Fichtelgebirge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt das Mittelgebirge. Für den gleichnamigen Asteroiden siehe (10248) Fichtelgebirge.
Fichtelgebirge
Das Fichtelgebirge im Nordosten Bayerns

Das Fichtelgebirge im Nordosten Bayerns

Schneeberg (links) und Ochsenkopf (rechts) von Heinersreuth aus gesehen

Schneeberg (links) und Ochsenkopf (rechts) von Heinersreuth aus gesehen

Höchster Gipfel Schneeberg (1051 m ü. NN)
Lage Bayern, Tschechien
Teil des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges
Einteilung nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Koordinaten 50° 3′ N, 11° 51′ O50.0511.851051Koordinaten: 50° 3′ N, 11° 51′ O
dep1
p5

Das Fichtelgebirge (tschechisch: Smrčiny) ist ein deutsches Mittelgebirge im Nordosten Bayerns. Zusammen mit Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald bildet das Fichtelgebirge die naturräumliche Haupteinheitengruppe Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge (39). Dabei stellt das Hufeisen des Fichtelgebirges im engeren Sinne die Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (394) dar, das die Selb-Wunsiedler Hochfläche (395) im Inneren umgibt.[1][2] Seit Sept. 2010 existiert ein Neuentwurf der Naturräume Nordostbayerns.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Naturräume rund ums Fichtelgebirge
Teufelstisch am Großen Waldstein
Landschaft im Fichtelgebirge

Das Fichtelgebirge liegt zwischen den Städten Hof und Weiden. Im Westen ist eine gute Verkehrsanbindung zum nahen Bayreuth gegeben. Der Zugang nach Osten ins Egerland (Hauptort Cheb) war durch den Eisernen Vorhang bis 1989 weitgehend gesperrt, jetzt führen die gut ausgebaute B 303 bei Schirnding, die Staatsstraße Selb-Asch und viele Wander- und Radwege in das Nachbarland Tschechien. Die Autobahn Hof–Weiden (A 93) erschließt den Fichtelgebirgsraum nach Norden und Süden, ebenso die Autobahn Nürnberg-Hof (A9). Die Fichtelgebirgsstraße (B 303, E 48) führt durch das Fichtelgebirge in West-Ost-Richtung, verbindet damit die A 9 mit der A 93 und führt zum Grenzübergang nach Tschechien.

Die Kreisstadt im Zentrum des Fichtelgebirges ist Wunsiedel mit der Luisenburg. Am Fuße der Luisenburg liegt das Mineral- und Moorheilbad Bad Alexandersbad. Weitere Orte sind Marktredwitz, Marktleuthen, Arzberg, Röslau, Weißenstadt, Waldershof, Kirchenlamitz und Tröstau (alle am Oberlauf der Eger und der Röslau), ferner im Südosten und Süden Bischofsgrün, Fichtelberg, Mehlmeisel, Nagel, Neusorg, Speichersdorf, Kemnath, Erbendorf, Wiesau und Fuchsmühl, im Westen Weidenberg, Creußen, Bayreuth, Goldkronach, Warmensteinach, Bindlach und Bad Berneck, im Nordwesten Gefrees, Zell im Fichtelgebirge, Sparneck, Weißdorf, Münchberg (Obere Saale), sowie im Norden Selb, Rehau und Hof.

Quer durch das Fichtelgebirge verläuft von Nordost nach Südwest die Dialektgrenze zwischen dem (Ost-)Fränkischen Dialekt im Norden und Westen sowie dem (nord-)bairischen beziehungsweise Oberpfälzer Dialekt im Osten und Süden. Die Dialektgrenze stimmt nicht mit der Grenze der Regierungsbezirke (Oberfranken/Oberpfalz) überein, sondern es wird auch z. B. im oberfränkischen Kreis Wunsiedel bairisch gesprochen. Nachkommen Vertriebener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Ostpreußen ins Fichtelgebirge kamen, haben einen bedeutenden Anteil an der Bevölkerung.

Gliederung des Fichtelgebirges

Der höchste Gipfel ist der Schneeberg mit 1051 m, weitere markante Erhebungen sind der Ochsenkopf (1024 m), die Platte (946 m) im Steinwald, die Kösseine (939 m), der Große Waldstein (877 m) und der Große Kornberg (827 m).

Geomorphologisch gliedert sich das Fichtelgebirge in einen aus mehreren Gebirgszügen zusammengesetzten, hufeisenförmig gelagerten Gebirgsstock. Man spricht daher auch vom Fichtelgebirgs-Hufeisen. Im Wesentlichen sind zu nennen:

Im Nordosten des Fichtelgebirges schließen sich das Elstergebirge und das Erzgebirge, im Südosten der Oberpfälzer Wald, der Böhmerwald und der Bayerische Wald an. Nordwestlich lassen sich der Frankenwald und der Thüringer Wald geologisch klar abgrenzen. Im Südwesten schließt sich das morphologisch völlig andere Fränkische Bruchschollenland an.

In der geomorphologischen Gliederung des Nachbarlandes Tschechien, wo kein Elstergebirge definiert ist, wird auch das Ascher Bergland (tschechisch: Ašská vrchovina), das Haslauer Hügelland (tschechisch: Hazlovská pahorkatina), sowie das Egerer Hügelland (tschechisch: Chebská pahorkatina) dem Fichtelgebirge als Haupteinheit Smrčiny (I3A-1) zugeordnet.[4]

Geomorphologische Einteilung Tschechiens mit Smrčiny (rot markiert)
Fichtelgebirge, vom Waldstein aus gesehen
Blick vom Schneeberg auf den Fichtelsee und Mehlmeisel

Hydrographie[Bearbeiten]

„Nabel Deutschlands“ oder „Herzbrunnen Europas“ nannte man in früherer Zeit das Fichtelgebirge, denn dort entspringen vier bedeutende Flüsse, die in vier Himmelsrichtungen abfließen:

Saalequelle
Egerquelle
Quelle der Fichtelnaab
Weißmainquelle

Viele Teiche und Weiher, die für die Fischzucht oder für die Wasserversorgung der ehemaligen Hammerwerke und Mühlen angelegt wurden, sind noch vorhanden. Künstliche Stauseen, teilweise für Erholungszwecke geschaffen, sind

Größere Teich- bzw. Weiheranlagen sind der


Zahlreiche Moore und Sümpfe, die unter Naturschutz stehen, sind wertvolle Wassersammler. Über das Mittelgebirge verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Ausreichende Quellen versorgen die Einwohner mit gutem Trinkwasser. Weiter entfernte Städte wie Hof/Saale, Bayreuth oder Eger (Cheb) beziehen Trinkwasser aus dem Fichtelgebirge.

An größeren Hochmooren sind noch vorhanden:

Die Moorgebiete wurden früher wirtschaftlich für die Gewinnung von Torf für Brennzwecke genutzt, sie sind heute Naturschutzgebiete.

Geologie[Bearbeiten]

Granit[Bearbeiten]

Geologisch besteht der Gebirgsstock im Wesentlichen aus Granit. Die Geschichte seiner Orogenese beginnt im Präkambrium etwa vor 750–800 Millionen Jahren – fast 20 % der Erdgeschichte, was nur auf wenige der noch bestehenden Rumpfgebirge zutrifft.

Damals war das Gebiet von Meer bedeckt und Flüsse transportierten die Sedimente vom heute nicht mehr vorhandenen Gebirge vor die Küsten, wo es sich in Ton- und Sandschichten, teilweise auch als Kalkstein ablagerte. Am Beginn des Kambriums (vor rund 570 Millionen Jahren) wurden die Schichten gefaltet und als neues Gebirge aus dem Meer herausgehoben. Hohe Temperaturen und Druckkräfte während dieser bis ins Oberkarbon andauernden Gebirgsbildung machten aus den Gesteinen Metamorphite, das heißt, sie wurden in Zusammensetzung und Struktur verändert: aus Ton entstand Phyllit und Glimmerschiefer, aus Sanden Quarzite und aus den Kalken der Wunsiedler Marmor. Durch heftige Erosion (das „junge“ Gebirge mag einige Kilometer hoch gewesen sein) sank es bald wieder unter den Meeresspiegel ab.

Typische Granitfelsen im Fichtelgebirge (Rudolfstein bei Weißenstadt)

Variszikum[Bearbeiten]

Im Silur, Devon und Unterkarbon erfuhren jene Bereiche der Erdkruste, die unter anderem durch das heutige Fichtelgebirge und den Frankenwald repräsentiert sind, die Ablagerung mächtiger Tiefsee-Sedimente sowie Tiefseevulkanismus (mit Erzbildung). Diese Ablagerungen und Vulkanite sind in ihrer annähernd ursprünglichen Ausprägung, einschließlich gut zur Datierung heranziehbarer Fossilien, besonders gut im Frankenwald erhalten, da sie dort keiner oder einer nur sehr niedriggradigen Metamorphose (Anchimetamorphose) unterlagen. Im Oberkarbon vor 285 Millionen Jahren setzte die Endphase der Variszischen Gebirgsbildung ein und die Sedimente und Vulkanite wurden gefaltet. Diese Orogenese ist nach Hofs lateinischem Namen (und dem Volk der Varisker?) Curia variscorum benannt. Nachfolgend drangen in mehreren Schüben glutflüssige Schmelzen in die gefalteten Gesteine ein, wo sie tief unter der damaligen Erdoberfläche zu den heutigen Graniten erstarrten. Durch die Platznahme der Granite wurde das Nebengestein meist nur gering kontaktmetamorph überprägt. Aus den Restschmelzen mit deren erzhaltigen Fluiden entstanden die Pegmatite, die Sammlern und Wissenschaftlern reiche Mineralvorkommen bescherten, sowie Erz- und Mineralgänge, die Basis für den Bergbau im Mittelaler und in der Frühphase der Industrialisierung.

Nach Ende der Orogenese, noch während des Oberkarbons sowie im Unteren Perm (Rotliegend) lagerten sich große Mengen Gesteinsschutt in intramontanen Becken und im Vorland des Gebirges ab. Die Becken waren durch eine Dehnungstektonik entstanden, die von einem intermediären bis sauren Vulkanismus begleitet wurde. Die Sedimente des Rotliegenden sind nur an wenigen Stellen aufgeschlossen, können jedoch durch Bohrungen unter dem mesozoischen Deckgebirge südwestlich der Fränkischen Linie weiträumig nachgewiesen werden. Die postvariszischen Vulkanite bilden im Fichtelgebirge Quarzporphyrgänge.

Zusammenhänge zur Alpenbildung[Bearbeiten]

Im Neogen (Jungtertiär, Beginn vor 26 Millionen Jahren) nahm die Tektonik wieder zu, gerade als die alpidische Gebirgsbildung (Alpen, Karpaten usw.) langsam zu Ende ging. In dieser Zeit gerieten Teile dieses und anderer alter Gebirge (siehe Böhmisch-Mährische Höhe oder die Böhmische Masse im Alpenvorland) teilweise unter jüngere Gesteine. Im oberen Miozän, vor zehn Millionen Jahren, brachen im Zuge der Bildung des Egergrabens Basaltschmelzen in der nördlichen Oberpfalz durch. Durch Erosion freipräparierte Überreste ehemaliger Förderschlote sind z. B. am Rauhen Kulm oder am Parkstein bei Weiden vorhanden. Basaltische Decken, also flächenhafte Lavaergüsse dünnflüssiger Lava, sind beispielsweise am Teichelberg bei Pechbrunn zu beobachten. Diese basaltischen Decken sind jedoch nicht mit tektonischen Deckenbildungen zu verwechseln.

Das Bild der heutigen Landschaft entstand im jüngeren Pliozän vor etwa 5 Millionen Jahren: eine schon früh entstandene fränkische Verwerfungslinie kam wieder unter Druck und an ihr entlang hoben sich Fichtelgebirge, Frankenwald, die Münchberger Gneismasse und der nördliche Oberpfälzer Wald. Diese letzte Hebung unterlag erneut der Erosion und die Flüsse schnitten sich tief in das schon früher fast eingeebnete Gebirge ein. So wurde aus einer Hochfläche die heutige Struktur: ein von allen Seiten angenagtes Mittelgebirge mit langer, wechselhafter Geschichte. Es stellt ein, allerdings oft schwierig deutbares Eldorado für Geowissenschafter der verschiedenen Disziplinen dar.

Wichtigste Gesteine im Fichtelgebirge[Bearbeiten]

Der Granit (lat. granum für Körnung) und seine Abkömmlinge machen etwa 40 % der Gebirgsfläche aus. Dieses so feste, aber dennoch wasserhaltige Gestein baute die höchsten Erhebungen auf. Sein ernster Charakter und die früh entwickelte Industrie prägen Landschaft und Leute.

Es gibt nachstehende Granitarten:

  • Porphyrgranit des Massivs Weißenstadt/Liebenstein mit Marktleuthen/Röslau und in Tschechien bis Haslau. Der Porphyr enthält Biotit (dunklen Glimmer) und bis acht Zentimeter große Einsprenglinge von Kalifeldspat.
  • Der Reutgranit bei Gefrees ist hingegen feiner, mit bläulich-grauer Färbung. Auch der Selber Granit (nordöstlich des obigen Massivs bei Schwarzenhammer über den Selber Forst und Tschechien nach Sachsen/Elstergebirge) ist feinkörnig, aber grau.
  • Holzmühlgranit: Von ihm gibt es nur zwei kleine Vorkommen bei Holzmühl, drei Kilometer südöstlich von Marktleuthen und bei Längenau am Wartberg ost-nord-östlich von Selb; er hat mittleres Korn, höhere Biotitgehalte und ungleichkörniges Gefüge.
  • Redwitzit: auch Syenitgranit genannt, im Dreieck Marktredwitz/Arzberg/Thiersheim; mittel-, auch feinkörnig, wegen wechselnder Mineralzusammensetzung ist die Farbe hellgrau, dunkelgrau, dunkelgrüngrau bis fast schwarz.
  • Randgranit (Dachgranit): Vorkommen in allen herausragenden Massiven des Fichtelgebirges (Ochsenkopf, Südteil des Schneebergs mit Haberstein (Schneeberg), Platte bis Hohe Matze, Kösseine, Großer Kornberg); die Grundmasse ist kleinkörnig mit Feldspat, Quarz und Biotit, zum Teil ist auch Muskovit eingestreut;
  • Kösseine-Randgranit: Kösseine mit Burgstein, Haberstein, Schauerberg; Südteil des Großen Kornberg-Massivs; klein- bis mittelkörnig, der porphyrische Habitus ist schwächer bis fehlend; einsprenglingsarm.
  • Kerngranit: Im Zentralstock Fichtelberg/Ochsenkopf/Nußhardt und am Schneeberg-Ostrand; Aufschlusslage durch viele Felsbildungen; mittel- bis grobkörnig.
  • Kösseine- und Wolfsgarten-Kerngranit: Der Kösseinegranit hat zahlreiche Einschlüsse: Hornfelse, zentimetergroße biotitreiche Nebengesteinsfetzen und -knollen, abgerundete bis rundliche quarz- und feldspatreiche Einschlüsse; Vorkommen im Kösseinestock: schmales Band am Nord-, Ost- und Südrand, kleines Labyrinth, Steinbruch Kleinwendern, Felsengruppen Hirschensprung, Wolfstein, Hohenstein, Ochsenkopf, Hundslohe, Gregnitztal; Vorkommen am Kornberg: Waldabteilung Wolfsgarten Südsüdwestrand des Großen Kornbergs; relativ grob, durch die blauen Kalifeldspate, schwarzes Biotit und die reichlich eingestreuten dunklen Fremdeinschlüsse von besonderem Charakter; der Wolfsgartengranit ist etwas lichter blau.
  • Zinngranit: Er ist auf den Zentralstock beschränkt und kommt vor am Rudolfstein, an den Drei Brüdern bis fast zum Gipfel des Schneebergs, am Westhang des Seehügels, zwischen Seehügel und Platte, Fuchsbau, Zufurt westlich von Leupoldsdorf; sehr gleichmäßiges, mittleres Korn; wenig Biotit, viel Muskovit; lichter, heller Ton.
  • Randgranit des Steinwald-Massivs: Im Westteil des Steinwaldes, z. B. Dachsfelsen, Nordwestteil der Grandfelsen; kleinkörnig.
  • Steinwaldgranit: Nimmt den Zentralteil ein mit Weißenstein, Platte, Katzentrögel, Reiseneggerfelsen, Hackelstein; grobkörnig.
  • Friedenfelser Granit: er ist die Übergangsfazies zwischen dem Steinwaldgranit und dem Falkenberger Porphyrgranit; er bildet den Sockel des Pechbrunner Basaltgebietes und taucht dort an verschiedenen Stellen zwischen den Basaltdecken auf; porphyrische Struktur, besonders reich an Felspateinsprenglingen.

Bergbau[Bearbeiten]

Bereits seit dem frühen Mittelalter betrieb man im Fichtelgebirge Erzbergbau. Abgebaut wurden vor allem Gold, Zinn, Eisen, Minerale, Erden und Steine (Basalt, Braunkohle, Diabas, Granit, Lehm, Marmor, Speckstein, Ton, Torf). In jüngerer Zeit entdeckte man Uranerzlagerstätten. In Hammerwerken (siehe Ortsnamensendungen mit -hammer) an den Fichtelgebirgsflüssen, in Schmelzöfen und Schmiedebetrieben erfolgte die Weiterverarbeitung der Metalle. Die Wälder des Fichtelgebirges lieferten das erforderliche Holz für die Herstellung von Holzkohle. Im Dreißigjährigen Krieg lag der Bergbau darnieder, die Erzlagerstätten waren weitgehend ausgebeutet. Alexander von Humboldt versuchte im 18. Jahrhundert, den Bergbau nochmals zu beleben. Viele Städte und Orte (z. B. Wunsiedel, Weißenstadt, Arzberg, Fichtelberg-Neubau, Goldkronach) verdanken ihre Entstehung dem Bergbau.

Einen Einblick in die Bergbaugeschichte des Fichtelgebirges vermitteln

Traditionen[Bearbeiten]

Osterbrunnen in Marktleuthen

Von den Hugenotten wurde die Osterdekoration der Brunnen (Osterbrunnen) in Form einer Lilie (Emblem der Bourbonen-Könige) eingeführt (so ein Artikel im April 2007 in der Fränkischen Post). Das Wunsiedler Brunnenfest, das größte Heimatfest in der Kreisstadt, hat mit den Osterbrunnen nichts gemeinsam, es hat eine andere Entstehungsgeschichte. Die traditionell auf der Freilichtbühne der Luisenburg bei Wunsiedel stattfindenden Luisenburg-Festspiele gehen bis in das 17. Jahrhundert zurück. In vielen Städten des Fichtelgebirges finden jährlich so genannte Wiesenfeste statt, die von den Schulen durchgeführt werden mit themenorientierten Umzügen, Volkstänzen und Spielen.

Wirtschaft, Tourismus und Gesundheit[Bearbeiten]

Während der Bergbau heutzutage nur noch von historischem Interesse ist, werden an zahlreichen Orten im Fichtelgebirge noch Glaswaren erzeugt, die man dort auch günstig kaufen kann. International bekannt und deutschlandweit führend ist die Porzellanindustrie, deren Zentrum die Stadt Selb ist. Firmen wie Rosenthal oder Hutschenreuther genießen Weltgeltung. Weitere Unternehmen widmen sich der Kunststoffherstellung, dem Maschinenbau und der Metallerzeugung, der Textilverarbeitung und gehören zum Ernährungsgewerbe. Steinbearbeitungsbetriebe verarbeiten einheimischen und ausländischen Granit. Hochinnovative Unternehmen sind in den Bereichen Green-Tech und Neue Materialien vorhanden.

Der Tourismus stellt heute für viele Gemeinden im Fichtelgebirge die Haupteinnahmequelle dar. In einigen Orten wie beispielsweise Bischofsgrün hat der Tourismus eine lange Tradition seit den 1920er-Jahren; nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Zustrom der Urlaubsreisenden sowohl im Sommer zum Wandern als auch im Winter für den Wintersport stark zu. Das Fichtelgebirge entwickelte sich zum Hausgebirge der (West-)Berliner, die über die Transitstrecke der A 9 anreisen konnten. Dies hat sich mit der Wiedervereinigung und einem veränderten Angebot an Mittelgebirgs-Ferienlandschaften verändert.

Im Winter hat das Fichtelgebirge eine auch überregionale Bedeutung als Wintersportgebiet. Mehrere Lifte, die längsten zwei Sessellifte am Ochsenkopf, sowie gespurte Loipen bilden die Grundlage hierfür.

Kur- und Rehabilitationseinrichtungen befinden sich in Bad Berneck (Kneippheilbad), Bischofsgrün (Heilklimatischer Kurort), Bad Alexandersbad (Mineral- und Moorbad) und Weißenstadt (Kurhotel mit Radonbad). Mineralquellen gibt es in Bad Alexandersbad, Kothigenbibersbach (Gemeinde Thiersheim), Blumenthal bei Selb, Hohenberg an der Eger, König-Otto-Bad (Markt Wiesau) und Kondrau (Stadt Waldsassen).

Naturpark[Bearbeiten]

Auf einer Fläche von 1020 km² wurde der Naturpark Fichtelgebirge geschaffen. Kleinere Teile befinden sich im Přirodní park Smrčiny (deutsch: Naturpark Fichtelgebirge) im Nordwesten Tschechiens.[5] Der südliche Bereich des Naturraumes Fichtelgebirge, der Steinwald, liegt im Naturpark Steinwald.

Fauna[Bearbeiten]

Am 30. Dezember 2011 erbrachte eine Kamerafalle am Schneeberg den Beweis für die Anwesenheit eines Wolfes im Fichtelgebirge.[6]

Berge[Bearbeiten]

Regierungsbezirke und Landkreise[Bearbeiten]

Der Naturraum Fichtelgebirge liegt in den bayerischen Regierungsbezirken Oberfranken und Oberpfalz. Es werden folgende Landkreise berührt:

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten]

Johann Wolfgang von Goethe im Fichtelgebirge[Bearbeiten]

Johann Wolfgang von Goethe schrieb in einem Brief an Charlotte von Stein „Der Granit lässt mich nicht los!“ Der Dichter und Naturwissenschaftler unternahm drei Reisen in das Fichtelgebirge, bei denen er sich ernsthaft mit naturwissenschaftlichen Problemen auseinandersetzte. Zwei seiner Reisen verband er mit Fahrten von Weimar nach Karlsbad, die letzte unternahm er eigens von Eger aus ins Fichtelgebirge.

Erste Reise 1785[Bearbeiten]

Begleitet wurde er von Karl Ludwig von Knebel und Friedrich Gottlieb Dietrich. Am 30. Juni 1785 führte die Reise von Hof über Marktleuthen nach Wunsiedel, noch am gleichen Tag wurden der Katharinenberg und Alexandersbad besucht. Bei einer Fußtour ging es am 1. Juli von Wunsiedel über Leupoldsdorf zum Seehaus (damals Zechenhaus genannt), nach Karches und zur Weißmainquelle (damals Fürstenbrunnen genannt), dann zum Gipfel des Ochsenkopfes, wo unterwegs die seltene Pflanze Sonnentau bewundert wurde. Der Rückweg ging über den Seehügel hinüber zum Nußhardt und zum Weißen Fels, dann nach Vordorfermühle und Vordorf (jetzt zur Gemeinde Tröstau gehörend) nach Wunsiedel zurück. Goethe fertigte dabei einige Zeichnungen von Felsformationen an und trieb geologische Studien. Der 2. Juli war ein Regentag, weshalb nur einige Besichtigungen in Wunsiedel stattfanden. Am 3. Juli waren der Luisenburg (damals noch Luxburg genannt) und dem Burgsteinfelsen gewidmet, wobei wieder einige Zeichnungen von der Granitverwitterung entstanden. Die Weiterreise am 4. Juli führte über Holenbrunn, Göpfersgrün, Thiersheim, Schirnding und Mühlbach nach Eger. Goethe zeigte lebhaftes Interesse an den „geologischen Merkwürdigkeiten“ Marmor, Speckstein und Basalt, die am Reiseweg vorkamen.

Zweite Reise 1820[Bearbeiten]

Als 71-Jähriger befand er sich wieder auf einer Fahrt in die westböhmischen Bäder, ein Abstecher brachte ihn am 25. April nach Alexandersbad, wo er im Alten Schloss logierte. Nach dem Mittagessen begab er sich auf die Luisenburg, die nun durch Wege weitgehend erschlossen war. Er erklärte die Entstehung des Felsenlabyrinths als einen ganz langsam ablaufenden Verwitterungsprozess. Am 26. April folgte die Weiterreise nach Karlsbad.

Dritte Reise 1822[Bearbeiten]

Am 13. August kam Goethe über Eger, Waldsassen und Mitterteich nach Marktredwitz, um die berühmte Chemische Fabrik von Wolfgang Kaspar Fikentscher zu besichtigen; begleitet wurde er von Joseph Sebastian Grüner, Magistrat- und Polizeirat in Eger. Bis zum 18. August wurde die Quecksilberherstellung begutachtet und die Glashütte bei Brand aufgesucht, wo 17 Arbeiter große Fenstertafeln herstellten; es folgten chemische und pyrotechnische Versuche. Es hat den Anschein, dass es dem 73-jährigen Goethe wegen der Fikentscher-Töchter in Marktredwitz besonders gut gefallen hat.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietmar Herrmann: Vom Bergbau im Fichtelgebirge. Heft 11 und 12 der Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichts- und Landeskunde des Fichtelgebirges“, Verlag Buchhandlung Kohler, Wunsiedel
  • Reinhard Feldrapp, Bernd Häuser: Fichtelgebirge. Streifzüge durch das granitene Hufeisen. Echter Verlag 2003, ISBN 3-429-02539-7
  • Dietmar Herrmann: Lexikon Fichtelgebirge. Ackermann-Verlag, Hof, ISBN 3-929364-18-2
  • Reinhard Müller, Horst Ruhl: Mit Kindern im Fichtelgebirge. Wo Wandern zum Erlebnis wird. Fleischhauer & Spohn Verlag, Bietigheim 1994, ISBN 3-87230-520-4
  • Gerhard Bayerl, Manfred Schultes, Bernhard Setzwein: Steinmeer und Siebenstern. Druckhaus Oberpfalz 2000, ISBN 3-924350-84-1
  • Karl-Heinz Mayer: Die Forstgeschichte des Fichtelgebirges. (Dissertationsschrift.) Forstliche Forschungsberichte München, Nr. 167. Frank, München 1998, 297 (VII/XI) S.
  • Fichtelgebirge, Frankenwald, Coburger Land. Vom Oberen Maintal bis zum Vogtland. HB-Verlags- und Vertriebsgesellschaft 1998 (HB Bildatlas: H.190), ISBN 3-616-06290-X
  • Gernot Messarius: Fichtelgebirge. Steinwald. Bayreuth, Kulmbach, Hof. Goldstadtverlag, Pforzheim 2002 (Goldstadt Reiseführer Bd. 318), ISBN 3-89550-318-5
  • Godehard Schramm, Bernd-Heinz Häuser: Fichtelgebirge-Frankenwald-Steinwald. Die schönsten Ausflugsziele. Rosenheimer Verlagshaus 1992, ISBN 3-475-52732-4
  • Reinhard Feldrapp, Günter Hertel: Das Fichtelgebirge. H. Stürtz, Würzburg 1984, ISBN 3-8003-0220-9
  • Friedrich Wilhelm Singer, Georg Pöhlein: Fichtelgebirge. Das granitene Hufeisen. Oberfränkische Verlagsanstalt, Hof 1983, ISBN 3-921615-54-2
  • Dietmar Herrmann: Der Ochsenkopf im Fichtelgebirge, Heft 17/2009 der FGV-Schriftenreihe Das Fichtelgebirge
  • Dietmar Herrmann: Gewässerkunde Fichtelgebirge, in: Der Siebenstern 2003, S. 4-40

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. Meynen und J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953-1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. Karl Heinrich Vollrath: Viola in Nordostbayern (Seite 132-133)
  4. Smrčiny (Fichtelgebirge)
  5. Naturpark Smrčiny
  6. Ein Wolf im Fichtelgebirge

Wanderkarten[Bearbeiten]

  • Naturpark Fichtelgebirge und Naturpark Steinwald. Wanderkarte. Mit tourist. Hinweisen, farb. Wegemarkierung u. Wanderparkplätzen. Offizielle Wanderkte. d. Fichtelgebirgsvereins u. d. Naturparkes Fichtelgebirge 1:50.000 17. Aufl. Fritsch Landkarten-Verlag Hof (Fritsch Karten: Nr. 52) o. J., ISBN 3-86116-052-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fichtelgebirge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Fichtelgebirge – Reiseführer