James Herriot

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Das Haus von Wights ehemaliger Praxis in Thirsk

James Alfred „Alf“ Wight (* 3. Oktober 1916 in Roker, Sunderland; † 23. Februar 1995 in Thirlby bei Thirsk), besser bekannt unter seinem Pseudonym James Herriot, war ein englischer Tierarzt und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Wight wurde am 3. Oktober 1916 in Sunderland, England, als Sohn von James Henry Wight und Hannah Bell Wight geboren. Sein Vater war hauptsächlich Schiffsschlosser, aber auch nebenberuflich als Musiker tätig, etwa als Stummfilmpianist in unterschiedlichen Kinos. Seine Mutter war professionelle Sängerin und betrieb später zur Finanzierung von Wights Ausbildung außerdem eine Schneiderei.[1]

Drei Wochen nach Wights Geburt zog die Familie nach Glasgow um, weil sich dort den musikalischen Tätigkeiten der Eltern mehr Chancen boten als in Sunderland.[2] In Glasgow besuchte Wight von 1921 bis 1928 die Yoker Primary School und von 1928 bis 1933 die Hillhead High School. Anschließend studierte er Veterinärmedizin am Veterinärmedizinischen College in Glasgow und graduierte im Dezember 1939. In seiner Freizeit trieb er viel Sport, vor allem Football und Tennis, und wanderte mit Freunden oft und viel durch das Bergland rund um Glasgow.

Nach Abschluss seines Studiums war Wight zunächst als Assistent in der Tierarztpraxis von J. J. McDowall in Sunderland tätig, wo er bereits als Student Praktika absolviert hatte. McDowall hielt viel von Wight und überließ ihm oftmals allein die Praxis, konnte ihm jedoch aus finanziellen Gründen keine dauerhafte Anstellung bieten. Daher wechselte Wight am 18. Juli 1940 zur Tierarztpraxis von J. Donald Sinclair in Thirsk, wo er nicht nur ein festes Gehalt, sondern von Anfang an auch einen Anteil am Gewinn bekam. Da Sinclair schon kurz nach Wights Eintreten in die Praxis zum Militär einberufen wurde, hatte Wight, wenig erfahren und in unbekanntem Gebiet, die Praxis allein zu führen, was mit harter Arbeit, aber auch intensiven Erfahrungen verbunden war.[3] Doch schon nach einigen Wochen wurde Donald Sinclair wieder aus dem Militärdienst entlassen. Mit ihm und seinem jüngeren Bruder Brian, der noch studierte, aber in der Praxis mithalf, erlebte Wight viele der Ereignisse, die er später in seinen Büchern schilderte.

1941 lernte Wight auf einer Tanzveranstaltung die Sekretärin Joan Catherine Anderson Danbury kennen; sie heirateten am 5. November 1941 in Thirsk. Die finanzielle Situation des Paares gestattete als Feier nur einen Sektempfang nach der kirchlichen Trauung. Insbesondere Wights Mutter war enttäuscht darüber, dass ihr einziger Sohn ein einfaches Mädchen aus mittelloser Familie heiratete. Für Wight, der seine Eltern sehr liebte, aber auch davon überzeugt war, genau die richtige Partnerin gefunden zu haben, war das ein anstrengender Konflikt.[4]

Im März 1941 hatte die deutsche Luftwaffe Glasgow bombardiert und dabei Wights Elternhaus schwer beschädigt. Unter diesem Eindruck hatte sich Wight freiwillig zur Royal Air Force gemeldet, obwohl er als Tierarzt vom Militärdienst freigestellt war. Im November 1942 wurde er einberufen und zum Piloten ausgebildet, jedoch im August 1943 als medizinisch untauglich entlassen. Grund dafür waren eine Analfistel, an der er schon zeitlebens gelitten hatte, und eine beim Militär stümperhaft ausgeführte und medizinisch unnötige Extraktion.[5]

Wights bekamen zwei Kinder: James Alexander Wight (* 13. Februar 1943) wurde ebenfalls Tierarzt und übernahm die väterliche Praxis. Rosemary Wight (* 9. Mai 1947) wurde Humanmedizinerin.

Am 2. Mai 1949 trat Wight als vollwertiger Teilhaber in Sinclairs Praxis ein – ein Schritt, zu dem sich Sinclair lange nicht hatte entschließen können. Der feste Gewinnanteil bedeutete für Wight einen großen finanziellen Fortschritt.[6] Im Winter 1953 zog Familie Wight aus dem alten und viel zu großen Praxishaus in ihr eigenes Haus „Rowardennan“ um.[7]

1961 begleitete Wight als betreuender Tierarzt einen Schafstransport per Schiff nach Klaipėda (Memel), 1963 einen Rindertransport per Flugzeug nach Istanbul.

1975 erhielt Wight den American Veterinary Medical Association’s Award of Appreciation (Anerkennungspreis der amerikanischen Tierärztevereinigung).

1992 wurde bei Wight Prostatakrebs diagnostiziert, worauf er sich in das Lambert Memorial Hospital in Thirsk in Behandlung begab.

Wight starb am 23. Februar 1995, 78 Jahre alt, in seinem Haus in Thirlby.

Werke[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Das Hochland der Yorkshire Dales, wo die Herriot-Geschichten spielen, hat heute noch denselben Charakter wie zu Herriots Zeiten

1966 begann Wight damit, unter dem Pseudonym James Herriot Geschichten über seine Erlebnisse als Tierarzt mit Kunden und Patienten zu schreiben. In zahlreichen kurzen und humorvollen Erzählungen schildert er dort auch autobiographisch seinen beruflichen und privaten Lebensweg sowie seine Zeit bei der Royal Air Force (in All Things Wise and Wonderful) und seine beiden geschäftlichen Auslandsreisen (in The Lord God Made Them All).

Hinter den Charakteren Siegfried Farnon und Tristan Farnon in den Büchern stecken tatsächlich die Persönlichkeiten der Brüder Donald und Brian Sinclair. Einwänden von Lesern, der echte Donald Sinclair sei doch sicher nicht so exzentrisch wie der Siegfried Farnon in den Büchern, entgegnete Wights Sohn Jim:

„‘You are right!’ is my usual reply. ‘He was not like that at all. His character was considerably toned down.’“

„‚Das stimmt!‘, antworte ich dann immer. ‚Er war überhaupt nicht so. Sein Charakter wurde [in den Büchern] beträchtlich abgemildert.‘“[8]

Den Handlungsort seiner Geschichten verlegte Wight in die Yorkshire Dales, die eigentlich nicht zu seinem zentralen Arbeitsfeld in Thirsk gehörten, ihn als Landschaft aber tief beeindruckten.[9] Fast alle Personen-, Orts- und Flurnamen in den Erzählungen sind frei erfunden, die Schilderungen lehnen sich jedoch an tatsächlich existierende Originale an, wenn diese auch meist in der Gegend um Thirsk wohnten und nicht in den 50 km entfernten Yorkshire Dales. Auch sind die Geschichten kaum ausgeschmückt, sondern haben sich zum großen Teil tatsächlich so oder ähnlich ereignet.[10] Das fiktive Städtchen Darrowby, in dem sich in den Büchern die Praxis befindet, ist aus den tatsächlichen Ortschaften Richmond, Leyburn, Thirsk und Middleham zusammengesetzt.[11]

Adaptionen[Bearbeiten]

Sein erstes Buch If Only They Could Talk (wörtlich: Wenn sie doch nur reden könnten, auf Deutsch teilweise enthalten in Der Doktor und das liebe Vieh) wurde 1974 mit Simon Ward in der Titelrolle und Sir Anthony Hopkins als Siegfried Farnon verfilmt.

1978 begann die BBC mit der Verfilmung der Herriot-Bücher zur TV-Serie „All Creatures Great And Small“. Die Serie war ab 1979 auch im deutschen Fernsehen unter dem Titel „Der Doktor und das liebe Vieh“ erfolgreich und machte „James Herriot“ in Deutschland bekannt.

Das Pseudonym „James Herriot“[Bearbeiten]

Alf Wight durfte seine Bücher nicht unter seinem richtigen Namen veröffentlichen, da dies als Eigenwerbung aufgefasst worden wäre, die Angehörigen des Royal College of Veterinary Surgeons laut Satzung verboten war.[12] Zuerst schrieb er unter dem Pseudonym „James Walsh“, musste diesen Namen jedoch fallenlassen, als sich herausstellte, dass ein registrierter Tierarzt ihn trug.

Als Wight im Fernsehen ein Fußballspiel zwischen Birmingham City und Manchester United sah, wobei für Birmingham City „Jim Herriot“ im Tor stand, beschloss er, sich „James Herriot“ zu nennen. Der Sportler erfuhr von dieser Namenspatenschaft erst 1988 durch einen Zeitungsartikel.

Museum[Bearbeiten]

The World of James Herriot, Eingang und Shop
Ortsschild von Thirsk „Home of James Herriot“

Das Haus 23 Kirkgate, Thirsk, in dem Wight lange Zeit wohnte und praktizierte, wurde nach dem Tod des letzten Teilhabers der Tierarztpraxis zum Museum „The World of James Herriot“ umgestaltet, wobei die von Wight beschriebenen Räumlichkeiten in authentischem Zustand bewahrt werden.

Die Gegend um Thirsk zwischen dem North York Moors National Park im Osten und dem Yorkshire Dales National Park im Westen wird mittlerweile auch Herriot Country genannt.

Thirsk trägt auf seinen Ortsschildern den Untertitel „Home of James Herriot“.

Ausgaben[Bearbeiten]

Die englischen Originale sind heute in fünf Sammelbänden erhältlich:

  • All Creatures Great And Small (enthält die ursprünglichen Werke If Only They Could Talk und It Shouldn’t Happen To A Vet)
  • All Things Bright And Beautiful
  • All Things Wise And Wonderful
  • The Lord God Made Them All
  • Every Living Thing

Die ersten vier Titel sind der Strophe eines Kirchenliedes von Cecil Frances Alexander (1818–1895) entnommen.

Im Deutschen sind Wights Erzählungen in der Regel nicht in den Zusammenstellungen der englischen Originalausgaben erschienen, sondern neu kombiniert worden. Viele seiner Erzählungen, darunter auch eine Reihe Kinderbücher, sind bis heute nicht ins Deutsche übersetzt worden.

  • Der Doktor und das liebe Vieh (1979) – Auswahl aus den Originalwerken: If Only They Could Talk (1970), It Shouldn’t Happen to a Vet (1972) und Let Sleeping Vets Lie (1973)
  • Der Tierarzt (1980) – Auswahl aus den Originalwerken: Let Sleeping Vets Lie und Vet in Harness (1974)
  • Der Tierarzt kommt (1982) – Auswahl aus dem Originalwerk: The Lord God Made Them All (1981)
  • Ein jegliches nach seiner Art (1996) – Übersetzung von: Every Living Thing (1992)
  • Auf den Hund gekommen: Zehn tierische Geschichten (2000) – Übersetzung von: James Herriot’s Favourite Dog Stories (1995)
  • Alles für die Katz: Zehn schnurrige Geschichten (2001) – Übersetzung von: James Herriot’s Cat Stories (1994)
  • Dr. James Herriot, Tierarzt (1976)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2
  2. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, S. 15
  3. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, Kap. 7
  4. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, Kap. 10
  5. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, Kap. 12
  6. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, S. 1622
  7. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, S. 188
  8. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, S. 91
  9. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, Kap. 8
  10. Jim Wight: The Real James Herriot: The Authorized Biography. Penguin Books, 2000, ISBN 0-14-026881-2, Kap. 8
  11. James Herriot in Yorkshire, destinations-uk.com, abgerufen am 2. April 2014
  12. Herkunft des Pseudonyms James Herriot