Helene Lange

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Helene Lange (Begriffsklärung) aufgeführt.
Helene Lange.
Fotografie: Atelier Elvira, München vor 1899
Gedenkbriefmarke von 1974
Berliner Gedenktafel am Haus Kunz-Buntschuh-Straße 7, in Berlin-Grunewald
Büste von Udo Reimann (1995) auf dem Cäcilienplatz in Oldenburg

Helene Lange (* 9. April 1848 in Oldenburg; † 13. Mai 1930 in Berlin) war eine Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie ist eine Symbolfigur der deutschen Frauenbewegung. In den Jahren 1919 bis 1921 war sie Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Helene Lange kam aus einem mittelständischen Elternhaus in Oldenburg. Ihre Eltern waren der Kaufmann Carl Theodor Lange und dessen Frau Johanne (geb. tom Dieck).[1] Als sie sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie bildete sich zur Lehrerin aus und legte 1871 das Lehrerinnenexamen ab. Danach war sie zunächst als Hauslehrerin tätig. Ab 1876 war sie als Lehrerin und Leiterin der Seminarklasse der Crainschen Anstalt, einer privaten höheren Mädchenschule in Berlin mit angeschlossenen Lehrerinnenseminar, tätig.

Veröffentlichungen und Wirkung durch Vereinstätigkeit[Bearbeiten]

1887 veröffentlichte sie Die höhere Mädchenschule und ihre Bestimmung als Begleitschrift einer Petition, in der sie die Ausbildung der Mädchen schärfstens kritisiert. Dieses Schreiben wird als die „Gelbe Broschüre“ bekannt. 1890 gründete sie in Friedrichroda den ADLV (Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein). Unter anderem wegen ihres Engagements durften 1896 erstmals sechs junge Frauen in Berlin die Reifeprüfung ablegen.

Von 1894 bis 1905 war sie im Vorstand des Bundes deutscher Frauenvereine sowie Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins.

Helene Lange litt an einer Sehbehinderung. Ihre Lebensgefährtin Gertrud Bäumer unterstützte sie in ihrer Arbeit und gemeinsam schrieben sie das Handbuch der Frauenbewegung (1901–1906) und gaben die Zeitschrift Die Frau (1893–1944) heraus.

Später gründete sie mehrere Schulen, auf denen Mädchen und Jungen gleiche Chancen hatten, unter anderem Gymnasien in Rendsburg und auch das Helene-Lange-Gymnasium in Fürth. Letzteres beging 2007 sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. Sie eröffnete außerdem mehrere Frauenschulen in ganz Deutschland.

Bedeutung und Philosophie[Bearbeiten]

Helene Lange unterrichtete als Lehrerin in Berlin. Sie setzte sich für gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen ein und gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des gemäßigten Flügels der frühen deutschen Frauenbewegung.

Ihr Feminismus war differenzialistisch geprägt. Sie betonte die „Verschiedenheit der Geschlechter“ und hielt die Mütterlichkeit (nicht Mutterschaft!) für die Condicio sine qua non der Weiblichkeit. Durch weiblichen Einfluss wollte sie die Fehlentwicklungen der männlich geprägten Welt korrigieren.

Politisches Engagement[Bearbeiten]

Nachdem das Reichsvereinsgesetz von 1908 Frauen den Zutritt zu politischen Parteien ermöglicht hatte, trat Helene Lange zusammen mit Gertrud Bäumer und anderen führenden Frauenrechtlerinnen in die Freisinnige Vereinigung (FVg) ein, die 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) aufging. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Lange zu den Mitbegründerinnen der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die sie 1919 in die Hamburgische Bürgerschaft als Alterspräsidentin einzog. Bei der Bürgerschaftswahl 1921 kandidierte sie aus Altersgründen nicht mehr.

Ehrungen[Bearbeiten]

1928 erhielt Helene Lange die Ehrenbürgerschaft der Stadt Oldenburg. Heute gibt es in zahlreichen Städten Schulen, welche den Namen Helene-Lange-Schule tragen.

1923 erhielt sie die Tübinger Ehrendoktorwürde.[2]

Seit 2009 wird in Oldenburg jährlich der Helene Lange Preis an naturwissenschaftlich-technische Nachwuchskräfte verliehen

Werke[Bearbeiten]

  • Die Frau: Monatsschrift für das gesamte Frauenleben unserer Zeit. 1.(1893/94) - 51.(1943/44). Organ des Bundes Deutscher Frauenvereine. Herbig Verlag, Berlin, ISBN 3-89131-042-0
  • Frauenwahlrecht. In: F. Ortmans (Hrsg.): Cosmopolis – an international monthly review, Heft III. Juli, August, September. 1896. London u. a., 1896. S. 539–554 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Handbuch der Frauenbewegung. Bände 1-5: Band 1 1901, Band 2 1901, Band 3 1902, Band 4 1902, Band 5 1906, Neuauflage: Harald Fischer Verlag, 1996 ISBN 3-89131-138-9
  • Die Frauenbewegung in ihren modernen Problemen. Leipzig 1908, Neuauflage: Tende Verlag, Münster 1983, ISBN 3-88633-915-7
  • Lebenserinnerungen. Herbig Verlag, Berlin 1921
  • Briefe. Was ich hier geliebt. Herausgegeben von Emmy Beckmann und Gertrud Bäumer, Wunderlich, Tübingen 1957

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Helene Lange – Quellen und Volltexte
 Commons: Helene Lange – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rebekka von Mallinckrodt: Helene Lange. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
  2. Miriam Wallraven: Die Petitionspolitik der Bürgerlichen Frauenbewegung: Mathilde Weber und Helene Lange. (PDF; 57 kB)