H. H. Holmes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
H. H. Holmes (1895)

H. H. Holmes (eigentlich Herman Webster Mudgett; * 16. Mai 1860[1] in Gilmanton, New Hampshire; † 7. Mai 1896 in Philadelphia, Pennsylvania (hingerichtet)) war ein US-amerikanischer Serienmörder.

H. H. Holmes gilt zuweilen als der erste Serienmörder der Vereinigten Staaten.[2] Dies trifft nicht zu, da bereits vorher Serienmörder – zum Beispiel Thomas Neill Cream – auftraten. Er ist heute fast in Vergessenheit geraten, obwohl er einer der grausamsten und „erfolgreichsten“ Mörder der US-Justizgeschichte gewesen ist. Wie bei vielen Serienmördern lässt sich auch bei Holmes die genaue Zahl der Morde nicht mehr feststellen. Man schätzt die Zahl seiner Opfer auf zwischen einigen Dutzend und über 200.

Biographie[Bearbeiten]

Er wurde 1860 in Gilmanton/New Hampshire als Sohn von Levi Horton Mudgett und dessen Frau geboren.

Holmes studierte an der Universität Michigan Medizin und ließ sich 1886 in Chicago nieder, wo er als Arzt und Apotheker arbeitete. Er änderte in diesem Jahr auch seinen Namen von Herman Webster Mudgett in Henry Howard Holmes.

1878 heiratete er Clara A. Lovering in New Hampshire, 1887 heiratete er Myrta Z. Belknap in Minneapolis, mit der er eine Tochter mit Namen Lucy hatte. Da er zwar die Scheidungspapiere für die erste Ehe ausgefüllt hatte, die Scheidung aber nie vollzogen wurde, lag damit ein Fall von Bigamie vor.

Innerhalb kurzer Zeit brachte es Holmes in Chicago zu einem beträchtlichen Vermögen, das er mit einer Mischung aus List und Mord zusammenraffte. Dank seines Charmes verstand er es, die Witwe Mrs. Holton zu umgarnen und sich den Laden ihres verstorbenen Mannes anzueignen. Mrs. Holton „verreiste“ kurz darauf nach Kalifornien; sie kehrte nie mehr zurück.

In den nächsten Jahren heiratete Holmes eine Reihe von jungen Frauen, die alle bald darauf ihr Leben verloren.

Das Horrorhaus[Bearbeiten]

Den Großteil seiner Taten führte Holmes im Zusammenhang mit einem von ihm errichteten Hotelgebäude, in Chicago „the Castle“ genannt, durch.

Zu Beginn der 1890er Jahre ließ Holmes pünktlich zur World’s Columbian Exposition, der Weltausstellung in Chicago von 1893, ein riesiges Hotel bauen, das er in ein wahres Horrorhaus verwandelte. In diesem Haus gab es Falltüren, Geheimgänge, versteckte Räume und einen Keller mit Foltertisch, Säurebad und einem Raum, der mit Gas gefüllt werden konnte. Holmes nahm während der Weltausstellung gerne junge alleinstehende Frauen in dem Hotel auf, die zur Weltausstellung oder um in Chicago Arbeit zu finden angereist waren. Anfragen der Familien nach dem Verbleib der Frauen blieben erfolglos.

Holmes verkaufte die Skelette mancher Opfer an Universitäten.

Es war ein fehlgeschlagener Versicherungsbetrug, der Holmes schließlich zum Verhängnis wurde. Als die Polizei ihm auf der Spur war, zündete er am 19. August 1895 sein Horrorhaus an, um Beweise zu vernichten. Das Haus soll bis auf die Grundmauern niedergebrannt sein. Man fand aber trotzdem noch die Überreste von über 100 Menschen im und um das Gebäude. Seine Opfer waren vorwiegend Frauen, aber auch vereinzelt Männer und Kinder. Nach der Weltausstellung floh Holmes durch die USA und ermordete auch auf dieser Flucht noch Menschen.

1895 wurde er festgenommen. Verurteilt wurde er wegen 27 Morden und sechs Mordversuchen in Chicago, Indianapolis und Toronto, die ihm nachgewiesen werden konnten. H. H. Holmes wurde am 7. Mai 1896 morgens um ungefähr 10 Uhr im Philadelphia County Prison am Galgen hingerichtet.

Es gibt auch Berichte, das Gebäude sei nicht vollständig abgebrannt und noch bis in die späten dreißiger Jahre gestanden, bis es abgerissen wurde um ein Postamt zu errichten. Heute steht an dem Platz von Holmes Hotel das Englewood Post Office (611 W 63rd St). [3]

Verarbeitung in der Populärkultur[Bearbeiten]

2010 wurde bekannt, dass das von Erik Larson verfasste Buch The Devil in the White City (deutsch Der Teufel von Chicago) mit Leonardo DiCaprio in der Rolle des H. H. Holmes verfilmt werden soll.[4][5]

In der Serie Supernatural (S02E06: No Exit, 2. November 2006; Mörderburg, 20. Oktober 2008) sperren Sam und Dean den Geist von Holmes in einem Salzring ein, der dann in Beton eingegossen wird. Der Geist von Holmes treibt sein Unwesen in den Wänden eines Hauses, welches an seiner Hinrichtungsstätte neben dem damaligen Gefängnis steht, sowie in der darunter liegenden vergessenen Kanalisation.

Die Band Subway to Sally griff die Mordserie 2014 im auf dem Album MitGift erschienenen Lied Haus aus Schmerz auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erik Larson: Der Teufel von Chicago: ein Architekt, ein Mörder und die Weltausstellung, die Amerika veränderte. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-15391-3
  • Harold Schechter: Depraved: The Definitive True Story of H.H. Holmes, Whose Grotesque Crimes Shattered Turn-of-the-Century Chicago. Pocket Books, 2008, ISBN 978-1-4391-2405-5.
  • Christian Brondke: Das Schloss - Bekenntnisse eines Multimörders Wagner-Verlag, 2012, ISBN 978-3-86279-479-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. | Weekly World News 7. Mai 1985, | H. H. HolmesBiography for H.H.Holmes, | Serienkliller
  2. Beispielsweise: Harold Schechter: Depraved: The Shocking True Story of America’s First Serial Killer, Pocket Books, Erstausgabe 1994, ISBN 0-671-73216-1
    Und zum Beispiel in der Dokumentation H.H. Holmes: America’s First Serial Killer (IMDb-Eintrag) aus der TV-Reihe America’s Most Wanted Serial Killers (2004).
  3. The Murder Castle, mysteriouschicagoblog
  4. Leonardo DiCaprio spielt einen Serienkiller, Welt Online vom 3. November 2010
  5. DiCaprio als Frauenmörder, Spielfim.de vom 2. November 2010