Jean-François Copé

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Jean-François Copé (2008)

Jean-François Copé (* 5. Mai 1964 in Boulogne-Billancourt) ist ein französischer Politiker der konservativen Oppositionspartei UMP und war vom 20. November 2012[1] bis zum 15. Juni 2014[2] Vorsitzender seiner Partei.

Leben[Bearbeiten]

Jean-François Copé ist der Sohn des Krebsspezialisten Roland Copé und dessen Ehefrau Monique Ghanassia. Seine Familie stammt väterlicherseits aus Bessarabien (der ursprüngliche Familienname, den Copés Vater zu Copé verkürzte, war Copelovici), mütterlicherseits aus Algerien, beide waren jüdischen Glaubens. Copé bezeichnet sich selbst als nicht praktizierenden Juden und überzeugten Anhänger des Laizismus.[3]

Copé absolvierte zwei Elitehochschulen, die SciencesPo und 1987 bis 1989 die École nationale d'administration (ENA). Er ist Jurist, und arbeitete bis 2011 als Anwalt[4] und als Hochschullehrer für Wirtschaft und Finanzen an der Pariser SciencesPo. Seine Tätigkeit als Anwalt nahm er nach seinem Rücktritt als Parteivorsitzender wieder auf.[2]

1995 wurde Copé als Ersatzkandidat für den zum Minister ernannten Guy Drut Abgeordneter der Nationalversammlung für den RPR; nach der Wahlniederlage des RPR 1997 ging sein Mandat wieder an Drut zurück. Seit 2002 ist Copé wieder Mitglied der Nationalversammlung für das Département Seine-et-Marne, unterbrochen für die Zeit seiner Mitgliedschaft in der Regierung.

2002 wurde Copé Staatssekretär im ersten und zweiten Kabinett von Jean-Pierre Raffarin. Er war im Geschäftsbereich des Premierministers zuständig für die Beziehungen zum Parlament und Regierungssprecher. Im Kabinett Raffarin III wurde er im März 2004 zunächst beigeordneter Minister im Innenministerium und im Zuge einer Kabinettsumbildung im November 2004 dann beigeordneter Minister für den Haushalt (ministre delegué au budget) im Finanzministerium; diese Position behielt er in der Regierung von Dominique de Villepin. Nach der Präsidentschaftswahl 2007 schied er aus der Regierung aus.

Von 2007 bis 2010 amtierte er als Vorsitzender der Fraktion der Regierungspartei UMP in der Nationalversammlung[5] und wurde schließlich am 17. November 2010 als Nachfolger von Xavier Bertrand Generalsekretär der Partei.

Nach der französischen Präsidentschaftswahl 2012 und der Abwahl Nicolas Sarkozys wurde am 18. November 2012 Copé zum Parteivorsitzenden der UMP gewählt und setzte sich damit gegen den früheren Premierminister François Fillon durch. Die Mitgliederabstimmung wurde durch Manipulationsvorwürfe überschattet und sowohl Copé als auch Fillon erklärten sich zwischenzeitlich beide zum Wahlsieger. Eine interne Wahlkommission erklärte einen Tag später Copé zum neuen Parteivorsitzenden, der sich mit 50,03 Prozent der Stimmen gegen Fillon (49,97 Prozent) habe durchsetzen können.[6] Fillon erkannte seine Niederlage nicht an und gab bekannt, Fehler bei den Wahlergebnissen entdeckt zu haben.[7] Nach wochenlangen Diskussionen um das Wahlergebnis einigten sich beide Seiten auf eine Lösung, nach der Copé Parteivorsitzender bleibt, aber bereits im September 2013 eine Neuwahl stattfindet, zwei Jahre vor dem regulären Termin.[8]

Am 27. Mai 2014 erklärte Copé seinen Rücktritt als Parteivorsitzender der UMP zum 15. Juni 2014, ebenso trat die gesamte Parteiführung zurück. Vorausgegangen waren Vorwürfe gegen die Partei und gegen Copé persönlich, unter anderem im Wahlkampf für Nicolas Sarkozy 2012 Aufträge in erheblicher Höhe ohne Ausschreibung an eine Werbeagentur geleistet zu haben, deren Inhaber mit Copé befreundet sind. Die Werbeagentur selbst erklärte, sie habe auf Aufforderung der UMP der Partei Rechnungen über nicht erbrachte Leistungen gestellt, mit denen tatsächlich Leistungen aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2012 abgegolten worden seien. Damit, so der Vorwurf, soll die UMP die geltende Höchstgrenze für Wahlkampfausgaben bei einer Präsidentschaftswahl umgangen haben.[9] Einen Tag vor dem Rücktritt Copés hatte der ehemalige stellvertretende Leiter der Wahlkampagne von Sarkozy die Vorwürfe zugegeben, dabei aber erklärt, weder Copé noch Sarkozy hätten von den Vorgängen gewusst.[10]

Copé ist seit 2005, wie schon 1995 bis 2002, Bürgermeister der Stadt Meaux.[11]

Sonstiges[Bearbeiten]

2011 wurde er von der Académie de la Carpette anglaise dafür gerügt, die Verwendung des Englischen in der Schule und im Fernsehen zu fördern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-François Copé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/politik/ausland/cope-ist-neuer-chef-von-frankreichs-ump-die-partei-ist-tief-gespalten-a-868153.html
  2. a b Jean-François Copé va reprendre son activité d'avocat. Le Parisien (online), 13. Juni 2014, abgerufen am 28. Juni 2014 (französisch).
  3. Biografie Persönliche Webseite (fr)
  4. Copé abandonne son activité d'avocat Le Figaro Online, 17. November 2011 (fr)
  5. Profil von Copé Webseite Assemblée Nationale (fr)
  6. Simon, Stefans: UMP in der Krise: Frankreichs Konservative wählen die Spaltung bei Spiegel Online, 20. November 2012 (abgerufen am 20. November 2012).
  7. Französische Farce: Copé gibt UMP-Vorsitz nicht verloren bei handelsblatt.com, 22. November 2012 (abgerufen am 22. November 2012).
  8. Samuel Laurent, Jonathan Parienté: UMP : l'accord entre Fillon et Copé décrypté. Le Monde.fr, 18. Dezember 2012, abgerufen am 18. Dezember 2012 (französisch).
  9. Si vous n'avez rien suivi au scandale qui secoue l'UMP. Le Monde (online), 4. März 2014, abgerufen am 27. Mai 2014 (französisch).
  10. L'affaire Bygmalion devient «l'affaire des comptes de campagne du candidat Sarkozy». Le Parisien (online), 26. Mai 2014, abgerufen am 28. Juni 2014 (französisch).
  11. Bürgermeister von Meaux Webseite Ville de Meaux (fr)