Carnac

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Carnac (Karnag)
Wappen von Carnac
Carnac (Frankreich)
Carnac
Region Bretagne
Département Morbihan
Arrondissement Lorient
Kanton Quiberon
Koordinaten 47° 35′ N, 3° 5′ W47.584722222222-3.077777777777819Koordinaten: 47° 35′ N, 3° 5′ W
Höhe 0–45 m
Fläche 32,71 km²
Einwohner 4.227 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 129 Einw./km²
Postleitzahl 56340
INSEE-Code
Website Mairie de Carnac

Carnac (bretonisch Karnag) ist eine französische Gemeinde an der Atlantikküste mit 4227 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Morbihan in der Region Bretagne. Sie ist berühmt für ihre mehr als 3000 Menhire, die zu Steinreihen (franz. Alignements) gruppiert sind. Auch die Steingehege der Bretagne und etliche Großsteingräber (Dolmen) liegen nahe beim Ort.

Tourismus[Bearbeiten]

Die klimatisch stabile Südküste der Bretagne mit ihren vielen Buchten und Sandstränden ist bei Franzosen schon seit den 1920er Jahren beliebt. Seit den 1960er Jahren finden sich auch Besucher aus anderen europäischen Ländern ein, die auch die vielen prähistorischen Sehenswürdigkeiten in Carnac und seiner Umgebung besuchen.

Monumente[Bearbeiten]

Die Steinreihen, die einzeln stehenden Menhire und die Dolmen, bestehen im Wesentlichen aus dem Granitgestein der vom Meer aufgeschlossenen Küste. Viele Oberflächen sind heute zum Teil verwittert und mit Flechten überzogen. Während die älteren Steine der Steinreihen und der Dolmen in aller Regel sorgfältig bearbeitet wurden, sind bei späteren Steinsetzungen kaum noch Bearbeitungsspuren festzustellen.

Steinreihen[Bearbeiten]

Megalithanlage von Le Ménec mit 1099 Menhiren, Carnac
Steinreihen von Kermario
Dolmen von Roch-Feutet bei Carnac

Die Steinreihen bilden die Gruppen von Kerlescan, Le Menec und Kermario. Die Reihen sind über drei Kilometer lang und enthielten ursprünglich über 3000 Steine, die zwischen 0,5 und 4,0 m hoch sind. Die größten Steine befinden sich immer am westlichen Ende. Das ursprüngliche Ausmaß betrug vermutlich 8 km, und die Anlage schloss auch die Monumente von Le Petit Menec, St.-Barbe und Kerzerho ein. Die Reihen erstreckten sich damit von Crac'h Ria bis Plouharnel.

  • Menec hat Steinkreise an beiden Enden (90 und 110 m Durchmesser). Die Steinreihe ändert einmal die Ausrichtung, was manche Forscher als Hinweis auf einen Bau in zwei Phasen ansehen.
  • Bei Kermario sind die Reste des Steinkreises am West-Ende auf Luftbildern noch zu erkennen. Die Steinreihe ändert dreimal ihre Richtung.
  • Kerlescan hat einen Steinkreis am Westende, im Osten anscheinend nicht. Er besteht aus 13 parallelen Reihen, die zwischen sieben und 41 Steinen enthalten. Ein Teil der Megalithen lag bereits als Blöcke vor, viele der kleineren wurden aus dem anstehenden Fels gebrochen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden nationalsozialistische Archäologen des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg mit der Vermessung der Steinreihen und einer Ausgrabung speziell an den Steinreihen von Kerlescan beauftragt.[1] [2] Die Funde der Ausgrabung befinden sich größtenteils bis heute im Museum von Carnac.

Tumulus St. Michel[Bearbeiten]

Der Tumulus St. Michel ist der größte künstlich errichtete Erdhügel Frankreichs (Länge 125 m, Breite 60 m, Höhe etwa 10 m). Er enthält eine Anzahl von Steinkisten und einen Dolmen, die mittels Tunnel zu besichtigen waren. Da die Hügelschüttung durch die Grabungen instabil wurde, sind die Tunnel inzwischen für die Öffentlichkeit gesperrt. Auf der Spitze des Grabhügels befindet sich eine Kapelle für den Erzengel Michael und ein Steinkreuz. Von hier hat man auch eine gute Aussicht über den Golf von Morbihan. Vergleichbare Großtumuli in der Umgebung sind der Le Petit Mont bei Arzon sowie die Anlagen von Er Grah, Mané Lud und Mané-er-Hroek bei Locmariaquer.

Großsteingräber[Bearbeiten]

Am Ortsrand befinden sich auch die Dolmen von Kerluir und Beaumer. Im Ort befindet sich ein weiterer Dolmen Belle-Vue an der Rue de Courdiec. Eine Kurzdarstellung der aktuellen Forschung um die Megalithgräber der Region Carnac wurde von der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte vorgelegt.[3] Während der deutschen Besatzung der Bretagne (1940-1944) wurden mehrere Großsteingräber durch Schützengräben und Schanzarbeiten der Organisation Todt und der Wehrmacht beschädigt oder zerstört.[4]

Vorzeitliche Besiedlung[Bearbeiten]

Das Camp du Lizo ist eine Höhensiedlung. Sie wurde am Ende der Bronzezeit errichtet und ist bisher als einzige in der Region erforscht. Das auf einem Plateau oberhalb des Flusses Crac’h, nordöstlich von Carnac gelegene Camp wurde zwischen 1923 und 1926 von Zacharie Le Rouzic untersucht.[5]

Datierung[Bearbeiten]

Die Megalithanlagen wurden in der Jungsteinzeit (ab ca. 4500 v. Chr.) erbaut und bis in die Bronzezeit (ca. 2300 v. Chr.) genutzt. Gewöhnlich datiert man die Steinreihen in das Spätneolithikum[6]; Grundlagen für eine Datierung (Skelettreste oder Keramikfunde) sind jedoch spärlich und könnten überdies auch späteren Zeiten entstammen. Die Steinreihen von Kermario laufen über den altneolithischen Langhügel von Le Manio.

Museum[Bearbeiten]

In dem ehemaligen Gebäude eines Priesterseminars in der Ortsmitte von Carnac befindet sich das 'Musée de Prehistoire' mit sehenswerten Exponaten und Informationen zur Megalithkultur. Einige Vitrinen sind der Römerzeit und dem Mittelalter vorbehalten (siehe Weblink).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Paul Goffeny (1907–1945), hochdekorierter französischer Marinepilot

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre-Roland Giot: Les Alignements de Carnac. = Die Alignements von Carnac. Éditions Ouest-France, Rennes 1992, ISBN 2-7373-1021-0.
  • Mark Patton: Statements in stone. Monuments and society in Neolithic Brittany. Routledge, London u. a. 1993, ISBN 0-415-06729-4.
  • D. Sellier: Éléments de reconstruction du paysage prémégalithique sur le site des alignements de Kerlescan (Carnac, Morbihan) à partir de critères géomorphologiques. In: Revue archéologique de l'Ouest. 12, 1995, ISSN 0767-709X.
  • Juergen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3, (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 36).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reena Perschke: Les mégalithes du Morbihan littoral sous l´occupation allemande (1940-1944). Bulletin et Mémoires du Morbihan, Société Polymathique du Morbihan, tome CXXXIX (Vannes 2013), S. 63-89.
  2. Werner Hülle: Die Steine von Carnac. Verlag J. A. Barth, Leipzig, 1942
  3. Reena Perschke: Nichts als große Steine? Die Megalithgräber von Carnac, Quiberon und dem Golfe du Morbihan. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Band 31, 2010, ISBN 978-3-89646-825-3, S. 89–104.
  4. Reena Perschke: Les mégalithes du Morbihan littoral sous l´occupation allemande (1940-1944). Bulletin et Mémoires du Morbihan, Société Polymathique du Morbihan, tome CXXXIX (Vannes 2013), S. 63-89.
  5. Zacharie Le Rouzic: Premières fouilles au camp du Lizo. Edition Ernest Leroux, Paris, 1933. / Yannick Lecerf: Une nouvelle intervention archéologique au Camp du Lizo en Carnac (Morbihan). In: Revue archéologique de l'Ouest No. 3, 1985, ISSN 0767-709X, S. 47–58.
  6. Herbert Genzmer in: Rätsel der Menschheit, Parragon, S.52 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carnac – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Carnac – Reiseführer