Informationsüberflutung

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Informationsüberflutung (auch Informationsflut, engl. information overload oder information flood) bezeichnet den Zustand einer Person, „zu viele“ Informationen zu einem Thema zu besitzen, um eine Entscheidung treffen zu können.

Die englische Bezeichnung Information overload wurde 1970 von Alvin Toffler in seinem Buch Future Shock geprägt.

Der Ausdruck wird gewöhnlich verwendet im Zusammenhang mit verschiedenen Formen der netzbasierten Kommunikation wie beispielsweise

Bei E-Mails werden Informationen im Sinne einer push-Kommunikation an die Empfänger versendet, wobei Nachrichten als Carbon Copy zugleich an viele Empfänger versendet werden können. Durch dieses sogenannte Posting (vergleichbar mit einem 'schwarzen Brett, das eine Information ebenfalls teil-öffentlich macht) steigt die Gesamtzahl der Nachrichten erheblich. Große Mengen („Flut“) an alten Daten, an neu hinzugefügten Daten, Widersprüche in vorhandenen Daten und ein niedriges Signal-Rausch-Verhältnis, also ein hohes Rauschen (im übertragenen Sinne), machen es schwierig, Informationen zu filtern (= Wichtiges von Unwichtigem und Interessantes von Uninteressantem zu trennen). Unwissen über Methoden des Vergleichens und Aufarbeitens von Informationen kann diesen Effekt verstärken.

Umgang mit Informationsüberflutung[Bearbeiten]

Ansatzpunkte, um einer Informationsüberflutung entgegenzuwirken, sind:

  • die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Informationen zu verbessern. Dazu gehört Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Zeitmanagement, Informationsmanagement und Medienkompetenz mit dem Ziel, systematisch Prioritäten setzen zu können.
  • die Qualität von Informationen im Arbeitsumfeld zu verbessern. Dies kann beispielsweise durch die Einführung von Qualitätsstandards und Regeln für Information und Kommunikation sowie durch bessere Strukturierung und Visualisierung von Information geschehen.
  • die Arbeitsorganisation zu verbessern. Dazu gehört, dass wichtige Arbeiten ohne Unterbrechung bearbeitet werden können. An Informationslieferanten sollte klar kommuniziert werden, welche Informationen benötigt werden und welche nicht. Zum Filtern und Organisieren von Informationen kann Technologie (z.B. E-Mail-Filter) eingesetzt werden, wenn das entsprechende Know-How vorhanden ist.

Online-Communitys[Bearbeiten]

Durch die je nach Person begrenzte Möglichkeit, Informationen zu verarbeiten, werden Online-Communitys in ihrer Aktivität eingeschränkt. Mit steigender Anzahl der Beiträge reagieren Community-Mitglieder mit dem Ignorieren von Informationen, dem Verringern ihrer Beiträge oder dem gänzlichen Verlassen der Community; in solchen mit hohem Wachstum an Mitgliedern wurde zugleich eine steigende Abwanderung und sinkende Beitragszahlen von bisherigen Mitgliedern beobachtet, was neben dem sogenannten sozialen Faulenzen der Informationsüberflutung als Gegenpart zum Netzwerkeffekt zugeschrieben wird.

Die Wirksamkeit einer Informationsüberflutung hängt stark von den jeweiligen Software ab. Sie wird etwa in Communitys, in denen asynchrone Kommunikation vorherrscht, für geringer angesehen als bei solchen mit synchroner Kommunikation.[1][2]

Zitate[Bearbeiten]

„Die durch moderne Technologien erzeugte Informationsflut droht deren Adressaten in Passivität versinken zu lassen. Seely Brown trifft hier eine hilfreiche Unterscheidung zwischen Information und Kommunikation. Eine Überfülle an Information ist kein nebensächliches Problem. Große Mengen an Rohdaten bilden eine politische Tatsache. Die wachsenden Datenmengen führen zu einer Zentralisierung der Kontrolle. In der Kommunikation verringert sich dagegen die Informationsmenge durch die Interaktion der Menschen und ihre Interpretationen. Bearbeiten und Weglassen sind Verfahren, die eine Dezentralisierung der Kommunikation bewirken.“

Richard Sennett[3]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Sandra Schaffert, Diana Wieden-Bischof: Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys. Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen. Salzburg Research Forschungsgesellschaft, Saltzburg 2009, ISBN 978-3-902448-13-2, S. 38. als Vorschau verfügbar bei Google bücher, zuletzt geprüft am 14. April 2011
  2. Timo Beck: Web 2.0: User-Generated Contend in Online Communities. A theoretical and empirical investigation of its Determinatns. Diplomica Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8366-5492-0, S. 24–27. als Vorschau verfügbar bei Google bücher (englisch), zuletzt geprüft am 14. April 2011
  3. Richard Sennett: Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8270-0600-7 , S. 136.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin J. Eppler, Jeanne Mengis: The concept of information overload: a review of literature from organization science, accounting, marketing, MIS, and related disciplines. In: The Information Society, 20, 2004, S. 325-344.

Weblinks[Bearbeiten]