Homosexualität in Marokko

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Geografische Lage von Marokko

Homosexuelle Handlungen sind in Marokko strafbar und in der Gesellschaft weitgehend tabuisiert.

Illegalität[Bearbeiten]

Laut Artikel 489 des Strafgesetzbuches sind homosexuelle Handlungen in Marokko illegal und können mit einer Haftstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren und einer Geldstrafe von 120 bis 1200 Dirham bestraft werden. Dennoch wird homosexueller Verkehr, besonders in Urlaubsgebieten praktiziert und gegen Geld angeboten. Auf Druck von moslemischer Seite wird das Gesetz jedoch wieder verstärkt angewendet. 2004 wurden ein 66-jähriger Brite und ein 18-jähriger Marokkaner unter dem Schutzalter zu jeweils einem Jahr Gefängnis verurteilt.[1]

Oftmals kommt es zu Festnahmen marokkanischer Callboys, wobei europäische Freier in den seltensten Fällen ebenfalls verhaftet werden.

Ein Gericht in Marrakesch verurteilte im Jahr 2006 13 Männer, die an einem Set für einen schwulen Pornografiefilm beteiligt waren, zu insgesamt 30 Jahren Haft, von sechs Monaten bis zu sechs Jahren für die einzelnen Angeklagten.[2]

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Es existiert kein Antidiskriminierungsgesetz in Marokko.

Lebenspartnerschaften[Bearbeiten]

Eine staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren besteht infolge der Illegalität nicht.

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Gesellschaftlich werden homosexuelle Handlungen als unmoralisch betrachtet und als Tabuthema behandelt. Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren werden in Marokko auf Grund der staatlichen und gesellschaftlichen Verfolgung normalerweise nicht in der Öffentlichkeit gezeigt.[3]

Auf klassische Geschlechterrollen wird in Marokko großer Wert gelegt. Es existiert jedoch, besonders in Marrakesch und in geringerem Umfang auch in Agadir und Tanger, vor allem unter europäischen Urlaubern und Auswanderern, eine relativ große Schwulen- und Lesbenszene. Auch in Casablanca hat sich – nicht zuletzt über das Internet – eine zunehmend mutigere Szene junger Schwuler gebildet, die von staatlichen Organen bisher weitgehend geduldet wird. Seit 2010 erscheint in Rabat mit Mihli („schwul“) das erste Magazin für Homosexuelle in der arabischsprachigen Welt, das in Spanien gedruckt und in dem unter Pseudonymen geschrieben wird. Da es in Marokko nur konspirativ und in geringer Auflage vertrieben werden kann, ist es auch komplett im Netz einsehbar.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wueer.de: in Marokko verurteilt, 5. Oktober 2004.
  2. Morocco Times, 6. März 2006
  3. Die Zeit:Schwuler Tabubruch in einer homophoben Welt
  4. Mithly.net