält in jedem Fach nur einen ovalen Samen.[1]

Arten[Bearbeiten]

Es gibt sechs bis acht Arten in der Gattung der Guajak-Bäume (Guaiacum), im tropischen und wärmeren Amerika:

Verwendung[Bearbeiten]

Das Holz ist sehr schwer (Dichte etwa 1,2 g/cm³)[2], fest, hart, brüchig, spaltet schwer und unregelmäßig, ist dunkelgrünlichbraun, mit hellgelblichem Splint umgeben und von diesem scharf abgegrenzt. Das Holz ist widerspänig und lässt sich deshalb nicht hobeln. An älteren, über 20 cm starken Stämmen ist der Splint so schwach, dass er nicht ins Auge fällt. Im Kern und im Splint finden sich abwechselnd hellere und dunklere Schichten, welche sehr zahlreiche, an Jahresringe erinnernde Kreise bilden. Der Splint ist geschmacklos; das Kernholz schmeckt schwach aromatisch, ein wenig kratzend und entwickelt beim Erwärmen einen schwachen angenehmen Geruch. Es ist sehr harzreich (25–27 %).

Heilmittel[Bearbeiten]

In der Mayakultur wurden Abkochungen des Holzes zur Therapie der Geschlechtskrankheit Syphilis eingesetzt. Guaiacum officinale und Guaiacum sanctum liefern das Guajak-Holz (Franzosenholz, Pockholz) sowie das Guajak-Harz. Das Wort Guajak ist westindischen Ursprungs. Der lateinische Name „Lignum vitae“ bezieht sich auf die angeblichen heilenden und lebensverlängernden Eigenschaften dieses im 18. Jahrhundert berühmten Holzes.

Die Anwendung des Holzes lernten die Spanier von den Einheimischen Santo Domingos kennen; sie brachten es schon 1508 unter dem Namen „Palo santo“ („Lignum vitae“, „Lignum sanctum“) nach Europa, wo es noch 1532 sehr teuer war. In Deutschland trugen Nicolaus Poll (im Jahre 1517) und Leonhard Schmaus (im Jahre 1518), besonders aber Ulrich von Hutten (im Jahre 1519) zur Verbreitung des „heiligen oder indischen Holzes“ bei. Letzterer will nach langem vergeblichen Gebrauch von Quecksilber seine angebliche Heilung von der Syphilis dem „Lebensholz“[3] verdankt haben. Holz und Rinde wurden noch im 19. Jahrhundert zerkleinert als Mittel gegen Syphilis (als Tee), hartnäckige chronische Exantheme, Rheuma und Gicht verwendet.

Der deutsche Ausdruck Pockholz entstand, weil die Späne des Guajak-Baumes Öle enthalten, die man in früheren Zeiten als Medikament eingesetzt hat, im medizinisch nicht erwiesenen Glauben, dass Extrakte des Holzes in der Lage seien, die Pockenkrankheit zu heilen.[4]

Heutzutage nutzt die pharmazeutische Industrie Guajak-Extrakte für die Zubereitung homöopathischer Präparate.

Medizinischer Test[Bearbeiten]

Zum Nachweis von nicht direkt sichtbarem Blut im Stuhl von Patienten wird eine kleine Stuhlprobe auf Guajak-Harz-getränktes Filterpapier gegeben. Das im Blut vorhandene Hämoglobin wird dann durch eine Reaktion mit Wasserstoffperoxid sichtbar: Der Teststreifen verfärbt sich blau.[5]

Aroma[Bearbeiten]

Mindestens 20 Tonnen Holz werden in Deutschland jährlich als Aromaessenz für die Zubereitung von Kräuterlikören verbraucht. Darüber hinaus wird das Guajak-Harz als Bestandteil von Räuchermischungen angeboten. Den Düften des Harzes werden sowohl stimulierende als auch beruhigende Einflüsse nachgesagt.

Holzbau[Bearbeiten]

Ungefähr 50 Tonnen des Holzes werden für den Massivholzbau verwendet. Als eines der härtesten Hölzer überhaupt wurde Pockholz schon vor Jahrhunderten zum Schiffbau, zur Herstellung von Achslagern, Presswalzen, Kegelkugeln, Mörsern, Pistillen, den Hammer zum Kalfatern etc. verwendet. Es eignet sich für hoch beanspruchte Teile wie Schiffslager, Zahnräder und Werkzeuge, wie zum Beispiel als Hobelsohle für verschiedene Tischlerhobel. Auch die im friesischen Nationalsport „Boßeln“ benutzten Kugeln werden aus diesem sehr widerstandsfähigen Holz angefertigt.

Artenschutz[Bearbeiten]

Der internationale Handel mit dem Holz und Harz der Arten des tropischen Guajak- oder Pockholzbaumes (Guaiacum) ist nach der Entscheidung der 12. Vertragsstaatenkonferenz zum Schutze gehandelter Tier- und Pflanzenarten (CITES) seit dem 26. November 2002 genehmigungspflichtig. Auf Antrag Deutschlands wurde der bisherige Schutz von zwei Arten des Guajakbaums auf alle Arten der Gattung ausgedehnt. Durch die Aufnahme in den Anhang II der Konvention wird der Handel mit diesem Holz nicht verboten, sondern er wird genehmigungspflichtig. Ziel ist es, den Handel mit den Pockholzarten langfristig naturverträglich zu gestalten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guaiacum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. a b  Abdul Ghafoor: Zygophyllaceae. In: Flora of Pakistan. Bd. 76, S. 2 (efloras.org).
  2.  Terry Porter: Holz erkennen und bestimmen. 2. Auflage. HolzWerken, Hannover 2011, ISBN 978-3-86630-950-0, S. 141.
  3. Ulrich von Hutten: De Guajaci medicina et morbo gallico. Mainz 1519.
  4. Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. 1888/90.
  5. Schmiegel W. et al., S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“ … ZGastroenterol 2008; 46: 1–73