Heizkraftwerk Wedel

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Heizkraftwerk Wedel, 2008

Das Heizkraftwerk Wedel ist ein steinkohlebefeuertes Kraftwerk der Vattenfall in Wedel, Schleswig-Holstein, direkt an der Elbe und der Landesgrenze zu Hamburg gelegen. Charakteristisch für die Anlage sind die beiden jeweils 151 Meter hohen Schornsteine. Der elbseitige Schornstein ist seit mehreren Jahren stillgelegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kraftwerk Wedel ist ein Heizkraftwerk und wurde in den Jahren 1961–1965 von der damaligen Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) erbaut. Gleichzeitig wurde das auf gleichem Gelände befindliche Kraftwerk Schulau außer Betrieb genommen. Die Gebäudeplanung erfolgte durch die Architekten Bernhard Hermkes und Gerhart Becker. Anfangs bestand die technische Anlage aus vier Blöcken mit einer Leistung von zusammen 600 MWel.

Bis 1987 trug das Kraftwerk ausschließlich zur Stromversorgung Hamburgs bei. Um das Kraftwerk auch für die Wärmeerzeugung einsetzen zu können, wurden 1988/89 zwei Blöcke für Kraft-Wärme-Kopplung umgebaut. Zeitgleich wurde eine Rauchgasentschwefelungs- und Entstickungsanlage errichtet. Von 1990 bis 1993 wurde das Kraftwerk in einer Generalüberholung auf den neuesten Stand der Technik gebracht, um die Betriebsdauer dadurch um 25 bis 30 Jahre zu verlängern.

Technische Daten[Bearbeiten]

Laut Vattenfall-Angaben [1] hat das Heizkraftwerk Wedel folgende Daten:

  • Elektrische Leistung: 250 MWel
  • Wärmeleistung: 423 MWth
  • Durchschnittliche Jahresstromerzeugung: 1200 GWh
  • Durchschnittliche Jahreswärmeerzeugung: 1200 GWh
  • Hauptbrennstoff: Steinkohle
  • Kondensationsstrom/Kraft-Wärme-Kopplung: Kraftwärmekopplung (CHP)

Das Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken, die separat betrieben werden können, um die Produktion dem wechselnden Strom- und Wärmebedarf anzupassen. Zudem verfügt es über zwei Gasturbinen für die Spitzenlastproduktion.

Die gesamte Stromerzeugung von Vattenfall beträgt 163.900 GWh. Der Anteil der Kohlekraft hieran beträgt 95.002 GWh. Wedel versorgt ca. 240.000 Haushalte mit Strom. Zur Anlandung der Steinkohle verfügt das Kraftwerk über einen auch für Schiffe mit stärkerem Tiefgang geeigneten eigenen Hafen.

Geplantes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk[Bearbeiten]

Verhältnis zum Kohlekraftwerk Moorburg[Bearbeiten]

Die Fernwärmebereitstellung des Kraftwerks Wedel sollte laut Vattenfall durch das neue Kohlekraftwerk Moorburg mit übernommen werden, das voraussichtlich 2014 seinen Betrieb aufnehmen wird. Die Dimensionen der beiden Kraftwerke unterscheiden sich deutlich: das künftige KoKW Moorburg ist erheblich größer dimensioniert und wird bis zu 1600 MW elektrische sowie bis zu 650 MW thermische Leistung (Fernwärme) liefern. Deshalb sollte das Kraftwerk Moorburg zusätzlich thermische Leistung durch eine neu zu bauende Fernwärmetrasse (die sogenannte Moorburgtrasse) unter der Elbe hindurch bis nach Altona bringen. Das dafür notwendige Genehmigungsverfahren wurde vom Oberverwaltungsgericht Hamburg nach einer Klage des BUND Hamburg und einer Bürgerinitiative für ungültig erklärt. Das vereinfachte Plangenehmigungsverfahren muss nun durch ein Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfung ersetzt werden.[2] Im Zuge der Übernahme von 25,1 % an den Hamburger Energienetzen durch die Stadt Hamburg verzichtete Vattenfall auf den Bau der Moorburgtrasse.[3]

Vattenfall setzt nunmehr gemeinsam mit der Stadt Hamburg alternativ auf ein erdgasbetriebenes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk, um die notwendige Fernwärme bereitzustellen. Hierfür wurden sowohl ein Standort in Hamburg-Stellingen als auch der Standort Wedel in Schleswig-Holstein geprüft.[4] Für die Standortentscheidung wurde durch die Stadt Hamburg und Vattenfall ein gemeinsamer Kostenvergleich durchgeführt. Eine Vorlage der Wirtschaftlichkeitsberechnung an die Bürgerschaft der Stadt Hamburg und eine allgemeine Veröffentlichung sind nicht vorgesehen[5], jedoch kommt ein von der Stadt Hamburg in Auftrag gegebenes Gutachten zum Ergebnis, dass der Standort Wedel gegenüber dem Standort Hamburg-Stellingen zu Kostenersparnissen von mindestens 100 Mio. Euro aufgrund bereits vorhandener Anschlüsse und Leitungen führt.[6]

CO2-Emissionen[Bearbeiten]

Ein Gutachten[7], das von der Stadt Hamburg Ende 2011 in Auftrag gegeben worden war, kommt in diesem Zusammenhang zu folgenden Ergebnissen:

  • Das geplante Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk ist unter CO2-Gesichtspunkten die bestmögliche Erzeugungsalternative für die Hamburger Fernwärme.
  • Gegenüber der bestehenden Energieproduktion des Altkraftwerks Wedel ergibt sich eine Reduktion der gesamten CO2-Emissionen um rund 50 %.
  • Der geplante Wärmespeicher führt zu einer verbesserten Integration von Strom aus Erneuerbaren Energien in das Gesamtsystem.
  • Das geplante GuD-Kraftwerk ist hinsichtlich der CO2-Emissionen einer Lösung mit vielen kleinen KWK-Anlagen, die in das Netz einspeisen, vorzuziehen.

Planung und Genehmigung[Bearbeiten]

Gesamtplaner für den Bau ist das Unternehmen Pöyry. Bis Anfang Oktober 2012 gab es für betroffene Bürger die Möglichkeit, einen Einspruch einzureichen[8]. Mehr als 1000 Bürger und zahlreiche Umweltinitiativen haben Einwendungen gegen das geplante Kraftwerk erhoben, das die Fernwärmeversorgung im Westen Hamburgs übernehmen soll.[9] Zugleich mit diesem Kraftwerk soll ein Warmwasserspeicher gebaut werden, bei dem per Tauchsieder-Prinzip überschüssiger Strom aus Erneuerbaren Energien in Warmwasser umgewandelt wird.[10][11]

Das nach der ursprünglichen Planung 2013 stillzulegende Kraftwerk Wedel hat im Oktober 2011 eine Laufzeitverlängerung bis zur Heizperiode 2016/17Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren erhalten, um bis zur Inbetriebnahme des neuen Heizkraftwerkes die Fernwärmeversorgung Hamburgs sicherstellen zu können.[12] Ab dann gelten europaweit neue Emissions-Standards, die erhebliche Investitionen in die Ertüchtigung des alten Kraftwerks zur Folge hätten.[13].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Betreiber Web-Seite abgerufen am 15. Oktober 2012.
  2. taz.de: Moorburg muss warten
  3. ndr.de: Hamburg einigt sich mit Energiekonzernen
  4. Kraftwerkbau: Wedel gut im Rennen (Version vom 11. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today). In: Pinneberger Tageblatt, 24. Mai 2012. Abgerufen am 8. Oktober 2012.
  5. Schriftliche Kleine Anfrage 20/5335 vom 25. September 2012. In: Parlamentsdatenbank der Stadt Hamburg.
  6. Plausibilitäts- und Vollständigkeitsprüfung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und des Standortvergleichs von Vattenfall für das geplante GuD-Kraftwerk für Hamburg vom 11. Juni 2012, Homepage der Stadt Hamburg, abgerufen am 25. Dezember 2012
  7. Transparente Schritte zur Energiewende in Hamburg
  8. http://www.kraftwerk-wedel.de/
  9. Neues Gaskraftwerk für Wedel. In: NDR.de, 13. Juli 2012. Abgerufen am 16. Juli 2012.
  10. Windkraftspeicher soll Kohlemeiler ersetzen. In: Hamburger Abendblatt, 9. Februar 2012. Abgerufen am 9. Februar 2012
  11. Energiekonzept für Hamburg (PDF-Datei; 97 kB). Website der Stadt Hamburg. Abgerufen am 29. Februar 2012.
  12. Dow Jones Energy Daily: UPDATE/Kohlekraftwerk Wedel bleibt länger am Netz; siehe auch: Kohlekraftwerk Wedel bleibt länger am Netz
  13. [1] Beitrag auf NDR.de vom 27. August 2012, das Herzstück der Energiewende

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heizkraftwerk Wedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

53.5666638888899.7252833333333Koordinaten: 53° 34′ 0″ N, 9° 43′ 31″ O