Hünenbett ohne Kammer

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Das Hünenbett ohne Kammer, auch kammerloses Hünenbett genannt, in Großbritannien (Nichtmegalithische Langhügel und Steinkammerlose Long Cairns), findet sich in einem Streifen von der Bretagne über die Britischen Inseln, Dänemark und die Norddeutsche Tiefebene, bis an den Oberlauf der Weichsel (Anlagen vom Niedźwiedź-Typ) (NTT). Wobei kammerlos bedeutet, dass keine lithische Kammer vorhanden ist.

Seit den 1980er Jahren sind die Einhegung vom Typ Passy der Cerny-Kultur[1][2] im französischen Département Essonne im Pariser Becken bekannt. Es handelt sich dabei jedoch nicht immer um Megalithanlagen.

Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[3]

Polnisches Hünenbett ohne Kammer

Trichterbecherkultur gesamt[Bearbeiten]

S. Rzepecki listet alle Fundplätze (ggf. mehrerer) kammerloser Anlagen der Trichterbecherkultur (TBK) auf, unabhängig davon ob sie eine megalithische Einfassung haben oder nicht –

  • 13 Tschechien
  • 45 Dänemark
  • 161 Deutschland
  • 144 Polen
  • 1 Schweden

Hünenbetten der TBK in Deutschland[Bearbeiten]

Im Gebiet der Trichterbecherkultur (TBK) erfolgte die Einordnung der kammerlosen Anlagen in die Megalithkategorie, da ihre hauptsächlich an den Unterläufen von Elbe, Oder und Weichsel, aber auch im Jerichower Land gelegenen, zumeist recht flachen Hügel vielfach eine Einfassung aus etwa einem Meter hohen Megalithen besitzen. Aufgrund ihrer geringen Dimensionen waren sie zum Kammerbau ungeeignet, weshalb ihnen; die aus großen Blöcken erstellte steinerne Kammer fehlt. Die Einfassungen (siehe Nordische Megalitharchitektur) sind trapezförmig oder rechteckig. Hans-Jürgen Beier stellt auf dem Gebiet der DDR maximal 55 erhaltene Anlagen (38 nachgewiesen) heraus. Diese Zahl erhöht sich durch etwas mehr als einem Dutzend westdeutsche Anlagen. Östlich der Oder sind sie oft trapezoid oder dreieckig mit gerundeter Spitze, mit (Hügel 9 von Sarnowo, Polen) meist jedoch ohne zonentrennende Querreihen (megalithisch und unmegalithisch). Die Anlage von Kritzow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), hat übermannshohe Wächtersteine. Außer den von Ewald Schuldt in Mecklenburg-Vorpommern untersuchten Anlagen in Gnewitz, Rothenmoor und Großsteingrab von Stralendorf sind in der Region 11 und im Sachsenwald fünf weitere vorhanden. Eine Gruppe von drei Anlagen wurde erst 1969 im „Alt Plestliner Holz“, Landkreis Vorpommern-Greifswald entdeckt. Eine dieser Einfassungen ist 80 Meter lang. Fünf Hünenbetten ohne Kammern wurde im 19. Jahrhundert von J. Ritter im Kreise Hagenow untersucht.

Alle Anlagen zeichnen sich durch abgegrenzte Steinanhäufungen (Pflaster) aus, die unter dem Erdhügel mit Rollsteinpackungen überdeckt sind. In der Anlage von Stralendorf (Landkreis Ludwigslust-Parchim) waren sechs derartige Pflaster, quer und längs liegend, in der 125 Meter langen trapezoiden Einfassung untergebracht. Solche Pflaster kommen mitunter außerhalb der Einfassungen vor oder werden in oder neben Hünenbetten gefunden, in denen Kammern anzutreffen sind, z.B. in zweien der vier Hünenbetten von Grundoldendorf. Das Hünenbett „Alter Hau 1“ im Sachsenwald weist eine Länge von 154 Meter auf und gehört zu den längsten Anlagen der nordischen Megalitharchitektur.

Das Langbett von Tinnum auf Sylt ist ein Hünenbett, das weder eine Kammer noch eine megalithische Einfassung besitzt, allerdings eine aus kopfgroßen Steinen. Es repräsentiert offenbar einen Übergangstyp.

Bezieht man Anlagen ohne steinerne Hügeleinfassung, deren Hügel eine relativ spurenlos vergangene Einfassung aus Holzpfählen hatten, in die Betrachtungen mit ein, dann erweitert sich der Kreis der kammerlosen Anlagen z. B. um die Anlagen von Tinnum, Barkjær (in Djursland) oder Bygholm Nørremark (auf Jütland). Diese in Dänemark Anlagen vom Typ Konens Høj genannten Anlagen sind im TBK-Areal östlich der Oder als "Niedźwiedź Typ" bezeichnet vertreten und in Mitteldeutschland als Langhügel besonders häufig.

Hünenbetten der TBK in Polen[Bearbeiten]

Eine beträchtliche Zahl von Hünenbetten ohne Kammer sind aus West- und Südpolen bekannt, einige wenige aus Böhmen und Mähren. Die größte Konzentration liegt in Kujawien. Oft werden sie in Gruppen von zweien oder dreien gefunden worden, gelegentlich wie bei Sarnowo, in größerer Ansammlung (9). Die meisten sind zwischen 25 und 40 Meter lang; etwa 40 % sind zwischen 60 und 80 m lang. Das längste Wietrzychowice in Kujawien, erreicht 130 m und ist verhältnismäßig schmal. Gewöhnlich sind sie an der breiteren der kurzen Seiten (der Stirnseite) zwischen drei und 11 Meter breit, wobei die schmalere Seite als Ende angesehen wird. Die Zugangsöffnungen sind an der Stirnseite festgestellt worden. Die Hauptorienlierung in etwa 70 % der untersuchten Anlagen ist ostwestlich oder nordost-südwestlich.

Britische Inseln[Bearbeiten]

Hügelanlagen mit einer Einfassung aus Holzpfählen sind in jedem Fall die etwa 200 britischen (earthen) Longbarrows (Nichtmegalithischen Langhügel und die Nichtmegalithischen Rundhügel). Sie sind in Wiltshire und Yorkshire besonders häufig. Drei Anlagen liegen in Schottland, eine auf der Isle of Man. Die Hügel wurden über Holzkammern errichtet. Im Osten Schottlands kommen als eine weitere kammer- und megalithlose Variante die „chamberless Cains“, die etwa 50 Steinhügel ohne Kammern hinzu, die in England (12) nur in Cumbria und Northumberland vertreten sind.

Frankreich[Bearbeiten]

Die Erdhügel oder Tumuli in der Bretagne sind prämegalithisch, wie die „tertres allongés“ in der Bretagne, in den Landes und im Morbihan. Es sind niedrige, plattengefasste Aufhügelungen von 15 bis 35 Meter Breite und Längen zwischen 40 bis 100 Meter. Sie sind rechteckig oder oval und enthalten Trockenmauereinbauten für Leichenbrand und Beigaben. Frühmegalithisch entstehen überdimensionale Erdhügel, wie der Tumulus von Carnac, die kistenartige Einbauten aufweisen. Ein neu entdeckter Hügel dieser Art liegt in La Trinité-sur-Mer.

Hügelanlagen mit Einfassungen aus Holzpfählen (ohne Steinanteil) sind die teils spermienförmigen mittelneolithischen Einhegungen vom Typ Passy, die der Cerny-Kultur zuzuschreiben sind. Derartige Hügel mit Holz- bzw. Palisadeneinfassung finden sich auch im Gebiet der frühen Trichterbecherkultur. Anlagen vom Typ Konens Høj in Dänemark und Anlagen vom Niedźwiedź-Typ‎ in Mitteldeutschland und Polen.

Britische, französische und nordische Anlagen haben untereinander keinerlei Verbindung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frances Lynch: Megalithic tombs and Long Barrows in Britain. Shire, Princes Risborough 1997, ISBN 0-7478-0341-2 (Shire archaeology 73).
  • Seweryn Rzepecki: The roots of megalitism in the TRB culture. Instytut Archeologii Uniwersytetu Łódźkiego Poznan 2011 ISBN 978-83-933586-1-8
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Claude Constantin, Daniel Mordant, Daniel Simonin (eds.) 1997. La Culture de Cerny. Nouvelle economie, nouvelle societe au Neolithique. Actes de Colloque International de Nemours, 9-11 Mai 1994. Memoires du Musee de Prehistoire d'Ile-de-France 6, Nemours: Association pour la Promotion de Recherche, Archeologique en Ile-de-France; 2-90616013-X
  2. http://www.archaeology.org/online/features/neolithic/index.html Zitat: “A salvage excavation determined that these lines were in fact man-made ditches dating to the Neolithic, some more than 600 feet long and terminating in circular areas”
  3. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15

Weblinks[Bearbeiten]