Helen Hayes
Helen Hayes (eigentlich Helen Hayes Brown; * 10. Oktober 1900 in Washington (D.C.); † 17. März 1993 in Nyack/New York) war eine US-amerikanische Schauspielerin.
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Karriere [Bearbeiten]
Helen Hayes war die Tochter einer bekannten Bühnenschauspielerin und gab ihr eigenes Debüt im Theater im Alter von fünf Jahren. Schon mit neun hatte sie in dem Stück Old Hutch ihr Broadway-Debüt. Sie war eine vielbeschäftigte Darstellerin im Fach der Naiven und wurde durch ihren Auftritt in Dear Brutus zu einem der beliebtesten Stars neben Schauspielerinnen wie Katharine Cornell, Maude Adams, Laurette Taylor und Ruth Chatterton. Mitte der 1920er-Jahre trug sie bereits den Ehrentitel First Lady of the American Theatre. 1928 heiratete sie den Dramatiker und Drehbuchautor Charles MacArthur, den engsten Freund von Ben Hecht und Dorothy Parker. Anfang 1931 begleitete sie ihren Ehemann nach Hollywood, wo MacArthur einen Vertrag mit MGM unterschrieben hatte. Auf Drängen des Studios übernahm sie schließlich die Hauptrolle in dem Film The Lullabye, der als The Sin of Madelon Claudet in den Verleih kam. Die Geschichte folgt dem Muster von Madame X und erzählt das Schicksal einer ledigen Mutter, die sich für ihr Kind als Prostituierte aufopfert und am Ende stirbt. Hayes wurde praktisch über Nacht zum Star und gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für die Saison 1931/32.
Auch ihre nächsten beiden Rollen waren eher tragischer Art und erlaubten Hayes jeweils effektive Sterbeszenen: in Samuel Goldwyns Adaption von Sinclair Lewis Arrowsmith war Helen Hayes unter der Regie von John Ford neben Ronald Colman und Myrna Loy zu sehen. Unmittelbar danach wurde sie auf eigenen Wunsch an Paramount ausgeliehen, um dort in der Verfilmung von Ernest Hemingways In einem anderen Land an der Seite von Gary Cooper zu spielen. Ihre nachfolgenden Filme waren meist aufwändig produzierte Melodramen, die Hayes neben den größten männlichen Stars des Studios zeigten. The White Sister von 1933 zeigte sie an der Seite von Clark Gable in einer Geschichte um eine Frau, die aus Trauer über ihren angeblich gefallenen Geliebten Nonne wird und nach dessen erneuten Auftauchen große Gewissensqualen erleidet. Der Film war mit fast zwei Millionen Dollar Einspielergebnis der größte finanzielle Erfolg von Hayes während dieser Zeit. Im selben Jahr übernahm sie in David O. Selznicks Night Flight, der auf dem Roman von Antoine de Saint-Exupéry basierte, eine der Hauptrollen neben Clark Gable, Myrna Loy, John Barrymore und Lionel Barrymore.
Hayes war damals auf dem Gipfel ihrer Beliebtheit, sodass in dem Film Sexbombe von 1933 sogar eine kleine Spitze gegen ihr damenhaftes Image gemacht wurde: Lola Burns, regierendes Sexsymbol der Monarch Studios, gespielt von Jean Harlow, verliebt sich im Verlauf der Handlung in einen – angeblichen – Adligen, der ihr süße Nichtigkeiten ins Ohr flüstert. Ach, meint sie entzückt, das ist ja viel Netter als alles, was Helen Hayes in ihren Filmen gesagt bekommt. Zunehmend unzufrieden mit ihrem Leben als Filmschauspielerin und Star entschied sich Hayes nach dem Reinfall von Vanessa, Her Love Story, nach einer Geschichte von Hugh Walpole, an den Broadway zurückzukehren. Sie übernahm die Hauptrolle in Victoria Regina und feierte damit ihren größten Bühnentriumph: Das Stück stand bis 1938 ununterbrochen auf dem Spielplan und führte sie anschließend auf Tourneen durch das ganze Land. 1959 wurde zu Ehren ihres 50-jährigen Jubiläums als Schauspielerin ein Theater nach ihr benannt – eine Auszeichnung, die nur sehr ausgewählten Persönlichkeiten der Bühnen vorbehalten ist. Helen Hayes arbeitete bereits sehr früh im neuen Medium Fernsehen, das ihr bis weit in die 1980er-Jahre Arbeit und neue Aufgaben anbot. Zum Film kehrte sie erst Anfang der 1950er-Jahre zurück, diesmal in Charakterrollen. Meist waren diese nicht anspruchsvoll, mit Ausnahme der Zarenmutter in Anastasia von 1955 und ihrem Portrait einer blinden Passagierin an Bord eines absturzgefährdeten Flugzeugs in Airport, für den sie den Oscar als beste Nebendarstellerin bekam. Sie schlug damit Katharine Hepburn als denjenigen Künstler, der die längste Zeitspanne zwischen zwei Oscargewinnen aufzuweisen hatte. In den 1970er-Jahren spielte sie Hauptrollen in drei Walt Disney-Kinofilmen, darunter in Herbie groß in Fahrt von 1975. 1983 wurde das Little Theatre am Broadway in Helen Hayes Theatre umbenannt. Das Theater befindet sich in 44. Straße West in Manhattan. Ihren letzten Auftritt vor der Kamera hatte sie 1985 als Agatha Christies Miss Marple in der Fernsehadaption von Murder with Mirrors, der sie neben Bette Davis zeigte. Dem Vernehmen nach kamen die Beiden nicht miteinander aus und Davis soll Helen Hayes nach besten Kräften tyrannisiert haben.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Neben ihren zwei Oscars gewann Helen Hayes auch dreimal den Tony, die Entsprechung für den Oscar am Broadway; 1947, 1958 und 1980 einen Ehren-Tony für ihr Lebenswerk. Darüber hinaus gewann sie 1953 und 1978 den Emmy für ihre Arbeit beim Fernsehen. Und schließlich bekam sie 1976 noch einen Grammy für eine Schallplattenaufnahme. Sie war die erste Künstlerin, die diese Preise auf sich vereinigen konnte. 1986 überreichte US-Präsident Ronald Reagan Hayes die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung in den USA.
Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten]
- 1931: Die Sünde der Madelon Claudet (The Sin of Madelon Claudet)
- 1932: The Son-Daughter
- 1932: In einem anderen Land (A Farewell to Arms)
- 1933: Die weiße Schwester (The White Sister)
- 1933: Nachtflug (Night Flight)
- 1933: Another Language
- 1934: What Every Woman Knows
- 1935: Vanessa
- 1956: Anastasia
- 1959: Der dritte Mann im Berg (Third Man on the Mountain)
- 1970: Airport
- 1972: Teufelskreis der Angst (Ghost Story, Fernsehserie, Folge 1x06 Alter-Ego)
- 1974: Herbie groß in Fahrt (Herbie Rides Again)
- 1975: Wer hat unseren Dinosaurier geklaut? (One of Our Dinosaurs Is Missing)
- 1975: Hawaii Fünf-Null (Hawaii Five-O, Fernsehserie, Folge 8x09 Retire in Sunny Hawaii... Forever)
- 1976: Die Bankiers (Arthur Hailey’s the Moneychangers, Fernsehmehrteiler)
- 1976: Unternehmen Entebbe (Victory at Entebbe, Fernsehfilm)
- 1977: Abenteuer auf Schloß Candleshoe (Candleshoe)
- 1978: Was soll denn nur mit Vater werden? (A Family Upside Down, Fernsehfilm)
- 1982: Mörderische Leidenschaft (Murder Is Easy, Fernsehfilm)
- 1983: Das Mörderfoto (A Caribbean Mystery, Fernsehfilm)
- 1984: Ein Engel auf Erden (Highway to Heaven, Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1985: Mord mit doppeltem Boden (Murder with Mirrors, Fernsehfilm)
Weblinks [Bearbeiten]
- Helen Hayes in der Internet Movie Database (englisch)
- Bilder von Helen Hayes In: Virtual History
Douglas Fairbanks sen., William C. de Mille (1929) | William C. de Mille (April 1930) | Conrad Nagel (November 1930) | Lawrence Grant (1931) | Conrad Nagel (1932) | 1933 | Will Rogers (1934) | Irvin S. Cobb (1935) | Frank Capra (1936) | George Jessel (1937) | Bob Burns (1938) | Kein offizieller Gastgeber (1939) | Bob Hope (1940) | Walter Wanger (1941) | Wendell Willkie (1942) | Bob Hope (1943, 1944) | Bob Hope, John Cromwell (1945) | Bob Hope, James Stewart (1946) | Jack Benny (1947) | Dick Powell, Agnes Moorehead (1948) | Robert Montgomery (1949) | Paul Douglas (1950) | Fred Astaire (1951) | Danny Kaye (1952) | Bob Hope, Conrad Nagel (1953) | Donald O’Connor, Fredric March (1954) | Bob Hope, Thelma Ritter (1955) | Jerry Lewis, Claudette Colbert, Joseph L. Mankiewicz (1956) | Jerry Lewis, Celeste Holm (1957) | James Stewart, David Niven, Jack Lemmon, Rosalind Russell, Bob Hope (1958) | Bob Hope, Jerry Lewis, David Niven, Laurence Olivier, Mort Sahl, Tony Randall (1959) | Bob Hope (1960, 1961, 1962) | Frank Sinatra (1963) | Jack Lemmon (1964) | Bob Hope (1965, 1966, 1967, 1968) | Kein offizieller Gastgeber (1969, 1970, 1971) | Helen Hayes, Alan King, Sammy Davis jr., Jack Lemmon (1972) | Carol Burnett, Michael Caine, Charlton Heston, Rock Hudson (1973) | John Huston, David Niven, Burt Reynolds, Diana Ross (1974) | Sammy Davis jr., Bob Hope, Shirley MacLaine, Frank Sinatra (1975) | Goldie Hawn, Gene Kelly, Walter Matthau, George Segal, Robert Shaw (1976) | Warren Beatty, Ellen Burstyn, Jane Fonda, Richard Pryor (1977) | Bob Hope (1978) | Johnny Carson (1979, 1980, 1981, 1982) | Liza Minnelli, Dudley Moore, Richard Pryor, Walter Matthau (1983) | Johnny Carson (1984) | Jack Lemmon (1985) | Alan Alda, Jane Fonda, Robin Williams (1986) | Chevy Chase, Goldie Hawn, Paul Hogan (1987) | Chevy Chase (1988) | Kein offizieller Gastgeber (1989) | Billy Crystal (1990, 1991, 1992, 1993) | Whoopi Goldberg (1994) | David Letterman (1995) | Whoopi Goldberg (1996) | Billy Crystal (1997, 1998) | Whoopi Goldberg (1999) | Billy Crystal (2000) | Steve Martin (2001) | Whoopi Goldberg (2002) | Steve Martin (2003) | Billy Crystal (2004) | Chris Rock (2005) | Jon Stewart (2006) | Ellen DeGeneres (2007) | Jon Stewart (2008) | Hugh Jackman (2009) | Alec Baldwin, Steve Martin (2010) | Anne Hathaway, James Franco (2011) | Billy Crystal (2012) | Seth MacFarlane (2013)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hayes, Helen |
| ALTERNATIVNAMEN | Brown, Helen Hayes (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 10. Oktober 1900 |
| GEBURTSORT | Washington (D.C.) |
| STERBEDATUM | 17. März 1993 |
| STERBEORT | Nyack, New York |